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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-04 · 10 (4.3.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
10 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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WWW»» Rr. io Orstrrrrichischr Darmstadt, 27. Februar. Trotz aller Umtriebe antisemitischcr A gitatoren finden hier deren journ alistische Organe keinen Boden. Nachdem vor einigen Monaten der hiesige „Hessische Volksfreund", welcher die Richtung S tö cke r's versolgt hatte, wegen Mangels an Abonnenten cingegangen war, hat nun ein gleiches Schicksal die in Gemäßheit der Tendenzen Böckels geleitete „Neue Hessische Vollszeilung" ereilt. Paris. M. Leo Lrvy-Bmg wurde zum Schifftlieutenant in der französischen Kriegsflotte ernannt; er ist der einzige Jude, welcher in Frankreich Seeo freier wurde. Ein neues jüdisch-polnisches Theater wurde in der Rue- Bochc-Monart eröffnet. London. Der Marquis von Ripon hat folgendes schreiben an ein Mitglied des Londoner „Russo-Jewish Comitee“ gerichtet: „Mein Herr! Ich kann Sie versichern, daß ich nach wie vor herzlichen Antheil nehme an Ihren Bestrebungen, den grarisamen Verfolgungen der armen russischen Juden Einhalt zu thun. Das Benehmen der russischen Regierung ist ganz danach angethan, sich auch alle Jene zu entfremden, die sonst nicht im Mindesten geneigt waren, die feindlichen Gefühle, wie sie von gewissen Personen im Lande gehegt werdn, gegen diese Regierung zu theilen und die allgemeine Veurtheilung, welche die russische Grausamkeit bei allen eivilisirtcn Nationen erfährt, ist nur zu sehr gerechtfertigt. Ihr ergebener Ripon. 9, Chelsea Embankement, S. W., 1. Februar 1892." London. Sonntag wurde die Wahl eines Predigers für die Bayswater-Synrgoge an Stelle des zum Oberrabbiner ernannten Dr. Adler vorgencmmen. Von 215 Stimmen, welche die ständigen Besucher dieser Synagoge abgaben, sielen 141 auf Rcv. Hermann Gollancz, welcher bisher an der Dalston-Synagoge angcstellt war. Das Ergcbniß der Wahl wurde allseitig beifällig ausgenommen, weniger aber der althergebrachte Wahlmvdus, welchen das tonangebende Organ „Jewish Chronista" als nicht entsprechend bezeichnet; dasselbe plaidirt für eine indirccte Wahl durch Delegirle, welche von den Cynagogenbesuchern gewählt werden sollen. Rom. Der Finanzminister, Herr Luzza tti, hat ein sehr schmeichelhaftes Schreiben von dem russischen Finanzminister, Herrn Wy sch negrad ski, empfangen, in welchem dieser seine Bewunderung ausspricht über die großen und segensreichen Arbeiten, welchen Herr Luzzatti alle seine Kräfte widmet und welche die höchste Anerkennung nicht nur der wahren italienischen Patrioten, sorrdcru aller Menschenfreunde auf Erden verdiene. Rom. Der jüdische Gelehrte Dr. Elie Rossi Bey Mitglied des ägyptischen Institutes und anderer Akademien, ist gestorben. Derselbe war in Ferrara (Italien) geboren und kum 1844 im Alter von 28 Jahren nach Aegypten. Er war der erste Jude, welcher den Titel Bey (Statthalter) und die Crlaubniß erhielt, die heiligen Städte Mekka und Medina betteten zu dürfen. Bei Mehcmcd Ali und den ihm folgenden Vicrkönigen von Aegypten stand Dr. Rossy Bey in hohem Ansehen und würde von denselben mit wichtigen wissenschaftlichen Missionen betraut. Asti. Am 10. Februar starb Professor Terracini, Oberrabbiner von Asti und Acttester der italienischen Rabbiner. Er war ein Verwandler des verstorbenen Dr. Artom Chachcm's der Sefardcn-Gcmeinde in England. Vertreter der italienischen Judcnschaft sowie der Munizipalität nahmen an dem Leichenbegängnisse theil. Petersburg, 25. Februar. Der Graschdanin berichtet über religiöse Verfolgungen in Sibirien, die an die rohesten Zeiten erinnern. Auf Verlangen der orthodoxen Geistlichkeit verfolgt die Polizei im Gouveruement Tomsk die Altgläubigen wegen Nrchtcntrichtung von Abgaben für ein ihnen zrigetheiltes, aber nicht benütztes Kirchenland. Die Polizei consiscirt nicht nur ihr Eigenlhum, sondern wirft sie auch ins Gefängniß. Der Graschdanin befürchtet, daß diese besten Elemente der sibirischen Bevölkerung in die Mongolei Wochenschrift. Sette 109 auswandern werden. Noch schlimmer geht e3 im ostsibirischen Gouvernement Irkutsk her. Dort fallen dem religiösen Fanatismus jene Buddhisten zum Opfer, die zu Ehren der fünften Anwesenheit des Großsürsten-Thronfolgers in Sibirien gewaltsam zrnn orthodoxen Glauben convertirt wurden. Die Polizei veranstaltet gegen sie förmliche Hetzjagden in den Wäldem, peinigt und martert die der Bekehrung abgeneigten Buddhisten und verschont selbst nicht schwangere Frauen. Der General- Gouverneur hat eine Untersuchung angeordnet. Der Verfolgungsgeist läßt sich nie mir den Juden genügen, er greift immer weiter aus. Petersburg, 25. Februar. Die Angelegenheit wegen Lieferung schlechten Mehles für die Petersburger Municipalität wurde gestern damit abgeschlossen, daß die Stadtverordneten ein Tadelsvotum gegen die Stadträthe Niemann und Jablonski beschlossen. Eine Verweisung der Stadträthe vor das Gericht ist nicht erfolgt, da die Mitglieder des Stadtamtes das Geld, welches für schlechtes Mehl verausgabt wurde, ersetzten. Der Mehllieferant Puchert befindet sich noch in Untersuchung. Diese Spitzbuben sind lauter rassenreine Arier. Kairo. In den hiesigen Dorfe ist der Sitz eines ärztlichen Vereins, zu dessen Fonds alle Einwohner des Districts gesetzlich beitragen müssen. Ungefähr 20 Dörfer werden durch diesen Verein ärztlich bedient; zu diesen gehören Kayas- Gr udorovky, Zavadovka, Dmitrejevka, Lubimovka u. a. innerhalb eines Raumes von 40 Werst Länge. In allen diesen Dörfern sind Acrzte angestrllt, welche den Oberärzten deS Vereins subordinirt sind. Geringere Unpäßlichkeiten werden von den weniger tüchtigen Aerzten behandelt, wahrend die geschulteren Aerzte nur in ernsteren Fällen zur Verfügung gestellt werden. Zu den Functionen der gewöhnlichen Praktiker gehört auch das Impfen der Kinder. Bis zum Beginn dieses Jahres nahmen die Aerzte der vorgenannten Dörfer keinen Anstand, auch jüdische Kinder gegen Entrichtung des festgesetzten Honorars zu impfen. Jetzt aber haben die Torfärzte geheime OrdreS erhalten, jüdische Kinder nicht mehr zu impfen. Seit mehreren Wochen schon sind daher keine jüdischen Kinder auS den genannten Dörfern geimpft worden. Cars«. Nachdem die Gerichtsverhandlung vyn Patras zur Ev.denz dargethan hat, daß die Juden von Corfu an der Ermordung des jüdischen Mädchens Rubina Sarda vollkommen unschuldig sind, haben die jüdischen Gemeinden von Athen und Corfu eine Petition an die Regierung gerichtet, cs mögen die den Mord begleitenden Umstände genau untersucht und aufgehellt werden. Die Petition wurde dem Mitgliede des griechischen Parlamentes M. Zicornala übermittelt, welcher sich für die Frage lebhaft interessirt. New-Ljork. Ein Neger, welcher als Sklave einem Bruder des früheren Präsidenten Jeffersohn Davis gehörte, hat die Bibel in die Sheetswa-Sprache übersetzt. Der gelehrte Schwarze hat an der Fisk-Universität studiert und wurde Geistlicher. Vor ihm hat Niemand den Versuch unternommen, eine Schrift für die Sheetswa-Sprache zu erfinden. Diese wird in einem bedeutenden Theile Afrika's gesprochen und hat viele Wörter von den Zulu's entlehnt. Sie ist die 239. Sprache, in welche die Bibel übersetzt worden ist. Feuilleton. Dg» Gebet. Eine Betrachtung von Jda Oppenheim. Ein Gebet — toa* ist cS? Ein reiner Ton, der durch daS Weltall klingt, rin befreites Aufathmen eines schweren Herzens, ein Jubelschrei einer zitternden Seele, eine heiße Thräne, die sich dem flehend gen Himmel gerichteten Auge entringt, trostheischend, sehnsuchtsvoll zagend, freudig bewegt, dankerfüllt oder hoffnungslos traurig. — Eine heilige Flamme, die auf dem Altar des Herzens emporlodert, angefacht durch die Gtlilh der hohen und unbegrenzten Liebe zu Gott, eine dufrige Blüthe, entsproßt auS taufend edlen Empfindungen und guten Gedanke«.

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