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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-11 · 11 (11.3.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Orstrrreichifchr Wochenschrift. Seite 187 geführtes Singspiel, nach dessen Beendigung eine frohe „Fidelitas" die Mitglieder und viele Gäste noch lange Zusammenhielt. Berlin, 28. Februar. Die Gesellschaft zurDerb r e i tu n g d e r H a n d we rke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate versendet einen Aufruf, dem wir folgendes' entnehmen: „Die Zahl der von uns unterstützten Lehrlinge erreicht fast die Höhe von Hundert. Unsere Inspektoren sind mit aufopfernder Thätigkeit bemüht gewesen, die ihnen unterstellten Lehrlinge zu beaufsichtigen und zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden. Insbesondere haben sie unter Beseitigung aller Schwierigkeiten, welche ihnen von vielen Lehrmeistern entgegengestellt wurden, mit Strenge darauf gehalten, daß die Lehrlinge Fach- und Fortbildungsschulen regelmäßig besuchen. Sie wurden hierbei von dem Gedanken geleitet, daß nur diejenigen Lehrlinge tüchtige Menschen werden, welche ihre freie Zeit zum Besuche der erwähnten Schulen benutzen und so sich bestreben, sich auch geistig zu vervollkommnen. Mit fyreube können wir berichten, daß wir einigen unserer früheren Lehrlinge dazu verholfen haben, selbständig ein Geschäft zu begründen; wir hoffen, daß dieselben der ihnen hiedurch erwiesenen Wohlthat stets eingedenk bleiben werden. Aus der Bodenstein-Fraenkel-Slistung haben wir die Zinsen pro 1891 in Folge Bestimmung der Stifter einem Bildhauer, nachdem derselbe seine Lehrzeit beendet, zugetheilt. Seit langer Zeit beschäftigen wir uns damit, wie es angesichts der wachsenden Gefahren, welchen der Lehrling in der Weltstadt arlsgesetzt ist, zu ernlöglichen lväre, daß unsere Pflegebefohlenen auch nach vollendeter Tagesarbeit wirksam beaufsichtigt werden. Im Oktober 1891 ist die Frage einer glücklichen Lösung entgegengeführt worden. Wir haben zuPankov,Mühlenstr.l, ein Lehrlingsheim errichtet, welches unter Leitung eines Mannes steht, der sich zu dem ihm übertragenen Amte sowohl in praktischer wie in pädagogischer Beziehung qualifizirt. In dein Heim sind gegenwärtig sechs Lehrlinge untergebt acht; im Lause dieses Quartals erfolgt voraussichtlich die Ausnahme von weiteren vier Lehrlingen. Herr Wilinsti, der Leiter des Heims, ist mit Eifer darauf bedacht, das leibliche wie das geistige Wohl fcincv Zöglinge nach Kräften zu fördern, und die Letzteren sind sich der ihnen erwiesenen Wohlthat voll bewußt. Es erwachsen uns nlin aber durch unsere ausgedehnte Wirksamkeit bedeutende Kosten, und wir müssen Bedacht darauf nehmen, unsere Einnahmen zu vergrößern, sei es durch Schaffung eines eisernen Fonds, sei es durch jährliche Beiträge." Wir zlveifeln nicht, daß sowohl bei den Mitgliedern unserer jüdischen Gemeinde, als auch bei auslvärtigen Glaubensgellossen der Aufruf bcn wohlverdienten günstigen Erfolg haben wird. VenmMes Wie» (Trauungen am 6. März 1892.). Im Tempel der Inneren Stadt wurden getraut: Herr Bernhard F ü r t h mit Frl. CLeilie Klein: Herr Ludwig Thalberg mit Frl. Anna Elias; Herr Isidor Winternitz mit Frl Emma Trenner: Herr Tr. Carl Josephs mit Frl. Irene L ö w y; Herr Emil Storch mit Frl. Bertha Stahl. Wien. Freitag, den 11. d. M., 6 Ilbr Abends, bälr Herr Dr. B. Oppenheimer, Rabbiner in Mißlitz, im Tempel des IX. Bezirkes, Müllnergasse, eine Gastpredigt. Wien. (E i n g e l a u f e u e S p en de n.) Für die unglücklichen aus Rußland vertriebenen Inden ist uns von E. Edelhofer in Stockeran 1 fl. zugekommen. — Für die unglückliche Familie Lnbinger si'.ld uns aus Prag von M. B. Kohn 5 fl. zugekommen. — Herr Samuel Schäfer in Bajmok hat uns für das israel. Blindeninstitut in Wien fl. 10 als Spende zugehen lassen. Wien. Herr Dr. Lueger besitzt nicht die schlechte Eigenschast, immer und überall dummes Zeug zu reden, theillveise passirt ihm auch das Glück, daß er Vernünftiges spricht. Es ist zwar selten, aber es komnit vor. Bei Gelegenheit der Reichsrathsdebatteu über die Staatssubvention an die Donau- Dampfschlffsahrts-Gesellschaft erinnerte sich Herr Doctor Lueger der jüdischen Räubereien bei derselben, wahrscheinlich hatte er von den christlichen Verwaltungsräthen eine zu — gute Meinung über deren Ehrlichkeit. Aber wir wollen Dr. Lueger'8 Worte trotz alledem hier wiederholen sie sind charakteristisch genug für die Ehrenhaftigkeit des Wiener notablen Großprotzenthums und gleicher Zeit auch bezeichnend, wie Leute, die gesellschaftlich auf gleicher Stufe stehen, von einander denken. Der rühmlichst bekannte Herr Doctor Lueger sagte unter Anderem auch Folgendes: „Ich verlange nicht, daß die Directoren eingefperrt werden, sondern nur, daß sie ihre Millionen zurückgeben, es wäre schade, wenn ein so genialer Mensch, welcher Millionen stiehlt, im Gefängniß verkümmern müßte. Die moderne Polizei ist auch froh, wenn man nur das Gestohlene zurückqibt, der Dieb braucht nicht gefunden zu sein." Wie», 5. März. In K a l o c s a. der Residenz des kürzlich verstoß bene» genialen Cardinals Ludwig Haynald, starb vor einigen Tagen der im ganzen Ungarlande durch seine Frömmigkeit, umfassendes talmudisches W'ssen, durch seine Toleranz und echt liberale lichtvolle Beredtsamkeil, bestbekannte, von seiner Gemeinde ansnahmslos bewunderte und allverehrte Rabbiner I o s e f W o l f. Bon scirier fniheiten Jugend der theologisch-talmudischen Richtung geweiht, wollte Rabbi Wolf s. A. sein umfassendes Wissen nicht in den Dienst des Berufs cls Rabbi stellen, erst als das Augenmerk des hochgerühmten Rabbi Bernhard N i k o l a u e r, Oberrabbiners von Lipto-Szt. M klos, auf Rabbi Wolf fiel, der ihn zu seinem Schwiegersohn machte, sowie der belebende Einfluß des Oberrabbiners N a s ch e r, der ihm irn Tode voransgegang.'n, entschied sich der Verewigte vor 42 Jahren, die Seelsorge von Stadl und Bezirk Kaloesa zu übernehmen, und er lvar ein Führer geworden zum Heile und zum Segen seiner Gemeinde entflammend für seinen heiligen Beruf, von flamm»beschwingter Begeisterung, zu lernen und zu lehren, von unbeugsamem Pflicht- und Rechtsgefühl, ein Bater und Lehrer in des Wortes alleremiilentester Bedeutung. In stürmischer Zeit, inmitten der Brandung, die gegen Ende der 60er Jahre im ungarischen Judenthum die Streitwagen der Parteien anfwühlte, war Rabbi Wolf von den wenigen Rabbinern einer, die den alten Geist in neue Formen bannte, unentwegt fußend auf dem Stützvniikre gläubiger Wahrheit, von der Parteien Haß und Gunst n i e entstellt. Der unsterbliche Kardinal Haynald hat es wiederholt betont: „Rabbi Wolf ist ein Seelenhirte, so recht nach dem Willen Gottes" um seine bescheidene hochherzige Persönlichkeit schaarte sich, in einem Gefühle der Liebe vereint. Stadt und Bezirk, den Sarg des Verewigten umstanden wehklagend, in e i n Weh versenkt, alle d e Getrenen. die in dem Rabbiner Wolf den väterlichen Freund für immerdar verloren! So trugen sie die Hülle des Entseelten, wie bei den Priestern der biblischen Epoche, auf ihren Schultern nach dem Nachbarorte Paks, wo der entschlummerte große Denker und Gelehrte zur ewigen Ruhe all der Seite seiner Eltern gebettet ward. Die große und gerechte Trauer mündete ans den Grabreden der Rabbiner in die schmerzdurchtvühllen Herzen der Tausende, die es unfaßbar gesunden, daß der greise Rabbi von ihnen schied für immer. Die Söhne und die Freunde des Verblichenen gehen eben daran, die geistigen Schätze der Oeffentlichkeit zu übergeben, als ein Bermächtniß, als Beweis, was Rabbi Wolf während seines ganzen Lebens erfo.scht und erdacht. So ist wieder ein Strebepfeiler talmudischer Wisienschast geborsten .... Dock wenn auch eingesargt der irdische Stoff, der kranke, So lebet unvergänglich, unsterblich der — Gedanke. Prof. Ed. Nascher. Wien. Bezugnehmend auf die in den letzten Nummern unseres Blattes enthaltenen Notizen bezüglich des Schneidermeisters Johann Skoda in Wien, VI., Gumpendorferstraße Nr. 35, theilen wir heute mit, daß Herr Johann Skoda kein Antisemit ist. Wir werden unr Veröffentlichung nachstehender Erklärung ersucht: Indem ick Herrn Schneidermeister J. Skoda, Gumpendorferstrasse 35 veröffentlicht habe, dass er einem jüdischen Arbeiter unanständig entgegen gekommen ist, nehme ich mein Wort insoferne zurück, da ich den betreffenden Arbeiter dem Namen nach nicht kenne, mir es also an dem Hauptzeugen mangelt, ich Herrn Skoda nicht überzeugen kann. Dass Herr Skoda mich jedoch wegen unanständigen Benehmens entlassen hat, ist völlig unwahr, da Herr Skoda zugestehen muss, dass er mich auf meinen eigenen Wunsch entlassen. Georg Göstl, Schneider. Wien, den 7. März 1892. Der neugegründete literarische Geselligkcitsverein jüdischer Mädchen „Moria" ge-

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