Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 168 Vrstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 10 Postelberg Bei der jüngst stattgefundenen Wahl in der hiesigen isr. Cultusgemeinde, wurden die Herren Moriz Glaser, Ignaz König und Heinrich K o l i n in den Vorstand gewählt. Brwm. (Begräbniß.) Vorige Woche fand das Leichenbegangniß des Gesellschafters der Firma Em. Jac. Friedmann und Brüder, Moriz Friedmann, unter zahlreicher Betheiligung nach dem israelitischen Friedhof statt. Die Trauerrede hielt Landes-Rabbiner Dr. Placzek. An dem Leichenbegängniße haben sich nebst den Trauernden u. A. betheiligt. Vice-Bürgermeister R o h r e r mit mehreren Gemeinderäthen und Gemeindeausschußmitgliedern, Inspektor E p l e r, Bezirksschulinspector Tr. San neck, die kais. Räche Bohatsch, Korschann und Mandl, die Directoren Ehrenfest und Langer, dann viele Geschäftsleute. Brüx. Sonntag den 91. d. hielt die israelitische Beerdigungsbruderschast ihre 13. ordentliche Generalversammlung ab. Derselben ging ein Festgoüesdienst im israelitischen Temp l voran. E Nach den von Herrn Obercantor Lamm meisterhaft vorgctragrnen für die Seelengedächtnißfeier üblichen Gebeten und Gesängen hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Mach die Gedächtnißrede, in welcher er in tiefempfundenen Worten seines vor wenigen Wochen verstorbenen Vaters gedachte. Hierauf gedachte er der bedeutenden im Laufe des Jahres dahingeschiedenen Männer, des Dr. Zuckermann und insbesondere des Professor Graetz. Nachdem Festgottesdienst« hielt der hiesige israelitische Fraurnverein im Hotel „Zum Roß" seine 6. ordentliche Generalversammlung ob. In derselben hielt Herr Dr. Brach einen Vortrag über den spanischen Dichter deS 11. Jahrhunderts Salomon Gabirol, für den ihm der Dank der Versammlung von der Vorsitzenden Frau Dr. Spitz ausgesprochen wurde. Der zur Verlesung gelangte Geschäftsbericht bot ein schönes Bild des Wirkens. Der Verein zählt 114 Mitglieder und hat in den letzten drei Zähren Unterstützungen im Betrage von über 1100 fl. vertheilt. Von diesen Unterstützungen wurde auch rin Theil an nicht jüdische Arme gespendet. Für 36 Volk- und Bürgerschüler, sowie Studenten ohne Unterschied der Confeflion wurden Freitische verabfolgt und an arme Leute unverzinsliche Darlehen von über IOOO fl. bewilligt. Der Bericht wurde beifälligst ausgenommen und dem Ausschüsse das Absolutorium ertheilt. Rach den Dankesworten des Eultusvorstehers Herrn Dr. Spitz an den AuSschrß, wurde die Neuwahl vorqenommrn. Bei derselben wurden gewählt: Frau Dr. Spitz als Präsidentin, dann die Frauen Anna Langer, Theresia Schwarz, Mathilde Spitz, Charlotte Löwy, Rosi Black, Hermine stöhn, Friederike Ollendorf, Anna Fischer, Anna Wolf, Ehr. Fcderer und Frau Dr. Fleischer. Um */*• Uhr eröffnet« der Obmann der Beerdigungsbruderschaft Herr Ludwig Black, die sehr zahlreich besucht« Versammlttng dieses Vereines. Herr Dr. Mach hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: „Die Unsterblichkeit der Seele". Der Redner, der an diesem Tage somit das viertemal sprach, entwickelte dieses Thema in populärster Weise und wurde nach Schluß seines Vortrages mit allseitigem wohlverdienten Beifall ausgezeichnet. Der hierauf zur Verlesung gebrachte Geschäftsbericht bewies die aufopfernde Thätigkeit des Ausschusses. Abgesehen von den im letzten Jahre an Arme vertheilten Beträgen von über 300 fl., hat der Verein bei 17 kranken und sterbenden Personen Krankenwache gehalten, den Sterbenden die letzten Liebesdienste erwiesen und die Leichenconducte veranstaltet. Der nach jeder Richtung erschöpfende Bericht des Obmannes, schloß mit dem Hinweise, daß auch der hiesige Verein jene Anerkennung für sich in Anspruch nehmen könne, welche der bekannte antisemitische Abgeordnete Lueger im Abgeordnctenhause diesen im Judenthume bestehenden Vereinen zu versagen nicht im Stande war. Hierauf ergriff der Vorsteher der Cultusgemeinde Herr Dr. Spitz das Wort und erklärte, daß er, so oft er an das Wirken des Vereines denke, von Stolz und Genugthuung erfüllt werde und daß es daher nnr seine Pflicht sei. dem Ausschüsse und speciell dem Obmanne, seinen tiefgefühlten Dank für seine rastlose und unermüdliche Thätigkeit auszusprechen. Bei der vorgenommenen Neuwahl wurde der seit der Gründung deS Vereines im Jahre 1679 mit der Leitung betraute Obmann Herr Ludwig Black, dann die Herren: Josef Graf, Ignatz Löbl, Leopold Stein, Ed. Beck, Heinrich Heller, Leopold Löwy, Heinrich Löwy und Ignatz Taussig einstimmig in den Ansschuß gewählt. Krakau. (Die Fachschule für israelitische Handwerker in Krakau), welche vom Reichsrathsabgeordneten Dr. Arnold Rapoport von Porada gegründet und von der Stiftung des Baron Hirsch übernommen wurde, hat sich wäheend der zwei Jahre des Bestandes in überraschacker Weise entwickelt. Wie man uns aus Krakau berichtet, wurde die Schule jüngst von Hofrath Exner besichtigt, welcher chre Einrichtungen und die Leistungen der Schüler ans dem Gesichtspunkte untersuchte, ob der Anstalt das Recht-ertheilt werden könne, staatsgiltige Zeugnisse auszustellen. Hofrath Exner erklärte nach eingehender Prüfung die Krakauer Anstalt für eine der besten Fachschulen der Monarchie. Die Tischler- und Schlosserarbeiten der Schüler sind in ihrer Präcision und Eleganz geradezu musterhaft, ihre technischen Zeichnungen stehen denen von Oberrealschülern in keiner Hinsicht nach. Mit der Fachschule ist ein Internat verbunden, in welchem 35 Schüler Obdach und Verpflegung finden. Die jungen Leute gedeihen ganz vorzüglich; und so können die Begründer und die Erhalter der Anstalt das befriedigende Bewußtsein haben, daß sie zur Bildung eines gediegenen israelitischen Handwerkerstandes in Galizien bedeutsam beigetragen. — Lemberg. Am 14. v. M. fand im israel. Tempel eine Trauerandacht aus Anlaß der Erinnerung an den Aufstand im Jahre 1853 statt. E Groß-Kikinda. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des hiesigen israelitischen Frauenvereincs hat Miitwoch, den IT. d. M. unter Vorsitz der verdienstvollen Vereins-Präsidentin, Frau Jeanette Scheinberger stattgefunden. Schriftführer Dr. Jgna; Weiß erstattete den Bericht über die Thätigkeit des Vereines im abgelaufencn Jchre, welcher zur allgemeinen befriedigenden Kenntniß genommen und hierauf der Vereinsleitnug das Absolutorium ertheilt wurde. Die Präsidentin legte sodann in ihrem Name», als auch in jenem sämmtlicher Mitglieder des Ausschusses und der übrigen Funktionäre die innegehabten Ehrenstelle» in die Hände der Geueralversammlung zurück, wonach die Neuwahlen vorgenommen wurden. Zur Präsidentin wurde Frau Jeanette Scheinberger mit Acclamation wiedergewählt. Zur Controlorin wurde Frau Amalie Wottitzli, zur Cassirin Frau Amalie Braun, in den Ausschuß die Damen Friderike Böhm, Emma Behrou, Amalie Freischberger, Johanna Fischer, Julie Krauß, Lcontiiie Krauß, Marie Löwy, Berrha Ofner, Frau Dr. Spitzer, Frau Dr. Roth, Frau Dr. Mür Rosenstein und Frau Dr. Jgn. Weiß gewählt. Die Wahl des Schristsührrrs fiel neuerdings auf Dr. Jgna; Weiß. Vor Schluß der Generalversammlung wurde der Beschluß gefaßt, am 1. März in den Easinolokalitäten ein Tanzkränzchen zu veranstalten, zu welchem bereits die umfassendsten Vorkehrungen getroffen werden. Außerdem wurde rin aus drei Mirgliedern bestehendes Comiiä bestellt, zu dem Zwecke, für den Verein neue Mitglieder anzuwerbeu. Temesvar. Vorige Woche stattete der serbische Bischof Nikanor Popovits in Begleitung dcs Pfarrers Stanitz unserem Oberrabbiner Dr. Moriz L ö w einen längeren Besuch ab. Breslau, 14. Februar. Zugleich nrit der Feier des Geburtstages Sr. Majestät dcs Kaisers am 27. Jänner sand in der hiesigen Universität die Verkündigung der Resultate der eingelaufenen Preisarbeiten statt. Auch zwei unserer Glaubensgenossen waren unter den wenigen Prämiirten. In der philosophischen Facultät hat Herr Ernst Stein!tz, z. Z. in Berlin für die beste mathematische Arbeit den Preis erlangt. Die Schrift wmde zugleich ohne Weiteres als Promotionsschrift anerkannt. Auch für die beste slavisch-philologische Arbeit erhielt Hen 8tuck. phil. Ezechiel Zivier, gegenwärtig Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, aus Ezenstochau (Nuss.—Polen), den Peels. Auch dem Verfasser dieser Arbeit wurde, jedoch in der Voraussetzung, daß er einige bezeichnte Mängel beseitigen werde, eine freie Promotion an der hiesigen Universität in Aussicht gestellt. Friedberg. (Hessen.) Hier kann man eben beobachten, wie weit der AntlsemitismuZ mancher Leute geht. Ein hiesiger Kaufmann, seiner antisemitischen Gesinnung wegen allgemein bekannt, kündigt seit einigen Monaten im „Oberhess. Anz." einen Ausverkauf seiner sämmtlichen Waren an. — Wahrscheinlich um denselben zu beschleunigen, läßt nun dieser Geschäftsmann den Rest seines Lagers durch einen jüdischen Agenten öffentlich versteigern. Ein Commentar dazu ist überflüffig. — Frankfurt a. M., 23. Februar. Die „Frankfurter Zeitung" bringt folgende sehr unwahrscheinlich klingende Meldung aus Hamburg: „Baron Hirsch crtheille dem Myslowitzcr Grenzcomitü für die angewiesenen russischen Juden die Weisung, einen Extrazug mit 600 Emigranten über Fliessingen nach Irland zu expedieren, woselbst diese unter Führung des Bergraths Schneider für Bergwerkzwecke ausgcbildet werden sollen."