Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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•■&***?? MnatrflBdWW» '->3* ■‘SWFieöl Seite 183 anderes, als leerer, hohler, dazu eckelhaster Wortkram? Und doch wie glanzend war die Saniere dieser philosophischen Ministerkreatur!" — „Nicht belehren, sondern bethören will der Philosophaster dieser Zeit seine Leser. Als Heroen dieser Periode glänzen Fichte, Schelling, zuletzt aber auch der selbst ihrer ganz unwürdige und sehr viel tiefer als diese Talentmänner sichende plumpe, geistlose Charlatan Hegel." „Tüchtige plumpe, von Ministern aufgepuffte, brav Unsinn schmierende Charlatane, ohne Geist und ohne Verdienst, das ist's, wasden Deuffchen gehört, nicht Männer wie ich." *) — Wie achtungswerth steht doch gegen diese deutschen Philosophaster der französische Physiker Pouillett da." An anderer Stelle spricht er von der „Nachlässigkeit und Schlamperei" der Deutschen, und wo er sich über das Peitschenknallen der Fuhrleute beklagt, sagt er: „Wir wollen hoffen, daß die intelligenteren und feiner fühlenden Nationen auch hierin dm Anfang machen und dann, auf dem Wege des Beispiels, die Deutschen ebenfalls dahin werden gebracht werden?) Ich könnte noch viele ähnliche Stellen aus Schopenhauer's Werkm anführen, aber ich glaube die Leser werden genug habm an diesen Schimpfereien des großen Philosophen, der sich für einen Prinzen der Philosophie halt und die deutschen Profefforen beschuldigt, sie hätten ihn wie Kaspar Hauser geistig tobt machen wollen. Minder grob und giftig, aber mit nicht geringerem Hochmuth spricht Schopenhauer von den Naturforschern, Chemikern, Physikern, Physiologen u. s. w.: „Ihnen gehört die unumwundene Belehrung, daß sie Ignoranten sind, die noch vieles zu lernen h'.ben, ehe sie sin der Philosophie) mitreden können."^) Es kann nicht bestritten werden, daß Schopenhauer ein Mann von vielem Geist, Talent und Wissen und ein feiner Kmner des menschlichen Herzens war. Aber von diesem kannte er am besten die schlechtere Seite, und darauf, vielleicht auch auf seine Selbstkenntniß, ist besonders der psychologische Theil seines Systems gegründet. Wenn er in der Jndication der zweiten Ausgabe seines Hauptwerkes an seinen verstorbenen Vater diesem in überschwänglicher Weise dafür dankt, daß er ihm ein hinreichendes Vermögen hinterlassen hat, um unabhängig leben zu können ohne „vor Ministem und Rathen zu Riechen, um ein sauer abzuverdienendes Stück Brod erst niederträchtig zu erbetteln, oder der sich blähenden Mittelmäßigkeit zu schmeicheln, und demüthig sich dem lobpreisenden Gefolge charlatanischer Pfuscher anzuschließen", wenn er den Werth des Geldes so hoch schätzt und sich gar nicht vorstellen kann, wie man arm und doch unabhängig sein, trotz Nahrungsforgen der Wissenschaft leben kann, so begreifen wir wie er, Andere nach sich beurtheilend, die deutschen Professoren der Philosophie insgesammt für Lohnknechte halten konnte, die das Lied desjenigen singen, deffen Brot sie essen. Und wenn er wiederholt versichert, daß er nur für die Nachwelt schreibt und das Lob der Gegenwart verachtet und nicht erwartet, so waren eben die Trauben für ihn sauer.* * 3 4 *) Als er aber doch gelesen und gechätzt zu werdm anfing, da freute er sich gar sehr. Und in einer Jugend bei seinem Erstlingswerk legte er es gar schlau an um sich den Beifall der Welt zu sichern. Er hatte eine Schrift „Ueber das Sehn und die Farben" veröffentlicht, die 0 An dieser Stelle gesteht Schopenhauer fast offen, daß er nur deßhalb kein guter Patriot ist, weil die Deutschen Hegel ihm vorziehen. Kritik der Kantischen Philosophie, I, S. 817 und 508; Die Wett als Wille und Vorstellung, Frg. zum I, Buche, Kap, 1, 6 und 7 Parvrga and Paralipomena, Skizze einer Geschichte der Lehre vom Idealen und Realen, Anhang: Erläuterungen zur Kantischen Philosophie; Ueber Lärm und Geräusch: Ueber Schrifsteller und Stil. Satz vom Grund IV, 20. Preisschrift über die Grundlage der Moral; Vorrede vom Jahre 1854 zum „Willen in der Natur". . 3) Satz vom Grunde V, 34; ähnlich Parerga and Paralip. Kapitel 6. 4) Von fe uern 1819 in 750 Exemplaren gedruckten Hauptwerk wurde eine bedeutende Anzahl makulirt, da der Absatz ein selr unbedeutender war. Trotzdem waren 1828 noch 150 Exemplare beim Verleger vorhanden. Nr. 11 zum Theil eine Verteidigung von Goethes Farbenlehre war, und erwartete nur, daß dieser, der ihn persönlich kannte und gern sah, ihm d.nch öffentliche Zustimmung oder in anderer Weise den Weg zu Ruhm und Ehre bahnen würde. Goethe aber, sei cs daß er mit Schopenhauers Vertheidigung nicht zufrieden war, sei es, daß ihm dessen Werk nicht gefiel, enthielt sich jeder Aeußerung darüber. Die Briefe in denen der junge Autor mit Ausgebot all' seiner Schlauheit und Weltklugheit, bald schmeichelnd, bald schmollend, Goethe für seine Absicht zu gewinnen suchte, bilden eine höchst erheiternde Lectüre, aber auf den Olympier machten sie keinen Eindruck, ßr war nicht zum Reden zu bewegen, wies den Zudringlichen freundlich aber entschieden ab, und Schopenhauer „weder Fräulein weder schön muß ungeleitet — in die Oeffentlichkeit gehn." Dafür hat er sich später mir allerlei kleinen Malicen an Goethe gerächt, z. B.: „Die sogenannte Metamorphose der Pflanzen, ein von Kaspar Wolf leicht hingeworfener Gedanke, den, unter dieser hyperbolischen Benennung, Goethe als eigenes Erzeugniß pomphast und in schwierigem Vorträge darstcllt."') Resumiren wir nun die Charaktereigenschaften Schopenhauer's — Egoismus, Concurrenziicid, Größenwahn, Schmähsucht u. s. w. — so finden wir, daß sie den günstigsten Boden zum Gedeihen des modemen Antisemitismus bilden. Doch ging dieser bei Schopenhauer zum größten Theil aus seinem Haß gegen das Christentyum und gegen jede monotheistische Religion hervor, dem er freilich im neunzehnten Jahrhundert furchtloser als die Philosophen des achtzehnten Ausdruck geben konnte. Von dem Hyperdeutschthum moderner Antisemiten war er, wie wir gesehen haben, ganz frei. Er wußte auch nichts von der Racentheorie und begnügte sich von den Juden, nach berühmten Mustern, als einem „kleinen, abgesonderten, eigensinnigen, hierarchisch, d. h. durch Wahn beherrschten von den gleichzeitigen großen Völkern des Orients und Occidents verachteten Winkelvolk" zu reden. In der Polemik gegen dieses verachtete Volk geht aber der große Philosoph nicht sehr ehrlich zu Werke. Was er in christlicher und jüdischer Religion Schlechtes, d. h. nach seiner Meinung Schlechtes, findet, das schreibt er den Juden zu, was sie Gutes haben ist von anderen Völkern, besonders von dem von ihm hochverehrten Mustemolke den buddhistischen Hindus entlehnt. Daß er dabei mitunter in Widersprüche geräth, manches was ihm nicht in seinen Kram paßt verschweigt oder unrichtig wiedergibt, entspricht der antisemitischen Taktik, mag auch zum Theil von ungenügender Kenntniß des alten Testaments herrühren. Da er das Original nicht lesen konnte, citirt er es in Ucbcrsetzung, u. z. gewöhnlich in griechischer Uebersetzung. Den Talmud läßt er fast ganz in Ruhe, woraus man schließen kann, daß er das Christenthum noch mehr haßte als das Judenthum. Was ist nun nach Schopenhauer der Grundfehler des Judenthums? Der Gottesglaube und der damit zusammenhängende Optimismus. „Die Erkenntnis; Gottes als des persönlichen Regierers und Schöpfers der Welt, der Alles wohlgemacht, findet sich ganz allein in der jüdischen und den beiden ans ihr hervorgegangenen Glaubenslehren, die man im weiteren Sinne ihre Sekten nennen könnte, nicht aber in der Religion irgend eines anderen Volkes alter oder neuer Zeit." — „Dem Judenthum nebst den aus diesem entsproßenen zwei Religionen . . . ist es freilich mit Feuer und Schwert gelungen, aus Europa und einem Theite Asien, jenen tröstlichen Urglauben der Menschheit (an die Seelenwandernng) gu verdrängen: es steht noch dahin auf wie lange."2) *) Die Wett als Wille und Vorstellung. Ergänzungen zu Buch H, Kap. 26. Vergl. auch Ergänz, zu III, 36 und Buch IV, §. 54, S. 831 Anm. 2) Satz vomGrunde V, 34: Welt als Wille und Vorstellung, Ergänzungen zu»r vierteil Buche Kap. 41. Vrstrrrrichischr Wochenschrift.