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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-26 · 9 (26.2.1892) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 146 Orsterrrirtzi^tzr Wochrnschrist. 'Jh. 9 ein ihrem Stand gebührendes Kostüm anzunehmen. An den! Ufern der Spree hat ein Mann, der keine Uniform trägt, allen- | falls das Recht zu leben! Die Civilisation kennt dort nur den Vorgang der Tresse, daher wird einem Berliner, der keinen Säbel an der Seite hängen hat, immer die Bedeutung fehlen." „Das, was politisch unter dem Begriff Preußen zusammengefaßt ist, enthalt fast zur Hälfte Bevölkerungselemente, welche zur slavischen Rasse gehören und nur durch den Druck der einstigen, mit überlegener Gewalt hereingeströmten germanischen Kultur zur Annahme der deutschen Sprache gezwungen wurden. Die Raffeneigenthümlichkeiten des Slavrnthums haben sie darum aber nicht eingebüßt! Dieselben unterwürfigen Knechtsinstinkte, wie jenseits der Memel! Dieselbe passive Buckelknickerei, die in Augenblicken der persönlichen Muthprobe in verracherische Feigheit umschlägt." „Mit diesen Leuten als Heer gegen außen zu rechnen ist sehr gut, denn aus Furcht sind sie tapfer, gegen innen sind sie nicht nur unbrauchbar, sondern sogar gefährlich. Wenn der Kaiser daher mit ihnen rechnet, so geht er eine sehr große Unwahrscheinlichkeitsrechnung ein." „Bismarcks Macht war auf der Hegemonie des slavischen Deutschthums aufgebaut, „auf den Knochen der pommerschen Landwehrleute", wie er es selbst symbolisirte. Bismarck ist gefallen als erstes Symptom des individualistisch-germanischen Geistes, der auf dem Siegwege der Rückeroberung ist. Bismarcks Regierungssystem war in Süddeutschland nie populär, er selbst nur als eigenartige Machtpersönlichkeit! Unter meinen Landsleuten finden sich viele, die den Bismarck immer gehaßt haben, aus den echten Instinkten des germanischen JndividualideologiZmus heraus! Die sind ihm auch während seiner Glanzzeit nie beutelthiermäßig in die Hosentaschen gekrochen und haben verzichtet, von ihm begluckhennt zu werden. Sie schwiegen, weil damals ein Erheben gegen ihn seine ganze Reptilien- und Verleumderpreffe ins Krabbeln gebracht haben würde und weil sie der Erkenntniß lebten, daß nichts unnützer sei, wie ein politisches Mättyrerthum! Sie wußten, daß bald die Gegenkraft ausgelöst sein mußte, die ihn stürzt. Die Gegenkraft aber ist der siegende Germanismus gegenüber der Gamaschenhegemonie des Slaookeltenthums!" Den vorstehenden Ausführungen ist nichts hinzuzufügen. Gleichwie Georg Schönerer, der „den Feingehalt an deutschem Him und Blut" zu destilliren versuchte, schließlich als der Vater der Urenkel von S ch m u l Leb K o h n sich enthüllte, so wird nun das gesammte großmäulige Preußenchum mit seinem lächerlichen Rassendünkel von einer ähnlichen Nemesis ereilt. Das Gebet vor der Gemeindersths- Sitzung. Es ist bekannt, daß Verbrecher, welche Jahrelang in Kerkersnacht geschmachtet, wenn sie der Freiheit wiedergegeben werden, nicht im Stande sind das Licht der Sonne zu ertragen. Es scheint, daß auch Jene, die gewohnt sind stets die dunklen ' Wege der Lüge zu wandeln, allmählig ganz die Fähigkeiten einbüßen, die Wahrheit zu sehen oder zu erkennen, oder daß sie nicht mehr dem unwiderstehlichen Drange widerstehen könnten, die Thatsachen zu fälschen, zu entstellen oder - zumindestens sie zu färben, wo sie ihnen auch begegnen. Unsere Leser vermuthen wohl schon, daß wir wieder einmal vom „Deutschen Volksblatte" sprechen wollen. Sie sind in keinem Jrrchum. Wir möchten in der That die letzte journalistische Nichtswürdigkeit dieses Blattes die einer plumpen tendenziösen Absicht entsprang ins rechte Licht stellen. Freilich, wenn wir bedenken, daß das Organ des Herrn Vergani noch vor Erscheinen dieses Artikels wiederholt die Druckerpresse verlassen wird, können wir die Besorgniß nicht unterdrücken, daß unsere ' Bezeichnung die „letzte" Nichtswürdigkeit, durch die Thatsachen überholt werden dürfte. Es gibt eben Dinge in denen das „Deutsche Volksblatt" unerschöpfiich ist . . . Sagen wir also welches die vorläufig letzte journalistische Nichtswürdigkeit des „Deutsch. Volksblattes" ist. In Amsterdam ist es seit alten Zeiten Sitte, daß der Gemeinderath seine Sitzungen mit einem G'bete beginnt. Eine schöne Sitte, die jedenfalls, weit empfehlens- und nachahmensweriher ist als die Gepflogenheit, die bei Gemeinderaths- Sitzungen manch anderer Städte herrscht, wo die Sitzungen gewöhnlich mit einem Scandal enden. In der allerjüngsten Zeit wurde nun von der radikalen, anticlericalen Partei, unter Führung des protestantischen Advocaten U ein ecken, ein heftiger Kampf wegen Abschaffung dieses Gebetes inscenirt, der aber von der Majorität zurückgeschlagen wurde. Nun sehe man sich einmal an, wie das „Deutsche Volksblatt" sein schändliches Entstellungsmetier in der Bearbeitung dieser Affaire betreibt, die es lediglich aus den Mittheilungen des „Vaterland" kennt. Mittwoch den 17. d. M. hatte das „Vaterland" einen Leitartikel gebracht, den das „Deutsche Volksblatt" in seinem Abendblatte vom selben Tage excerpirt — natürlich ohne eine Quelle anzugeben, das wäre ja zu lächerlich ehrenhaft — richtiger gesagt tendenziös zugestutzt. Das „Deutsche Volksblatt" läßt sich wie bekannt, niemals die Gelegenheit entgehen die Juden als solche anzuführen, wenn es ihnen etwas Schlechtes nachsagen will. Plötzlich hält es Herr Vergani für angezeigt, die Juden die im Amsterdamer Gemeinderath sitzen, zu escamotiren und das Resultat der Abstimmung derart zu geben, daß der Leser seines Blattes nichts davon erfähil wie sich die Juden gegenüber dem Gebete verhalten haben. Es schreibt nämlich lakonisch: „Bei der Abstimmung, an welcher von den 39 Mitgliedern des Gemeindcrathes sich 33 bethciligten, wurde mit 18 gegen 15 Stimmen die Beibehaltung des Gebetes beschlossen." Wußte vielleicht das „Deutsche Volksblatt" nicht, wie die jüdischen Gcmeinderäthe in Amsterdam gestimmt? Bewahre, im „Vaterland" welches das „Deutsche Volksblatt" geplündert, steht ja im Morgenblatte buchstäblich zu lesen: „Von diesen stimmten 18 für die Aufrechthaltung desGebetes; es waren darunter die beiden obgenannten Katholiken, und der katholische Schöffe Reckers, dreiorthodoxe Protestanten und v ier liberale Juden."Das„Vaterland" hat sogar die „vierliberalen Juden" mir durchschossenen Lettern gebracht; — Herr Vergani aber streicht sie ganz. Man soll glauben, die Juden seien unter den Gebetstürmern des Gemeinderathes in Amsterdam gewesen, denn die Juden sind ja immer dort, wo das Gute, Heilige, Verehrungswürdige bekämpft wird. Ja, Herr Vergani wagt sogar zu schreiben, daß der Kampf gegen das christliche Gebet unternommen worden, um „die religiösen Gefühle der Söhne Abrahams" nicht zu verletzen, während die jüdischen Gemeinderäthe für die Beibehaltung des Gebetes stimmten und mit ihrer Stimme die Entscheidung herbeiführten. Herr Vergani entstellt tendenziös im Abendblatte vom 17. Februar, was das „Vaterland" im Morgenblatt von diesem Tage berichtet. Mer man glaube ja nicht, daß dieser urdeutsche Biedermann aus Sollenz in Galizien, nicht bemüht wäre, den Juden, dafür daß er ihre Existenz diesmal gestrichen, ein anderesmal volle Revanche zu geben. O, er nennt sie bisweilen auch dort, wo sie sich gar nicht befanden. Das Entstellen, das Fälschen ist eben in Folge der unausgesetzten Gewohnheit, dem „Deutschen Volksblatt" zur zweiten Natur geworden. Falls es nicht, was uns noch wahrscheinlicher dünkt, seine e r st e gewesen. Meister in diesem Metier ist das demgemäß chrenwertheste Blatt allerdings dank einer unermüdlichen, durch nichts zu erschütternden Uebung geworden. Es lügt und fälscht sich die Ereignisse allerorten ganz nach Belieben zusammen. Es lügt sich Ereignisse in Wien wie in Stanislau, in Znaim wie in St. Anna, in Petersburg wie weiß Gott in welchem Neste immer. Das „Deutsche Volksblatt" ist ja in seiner Originalität stets unwahr zu sein so weit gelangt, daß es die Original-Lügen anderer Gesinnungsoerivandter, als eigene Kinder adoptirt und sie als ureigene Original-Lügen ausgibt. Freilich klopft man Herrn Vergani dann etwas allzu kräftig auf die im Führen der Feder so gewandten Finger — wie ihm dies kürzlich in der Stanislauer Affaire seitens des „Vereines zur Bekämpfung des Antisemitismus" geschah, dann wimmert er

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