Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Drstrrrrichifchr WochrnschrM. Sette 151 Bild von einer nicht blos heitern, sondern auch ernsten Symbolik. Wir rathen den Wiener Antisemiten Herm Ahlwardt gleich in Wien zu behalten: sie und wir könnten ihn gut brauchen." Für Herrn Ahlwardt wäre es jedenfalls besser gewesen, er wäre an der Spitze Luegers, Schneiders und Liechtensteins in Wien geblieben. Wien. Unter der von Sr. Maj. dem Kaiser ernannten Mitglieder-Central--Commission für die internationale Welt- Ausstellung in Chicago bestnden sich nachstehende Kaufleute und Industrielle jüdischer Confession: Herr Julius Ritter v. G o mp er z Fabriksbesitzer, Reichsrathsabgeordneter, Präsid. der Handels- und Gewerbekammer in Brünn. Herr M. Kersch, Juwelier und Granatwaarenerzeuger. Herr Ludwig Politzer, Bijouteriewaarensabr.kant. Herr F r i e d r. P o l l a k, Papierwaarenfabrikant. Herr Alois Reich, Glasfabriksbesitzer. Hern: Herrman R o b i t s e ck, k. k. Commerzialrath und Kammerrath. Herr Gustav Schweinburg, kais. Rath undKanimenuth, Tuchwaarenfabrikant. Herr Franz S t i a s s n y, k. k. Commerzialra% Exporteur. Damboritz. Gestern, als am Jahrestage des, vorigen Jahres verstorbenen Privatiers Herrn Leopold Wiesner, fand im hiesigen israel. Tempel eine Gedächtnisfeier statt, der die ganze Gemeinde anwohnte und bei welcher der ehrw. Rabbiner und Prediger Herr Samuel H ahn eine überaus gelungene Gedenkrede hielt. Von den Vermächtnissen Wiesner's mögen nachstehende Erwähnung finden. Die jeweiligen Zinsen eines Gesammtcapitals von 73.000 fl. fließen den, von den Erblassern namhaft gemachten Wohlthätigkeitsinstitutionen zweier Gemeinden alljährlich zu, von welchen die Zinsen eines Capitales von 14.000 fl. auf Brünn und die eines Capitales von 59.000 fl. auf die Heimatsgemeinde Damboritz entfallen. Diese Stiftung ist aus dem Erträgnisse des den Erblassern gehörigen Hauses in Brünn, Allecgasse Nr. 3 für ewige Zeiten gesichert und steht unter der Oberaufsicht der hohen k. k. mähr. Statthalterei. Dieses Haus wird den Namen „Leopold und Fanni Wiesner'sches Stiftungshaus" für immer tragen. Die Verwaltung dieser Zinsen ist folgendermaßen leg irt. a) Der Cultusgemeinde Brünn. l. für arme Waisenkinder Brünns die Zinsen von fl. 5000 2. eine Heiratsausstattung für arme Mädchen „ „ 5000 3. dem isr. Seminar in Brünn die Zinsen „ „ 2000 4. den Ortsarmen am Versöhnungstag zu vertheilen „ 2000 b) Der Cultusgemeinde Damboritz. 1. Eine jährliche Cultussteuerquote die Zinsen von ft. 10.000 2. Zur Erhaltung, Renovirung des Tenrpels die Zinsen von „ 10.000 3. Den Ortsarmen zur Betheilung an allen Festtagen die Zinsen von „ 10.000 4. Für am Sterbetage beider Ehegatten abzuhaltende Gebete und Betheiligung der Armen die Zinsen von „ 10.000 5. Zur Förderung des hebräischen Unterrichtes die Zinsen von „ 2000 6. Für Medicamente und Behandlungskosten der Ortsarmen die Zinsen von „ 2000 7. Zur Bekleidung armer Schulkinder die Zinsen von „ 1000 8 Zur Vertheilung an arme Verwandte zu jedem Neumond die Zinsen von „ 3« >00 9. Eine Heiratsausstattung für arme Mädchen die Zinsen von „ 3000 10. Für Brennmaterial an die Ortsarmen die Zinsen von „ 4000 11. Zur Erhaltung des der Gemeinde gespendeten Hauses Nr. 38 als Rabbinerwohnung die Zinsen von „ 1000 13. Für am Sterbetage der Eltern beider Ehegatten abzuhaltenden Gebete und Vertheilung an Arme die Zinsen von „ 2800 Und sv hat dieser edle Philantrop durch feine hochherzige Stiftung die Gemeinde Damboritz zu ewigem Danke verpflichtet. Fleischmann. Berlin. (Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus.) Jni christlichen Geschäftsanzeiger für Gelsenkirchen-Schalke und Umgegend Nr. 10 fand sich am 19. December in großem Drucke folgende Notiz: „Weihnachten! Die jüdische Zeitschrift „Deborah" schrieb: „Es ist ein Glück, daß der Gekreuzigte in die Welt gekommen sei, der Jude mache ein Geschäft dabei. Und wenn sich nun die Jungfrau verstanden hätte, uns noch einen Buben im Sommer zu schenken, dann hätten die Juden doch doppelten Profit." Unsere deutschfühlenden Frauen werden hoffentlich ihren Abscheu über eine derartige Rohheit dadurch kundgeben, daß sie nicht bei Juden kaufen." Diese angebliche Notiz aus der „Deborah" ist eine alte Bekannte, wir sind ihr schon oft begegnet. Uns geht nun die in Cincinnatti erscheinende „Deborah" vom 31. December v. I. zu, in der es heißt: Zum nächsten Weihnachtsfeste wird diese Lüge wohl wieder aufgewärmt werden, denn der Antisemitismus mit dem Refrain: „Kauft bei keinem Juden?" ist ja zu einem Concurrenzmittelchen geworden, nicht so harmlos, aber um so nichtswürdiger, als die Gedichte der goldenen Hundertzehn. Wenn unsere Leser der Lüge nächstes Jahr wieder begegnen, sind ne wenigstens in der Lage, ihr entgegenzutreten. Leipzig, 27. Jänner In der den Antisemitismus pfleg-nden Arntlichen „Leipz. Ztg." finden wir folgendes Eingesandt: „Sehr geehrte Herren! Bei dem gestrigen Maskenballe in einem großen Leipziger Vergnügungslocale fand eine Aufführung statt, die darin bestand, daß etwa 100 Mädchen in die Uniformen aller Völker gesteckt, gruppenweise in den Saal anmarschirten nnd hier Aufstellung nahmen. Auch eine Gruppe Couleurstudenten war darunter. Als die Aufstellung vollzogen war, theilte sich eine das Musikpodium verdeckende Gardine und während die Musik „Deutschland, Deutschland über Alles" spielte, präsentirte sich die Büste unseres Kaisers. Damit war die Aufführung zu Ende. — Unser Kaiser als Mittelpunkt einer Carnevals-Aufführung vor einem Publikum, deffen weiblicher Theil sich zu drei Viertel aus Proftituirten zusammensetzt! Nur um meiner Entrüstung einen Ausdruck zu geben, schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Zu meiner Freude demonstrirte das Publikum durch eisiges Stillschweigen, selbst ein jüdischer junger Mann, der vor mir stand, meinte, daß das Skandal sei." Die Schlußbemerkung, daß „selbst" ein jüdischer junger Mann den Skandal verurtheilt habe, ist äußerst charakteristisch. Welcher Confession die an dem Skandal betheiligten Couleurstudenten angehörten, unterläßt der Einsender anzugeben. Paris. Das „Journal des Debats“ brachte in der Nummer vom 15. d. M. die Vorrede eines neuen Buches von Emst Renan, welches unter dem Titel „Fenilles detachees, faisant suite aux Souvenir d’enfance et de jeunesse“ nn Laufe dieser Woche erscheinen wird. In dem Eingänge schreibt Renan über den verstorbenen Verleger Calman Lsvy: „Er gehörte wahrhaftig zu dem Stamme derer, welche nach der Gerechtigkeit streben. Seine Seelenruhe war die eines rechtschaffenen Mannes, der weiß, daß ec mir einem höheren Gesetze im Einklang steht. Er besaß die wahre Frömmigkeit, die in einer Herzensüberlieferung fußt, und hielt sich an die Vorschrift Hillel's: Seid Jünger Arons, welcher den Frieden liebte. Der abscheuliche Egoismus unserer Tage hatte sein Haus nicht erfaßt, denn er' selbst war kein Egoist. Das tiefe Gefühl der Liebe und Ehrfurcht, welches seine Mitarbeiter für ihn hegten, war etwas Rührendes. Er hatte für sich die große Schwierigkeit unserer Zeit überwunden, die da ist, zahlreiche Untergebene an ein gemeinsames Werk zu fesseln. Er hatte sie überwunden, indem er ihnen Liebe zu seiner Person und zu ihrer Arbeit einflößte. Wenn doch alle Häupter großer Jndustrie-Unternehmungen chm nachftreben wollten, dann wären die Wunden, die ' an uns fressen und das Leben der heutigen Gesellschaft be-