Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 164 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Nr io Dieser Unterricht ermöglicht es endlich den Kindern, sich nach der Vorgabe des Lehrers den Plan der Gebirgsftöcke selbst zu modelliren. Die Kinder fertigen sich selbst die Platte für ihre geographische Karte an. Die Abstufung der Höhen, die Thäler, die Senkungen, die Joche, die Schluchten, alles dies wird nach bestimmten Maßen aufgerichtet, vertieft! und eingeschnitten. Der Lauf der Flüffe wird durch einen mit! zwei scharfen Rändern versehenen Einschnitt markirt. Es liegt auf der Hand, daß ein solcher Unterricht die geistige Regsamkeit der blinden Kinder fördert, welche Klarheit er ihren Vorstellungen und welche Greifbarkeit er ihren Anschauungen gibt. Jetzt, wo der Schüler durch das Modelliren wirklich seinem Tastsinn ganz und gar vertrauen darf und der Lehrer eine mustergittige Conttolle darüber hat, kann man den Zöglingen Alles, was die Neuzeit an großartigen Erfindungen hervorgebracht hat, bis zur Augenscheinlichkeit zugänglich machen. Der Telegraph, der Schienenweg, die Eisenbahnbrücke, die Dampfmaschine u. s. w. In der That bietet die Blindenschule der Hohen Warte eine beneidenswerthe Sammlung aller wissens- «nd sehenswerthen Objecte dieser Art. Die außerordentlich sorgfältig gearbeiteten Modelle sind Stück für Stück auseinanderzulegen, um sie dem Tastsinn des Blinden zugänglich zu machen und ihn zu veranlasien, aus diesen einzelnen Theilen sich das Ganze wieder zusammcnzusetzen oder auf Wunsch des Lehrers diesen oder jenen Theil zu modelliren und selbst Durchschnitte des einen oder anderen anzufertigen. Außer den geistigen Errungenschaften, die durch diese neue Methode gewonnen werden, wird auch dem Blinden unbestreitbar eine Fülle von ästhetischen Kenntnisien durch das Modelliren gegeben. So führt ihn das Modelliren weit gründlicher, als es irgend ein anderer Unterricht kann, in die Geometrie, die Geographie, die .Naturkunde und selbst in die bildenden Künste ein. Erst wenn der Blinde durch die volle Kenntniß der Gestalt und an ihr selbst die Flächen, Linien und Punkte kennen gelernt hat, wird auch bas Zeichnen, d. h. die abstracte Darstellung der Gestalt, für ihn von Werth sein. Natürlich wird das Zeichnen nicht wie dasjenige der sehenden Kinder mit Bleistift und Papier besorgt: elastische Fäden werden mit feinen Stecknadeln auf einem weichen Polster befestigt. Wieder sind es in erster Reihe die geometrischen Figuren, die der Blinde zeichnen lernt. Viereck, Dreieck, Kreis u. s. w. eröffnen ihm selbst die ersten Stufen der Mathematik, und mit Hilfe dieses Zeichnens entwerfen die Kinder alle Landkarten, die sie brauchen. Zu diesem Zwecke sind an dem Kiffen einige Centimetermaße abgesteckt, die für Lehrer und Schüler ein Maßstab sind bei der Vorgabe der Linien und bei ihrer Ausführung. Zum Schluß soll noch bemerkt werden, daß der in der Broschüre entworfene Unterrichtsgang sich seit vielen Jahren in der Blindenschule des Verfaffers auf das Glänzendste bewert hat und daß wir Ursache haben, anzunehmen, daß dieser Unterricht, falls er noch nicht überall in den Blindenschulen Eingmrg gefunden hat, ihn doch bald finden wird. Die Vlinden-Pädagogik wird sich durch das Modelliren und Zeichnen wieder ein gewalttges Stück dem Ideale, das sie sich gesteckt hat, nähern. t^LrresMämrm. Wien. (An die Adresse des Herrn Ernst Vergani.) Die letzte Nummer der „Oesteneichischen Wochenschrift" hatte gewisse Häupter der antisemitischen Lumpengilde in eine Tollwuth versetzt. Die Auffrischung historischer Daten und ReminiScenzen, die um so unangenehmer sind, als man sie nicht weglügen kann, treibt gewisse Leute zu einer Raserei, die, «eil sie ohnmächtig, nur lächerlich wirkt. Anonyme Feiglinge aus der antisemitischen Lumpengilde bedachten uns deswegen mit Schmähbr.efen, die wir hiermit quittiren. Vor den Dwhungen fürchten wir uns nicht, weil wir die Huren Antisemiten genugsam kennen und wissen, daß ihre Feigheit selbst chre Niedertracht übertrifft, die doch keine geringe ist. Es ist selbstverständlich, daß auch Herr Emst Vergani nicht fern bleibt, vielmehr in dem Kampf gegen den verhaßten „Rabbi Bloch" seinen Mann stellen will. Dieser „Rabbi Bloch" wird nun in der Abendausgabe des „Deutschen Volksblattes" von Montag, den 29. Februar eines großen Verbrechens angeklagt, „w'il er als Pole gewählt, trotzdem aber Herausgeber einer deutsch-liberalen (?) Zudenschrift und intimster Freund und Gesinnungsgenosse unserer wackeren deutschliberalen Volksvertreter ist." Die „Österreichische Wochenschklft" ist aber weder ein deutsches, noch ein polnisches oder czechischrs, sondern das Organ der österreichischen Iudenschaft. Wenn aber Herr Vergani, der Antisemit, der in jüdischen Bankinstituten herumschnorrt, der Anticorruptionist und Herausgeber eines anticorruptwnistischen Organes mit gutgezahlten „Texteinschaltungen" der Depositenbank (Abendausgabe vom Dienstag den 1. März) und anderer Banken und Finanzinstituten, sich zum Wächter über Gesinnungstühtigkeit aufwirft, entbehrt es nicht einer gewissen Komik. Die „Ostdeutsche Rundschru" bot einmal die Feder* Zeichnung eines „Volksfreundes" mit nachstehenden Zügen: ,S«n Krpf beherbergt nur eine Dosis halbasiatischer Schlauheit und sein Her; ist leer wie eine Sindstwpe. Er spielt, trinkt und verführt Weiber; er fragt niemals nach seinem Einkommen, er findet jedoch immer Mittel, die Ausgaben zu ermöglichen. Er lernt nichts, aber er versteht es, sich Vortheile anzueignen, und vor allem die vortheilhaste Levensrrgel, das Gewissen nur als überflüssigen Ballast zu betrachten. Ueber morali'che Bedenken und derlei Sonderlichkeiten einfältiger Narren ist er mit steigender Fähigkeit hinweggeglitten." „O, in dem Gorillaschädel unseres Polo ns ki reift ein feiner Plan; dieser protzige Ehrenmann ist nicht so dumm wie er an8 sieht. Er hat nichts und wrll alles haben, er ist nichts und will alles sein — woher nehmen und nicht stehlen?! Er muß das Geld anderer Leute in seine Taschm bringen, und als berufener „Volkssreund" findet er bald die sicherste EinbruchSmethode, er macht sich zum Bankier des Vertrauens". Vielleicht ist der polnisch-italienische Urgermane in der Lage, den derart „Gezeichneten" zu errathen? Daß aber der Herausgeber unseres Blattes, ein. Mitglied des Polenclubs, in der deutschliberalen Partei „intiniste Freunde und Gesinnungsgenossen" finden kann, muß Herrn Ernst Vergani um so ärgerlicher und sträflicher erscheinen, als er selber nicht blos von den politischen Gegnern, sondern noch mehr von den eigener Parteigenossen, von den ihm nachstehenden „politischen Freunden" jederzeit mit Fußtritten und derben moralischen Ohrfeigen tractirt zu werden gewohnt ist. Georg Schönerer hat ihm wiederholt Titulaturen verliehen, welche kein Mensch in Oesterreich, welcher seiner Ehre das geringste Gewicht beimißt, ohne ritterliche oder gerichtliche Sühne hingenommen hätte. Er nannte ihn „Gesinnungslump", „Schwindler ärgster Sorte", er überhäufte ihn mit Schmeicheleien: „Polnischer Schmutz . . . ., eidbrüchiger Schurke...., geldgieriger Meuterer...., Jauche der Gemeinheit...., publizistischer Gauch...." und Herr Georg Schönerer steht mit diesem Urtheile über den antisemitischen Vergani nicht vereinzelt. Das „Vaterland", welches bekanntlich für Georg Schönerer keine besonderen Sympathien hegt, erklärte sich ausnahmsweise in Bezug aus das „Deutsche Volksblatt" und den Charakter des Herrn Ernst Vergani mit dem Urtheile des Herrn Georg Schönerer vollständig einverstanden. Herr Dr. Pattai hat indeß vor Gericht über Herrn Vergani in einer Weise gesprochen, die sich nicht viel unterscheidet von dem Urtheit des Herrn Georg Schönerer. Ueberdies versicherte er, daß Herr Ernst Vergani einen Bettag von fl. 150, welcher den Armen der Stadt Wien gehörte, für das „Deutsche Volksblatt", beziehungsweise für sich behalten. Die eigenen Partcigenoffen des Herrn Ernst Vergani waren also in moralischen Fußtritten für. ihn nie sparsam und wenn er sich wundert, daß der Herausgeber der „Oestcrreichischen Wochenschrift" Mitglied des Polenklubs, innerhalb der deutschliberalen Partei Freunde besitzt, so dürfen wir die Vermuthung aussprechen, daß in Bezug auf Herrn Vergani bei allen Parteien