Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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■ .«a* -TH9*rrm Srtte 174 O^rrrrlchkschfe ^ochrnschrlst. tr. 19 «och heute seinen, Zudenhich. Da sieht man z. B. in einer berühmten Kirche die Scene des angedichteten rituellen Christenkindermordes Ln den grellsten Karben dargestellt; wie mußte das fanatische Golk angesichts solch« Bild« vor vierhundert Zähren gegen die Juden gewüthet Hab«;«, da es jetzt noch, woes kaum einen Juden zu Gesichte bekommt, nur zähneknirschend auf bas Gemälde schauen kann. Die Reliquien der Judeupemiger, von denen nicht wenige als Heilige verehrt werden, tragen zur Schürung des Judenhasses das ihrige bei. In Palma auf der Insel Majorka »ebt eine Menschenklasse, die von -er übrigen Bevölkerung den Spottnamen „Schweinefresser" erhielt; es find die AbEmmlinge der ehemaligen Judenschaft Palmas, die gezwungen wurden, das ihnen verhaßte Schweinefleisch zu genießen. Die „Schweineftesser* leben jetzt noch von der übrigen Bevölkerung abgesondert in einem eigenen Stadwiertel, sie verkehren nur untereinander und heirathen sich nur untereinander, aber von jüdischen Gebräuchen haben sie Nichts beibehalten; sie werden von der herrschenden Klasse verachtet,, obwohl sie dem Staate Männer geliefert, die sich auf den versOedensten Gebieten des öffentlichen Lebens heroorgethan haben. Die Anzahl der Juden in Spanien ist eine geringe und es sind deren etwelche bloS in den HauptstAtten ansässig. In Madrid halten sich französische und englische Juden in beträchtlicher Anzahl auf: doch scheuen sie sich, eine Gemeinde in's Leben zu rufen. Blos einmal im Jahre, am Derfihnungstag«, kommen sie. in einem gemeinsamen Betlocal zusammen, wo sie die üblichen Gebete nach französischem Ritus reciüren. Dr. Levin, der eine« solchen Veri'öhnungstag in ihrer Mitte verbrachte, fand diesen Gottesdienst ungemein rührend, besonders durch den Umsttmd, daß das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen auf der Stätte des jüdischen Friedhofes verrichtet wird, wohin sich die ganze Versammlung begibt. Die gebildeten Kreise Spaniens würden es übrigens gerne sehen, wenn durch eine maffenhaste Einwanderung der Juden, etwa aus Rußland, das an dem jüdischen Stamme verübte Verbrechen ihrerseits gesühnt werden konnte. * « Am 15. Februar las Herr Profeffor Dr. Steinthal über die ältesten schriftstellernden Propheten. Die Ansicht, als sei Amos der älteste Prophet, dessen Reden auf unS gekommen seien, kann Prof. Sreinthal nicht Heilen; er glaubt, ein viel älteres prophetisches Erzengniß entdeckt zu haben in dem Stück Kap. 15 und 16 des Buches Jesaja, welches nur von einem Propheten gedichtet worden sein kann, der den daselbst erzählten Sturz Moabs miterlebt und die Verwüstung Moabs mitangesehen haben muß, sonst wäre der in dem kurzen^Stück achtzehnmal wiederkehrende Ausbruch des Klagens und Jammerns geradezu unverständlich und die detaillirte Schilderung unmöglich. Eine Auffordenrng zur Buße und zur Einkehr in sich selbst, findet sich in diesem Stücke nicht, denn ein solcher Zug fehlte der älteren Prophetie gänzlich nnd trat erst mit Amos auf. Es fehlt aber eine solche Erhortation mich in dem ersten Stück des Buches Joel, es ist also auch dieses Stück, wovon daS 2. Kap. nur eine Neberarbeitung ist, höher anzusetzen, als Amos. Amos gebraucht Wendungen, die Ueberreste aus heidnischer Anschauung enchalten, überhaupt ist das Verhältnis Israels zu Gott von Amos nicht klar genug durchdacht worden. Er betont blos das Moment d« Gerechtigkeit Gottes, mtthin seine unerbittliche Strenge und zwar in einem Tone, dessen düsterer Ernst den leichtsinnigen Bürgern SamarienS nicht wohl behagen mochte, zumal ein solcher Ton selbst im Reiche Juda von den früheren Propheten, von Elijahu und Elischa nicht v«nommen ward. Da ist schon Hosea, dessen harte Diktion ebenfalls auf ein hohes Alter zurückweist, viel gefügiger; Hosea betont die Liebe Gottes zu Israel «nd er ist der erste, der das Verhältnis Israels zu Gott als das des Eheweibes zmn Ehegatten auffaßt, mithin es hauptsächlich auf Liebe «nd Treue gegründet sein müsse. Gott wirbt gleichsam um die Liebe Israels, er führt es zurück in die Wüste, ins Elend, damit es ihn verehren und lieben lerne, wie es geschehen nach dem Auszuge aus Egypten. Die Ehegatten versöhnen sich wieder und lieben einander wieder: „ich verlobe Dich mir auf ewig, ich verlobe Dich mir in Treue und Gerechtigkeit, in Milde und Barmherzigkeit, ich verlobe Dich mir in Wahrheit, auf daß Du erkennest den Ewigen! _ 8. K. HerrLjsMnäenLLn. SBitn. (Die'Duellaffairen der Antisemitenführer.) Seltsam und wunderlich sind die Wege der Antisemitennihrer! Wir sagen dies nicht gerade in Bezug auf den Rector Ahlwardt, dessen Wege ihn schließlich dorthin führten, wo er von Gott- und Rechtswegen eigentlich längst hin gehört hatte. Seltsam, meinen wir, sind auch die Wege der Äntisemitenführer, wenn sie einmal vorgeben, die Wege des Gesetzes und der Religion zu gchen. Dr. Lueger z. B. hat in der alleyüngsten Zeit wiederholt seiner leidenschaftlichen Verehrung für Gesetz und Religion Ausdruck verliehen, als es sich chm darum handelte, seine prinzipielle Duellfeindlichkeit zu motiviren. Dr. Lueger hat es abgelehnt, Herrn v. Etienne' dessen Ehre er unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität, in der unerhörtesten Weise angegriffen, mit den Waffen in der Hand Satisfactiön zu geben, weit er der Dr. Lueger — streng auf dem Boden des Gesetzes und .... der Religion stehe! Es ist ihm Recht geschehen, dem Herrn, v. Etienne! Warum will er sich auch duelliren? Damit hat er es sich, beim Dr. Lueger verscherzt! Hätte sich Herr v. Etienne auch zu dem erhebenden Grundsätze der Düellfeindlichkett emporgeschwungen, so wäre chm die Möglichkett schon geboten gewesen, die. Secundanten Lueger's zu empfangen! Dr. Lueger — seltsam sind die Wege der Anüsemiten! — duellirt sich nämlich prinzipiell nur mit prinzipiellen Duellgegnern. Er hat z. B. vor einigen Jahren den Abgeordneten Wrabetz gefordert, nachdem dieser kurz vorher eine Herausforderung des Dr. Pattai mit der Motivirung, abgelehnt hatte, er sei ein prinzipieller Geg ner des Duells! Dr. Lueger ist religiös gesinnt und gesetzestreu, sobald er es mit einem zu thun hat, der sich duelliren will — einer muß ja auf das Wohl der Menschen bedacht sein — wenn er z.B. an Herrn v. Etienne oder den Abgeordneten Pollack denkt, die Beide nur auf den Moment warteten, in dem sie Dr. Lueger gegenüber mit den Waffen in der Harü> stünden. Der Abgeordnete Pollack hat diesen Moment dadurch zu beschleunigen gesucht, daß er dem Dr. Lueger öffentlich die Ehrenbezeugung angebotm, die jüngst ein ftanzösischer Minister einem Anttsemiten erwiesen. Der erste Führer der Antisemiten welcher gegen Herrn Wrabetz den Helden spielte, wurde da schwerhörig — wenigstens hat der Abgeordnete Pollack noch heute nichts davon gehört, daß Dr. Lueger über dieses Anerbieten in ritterlichen Zorn gerathen wäre.... Seltsam, sind die Wege der Anttsemitensührer! Wir haben vorhin von dem ritterlichen Muthe Dr. Pattai's gesprochen, der den prinzipiellen Duellfeind Wrabetz zum Zweikampf gefordert hatte. Es scheint, daß sich Dr. Lueger in Vielem ein Beispiel an Dr. Pattai genommen, denn der Letztere ist auch eines Tages plötzlich zum Duellfeind geworden, als ein anderer seiner Gegner sich bereit erklärte, mit den Waffen in der Hand dem Herm Doctor Rede und Antwort stehen zu wollen. Die Affaire Pattai-Fisch er ist noch nicht vergessen. Der Jude Dr. Jaques Fischer, der allerdings schon als Student wiederholt Proben großen persönlichen Muthes gegeben hatte in einem Prozeße — es war der Schmul-Leeb-Kohn-Prozeß, der in Krems geführt worden war — in dem er der siegreiche / Gegner Pattai's war, die Ehre von diesem gefordert zu werden, aber es kam nicht zum Duelle. Dr. Fischer gab in der energischesten Weise seine Bereitwilligkeit kund Dr. Pattai auch auf diesen Kampfplatz zu folgen — aber je energischer er auftrat, um so zahmer, versöhnlicher, vorsichtiger und — duellfeindlicher wurde Dr. Pattai, der sich schließlich hinter der unerhörtesten Berschanzung versteckte. Seltsam sind die Wege der Anttsemitenführer! Dr. Lueger und Dr. Pattai sie wollen sich mit Wrabetz schlagen, aber Dr. Pattai schlägt sich mit Dr. Jaques Fischer so wenig, als Dr. Lueger mit Herm v. Ettenne oder dem Abgeordneten Pollack. Uns kann es recht sein. Denn in der That, das Duell verstößt gegen Gesetz und Moral. Wien, den 2. März 1692 (Was ist der Antitismus?) Diese Frage wird in einem Berliner Artikel des „Vaterland", das bekanntlich jahrelang in wüthender Weise für den Antisemittsmus Propaganda machte, folgendermaßen beantwortet: „Der Anüsemitismus ist überhaupt eme Erfindung der jüdischen (!) Literaten, um ihre eigenen Stammesgenoffm zu täuschen; zum Abonnentenfange und ähnlichen Geschäftszwecken. Diese Erfindung ist eine nichtswürdige Speculation auf die Raivetät, die Leichtgläubigkeit und das Stammesgefühl der Juden. In Deutschland ist der protestantische Hofprediger Stöcker als der wüthendste Judenfreffer verschrieen worden, durch jüdische Ltteraten. Nun ist es unmöglich, in dem Herzm Stöckers zu lesen. Aber er hat in seinen Reden mehr als hundertmal erklärt, daß er die Juden nicht hasse; das Gegen-