Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WMWW?!MWWWW Nr. io_Österreichische einen freien, weiten Blick befaß, wie wenige seiner Zeitgenossen, war ein überzeugter Antisemit." Brunhofer, Dr. H. „Giordans Brunos Weltanschauung und Verhängnis". Leipzig, 1882, 220 ff. sagt: „Alles der Bibel gespendete Lob ist bei Bruno nur unumgängliches Zugeständnis. Denn in seines Herzens innersten Tiefen kocht vererbter Rassengroll gegen alles, was aus jüdischem Geblüt hervorgegangen ist. Ausdrücke wie: „Beschnittener Sinn und geschorener Verstand" bilden deutliche Hinweise aus Judenthum und Christenthum. Die grausame Härte jüdischer Strafgesetze, die zunr traurigen Vorbild christlicher und muhamedanischer Gesetzgebungen geworden ist, erklärt Bruno aus der Verworfenheit des jüdischen Stammes-Charakters. Ein Gesetz, das für den Fehler des Vaters auch die unschuldigen Kindlein und die Mutter büßen läßt, konnte nach Bruno nur einer so pestilenzialischen, aussätzigen und gemeingefährlichen Rasse, wie der jüdischen entspringen, einer Rosse, die eher orseerottet als geboren zu werden verdiente. (Opera die Giordano Bruno ed. A. Wagner. Leipzig, 1830. Bd. II., S. 197). Die Juden sind der Abschaum der Menschheit. (Giordanus Biuno, de immenso Stuttgart, 1836 S. 512 tt. 620); das uichtswürdigste und verdorbevste Volk der Welt, von der niedrigsten und schmutzigsten Natur und Gesinnung, (a. a, 0. Bd. II. 8. 239). Das Unerträglichste an ihnen ist ihr grenzenloser Hochmulh. Sie wareir von jeher ein gemeines, feiles, sich absonderndcs, unmittheilsames, mit anderen Nassen unverträgliches Volk, die es bestialisch verachtet und von denen es aus jedem Grunde nach Gebühr wiederum verabscheut wird. (Bd. II. 8. 269.) „Heutzutage, wo es kein Hebel oder Laster gibt, dem sie nicht unterworfen wären, gibt es kein Gut und keine Ehre, die sie sich nicht versprächen" (Wagner a. a. 0. Bd. II. j 8. 380.). „Das Schlimmste aber ist, daß sie als der Auswurf Aegyptens (Ebenda, Bd. II. 8. 236), die mißverstandene Natur-Religion der Aegypter in verfälschter Form aus die Nachwelt vererbt haben. „Bruno ist unermüdlich, den Schaden zu betrauern, den die Menschheit erlitten habe, als das Semitenthum dem sinnigen Naturdienst der antiken Kulturvölker ein grauenhaftes Ende bereitete, indem es an die Stelle der ehemaligen Unschuld raffinirte Bosheit und an den Platz der einstigen Begeisterung für das Forschen nach der Wahrheit — Heuchelei und Lüge, Ignoranz und Intoleranz gesetzt habe." — So schreibt Brünhoser! Nichtsdestoweniger harte Dr. Lueger im österr. Parlament die Stirne, die Juden verantwortlich zu machen, weil man G. Bruno in Rom ein Denkmal gesetzt. _ Die „Antisemitische Correspondenz", welche „mit Ausschluß der Oefsentlichkeit" „diskret" „nur an Parteigenossen" versendet wird und darum die innersten Gedanken der Parteileitung unverhüllt zum Ausdruck bringt, erklärte in Nr. 4 rund heraus: „Das Ehr stcnthuiu, das als eine Religionsschöpsiiiig des semitischen Geistes ursprünglich nur für die Juden geschaffen war, hat erst in Folge äußerlicher Aufpfropfung, wie sie durch die politischen Verhältnisse begünstigt wurde, uns mit dem semitischen Geiste insicirt und die besten und edelsten Kräfte unserer nationalen Anlage verdunkelt und brach gelegt. Die jetzt zum Selbstbewußtseiu erwachenden nationalen Volksiriebe werden daher, wenn sie den Alp des Judenthnms abschütteln wollen, nicht im Namen einer fremden, importirten und bereits stark in Zersetzung begriffenen Religion, sondern im Namen unseres ureigenen nationalen Geistes zu reden haben, der aus jener semitischen Umrankung sich frei zu entfesseln beginnt, nachdem er bereits durch die Reformation sich „von der äußeren Herrschaft der der jüdischen Theokratie nachgebildeten römischen Hierarchie losgerissen hatte. Es handelt sich daher um weit mehr als um rin bloßes Absehen von aller Religion. Es hat schließlich die Erkenntniß auch davon Platz zu greifen, daß das Christenthum zum guten Theil selbst Semitenthum ist und daß daher erst dann von einer endgiltigen Ausscheidung des Judenthums die Rede sein kann, wenn das mit dem modernen Völkergeiste in seinem letzten Grunde unvereinbare Christenthum ausgeschieden ist." Das ist klar und deutlich. Der Antisemitismus ist sich einer Gegnerschaft und seiner Feindschaft'zur Religion und Christenthum wohl bewußt und in vertraulichen' Kreisen macht er dessen kein Hehl. Mit solcher Bundesgenossenschast will die „Kreuzzeitung" für Thron und Altar kämpfen! Nein, will man die Wochenschrift Seite 159 religiöse Pietät und den Gottesglauben wieder im Volke lebendig werden lassen, so müssen vorerst die antisemitischen Elemente aus dem deutschen Volkskörper ausgeschieden werden. Zwei Lorbeerkränze. Mit dem Lorbeer verbinden sich für die ganze gebildete Welt die edelsten Begriffe. Der Lorbeer ist das Sinnbild geistiger unt) sittlicher Größe, das Symbol unvergänglichen Ruhmes. Wenn wir vom Lorbeer sprechen, erscheint vor unserem geistigen Auge das alte Griechenland mit seiner ganzen schönheilstrunkenen Herrlichkeit, das alte Rom mit seiner- Sittenstrenge und seinem Helderrmmhe. Sappho, Perikles, Sophokles, Epaminondas, Cincinnatus, Cato, Scipio, Marius und Sulla steigen vor unseren Blicken aus. Sie alle hat der Kranz aus Lorbeerblättern geschmückt, die höchste Ehre, welche ein freies, selbßbeivußtes Vrlk zu vergeben hatte. Seither sind Jahrtausende vorübergegangen, die Begriffe von Schönheit, von Tugend und Verdienst mögen sich mannigfach geändert haben, das Sinnbild für dieselben, der dunkle, stille, prunklose Lorbeer ist geblieben. Man mag freilich Ursache haben, in neuer und neuester Zeit die Berechtigung solcher Kranzzierde anzuzweifeln. Das Haupt jener Pflicht- und ehrvergessenen Fürsten, welche ihre eigenen Landeskinder in die Fremde verkauften, erscheint ebenso bekränzt wie jenes der erhabendsten und weisesten Herrscher, unb den erbärmlichsten Coulissenreißer, der auf einer armseligen Provinzbühne den „Franz Moor hinlegt," wird die gleiche Auszeichnung zutheil, wie dem gottbegnadeten Künstler, dessen Offenbarungen eine kunstverständige Gemeinde lauscht. Es hat uns daher gar nicht gewundert, daß der Abgeordnete Dr. Carl Lueger sich nachdem er Herrn Etiemre so ritterlich ausgewichen, von seinen Margarethner Wählern einen Lor beerkranz üben eichen ließ; und ebensowenig wundert es uns, daß jener Rector Ahlwardt, über welchen die Berliner Gerichte ein vernichtendes Unheil gesprochen, den sie der Veruntreuung und gewerbsmäßiger Ehrabschneiderei für überwiesen erklärten, sich unmittelbar nach dieser Verurtheilung in einer Versammlung von 1500 Getreuen gleichfalls mit einem Lorbeerkranze krönen ließ. Nicht der Mißbrauch, der hier mit dem Lorbeer getrieben wurde, interessirt uns, sondern die rührende Uebereinstimmung zweier gleichgesinnter Seelen die Innigkeit eines Verhältnisses, welches selbst in den äußeren Mitteln der Selbstberäucherung zum Ausdruck kommt. Ob der Lorbeer einen edlen Schweinsrüffel ziert oder das Haupt der Herren Antisemiten bekränzt, ist für Mit- und Nachwelt herzlich gleichgiltig. Festgestellt aber soll und muß werden, wie der Eine dem Andern das Mittel zur Betölpelung der urtheilslosen Menge abgelauscht hat, wie die Theaterpose bei Diesem und Jenen herhalten muß, um den moralischen Defect zu verdecken. Der Lorbeerkranz des Rector Ahlwardt und der Lorbeerkranz des Abgeordneten Lueger gehören zusammen, wie Herr Lueger mit Herrn Ahlwardt zusammengehört. In den Augen der Margarethner Wähler hat der Abgeordnete Lueger nichts von seinem Nimbus verloren, als ihm eine entschlossene Hand die heuchlerische Maske des Volksfteundes vom Gesichte riß und ihn als den „Beuscheldoctor" und „Herrgottspfänder" blosstellte. Und in den Augen der Berliner Zuhälter und „Radaumänner"* hat der ehemalige Rector Ahlwardt nur gewonnen, als er zu vier Monaten Gesängniß verurtheilt und in den Urtheilsgründen als ein Abschaum von Niedertracht und Gemeinheit gebrandmarkt wurde. Als ihm vorgehalten wurde, wie er durch ein zuchtloses Leben auf die abschüssige Bahn gerathen _ sei, die ihn auf die Anklagebank geführt habe, erregte er selbst bei dem Gerichtshöfe einen widrigen Eindruck durch die Frechheit der Entgegnung: nicht auf abschüssiger, sondern auf aufsteigender Bahn befinde er sich, nämlich auf der, zur Befreiuung „seiner Nation" von der Herrschaft des Judenthums. Ja, die Herren Lueger und Ahlwardt gehören zusammen, und vergebens bemühen sich die Freunde oes Ersteren, den dunklen Berliner Ehrenmann heute von ihren Rockschößen ab-