Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Eeüe 1L» und ihre Wohlthätigkeit kannte keinen Unterschied der Confession. Verehrt von ihren Kindern, erreichte sie das hohe Alter ohne daß ihr Geist und ihr Gcdächtniß im geringsten getrübt rvurde und bewahrte sie ein lebhaftes Interesse an allem Guten und Edlen. Die Gedächtnißrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. Mistelbach. Am 17. Februar fanden die provisorischen Vorstandsmahlen statt und cs wurden gewählt: Herr Dr. Jonas Schläfrig, Herr Ludwig Abel es, Holzhändler, Herr- Heinrich Kohn, Kaufmann, säwmtlich in Mistelbach, Herr Jacob Fürst und Herr Jacob Altbach in Hohenau. Kuttenberg. Hier siarb der Kaufmann und mehrjährige Vorsteher des Culrusvereins Herr Adolf A b el es im50. Lebensjahre. Die Leiche wurde Montag in Brandeis a/d. Elbe beigcsetzt. Brünn. (Todesfall.) Dem hiesigen Bankier, Herrn Sigmund Spitz, ist namenloses Leid durch das allzufrüh erfolgte Hinscheidcn seines hoffnungsvollen Sohnes Gustav, Lieutenant i. d. N., widerfahren. In Folge dieses Todesfalles ist eine große Zahl der angesehendsten Familien Brünns in tiefe Trauer versetzt. Den Leidtragenden sind aus allen Kreisen der Gesellschaft lebhafte Zeichen der Thcilnahme und des Beileids zugcgangen. Prag, 20. Februar. N. Der auch in weiteren Kreisen bekannte Inhaber eines Herrcnmode-Salons Herr M. Orlik, hat einen schweren Verlust in seiner Familie zu betlagen: gestern wurde dessen e.ft 27jühriger Sohn Robert zu Grabe getragen. Der Verblichene, ein junger Mann, der zu großen Hoffnunccn berechtigte, erfreute sich bei allen, die ihn kannten, großer Sympathien und spccicll in den Prager geselligen Vereinen war er eine ebenso bekannte als beliebte Persönlichkeit. Die Thcilnahme an dem Leichenbegängniße war eine ungemein zahlreiche und zumal die Prager Vereine hatten viele Deputationen entsendet, unter denen die des „Kaufmännischen Vereines" und des „Deutschen Handwerker-Vereines" durch ihre Stärke hervorragten. Die Liedertafel der erstgenannten Vereinicung sang im Israel. Badhofe einige ergreifende Chöre, worauf der Leichnam nach dem neuen israelitischen Friedhöfe in Wolschan überführt wurde. Lemberg. Mit Erlaß des hohen k. k. Landesschulrachs von Galizien wurde der seitens der Cultusgemeinde hierzu präsentirte Rabbiner Dr. Caro zum Inspektor der jüdischen Religionsunterrichte an sämmrlichcn Volks-, Bürger- und Mittelschulen Lembergs ernannt. Hoffentlich wird dieser Unterricht unter der Aufsicht des bewährten Pädagogen einen kräftigen und allerseits erwünschten Aufschwung nehmen. Randnitz, 15 Febr. Unser Rabbiner Herr Dr. Moritz Klotz, hielt am 13. d. M. vor einem sehr zahlreichen Publikum einen Vortrag über das Thema: „Der erste Kreuzzug und seine Folgen für die Inden Deutschlands und Böhmens". Der Stosf rvurde von dem Herrn Vortragenden in erschöpfender und pcpulärer Weise durchgeführt und fesselte durch eine ganze Stunde die Zuhörer. Interessante Bemerkungen würzten den Vortrag, wie beispielsweise diejenige, daß ebenso wie die mit dem Kreuzzuge in Verbindung stehende Judenverfolgung aus Deutschland nach Böhmen ihren Weg genommen, auch die unnatürliche Pflanze des Antisemitismus von dort hieher gedrungen ist; allein so wie die Judenversclgungen hier keinen fruchtbaren Boden gefunden haben, ebenso ist die Hoffnung begründet, daß sein gesunder Sinn unser Volk geg'n die Verbreitung dieser modernen Pest widerstandsfähig ruachen werde. Erbauend wirkte die Schlußfolgerung auf die mcdcrne Zeit. Während unsere Väter standhaft die härtesten Martern, -ja den Tod für ihre Religion erduldeten, macht schon die Aussicht auf materiellen Gewinn oder aus Befriedigung des Ehrgeizes viele Glaubensgenossen unserer Zeit flüchtig von der Standarte unserer Religion. Der Redner ermahnte zur Pflege jüdischen Wissens, insbesondere bei der Jugend, wodurch allein die Liebe zur Religion wachgehrlten werden kann. Am Ende des Vortrages lohnte let Hafter Bei all den Redner, dem auch der Cullusvor sicher Herr Dr. Adolf Eisler, den Dank nebst der Bitte der Anwesenden aussprach, ihnen bald wieder einen so genußreichen Abend zu bereiten. — mr. Budapest, 12. Februar. Vor etwa 13 Jahren Lenkte Frau David Bischitz die Aufmerksamkeit des Herrn Baron Moriz v. Hirsch auf Ungarn; seither stellte der hochherzige Philanthrop seiner eifrigen Vermittlerin fortwährend namhafte Summen zur Verfügung, bis er vor 5 Jahren ein förmliches Wohlthäligkeitsbureau hier errichtete. Baron Hirsch sandte im ersten Jahre 100.000 fl. und seither sendet er regelmäßig alljährlich 120.000 st. hieher und das Bureau vermittelt deren Vcrtheilung unter die Bedürftigen. Vor 4 Jahren spendete er außerdem den Ueberschwemmten 40.000 fl. und im Vorjahre den Abgebrannten 50.000 fl. Seit dem Bestände des Bureaus haben sich 48.324 Petenten gemeldet, erhielten 15.310 Familien Unterstützungen im Betrage von 549.566 fl., 1892 Industrielle 100.650 fl. zur Fortsetzung ihres Gewerbes, 876 den Betrag von 92.480 fl. zur Eröffnung von Geschäften, 2114 zur Bezahlung von Micthzinsen 84.566 jt., 896 arme, zumeist verwaiste Mädchen 67340 fl. als Ausstattungsbeiträge, 1580 arme Studenten 46.520 st. auf Schul- und Prüfuugstaxen. 2467 Individuen 68.610 st. als Krankenpflegekosten. Jnsgesammt ist somit durch das hiesige Wohlthätigkeits-Dureau die imposante Summe von 1,100.232 Gulden (ca. 1,870.394 M.) zur Vcrtheilung gelangt. Brüssel, 1. Februar. Unser neuer Oberrabbiner ist am Sonntag voriger Woche feierlichst in sein Amt ein geführt worden. Cairo, 17. Januar. Zu dem Empfange unseres neuen Vicekönigs Abbas Pascha waren auch Herr Oberrabbiner Hass a n und die Vorsteher der jüdischen Gemeinde officicll eingeladen. Brünn. (Spende.) Josef S t i a ß n y, Chef der Firma Brüder Stiaßny, hat anläßlich der Genesung seiner Tochter von einer lebensgefährlichen Krankheit den Betrag von fünfhundert Gulden zur Betheilung von Armen gespendet und zwar zu gleichen Theilen an solche mosaischer und an solche christlicher Consession. Feuilleton. Isaak aufdtzm Damm. Eine Skizze aus dem Holländischen von Clara Schott. Wer kennt Isaak nicht? Jeder Amsterdamer hat ihn mindestenhundertmal in seinem Leben gesehen, denn seit Jahren steht Isaak mit seiner Schuhbank auf dem Tamm am Monument. Tes Morgenfrüh, bis es dunkel wird, kann man ihn stnden, stets bereit, den Vorübergehenden die Stiefel zu reinigen, Aufträge zu besorgen, Päckchen zu tragen u. s. w. Für diejenigen, die ihn nicht kennen, diene Folgendes: Isaak ist ein Mann von ungefähr 50 Jahren, von mittlerer Gestalt, mit einem etwas krummen Rücken und einem Gesicht, dasofort verräth, zu welcher Nation er gehört. Cin paar pechschwarze Augen funkeln fröhlich unter den dunklen Wimpern, und um seinen breiten Mund spielt gewöhnlich ein gutmüthiges Lächeln, wobei er seine Nasenflügel anfbläst. Sein Haar ist an den Schläfen schon ergraut, unter der Mütze quellen aber doch noch schwarze Locken hervor. Tie Jacke, die Isaak trägt, ist von unbestimmter Farbe: in der Sonne gelblich, im Schatten grün. Wenn es sehr warm ist, zieht er eine blangestreiste Blouse an, die sehr geflickt.aber sauberist.Weiße breiteHosenträger halten Pantalons, die einstmals schwarz gewesen,nun aberröthlichschimmernundderenNähte zu rufen schienen: „Wir haben einstmals vornehmere Beine bekleidet." — Jeder, der Isaak kennt, weiß, daß er ein ehrlicher Schuhputzer ist, fröhlich, stets aufgeräumt, Sptimist von reinstem Wasser, gewandt und mit Geistesgaben aus» gestattet, die seinem Volke eigen. Eigentlich ist er Philosoph, ohne es selbst zu wissen, und ein Beobachter, der in seiner Naivität stets den Nagel aus den Kops trifft. Ich habe lange seine Eigenheiten studirt und bin zur lieber» zengnng gelangt, daß es wohl der Mühe wrrrh ist, ihn urrheilen zu hören über das, »ras er auf dem Tamm beobachtet hat. Schenk auch du ihm einige Augenblicke, lieber Leser, ich lasse Isaak nun selbst zu dir sprechen: Ta steh' ich nu wieder, Gott seg'n Dich, 's ist keine Kleinigkeit; siebknunddrcißig Jahre lang komme ich nun alle Tage aus den Damm. Soll ich gesund bleiben noch siebenunddreißig Jahre! Wie oft haben die Saite schon gesagt: „Isaak bist Tu denn verheiratet mit dem Tamm? Warum stehst Du nicht lieber an der Bahn? Es ist doch da mehr zu verdienen." Stuß! ich »veiß es besser! Wozu brauch' ich wo anders hinzugeh'n? Js mir doch der Damm lieb geworden, is tr doch meine ganze Eristenz. Hab' ich doch schon als ztvölsjähriger Junge meinen Schuh» putzkasten auf dem Damm stehen gehabt, um zu putzen, was zu putzen ist, und dann Hab' ich Brod zu verdienen für meine Frauleden und für meine geliebten Kinder, Gott laß' sie gesund sein! Ich Hab' auf'n Damm allezeit meine Kost verdient und Gott sei Dank noch mehr! Mit de