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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-26 · 9 (26.2.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Oestrrretchifche Wochenschrifr. Seite 147 herzzerreißend: „Ich habe gar nicht tatsächlich z u er st gelogen ich habe ja nur gelogen, daß die Läge aus Stanislau Original- Lüge sei . . ." Ein ehrenwerthes Blatt das „Deutsche Volksblatt" — ein würdiges Antisemitenblatt, fürwahr, daß muß jeder gestehen, der Sinn für Logik und Wahrheit hat.??? Grwerbsmstzigq Ehrabfchnqiderei. Berli n, 22. Februar 1892. Das waren einmal kräftige Worte, die am Montag, als am 22. Februar 1892, im Gerichtssaal zu Moabit von dem Vertreter der staatlichen Behörde gesprochen wurden! Wenn die Antisemiten nicht zumeist gänzlich abgebrüht wären gegen Alles, was gebildeten und gesitteten Menschen ekelhast ist, wenn sie sich nicht im Punkte des politischen Anstandes über die elementarsten Forderungen dickfellig hinwegsetzten, und wenn sie endlich sich im Lause der Zeit nicht daran gewöhnt hätten, ihre anerkanntesten Maulhelden 'Jahr aus Jahr ein mit den verächtlichsten Mitteln der Lüge und Verleumdung die Dummen, die nicht alle werden, bearbeiten zu sehen, so würden sie nach dem Plaidoyer des Staatsanwalts von Rheinbaben im Proceß Ahlwardt aus Scham und Schande krebsroth werden müssen. . Er, Ahlwardt. der vergötterte Held, der gefeierte Heilige, dem fanatische „deutsche Männer" zujohtten, wenn er in Volksversammlungen das Gift der Verläumdung ausspritzte, wenn er die schlechtesten Instinkte der Massen in raffinirtester Weise aufstachelte gegen Personen und Behörden, er, der „große Mann", eine Nr. 1 in der niederträchtigen, unser Land mit Schimpf und Schmach bedeckenden antisemitischen „Bewegung", hat nach denk Urtheil des Staatsanwalts in leichtsinniger, frivoler, gewissenloser Weise den dümmsten Klatsch uw Tratsch zu ehrenrührigen Beschuldigungen „verarbeitet", „um den Lesern einen Kitzel darzubieten", also aus gemeiner Scandalsucht, und um „nnanzielle Vorteile" dabei Herausz ischlagen, also aus erbarm licher Gewinnsucht, hat er seine Broschüre in die Welt gesetzt, jenes wüste und gemeingefährliche Machwerk, von dem der Staatsanwalt sagt, es falle unter das Capitel der gewerbsmäßigen Ehrabschneiderei. In der That, nichts weiter als das ist es, was der Angeklagte getrieben, und der Lohn, der für ein derartiges schmachvolles Gewerbe nicht ausbleiben kann, ist ihm geworden. Aber der Rektor Ahlwardt ist nicht der einzige Schuldige, der durch das über ihn ausgesprochene Urteil der öffentlichen Verachtung preisgegeben worden ist. Ahlwardt ist nur Einer aus der langen Reihe derer, die, wie sie seine Gesinnungsgenossen sind, so auch wie er die Brunnenvergiftung planmäßig und mit den ordinärsten Mitteln betrieben. Der Antisemitismus als solcher ist es, der in den Tagen in Moabit am Pranger gestanden. Denn der Verurteilte ist nur ein Typus für eine ganze Klasse von Hetzern, die sich vielleicht glatter durchzuwinden wissen durch die für derartige Demagogen berechneten Bestimmungen des Strafgesetzbuches, deren gehässige Rederei m und Schreibereien aber in ihrer Wirkung auf die belogene und betrogene Masse hinter dem erhabenen Vorbilde nicht Zurückbleiben. Gebrandmarkt, so gut wie der antisemitische Volksversammlungs-Apostel und Broschürenschreiber, ist durch di: Verurteilung Ahlwardts auch die antisemitische Presse, die derartige Individuen unter ihre Fittiche nimmt, sie beweihräuchert und als Helden preist und den von diesen Virtuosen der Verleumdung aufgehäuften Unrat in ihren Spalten mit Behagen breittritt Die Schwindeleien der Ahlwardt'schen Broschüre in Sachen der Grundstücksankänfe, bei welchen erst unerlaubte Gewinnste eingestrichen sein sollen, ehe die Stadt Besitzerin wurd', haben beispielsweise in der „Kreuz-Zeitung" schon vor längerer Zeit ein bereitwilliges Echo gefunden, dessen Refrain in den schwersten Anklagen gegen die städtische Verwaltung gipfelte, und wenn in ihrer Nummer vom letzten Sonnabend die „Kreuz-Zeitung" wie der Pharisäer an die Brust schlägt und ruft: „ich danke dir, Herr, daß ich nicht bin wie jener, Ahlwardt;" wenn das ehrenfeste Blatt mit frommen Augenaufschlag sagt, daß es „für die Art Literatur, die aus seiner Feder geflossen, keine Sympathie habe," so beweist eben der Artikel, in dem diese angesichts des Verlaufs des Prozesses schlechterdings nicht mehr rufzuschiebende Absage an Herrn Ahlwardt steht, wie ernst es antisemitischen Blättern mit dem Kultus der Wahrheit ist. Im Uebrigen machen wir kein Hehl aus unserer Ueberzeugung, daß die Mitglieder der Schuldeputation, die sich in privatem Gespräch darüber klar geworden sind, keinem Antisemiten die Erziehung der Jugend anvertrauen zu können, auf die Zustimmung aller Besonnenen Anspruch haben. Es entspricht den allereinfachften Gesetzen der Logik, wenn man von einem Manne, der einen Menschen lediglich um seiner Abstammung willen für vogelfrei erklärt, nicht erwartet, daß er in den Herzen der Jugend die Keime der Nächstenliebe hegen und pflegen werde, die sogar nach der spezifisch „christlichen" Sittenlehre das vornehmste sittliche Gebot ist. Das solche Subjekte, die unter Umständen „aus Prinzip" und im Interesse „der großen heiligen Sache des arischen Verzweiflungskampfes" einen jüdischen Mitschüler den gemeinsten Chitanen seiner Kameraden schutzlos preisgeben würden, weil der Jude nichts Besseres verdiene, nicht als Lehrer in die Schulstube gehören, bedarf keines Wortes. Traurig ist es, daß die Pestbeule des Antisemitismus sich an unserem staatlichen Körper zu widerwärtigstem Umfange entwickeln konnte; aber ein Verbrechen wäre es, dem antisemitischen Fanatismus nicht die Schulzimmer mit aller Sorgfalt zu verschließen. In Summa: Die antisemitischen Hetzer in Wort und Schrift, sie sind wieder einmal vor ganz Deutschland öffentlich aufgerufen zur Scham. Leider aber ist daß ein Artikel, von dem sie keinen Gebrauch machen können. Immerhin — das Brandmal der Sch ande glüht auf ihrer Stirn. Sie sind „gezeichnet!" _ B. V. Z. Eine Pnuschal-Verdächtigung Das „Deutsch: Bolksblatt" vom 17. Februar enthält einen Leita lfsatz, b 'titelt „Betrug u n t e r b e h ö rd l i ch e r Aufsicht?", welcht sich sperrest mit der Berfälschung von Nahrungsmitteln befaßt u td einen Fall erzählt, wie ein hiesiger Geschäftsmann der in g eri eben e m Ka ffee und p u l veri si rten Gewürzen einen Jahres-Umsatz von fl. 2—300.000 erzielt und zehn Reisende hält, „wert tzlosen Mist" durch das Zollamt vom Auslande bezieht, dieses Surrogat als Gewürz verkaufe u rd auf diese Weise einen gefährlichen Betrug begehe. „Solche Engros-Betrugsgeschäste, schreibt das „Deutsche Bolksblatl" wörtlich weiter, bestehen aber in Wien zn Hunderten »nd Tansenden, in gleicher Anzahl wohl auch in der Provinz". „Wir constatirten mit eigenen Augen, heißt es in dem Artikel weiter, daß der Minn diese Waare durch unsere Zollämter bezieht, und zwar ohne alle Scheu! Wir ftaurten, was da aber als Zimmt, Pfeffer, Safran rc. hereinkommt und unbeanständet dem Adrefiaten mit dem Bewußtsein, daß er fälscht, auszefolgt wird. Ja, gibt es denn gar keine gesetzliche Handhabe dagegen? Wir wissen natürlich nicht, welchen „Geschäftsmann" das „Deutsch: Volksblatt" dieses Betruges beschuldigt, da das Blatt keinen Nrmen nennt und, wahrscheinlich in einer Anwandlung von Liberalismus, selbst über die Confessio n des Betreffenden keine Andeutung mach^. Angenommen aber selbst den Fall, daß die ganze Geschichte sich wirklich zngetragen habe und daß in Wien eine derartige Finna existrre, was berechtigt das Blatt zu der ebenso bodenlos leichtfertigen, als unsinnigen Anklage, daß solche Engros-Betrugsge schäfte zu Hunderten und Tausenden bestehen? Da müßte ja beispielsweise in Wien jeder Kaufmann ausnahmslos in diese Kategorie fallen, denn mehr als „tausende" Kaufleute der Specereibranche gibt es hier nicht. Der Detailkaufmann, wenn er auch moralisch einer solchen Handlungsweise fähig wäre, kommt aber

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