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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-11 · 11 (11.3.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Drstrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 181 Christen verfolgen sie als Gegner des Christenthums, Christenfeinde und Atheisten haßen sie, wie der Teufel des Dramas, als Gründer und Verbreiter des Christenthums. Solche Angriffe auf die jüdische Religion und das alte Testament finden wir schon im achtzehnten Jahrhundert, unter Andern bei Voltaire. Gemeint war eigentlich das Christenthum, aber dies wagte man aus leicht begreiflichen Gründen nicht offen anzugreifen. Man machte daher mit geschickter Tactik ein Umgehungsmanöver und griff das Judenthum an um das Christenthum von seiner Basis abzuschneiden. Den Schluß vom alten Testament auf das neue überließ man dem Scharfsinn des Lesers und begnügte sich das alte als Lug und Trug, seine Moral als grundschlecht darzustellen. Um das alles plausibel zu machen, mußten natürlich die Juden zu Betrügern und Schuften gestempelt werden. Das Ehrgefühl der europäischen Nationen wurde aufgerüttelt und ihnen vorgehalten, wie schmachvoll es für sie sei, sich von dem kleinen verachteten Judenvölkchen nasführen zu lassen. So ward der Keim zum Racenhaß gelegt, und die modemen Antisemiten können 'nicht einmal auf die Ehre der Erfindung Anspruch machen. Das Schönste aber ist, daß unsere hyperdeutschen Antisemiten eigentlich nur die Nachtreter französischer Feinde des Christenthums sind und daß ihr großer antisemitischer Philosoph eher alles andere als ein guter Deutscher war. Als Deutschland im Jahre 1813 seinen Freiheitskampf gegen die napoleonische Unterdrückung begann, als die Jünglinge von allen Universitäten die Hörsäle verließen und unter die Fahnen eilten, als der Dichter Körner sich von seiner geliebten Braut losriß und sein ganzes Erdenglück dem Vaterlande opferte, da zog sich der fünfundzwanzigjährige vollkommen gesunde Arthur Schopenhauer nach dem stillen Rudolstadt zurück, um ungestört von Kriegsgeschrei an seiner Doctordissertation zu arbeiten: „überzeugt, daß er nicht dazu geboren sei, der Menschheit mit der Faust zu dienen, sondern mit dem Kopfe und daß sein Vaterland größer sei als Deutschland." So zeigte sich schon beim jungen Studenten das übermäßige Gefühl seiner Bedeutung, während noch die Frage bleibt-, ob der Mann Schopenhauer mit seiner Philosophie der Menschheit gedient hat. Als junger Mann hat sich der Philosoph des Pessimisrnus um das Schicksal seines Volkes und Vaterlandes nicht gekümmert, als er älter wurde schmähte und schimpfte er auf beide. Er that es nicht mit dem edlen Zorne jener großen Verbannten, welche mit feurigen Worten ihr Volk zur Erhebung und Befreiung, zum Aufgeben kleinlichen Haders und zur Einigkeit aneiferten, sondern aus rein persönlichen Gründen. Weil seine philosophischen Werke keine Käufer und keine Bewunderer fanden, weil nicht er, sondern Fichte, Hegel und Andere wohldotirte Professuren erhielten, hörte er nicht auf, diese Professoren, die deutschen Gelehrten überhaupt und das ganze deutsche Volk zu beschimpfen. Ueberhaupt begnügt er sich fast nie einen Gegner rein sachlich zu bekämpfen, sondern ergeht sich mit besonderer Vorliebe in persönlichen Angriffen und Schmähungen. Wie die Antisemiten jeden Gegner für einen Juden oder von den Juden erkauften „Judenknecht" erklären, so war für Schopenhauer jeder der nicht seine Philosophie für die einzig wahre Philosophie, ihn selbst für den einzigen Philosophen seines!Jahrhunderts anerkannte ein Blödsinniger oder ein Schuft, der seine Ueberzeugung verkaufte. Doch machte er hier einen Unterschied. Von den Franzosen tadelte er nur diejenigen, welche nicht seiner Meinung waren, bei den Deutschen machte er das ganze Volk für die Sünden der Hegel und Fichte verantwortlich, gerade wie die Antisemiten, welche für jedes Vergehen eines Juden alle Juden verantwortlich machen. Und wie der verlotterte, den ganzen Tag im Bierhause sitzende Handwerker nicht aufhört, über die jüdische Concurrenz zu klagen, welche dem christlichen Handwerker das Brot vom Munde wegnimmt, so klagte Schopenhauer beständig über die Großcapitalisten der Philosophie, welche ihn unterdrückten und ruinirten und über die dummen Deutschen, welche solche „Spaßphilosophen" und „Scharlatane" ihm vorzogen. Freilich war er nicht so bescheiden, sich den „kleinen" Mann zu nennen, sondern gab sich stets für den großen, den größten, den einzigen Philosophen aus. Selbst Plato und Kant, die er noch einigermaßen respectirt, stellt er nur als seine Vorläufer und Vorbereiter dar; er selbst ist aber der Messias der Philosophie, der größte Mann seines Jahrhunderts, den nur die Großen der Nachwelt gebührend zu würdigen wiffen werden. Was sind dagegen die Hegel, Fichte, Schelling und alle deutschen „Philosophieprofessoren und Philosophaster"! „Die Herren wollen leben und zwar von der Philosophie leben." — „Auch bei den Neuem sind die, welche von der Philosophie leben, nicht nur, in der Regel und mit den seltensten Ausnahmen, ganz Andere, als die, welche für die Philosophie leben; sondern sogar sind sie sehr oft die Widersacher, die heimlichen und unversöhnlichen Feinde dieser .... weshalb sie allezeit bemüht sind, eine solche nicht aufkommen zu lassen, wozu dann, nach Maßgabe der jedesmaligen Zeiten und Umstände, bald Verhehlen, Zudecken, Verschweigen, Jgnoriren, Secretiren, bald Verneinen, Verkleinern, Tadeln, Lästern, Verdrehen, bald Denunciren und Verfolgen die üblichen Mittel sind." — „Daß heutzutage die Philosophieprofessoren allseitig bemüht sind den Leibnitz mit seinen Flausen wieder auf die Beine zu bringen, ja zu verherrlichen, hat seinen guten Grund in priraum vivere deinde philosophari.“ — „Schweigen, das Maul halten, das ist ihr (der Philosophieprofessoren) ganzes Talent und ihr einziges Mittel gegen Geist, Verstand, Ernst und Wahrheit. In keinem der seit 1841 erschienenen Producte ihrer unnützen Vielschreiberei ist meiner Ethik mit einem Worte eiwähnt, obwohl sie unstreitig das Wichtigste ist, was seit 60 Jahren in der Moral geschehen." — „Meine Philosophie interessirt eben die Herren nicht; das kommt aber daher, daß die Ergründung der Wahrheit sie nicht interessirt. Was sie hingegen interessirt, das sind ihre Gehalte und ihre Honorarlouisd'ors, ihre Hofrathstitel. . . . Jnsofem sie ihr Brot von derselben haben, interessirt sie die Philosophie."') Nach dieser allgemeinen Charakteristik der deutschen Philosophen nimmt Schopenhauer auch die Einzelnen vor: „Fichten war es nicht um die Wahrheit zu thun, sondern um Aufsehen, zur Befördemng seiner persönlichen Zwecke —" „Er ist der Vater der Schein-Philosophie, der unredlichen Methode, welche durch Zweideutigkeit im Gebrauch der Worte, durch unverständliche Reden und durch Sophismen zu täuschen, dabei durch einen vornehmen Ton zu imponiren, also den Lembegierigen zu übertölpeln sucht." — Schelling that es ihm darin wenigstens gleich, und ein Heer hungriger Scribenten ohne Geist und ohne Redlichkeit überbot bald Beide. Jedoch die größte Frechheit im Auftischen baaren Unsinns, im .Zusammenschmieren sinnleerer, rasender Wortgeflechte, wie man sie bis dahin nur in Tollhäusern vernommen hatte, trat endlich im Hegel auf und wurde das Werkzeug der plumpsten allgemeinen Mystistcation, die je gewesen, mit einem Erfolg, welcher der Nachwelt fabelhaft erscheinen und ein Denkwal deutscher Niaiserie bleiben wird." — „Einen widerlichen, geistlosen Charlatan und beispiellosen Unsinnschmierer, Hegel, konnte man in Deutschland als den größten Philosophen aller Zeiten ausschreien." — „Die allereckelhafteste Langweiligkeit schwebt über dem hohlen Wortkram dieser widerlichen Philosophaster (Hegel und seine Gesellen)". — Hegel ist „ein unverschämter Charlatan, der die Gimpel bethören will, und merkt, daß er an den Deutschen des neunzehnten Jahrhunderts seine Leute gefunden hat." — „Eine Kunst hat dieser Hegel wirklich verstanden, nämlich die, die Deutschen bei der Nase herumzuführen. Das ist aber keine große." — „Die Deutschen sind gewohnt, Worte statt der Begriffe hinzunehmen; — sieh nur die Hegelei, was ist sie 0 Die Wett als Wille und Vorstellung. Vorrede, Ergänzungen zum ersten Buche, Cap. 17, zum vierten Buch, Cap. 46; Satz vom Grund IV 20; Parerga und Paralichomena, lieber die Universitäts- Philosophie.

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