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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-26 · 9 (26.2.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 148 Orsterrrichischr Wochrnfchrist Nr. 9 in der Regel gar nicht in die Lage, solche Verfälschungen zu begehen. Der En gros-Handel mit geriebenen (gebrannten) Kaffee und pulverisirten Gewürzen wird in Wien von 8—10 Firmen betrieben, (und diese sind der großen Mehrheit nach raffenre ine Ar i er. Die Nedaction der „Desterr. Wochenschrift") wahrend das G os der Kaufleute ihren Gewürz- Bedarf im ganzen Zustande bezieht und denselben entweder mittels eigener Handmühlen zerkleinert oder von einer Lohn- Gewürzmühle pulveriffren läßt. Es ist wohl überflüssig, den Nachweis zu führen, daß der Kauftnann sich nicht alle die zur Verfälschung erforderlichen Jngredenzien anschaffen wird, um die für seine eigene Kundschaft erforderlichen Gewürze damit zu mischen. Wenn demnach Verfälschungen Vorkommen, was wir übrigens in unserer Artikelreibe ,,Ueber L eb en s mitte lverfäl s ch ung en", V., von Dr. Adolf F. Zolles objectiv constatirt haben, so können sie nur von Einzelnen begangen werden. Die Pan sch alv er d ä ch ti g un g des genannten Blattes gegen den ganzen Stand muß demnach entschieden zurückgewiesen werden. Uebrigens wird auch die Nichtigkeit des oben geschilderten Falles von Fachleuten bezweifelt. Welcher Kaufmann wird den halbverrückten Einfall haben, für „werthlosen Mist" den hohen Tarifsatz der Gewürzzölle zu zahlen, zumal man diese Jngrcdenzken auch im Jnlande — demnach jedenfalls billiger — erhalten kann? Es ist ferner beachtenswert, daß der Berichterstatter des „D. V." sich „mit eigenen Augen" von der Fälschung überzeugt hat. Die gewieatesten Gewürzbändler schicken die Proben einer verdächtigen Waare behufs Untersuchung in ein Laboratorium, das „Deutsche Volksblatt" überzeugt sich aber mit „eigenen Augen"! Hat der Berichterstatter vielleicht im Zollamte daran geleckt? Hat er das Gewürz dort chemisch oder mikroskopisch untersucht oder hat er gar den berühmten Regenschirm eines Wiener Abgeordneten mitgenommen, der jeden Betrug so einfach ausdcckt? Jedenfalls ist die Geschichte stark aufgetraaen. Ein anderer Gewürzhändler, der wirklich wegen eines ähnlichen Delictes angeklagt war und der den Parteifreunden des Blattes nicht ferne stehen soll, hätte das „D. V." über den Fall wohl aufklären können. Uebrigens ist ja thatsächlich ein derartiger Gesetzentwurf über Lebensmittelverfälschung in Berathung und die Kaufleute können nichts dafür, daß er heute nocht nicht Gesetz ist. (Ocstcrr.-ung. Colcnialwaaren-Zcitung.) Thron und Nlksr. Zu den kanonischen Redensalten, mit denen die einzelnen Parteien openren, und an denen sie zu erkennen sind, wie der Soldat an der Farbe des Nockes, 311 diesem unveräußerlichen politischen Besitzstand gehört noch immer der schöne Ausspruch von der unzerreißbaren Gemeinschaft, die Thron und Altar verbindet. Thron und Altar, das ist ein Stichwort, an dem ein echter Konservativer, ein echter reaktionärer Streiterunbedingt zu erkennen ist. „Wir kämpfen voll und ganz und unentwegt für Thron und Altar, die, wie zwei zusammengekoppelte Säulen die gemeinsamen, starken Stützen der Größe unseres Vaterlandes sindmit einem wohl gerundeten Satze dieser Art wird einem konservativen Leitartikel oder einer konservativen Volksrcde eine beifällig zustimmende Anerkennung der lauschenden Gesinnungsgenossen unbedingt zu garantiren sein. Ganz gleichgiltig bleibt es dabei, ob jener bewußte Altar, der in anschaulicher Eintracht neben dem Thron gestellt wird, von einem katholischen Priester oder einem protestantischen Pfarrer bestiegen wird. Das macht keinen Unterschied. Sind beide nur orthodox und reaktionär, so gilt der eine so viel wie der andere; über die kleinen Verschiedenheiten sieht man tolerant zunächst hinweg — das ist die einzige Toleranz, die man übt, — und unter dieser Voraussetzung wird der katholische wie der protestantische Altar unbedingt in die schöne Gemeinschaft mit dem Thron ausgenommen. Wäre die Geschichte nicht im Wesentlichen allein dazu da, damit die Schulkinder sich keuchend viele Dutzend Zahlen in den Kopf pferchen, dann könnte sie freilich dazu dienen Thatsachen über Thatsachen zu liefern, die den innigen Bund zwischen Thron und Altar in eine merkwürdige Beleuchtung rücken müßten. Aber schließlich ist ja die Geschichte nur Vergangenheit — was sich nicht bestreiten läßt — und ein tiefsinniger Realpolitiker lebt immer nur in der Gegenwart. Ist es somit nichts mit dem Verweisen auf die Geschichte und mit einer philosophischen Betrachtung entschwundener Zeiten, so muß man sich schon an unsere Tage halten, und da ist denn Monsieur Maumus hochwillkommen zu heißen, der in diesem mit einem preußischen Volksschulgesetz gesegneten Jahre 1892, in dem Jahre der neuen Allianz von Thron und Altar zu Saint- Sulpice seine wohllautende Stimme erhoben hat. Was sagt Monsieur Maumus in seiner Predigt, der nachdrückliche Kraft nicht abzusprechen ist? „Wie verhielt sich die Kirche, als das römische Reich im Zusammensturz begriffen war? Nur von ihrer göttlichen Sendung erfüllt, eine politische Nolle verschmähend, öffnete sie den Barbaren ihre Arme. Auch heute bricht sich ein neues Element Bahn. Wie ehedem die Barbaren das Reich überzogen, so erhebt sich heute dieses neue Element und fordert seinen Platz an der Sonne. Von ihm, von der Demokratie hängt Leben oder Tod der Cioilisaiion ad. Papst Leo XIII. hat dies begriffen und in einer herrlichen Encyklica sich der Demokratie angenommen. Zn der Kirche, zu den Bischöfen, zu den Priestern hat er gesprochen: Gehet hin zu den neuen Barbaren und gründet mit ihnen den Tempel der Zukunft. Die Kirche wird demokratisch werden und hierin den Lehren ihres Musters, ihrer Gründer und des Apostels Paulus treu bleiben. Die Demokratie hat eine Form, und diese Form ist die Republik. . . . Wir stehen zwei Meinungen gegenüber, wenn es sich um die Haltung der Kirche zu der demokratischen Form handelt. Rach der dir» must die Kirche die neue Barbarei aus ihrem Schoße aussioßen und mit der Monarchie gemeinsame Sache machen. Andere aber — und hier ist meine Stimme nur das Echo derjenigen des Heiligen Vaters — behaupten, die Kirche sei nicht dam da, um hinter der Demokratie;u stehen. Ihr Platz ist voran; sie muß die neuen Barbaren, die Gott nicht kennen, mit ihm vertrant machen. Nach den Worte» des Heiligen Vaters, nach der Erklärung der Kardinale darf nicht gemildert werden. Warum sollten die Katholiken nicht Republikaner sein? Die Republik ist die vollständigste, die ausgedehnteste Verwirklichung der Lehren großer Theologen, wie des deiligrn Thomas von Aquino, Bellarmin und Suarer. Der heilige Thomas von Aquino hat gesagt: „Ad popnlum pertiuet eleetio principinm“, der Volkswille ist also der höchste Gebieter. ..." Diese Kanzelrede wird Niemanden, der das Wesen des Katholizismus kennt, überraschen. Denn in Saint- Sulpice sprach nicht nur Monsieur Maumus, sondern dnrch seinen Mund auch seine unfehlbare Heiligkeit der Papst, und der scheint in seiner weltumfassenden Politik doch etwas andere Anschauungen über die Demokratie zu haben wie Herr von Hammerstein in seiner Rcdactionsstube. Mit der unlösbaren Allianz von Thron und Altar scheint es also nichts zu sein; man sieht das Kreuz mit der phrygischen Mütze darauf, sieht gar nicht so schlecht aus, und der Katholizismus ist keineswegs abgeneigt, diese dekorative Zusammenstellung grundsätzlich zu verwerfen. Zur Frage der Recepkion in Ungarn. Eine mächtige Bewegung beherrscht seit mehreren Wochen die Gemüther der Juden oder ämtlich gesprochen „Israeliten" in Ungarn, das Streben nach Reception der jüdischen Religion in Ungarn wirft immer weitere Wellen. Eine große Menge der jüdischen Gemeinden ohne Unterschied der Parteistellung hat sich der Bewegung angeschlossen, die von einigen begeisterten Jünglingen in der Hauptstadt initirrt, auch bei der nunmehr beendeten Wahlcampagne sich fühlbar machte. Und worum handelt es sich bei dieser scheinbar so großen Frage, was soll dieses Aufgebot an Lärm und Begeisterung, wahrem und falschem Pathos, — was ist des Pudels Kern? Diese Frage drängte sich mir seit Beginn der Bewegung unwillkürlich auf und die Antwort kann meiner vollkommenen Ueberzeugung nach nur eine triste sein. Nach einem Blicke auf die lange L.ste der Arra geure dieser Bewegung ist es fast unbegreiflich, wie eine stattliche Anzahl ernster, gebildeter

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