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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-04 · 10 (4.3.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
10 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Vrstrrrrichifchr Wochrnschrifi. Sette 161 den deutschen Michel bei Allem, was ihm heilig, nicht zu dulden, dag den Juden in der Person des braven Ahlwardt ein schuldloses Opferlamm überantwortet werde. Ahlwardt selbst stieg von der Anklagebank huldvoll zum Volke herab und führte in der Volksversammlung seine Sache mit jener Verbissenheit und Verlogenheit, die nun einmal zu seinen „berechtigten Eigentümlichkeiten" gehören. Die denkunfähige Menge aber klatschte ihm Beifall. Die Inden sind schuldig an Allem, wcs Herrn Ahlwardt an Widerwärtigem und Unerfreulichem zustößt, er selbst ist rein und makellos wie ein neugeborenes Kind. — Seit gestern und vorgestern weiß Ahlwardt — falls er dies noch nicht wußte — ganz genau, was er dem Geistespöbel bieten darf, der seine Versammlungen besucht. Er weiß jetzt, daß man der schlimmsten Dinge überführt; daß man als notorischer Verleumder und gewerbsmäßiger Ehrabschneider dastrhen und dennoch eine Rolle in der antisemitischen Bewegung spielen kann. Das wird der Mann sich hinters Ohr schreiben und er wird sein Verhalten danach einrichten. — Von Herrn Ahlwardt werden wir noch mancherlei zu hören bekommen. Diejenigen, welche glauben, daß der Ausgang des Prozeßes Ahlwardt der antisemitisch m Sache irgend welchen Abbruch thue, sind falsch unterrichtet. Eine Bewegung, wie die antisemitische, welche auf die niedrigsten menschlichen Instinkte ihre Rechnung ausbaut, nimmt es mit der Ehrenhaftigkeit ihrer Vertreter nicht so genau. Sonst könnten die Pickenbach und Genossen in diesen Kreisen keine führende Rolle spielen. Im Gegentheil: je schmutziger ein Antiscmiten-HLuptling sich benimmt, je unanständiger er ist, je weniger ehrenhaft seine Vergangenheit, um so sympathischer ist er gar vielen seiner Parteigenossen. Herr Ahlwardt hat sich unter dem frenetischen Beifall seiner Gesinnungsgenossen als ein Opfer der Judenschaft hinstellen können, „hervor-ragende Führer der Antisemiten haben öffentlich seine Partei ergriffen,, die „Staatsbürger-Zeitung" hat in seinem Interesse die Berichterstattung über seinen Prozeß in einer geradezu empörenden Weise entstellt, — kurz und gut, es geschah Alles, um den so überaus brauchbaren Mann der Sach' zu erhalt:», die nur mit Hilfe von Klopffechtern, deren Gewissenlosigkeit ihrem Cynismus die Wage hält, jenen Aufschwung nehmen kann, der unerläßlich ist, falls alle die Herrschaften, die in den trüben Tümpeln des Antisemitismus ihre Netze auswerfen, dabei ihr Auskommen finden sollen." — Daß die übrigen antisemitischen Führer sich mit Ahlwardt solidarisch erklärt haben, ist mehr als verdächtig. Tie Hen-schaften haben alle kein gutes Gewiffen. Und der Herr „Rektor" ist ein äußerst verschlagener Mann. Er weiß von seinen Spießgesellen gar mancherlei, wollten sie ihn j-tzt fallen lassen, so würde er sicher auspacken. Die Welt würde dann schöne Dinge zu hören bekommen — darauf kann und will man es nicht ankommen lassen. Wenn cs Herrn Ahlwardt auch nicht gelungen ist, das Rathhaus in seinen moralischen Sturz hineinzuziehen, so wäre er doch wohl im Stande, seinen antisemitischen Collegen die berufsmäßige Hetzarbeit wenigstens einigermaßen zu erschweren und dieselbe zu einem minder einträglichen G schäft zu machen. Ein Ahlwardt nimmt keine Rücksichten. Er ist nicht energielos. Das hat er wiederholt gezeigt. Deshalb nehmen die Andern Rücksicht auf ihn — aus zarter Rücksichtnahme auf ihre eigenen Interessen, die ihnen überaus heilig und theuer sind. Nus dem Lager der Iungrrechen. Der jungczechische Club der Josephstädter Wähler in Prag, hielt vorige Woche eine Versammlung ab, der auch die Landtagsabgeordncten Jnwald (Vertreter der Josephstadt im Landtage), Dr. Podlipny und Dr. Zalud beiwohnten. Debattirt wurde über die gegenwärtige politische Lage, wobei, wie in allen jungczechischen Versammlungen, heftige Worte gegen die Negierung, die Deutschen und die Altczechen relcn. — Abg. Jnwald dem vom Vorsitzenden das Wort ertheilt wurde, wiewohl er sich nicht zum Worte gemeldet hatte, zog den Antisemitismus in den Kreis seiner Erörterungen. Er führte aus, daß Dr. Julius Grägr ihn seiner Zeit ausgesucht und ihm das Landtagsmandat für die Joscphstadt angeboten habe. Er (Redner) habe das Mandat unter Hinweis auf die antisemitische Strömung unter den Jungczechen nicht annehmen wollen, doch habe Dr. Julius Grügr entgegnet, daß gegen die antisemitischen Elemente, weil die Jungczechen noch eine kleine Fraktion seien, vorläufig nicht ausgetreten werden könne; sobald aber die Jungczechen zur Macht gelangt sein würden, werde mit den Antisemiten auf eräumt werden. Heute, sagte Abg. Jnwald weiter, haben die Jungczechen die Macht, trotzdem erhebe der Antisemitismus unter ihnen kühn das Haupt, wie der begeisterte Empfang der Wiener Antisemiten im Sommer vorigen Jahres gezeigt habe, welche keineswegs als Freunde der czechischen Nation nach Prag gekommen seien, sondern nur, um in Böhmen den Samen der Judenhetze auszuflreuen. Der Antisemitismus vertrage sich nicht mit der Freisinnigkeit der Jungczechen und darum habe er als Jude nicht in den jungczechischen Landtagsclub eintreten können und werde es auch nicht thun, so lange in dessen Schoße Elemente geduldet werden, welchen die Beschimpfung der Juden Lebenszweck sei. Im Uebrigen werde er aber gegen die Ausgleichsvorlagen stimmen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Podlipny verwahrte die Jungczechm gegen den Vorwurf des Antisemitismus (Abg. Jnwald: Ich habe nicht von Allen gesprochen) und gegen die Anschuldigung, daß es im Club der Abgeordneten solche Elemente gibt, wegen deren Abg. Jnwald nicht dem Club beitreten könnte. (Abg. Jnwald: Vaschaty!) Unternehme aber schon ein Clubmitglied etwas auf eigene Faust, so darf das nicht auf Rechnung des ganzen Club geschrieben werden. Die Jungczechen sind freisinnig und werden diesem ihrem Grundsätze stets treu bleiben. (Beifall.) Adoocaturs-Candidat Scharf polemisirte gegen die Ausführungen des Vorredners bezüglich des Antisemitismus, indem er sagte, es könne von Niemandem abgeleugnet werden, daß es unter den Jungczechen Antisemiten gebe. Vor diesen Herren warme er die Jungczechen, damit sie (d e Antisemiten) denselben nicht über den Kopf wachsen. Höhne und beschimpfe ja doch Dr. Vaschaty, gegen den Niemand anfzutreten wage, fort und fort die Juden, (Abg. Jnwald: Ganz richtig! So ist es!), darum möge der jungczechische Club der Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten endlich offen und feierlich erklären, daß er mit der antisemitischen Hetze nichts gemein haben wolle. (Beifall. Abg. Jnwald beglückwünscht den Redner-.) Hierauf erinnerte ein Wähler den Abg. Jnwald an dessen Versprechen, gegen die Ausgleichsoorlagen stimmen zu wollen. Abg. Jnwald: Sollte ich mit meiner Wählerschaft in Conflict gerathen, werde ich mein Mandat niederlegen. Nie werde ich aber meine Hand erheben zum Nachtheile des czechischen Volkes und somit gegen die Punktationen stimmen. (Beifall und Händeklatschen.) So weit der Bericht über jene gewiß interessante Versammlrrng. Wir unsererseits wissen sehr wohl, daß es unter den jungczechischen Abgeordneten viele freisinnige Elemente gibt, allein wer speciell gewisse Vorgänge im österreichischen Abgeordnetenhause verfolgt, dem ist es nicht unbekannt, daß sehr viele Jungczechm mit dm Antisemiten nicht nur fraternijuen, sondern offen und unverhüllt gemeinsame Sache machm. Wir könnten da an manche Scene im Parlament erinnern. In dichten Massm umgabeit sie da den Volkstribun von Margarethen und applaudirten aus Leibeskräften. Es war ein wundervolles Bild, würdig des Pinsels eines Hogarch, als Schneider und

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