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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-04 · 10 (4.3.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
10 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Vesterrrichifchr WochrnfchrM. Sette 165 des Parlamentes ebenfalls eine gewisse Einmüthigkeit vorherrscht. Die Führer des Polenklubs, die leitenden Männer des HohenwarcklubZ, Graf Coronini oder Dr. Plener werden ihm mit der gleichen Bereitwilligkeit wie Herr' Georg Schönerer wenn nöthig den Spiegelhacken schenken um das Werk zu vollbringen, welches der Schloßherr von Rosenau ihm längst eindringlich empfohlen hat. Wien (Xanten und Herr Vergani). Das amtliche „CleverKreisblatt", welches die Dinge, die in Xanten sich ereignen jedenfalls besser zu prüfen in der Lage ist als das „Deutsche Volksblatt", welches seine „Original-Lügen" aus allen Ecken und Enden der Welt Zusammentragen muß, hat über den „Xantener Knabenmord" höchst bemerkenswerthe Mittheilungen veröffentlicht. Diesem ist vor Allem zu entnehmen, daß der Justizminister wegen der nichtswürdigen Angriffe, welche die freche antisemitische Presse in Deutschland anläßlich der Xantenei' Affaire gegen die deutschen Justiz-Behörden geschleudert, an zuständiger Quelle den Strafantrag gestellt habe. Es wäre nur ein Act der Gerechtigkeit, daß die böswilligen Erfinder von Lügen, als welche die Antisemiten-Organe mit Fug und Recht bezeichnet werden können, einmal von dem rächenden Arm der Gerechtigkeit erfaßt würden. Bezeichnend für die Art und Weise in der die Xantener Affaire von den Antisemiten fructisicirt wird, ist die Thatsache, daß die Mittheilungen über Xanten, nicht aus Xanten erfolgen, sondern vielmehr ganz wo anders fabrizirt und sodann nach Xanten geschmuggelt werden. Das „Clever Amtsblatt" schreibt hierüber: „Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen kann es keinem Zweifel unterliegen, das am hiesigen Platze sich ein Mensch befindet, der zunächst theils ganz erfundene, theils der Wahrheit bei Weitem nicht nahe kommende Berichte nach Xanten hin versendet. Dort werden diese Mittheilungen zum Theil in dem in Xanten erscheinenden „Boten für Stadt und Land" verbreitet; zum weit größten Theil werden sie aber in die antisemitischen und diesen affiliirten Blätter lancirt." Wir erfahren aber auch, wer der 8piritv3 reetor des „Boten für Stadt und Land" sei und somit hinter der ganzen Affaire als geistiger Leiter und Anstifter stehe — es ist niemand anderer als der Herr Caplan Bresser zu Xanten! Ein katholischer Geistlicher also ist es, der das Kleid, das er trägt, schändet, indem er sich zum Verbreiter jener erlogenen, fluchwürdigen Nachrichten herbeiläßt, die das alte Märchen vom rituellen Morde wieder zu neuem Leben erwecken wollen. W lch' wahnwitziger Fanatismus muß den Geist dieses Mannes verwirrt haben, daß er sich zum Träger und Verbreiter von Lehren verleiten läßt, welche die Fürsten seiner Kirche, die edelsten Bischöfe und Päpste als Lüge und nichtswürdigste Verlaumdung gebrandmarkt haben.So wird die Affaire von Xanten gemacht. Das ist die Glaubwürdigkeit der Nachrichten, die angeblich aus Xanten in die W:lt geschleudert werden, während sie vielmehr durch fanatische, verbrecherische Bosheit erst künstlich dahin verpflanzt werden. Aber wo war eine Schändlichkeit zu arg, um bei den Antisemiten und ihren Organen nicht auf ein sympathisches Entgegenkommen rechnen zu dürfen. — Wien. (Wieder Einer). In Dresden hat sich der Bankier und Getreidehändler Richter aus Dittersbach entleibt. Seinen Gläubigern hinterließ er die^Sorqe für eine halbe Million Mark Passiven, ferner bat er für 100.000 Mark Wechsel gefälscht. Die Zittauer, Löbauer und Bornstädter Gegend, wo der Biedermann eine Art Dachauer Bank gegründet hatte, ist von diesem Krach am schwersten betroffen. Ehren-Richter war ein frommgläubiger Christ, ein fleißiger Kirchengänger und Antisemit, kurz ein germanischer Ehrenmann, von der Fußsohle bis zum Scheitel. Sein exemplarischer Antisemitismus trug ihm das Vertrauen der kleinen Handwerker, Bauern und Arbeiter ein, die ihm ihre Ersparniffe zum Aufbewahren gaben. Nun haben sie das Nachsehen. Die Antisemiten aber werden sich hüten, aus diesem Fall Rückschlüsse auf die christliche Moral zu ziehen. Wäre der Mann ein Jude gewesen, dann läge die Sacke freilich ganz anders. Richter schimpfte auf die Juden eben so wacker, um seine unsaubern Geschäfte zu betreiben, wie ein sicherer Linzer Uhren-Schwindler seine Reclame - Inserate mit Schmähungen aus die Juden verbrämt, um die Gimpel zu fangen. Richter nahm Alles, die kleinsten Ersparniffe der ärmsten Dienstboten verschmähte er nicht; Richters Schulden sollen, die Wechselfalsch ungen abgerechnet, die Höhe von einer halben Million Mark betragen! An diesen klebt der Schweiß und das Blut vieler Armen und Aermsten, welche nach saurer Lebensarbeit nunmehr die paar Groschen verloren, die sie mühselig erworben. Richter war sein eigener Richter, indem er durch Selbstmord seinem Leben ein Ende machte, damit aber hat er nicht gesühnt, was er verbrochen, im Gegentheil das Maß seiner Sünden nur vermehrt. Wer dieser Gauner war, bevor sein verbrecherisches Treiben entlarvt wurde? Er war ein frommes Mttglied der christlich-sozialen Reformer in Sachsen, welche unermüdlich im Kampfe gegen die Juden sind, deren bürgerliche und menschliche Rechte sie „im Jntereffe des Bolkswohles" geschmälert, beschnitten sehen wollen. So sehen die Catos aus, die gegen die „jüdische Moral" wettern, die den „jüdischen Betrug" bekämpfen! Raudnitz a./E. im Feber. Der hiesige Cultusvorstand richtete anläßlich der Recreirung unseres altehrwürdigen selbstständigen Rabbinates an Herrn Rabbiner Dr. Back in Smichow, der auf das einstimmige Ansuchen des Vorstandes von der hohen k. k. Statthalterei mit der Verwaltung des hiesigen Rabbinates betraut wurde und dieses Ehrenamt durch volle zehn Jahre ausgeübt hat. folgendes Dankschreiben: Se. Ehrwürden Herrn Herrn Dr. Samuel Back, Rabbiner und Prediger, Smichow. Jnsolange unser Rabbiner Herr Dr. M. Klotz die behördliche Autorisation zu seinen Functionen nicht hatte, betrachteten wir Ew. Ehr» würden noch immer als unseren von der hohen k. k. Statthakterei bestellten Rabbiner. Bei Abschluß dieser Periode erachten wir eS als ernste Pflicht, Ew. Ehnvürden, der durch eine lange Reihe von Jahren dieses Amt in würdevollster Weise mit gewohnter Pflichttreue und Selbstlosigkeit verwaltet hat, unseren tiefgefühlten, ergebensten Dank und den Wunsch auszusprechen, daß Ew. Ehrwürden noch durch viele Decennirn in gleicher segensreicher Weise wirken nnd sich stets eines ungetrübten Wohlseins erfreuen mögen. Genehmigen E>v. Ehnvürden den Ausdruck besonderer Verehrung, womit zeichnet Ew. Ehrwürden ergebener Dr. Adolf EiSler, CultuSvorsteher. Kolomea. 25. Februar 1892. Unsere Gemeinde hat durch daS Hinscheiden des Präsidenten ihres Cnlrusrathes, des Herrn Salomon H. Wieselberg einen unersetzlichen Verlust erlitten. Durch eine lang« Reihe von Jahren stand dieser allgemein verehrte, biedere Mann der Gemeinde vor nnd wirkte in derselben durch seine unermüdliche Thätigkeit so ersprießlich, daß sehr große Fortschritte in den Cultusangelegenheiten unter seiner umsichligen Leitung zu verzeichnen find. Er bekleidete in der Gemeinde alle Ehrenämter und verstand es, die Gemeinde stets mit Ansehen zu lenken. Seine ungewöhnliche Intelligenz und hohe Bildung, die er sich auf autodidactischem Wege aneignete, erwarben ihm die hohe Achtung nicht nur seiner Glaubensgenossen, sondern auch der angesehensten christlichen Mitbürger, die in wichtigen Angelegenheiten sich stets seines guten Rathes bedienten. Die außerordentliche Betheiligung aller Stände und Confesstonen beim Leichenbegängnisse zeigte genügend die hohe Achtung nnd Verehrung, deren sich dieser verdienstvolle Mann in allen Kreisen der Gesellschaft erfreute. Er verstand es, was wähl wenigen eigen ist. die goldene Mittelstraße zu wandeln und allen Parte»- schattirungen gerecht zu werden, alle durch sein leutseliges Betragen zu gewinnen. Als Gründer der Genossenschaft „Commercieüe Creditanstalt" in Kolomea, deren DirectionS-Vorsttzender er bis zum Tode blieb, war er bestrebt, jährlich vom Reingewinn der Anstalt einen namhaften Betrag für die israelitisch-polnische Schule sowohl wie wie für die Talmud-Thora und andere wohllhätige Vereine, für verschämte Arme u. A. zi'zuwenden. Die Spitzen der Behörden, der Gemeinderath in corpore, die Bezirks-Vetretung deren Mitglied der Verblichene war, die jüdischen und christlichen Honorationen wohnten der Leichenfeier in der großen Synagoge bei, wo der hiesige Rabbiner die Leichenrede hielt. Friede seiner Asche! Budapest. (Schreiben und Zeichnen der jüdischen Schüler an jüdischen Feiertagen.). Der Kronstadts Rabbiner HwrA. Wszel hatte in Erfahrung gebracht, daß in dm dortigen Elementarschulen die jüdischen Kirürer am

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