Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Stict 152 Vrstrrreichischr Wochenschrifi. Nr. 9 drohen, bald geheilt." Renan glaubt sich wegen der Veröffentlichung der schlichten „Losen Blätter" aus seinem Leben entschuldigen zu sollen, meint aber, sein Unrecht werde dadurch geringer, daß er nicht eher an die Arbeit schritt, als nachdem das große Werk seines Lebens, „Die Geschichte des Volkes Israel", vollendet war, vollendet wenigstens in der Hauptsache, denn die Correctur der Druckbogen wird noch Zeit und Mühe echeischen. Das Ganze ist jedoch so weit gefördert, daß, wenn er morgen sterben sollte, das Werk mit Hilfe eines guten Correctors erscheinen könnte. Der Gelehrte blickt froh auf das Vollbrachte zurück und heiter seinem ferneren Geschicke entgegen. New-Kork, 4. Februar. Auch in der amerikanischen Presse, und zwar nicht nur in den Tageszeitungen, sondern auch in Wochen- und Monatsschriften, mehren sich die Anzeichen von Voreingenommenheit gegen Juden und Judenthum, über welche die „Mische Presse" berichtet. Diese Angriffe sind nicht ohne Erwiderung von jüdischer und nichtjüdischer Seite geblieben; am wirksamsten und wohlthuendsten ist die Abfertigung, welche im „New-Aork-Herald" kein Geringerer als George R. Wendling den judenfeindlichen Anwandlungen zu Theil werden läßt. Er schreibt: „In meinen Adern rollt kein Tropfen jüdischen Bluts; ich bin mit Juden weder durch Heirat, noch durch irgend welche andere nähere oder fernere Beziehungen verwandt. Ich schulde keinem Juden einen Dollar und kein Jude schuldet mir etwas. Ich spreche daher vom Standpunkte völliger Unabhängigkeit über die Juden, in denen ich eine hervorragende Rasse erblicke, hervorragend in ihrer Geduld, in ihrer gegenseitigen Liebe, in ihrer Ausdauer, in ihrer Weisheit, in ihren maßvollen Gewohnheiten und hervorragend in ihrer Anhänglichkeit an ihre mosaischen Ideale. Sucht man nach einer Aristokratie des Blutes und der Geburt? Die Inden sind das Volk mit dem reinsten Blute und der bestbegründeten Abstammung der Welt. Weder Mirabeau hat in der französischen Convention, noch Patrick Henry oder Sam Adams hat in den ältesten Irrten unserer Colonie jemals ein erhabeneres Wort gesagt, als Disraeli dies im Unterhause that, indem er den Bonvurf, daß er ein Jude sei, mit den Worten zurückwies. „Ja, ich bin ein Jude! Aber als die Vorfahren der Herren Abgeordneten noch als wilde Barbaren ans einem unbekannten Ciland hausten, waren die meinigen bereits Priester des einzigen Gottes im Tempel zu Jerusalem." Sucht man nach einer Aristokratie des Geistes? Der große Kirchenhistoriker Nenn der war ein Jude, Napoleons Marschälle Soult und Massena waren Juden; der geistreiche Heine war ein Jude, und — .... aber die Weltliste großer Soldaten, Autoren, Musiker, Maler, Dichter, Philosophen und Financiers enthält mehr jüdische Namen, als ich in vielen Stunden aufzählrn könnte. <53 ist ein gehässiges, falsches Christenthum, welches die Juden haßt. Das Mysterium der Jncarnatio» fand Ausdruck im Fleisch und Blut eines Juden und deshalb beten wir in gewissem Sinne einen Juden an. Wir singen jüdische Psalmen, fühlen uns gehoben durch die Leidenschaft und Poesie jüdischer Propheten nnd sind in Bezug auf die einzige Geschichte, die wir vom Heiland haben, aas jüdische Biographien angewiesen. Wir haben unsere panlinische Theologie von einem Juden und wir erhaschen den deutlichsten Ausblick in die künftige Welt durch die apokalyptische Vision eines Juden. Und trotz alledem drehen wir Christen uns um und spotten über die Juden. Ich habe mit Lehrern der Philosophie Unterhaltungen gepflogen, w.lche von den Juden verächtlich sprachen und trotzdem mit Enthusiasmus Ideen lehrten, welche sie von Maimonides und Spinoza entnommen halten, — seit den Tagen Platos mit Ausnahme von Kant die beiden größten Philosophen und beide Juden. Ich habe gehört, wie Musiker die Juden verurtheilten und sich dann Tag und Nacht abmühten mit dem Versuch, die Schönheiten von Meyerbeer und Mendelssohn — beide Juden — zu inteipretiren. Bor einiger Zeit plauderte ich mit einer begabten Schauspielerin und horte, wie sie und ihr Gatte beide — natürlich im Vertrauen — die ganze Raffe der Juden auf's Schärfste verdammten, und doch würde jene Frau die Hälfte ihrer Jahre dafür geben, wenn sie nur jene Höhen erreichen könnte, auf welchen die große Königin der Tragödie, Rachel sich mir so - majestätischer Macht bewegte — und Rachel war eine Jüdin. Hier in Washington habe ich strebsame Politiker — wenn sie außerhalb dem Bereiche des Reporterstifts waren - die Juden verspotten hören, und doch war es ein Jude, welcher Englands Königin zur Kaiserin von Indien machte, und es war ein Jude, der viele Jahre lang als gewandter und kluger Präses dem nationalen Eomitö einer unserer größten politischen Parteien Vorstand. Der gescheiteste Mann in der südlichen Consöderation war Judah P. Benjamin, ein Jude, und Chase verdankte einen großen Theil seines Erfolges bei Verwaltung unserer Sta tsfinanzen während einer gefahrdrohenden Periode dem beständigen Rathe eines New-Porker Juden. Daß man niemals einen jüdischen Spitzbuben oder Trunkenbold sieht, ist sprüchwörtlich, daß man nie einem jüdischen Bettler begegnet, notorisch, ebenso wie es eine statistisch feststehende Thatsache ist, daß den Hospitälern, Gefängnissen und Arbeitshäusern von den Juden verhältnißmäßig weniger Insassen geliefert werden, als von irgend einer andern Rasse. „Man muß die Juden beichten!" Wir thäten bester, dies zu unterlassen und zunächst unsere modernen Christen zum wahren Christenthum zu bekehren. „Man unterdrücke die Juden!" Auch eine Legion von Tyrannen ist dazu nicht im Stande. Jedes Volk auf Erden hat dies versucht und ist dabei unterlegen. Sie haben die Tudors nnd Plantagenets überlebt wie die Romanosfs, die Tyrannei Spaniens, die Dynastien Frankreichs, Karl den Großen, Constantin, die Cäsaren, die babylonischen Könige und die egyptischen Pharaonen. Israel war Gottes eigenes Volk 4001) Jahre lang und die schreckliche Verfolgung, die es während der anderen 2000 Jahre überstanden, stempelr es zu einem Volke, welches immer noch in mysteriösen Beziehungen zu den Plänen des Ewigen steht. Die Schönheit und Treue jüdischer Frauen fordern meine Huldigung heraus und die ausgezeichnete Feinheit der Jüdinnen der reichen und gebildeten Familien, ihre Erziehung nnd ihr Auftreten, gemischt mit einer Art orientalischer Grazie und Würde, stellen sie in die Reihe der reizendsten Frauen der Welt. „Aber der Jude ist listig!" Ist er das? Hast Du jemals das Wort eines Mannes rascher geglaubt, weil er Baptist oder römisch-katholisch war? Hast Du niemals einen zwanzigpfündigen Stein in einen Ballen Baumwolle gefunden, den Du von einem Südländer gekauft? Hast Du niemals Schweineschmalz in der Butter entdeckt, die Dir von einem Puritaner aus Ncuengland verkauft worden war? Der Glaube, daß der Jude unehrlicher ist als der Nich'.jnde ist zur einen Hälfte Unsinn und zur anderen Hälfte Vorurtheil und Falschheit. Das judenfeindliche Gefühl, welches gegenwärtig auch am Horizonte unseres Landes aufzutauchen scheint, ist n»christlich, unmenschlich, unamerikanisch. Niemand kann dieses Gefühl theilen, der an die allgemeine Vaterschaft Gottes und an die allgemeine Brüderschaft der Menschen glaubt. Es ist eine Ausgeburt der Hölle und deshalb der Verachtung Werth." Wien. (Personalnach richten.) Am 21. Februar 1892 wurden getraut: Im Tempel der inneren Stadt: Herr Ludwig Beer mit Frl. Helene Pick. Im Tempel der Leopold stadt: Herr Isidor Sachs mit Frl. Regina Rosenblüh; Herr' Adolf Spitz mit Frl. Eugenie Stcckelmacher; Herr Ludwig Lichtcnstern mit Frl. Anna Wcinbcrgcr. Am 25. Fcbruar: Im Temp e l d e r i nn eren S t ad t: Herr Robert. Viktor Berger mit Frl. Elvira Schaff. Sonntag am 28. um h lb 1 Uhr Nachm ttags findet im ist. Tempel Leopoldstadt die Trauung des H rrn Dr. Jacob Rabbinowicz, Rabbiner in Rakonitz in Böhmen, mit Frl. Sara Fried mann, Tochter des Lectors Herrn M. Friedmann in Wien statt. Am 16. d. M. fand das Beschneidungsfest des neugeborenen Söhnchens des Herrn Moritz Ritter von Ku ffner statt. Als Pathe fungirte der Präses der isr. Cultusgemeinde, Herr Wilhelm Ritter von Gutmann. Die Beschneidung vollzog der Operateur Dr. Adolf Herzfeld. Herr F. I o s e p h und seine Gattin Hulda geb. Liechtenstein feiern am 28. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Oesterr. Israel. Union:) Samstag den 27. Feber 1892, 7 Uhr Abends, findet" im Restaurant Khuncr I., Schottenring 19, eine Vereins-Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. D. Feuchtwang. „Die Grundlage einer sittlichen Erziehung". Wien. Sonntag am 6. März findet, wie bereits erwähnt, das Brudermahl der Wiener Chewra-Kadischa statt. Die Anmeldungen aus den besten Kreisen der Residenzgemeinde sind diesmal besonders zahlreich und es empfiehlt sich für diejenigen, welche am Feste theilzunehmen beabsichtigen, ihre Anmeldung noch rechtzeitig zu veranlassen. Wien. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibenden veranstaltet Sonntag, den 6. März in Ronachei's Ballsaal ein Costüme-Kränzchen, dessen Reinertrag den eminent Humanitären Tendenzen dieses Vereines dienen wird. Mit Rücksicht hierauf ist eine lebhafte Betheiligung wünschenswertst, zumal dag Komitö Nichts unterlassen hat, was das vollständige Gelingen des Kränzchens hindern könnte. Die Musik besorgt eine k. u. k. Militär-Kapelle. Kostünezwang cristirr nicht, Herren erscheinen in Soirö?- oder Salon-Toilette. Karten ä ft. 1.— und Familienkarten ä fl. 2.—, für 3 Personen giltig, sind beim Komitö (II., Obere Donaustraße Nr. 8l, I. Stock) täglich von 3 bis 4 Uhr Abends erhältlich Wien, 22. Fcbruar. Heute fand unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängnis der F^au Rosalie Vogl, Mutter des kais. Ralhes und Handelskammerrathes Friedrich Vogl in Simmering statt. Die Verblichene hat das Alter' von 93 Jahren erreicht, ragte durch geistige Bildung hervor