Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. S Oeyen^ichifche Wochenschrift- Seite 143 16 kr. hätte ergeben sollen, 79 fl. geprägt wurden; später wurden aber auch noch Münzen von geringerem Gehalte geprägt, und zwar aus einer Mark Silber 110 fl. Wie Gindely auf Aktenstücke sich stützend, hervorhebt, wußten die Teilnehmer, mit dem Gewinne bei der Münzfälschung nicht zufrieden, auch bei der Zahlung der stipulirten Pachtsumme von 6 Millionen ihren Vortheil zu finden, „indem sie einmalige Zahlungen zweimal aufrechnctcn und so den Kaiser um einen großen Theil der vereinbarten Summe betrogen. Das Consortium ließ sich zwar eine Quittung ausstellen" — sie trägt die Unterschrift Hanns Mathias Glauchau — „als ob 6 Millionen gezahlt worden wären, die spätere Untersuchung ergab jedoch, daß dies nicht der Fall war und daß man den Kaiser durch doppelt verrechnete, aber nur einmal geleistete Zahlung beschwindelte." Dazu kam, daß die an den Kaiser abgelieferten Beträge in schlechter Münze bestanden. Den größten Vortheil hatten die adeligen Herren, welche sich an dem Kaufe der in Böhmen confiscirten Güter betheiligten, indem sie den Kaufpreis in dem cntwcrtheten, oder wie der amtliche Ausdruck damals lautete,« in langem Gelde entrichteten. Um ein Beispiel anzuführen, kaufte der Vertrauensmann des Kaisers, Fürst Eggenberg, die Herrschaften Worlik, Klingenberg, Chenov für 384.534 fl. 30 kr.; hierauf zahlte er in gutem Gelde 24.514 fl. 13 kr. 4 Pfg., in langem oder eutwerthctem Gelde 352.355 fl., den Nest war er nach einem Menschenalter noch schuldig. Daß Ergcnberg nicht der einzige war, der die Verhältnisse auszubcuten suchte, braucht nicht erst gesagt zu werden. Mancher adelige Name, der zu den glänzendsten gehörte, suchte auf diesem Wege sein Besitz:hum zu mehren und durch wahrhaft geriebene Mittel dem Fiscus ein Schnippchen zu schlagen. Auch der Statthalter von Böhnien, Fürst Karl Liechtenstein, hat durch dasselbe Mittel seinen Güter besitz auszudehnen verstanden. Das war, wie gesagt, zrl Beginn des dreißigjährigen Krieges, der fast ausschließlich von und durch den Adel für die Jnteressen des Adels geführt wurde. Ucber die furchtbare Aehnlichkeit, welche die Auswüchse dieses Krieges mit den Auswüchsen der Börse hatten, schreibt Ferdinand Kürnb erger in seinem Aufsätze: „Vom dreißigjährigen Krieg und Börsenkrieg" Folgendes: „Das ist das schauerliche Räihsel der dritten und letzten Kriegsperiode. Der Krieg ist müde gcwordcii, aber die Kriegesackkl lodert fraßgieriger als je gegen Himmel. Die Principicn erlahmen, die cvcmaelischen und katholischen Gegensätze meiden stumpf und blasirt, aber ihre Schlagwörter explodircn jetzt mit den verheerendsten Wirkungen.. . Das Entsetzlichste ist geschehen: das hol) e Kriegsspie l ist ein na tio nalökonomischer Factor geworden! Der Gründer Wallenstein hat so prächtige neue Werthe geschafsen, wie sein Hcrzogthnm Fricdland und seinen Chnrhut von Mecklenburg. Das hat gezündet. Und wer kein Wat'lenstein ist und Armeen gründen kann, der ist ein gemeiner Condottiere und gründet wenigstens ein Fähnlein. Er berechnet, wieviel er Handgelder zahlt, wieviel ihm ein Fürst für seine Miethstrupprn zahlt — das Uebrige ist sein Gründer gewinn. Aber auch der Fürst selbst wird Gründer und stellt eine ähnliche Rechnung an. Es berechnet, was er von Ländereien noch verpfänden kann, um Micthstruppen in Sold zu nehmen, was er andererseits an Ländereien und Länderfetzen säcularisiren und mcdiatisircn kann, wenn er rechtzeitig zugrcift und für den Friedensschluß Thalsache.: schasst; er berechnet seinen Gründergewinn. Endlich ist von Sold und Handgeld gar nicht nnhr die Rede; die bloße Tente thnt's auch ... Indem Deutschland zu Grunde geht, der Welthandel der Hansa verfällt, der Acknban aushört, im kleinen Württemberg, damals um die Hälfte noch kleiner, allein 57.000 Bauernhöfe in Schutt liegen, überhaupt zwei Drittel der ganzen deutschen Ration ausgemordet sind, mitten in diesem deutschen Unglück sieht man die Deutschen — ihr Glück mach en. Jeder der sich noch fühlt, wird Unternehmer und Gründer, rührt die Werbetrommel und macht Fortune. „Fortunemachen" ist die Losung der Zeit. Jeder Schwindler findet Menschenkapital, wie Placht und Spitzeder Geldcapital; Menschenblut ist wohlfeil, bietet sich im Ueberslusse an—von wegen Fortunemachens! Wer noch arbeitet, wird ausgclacht; wer pflügt, säet und mahlt, muß der Dümmste im Dorfe sein; der aufgewecktere Bauernbnrsche macht Fortune und läuft der Werbetrommel zu, der damaligen Reclame für „vortheilhafteste" Capitalsanlage. Die deutschen Städte und Dörfer, alte Dorräthe und erspartes Ahnengut, wurden mit Millionen von Schüreisen dreißig Jahre lang in den Ofen geschoben — welch' ein lustiges F.uer! Und die Asche gab vortheilhafte Capitalsanlage und gräßlich viel neue Werthe! Eine wahre Glückszeit! Ein Fortschritt über alle Fortschritte, ein goldenes Zeitalter! Hätte das Feldlager damals eine Presse gehabt, wie der heutige Bankenraubkrieg, die Presse hätte nicht Worte genug gesunden, den allgemeinen Wohlstand und den Aufschwung der materiellen Interessen zu loben. Und zwar mit Recht — vom Feldlagerstandpunkt." So sah die praktische Volkswirthschast der Herren aus, welche als die Vorfahren unseres christlich-socialen Feudaladels den Grund zu dessen ungeheurer Macht leeten. Nein Prinz Liechtenstein! Kommt einmal die große Abrechnung, dann wird der subtile Unterschied zwischen mobilem und immobilem Kapital wenig gelten, und das sociale Programnr von Karl Marx lauter kurz und scharf: Expropriation der Expropriateure. Wir werden sehen, ob dann für den Prinzen Liechtenstein eine Ausnahme gemacht werden wird. Tie Ausbeulung der Arbeit durch geringe Löhne. Unter dem Beifall des Prinzen Liechtenstein erklärte der antisemitische Redner: „Sie wissen, cs findet im Organismus ein steter Stoffwechsel statt, mit welchem verbrauchte Stoffe abgegeben, Ernährungsstoffe wieder zngeführt werden. Wer arbeitet, verbraucht eine große Reihe von Nährstoffen, welche einen Ersatz fordern. Soll nun der Mensch fähig zur Arbeit bleiben so muß er sich also gut ernähren; allein außerdem muß auch der Körper eine genügende äußerliche Pflege erhalten, damit die Ernährung zur vollen Wirksamkeit gelange; er bedarf einer gesunden, lichten, trockenen Wohnung, einer ordentlichen Beheizung derselben im Winter, er bedarf guter Kleidung, erbedarf einer Zeit zur Erholung von der Arbeit und so vieles andere noch. Alle diese zur Pflege des Körpers gehörenden Dinge müssen in genügender Menge vorhanden sein. Sind ste es nicht, leidet der arme Mann Mangel daran, dann müssen die Kräfte sinken, und umsomehr, je länger der Mangel dauert oder gar durch ein ganzes Leben sich dahinzieht; er verfällt leichter vielen Krankheiten und stirbt eines verfrühten Todes." Warum handeln die Feudalen nicht nach solcher Lehre? Wie bezahlt der Fe u d al a d el seine Sclavcn, d. h. seine „Arbeiter?' Vor uns liegt das Buch Guido Krafft's: „Ein Großgrundbesitz der Gegenwart, Monographische Skizze der Besitzungen des Fürstenhauses Schwarzenberg." Wir entnehmen diesem Buche folgende Daten über christlich-feudale Nächstenliebe: Auf den fürstlich Schwarzenberg'schcn Gütern hat sich trotz des größeren Bedarfes an Arbeitskraft und trotz des jährlichen Entganges an selben durch Auswanderung der Preis der Arbeit auf einer so niedrigen Stufe erhalten, daß Arbeitskräfte um den Preis von 20 bis 30 kr. zu erhalten sind. Die landwirthschastlichen Lohnarbeiter recrutiren sich aus sogenannten Häuslern, Gärtlern und Miethsleuten. Ihre ungenügende Ernährungsweise läßt auf die Leistuncsfähigkeit derselben einen traurigen Schluß zu. Früh, nachdem der Arbeiter sein Handaeräihe, oft sein alleiniges Besitzthum, zurechtgelegt, genießt er eine Wasser- oder Erdäpfelsuppe, steckt für den Mittag ein Stück Brot ein und beginnt um 6 Uhr feine Arbeit. Abends znrückgckchrt, genießt er abermals seine Wassersuppe und Knödel oder Dalken dazu. Die Knechte bei dem Fürsten Schwarzenberg bekommen theilweise Geldlöhnung, theilweise Naturalien. Zu fixen Geldpreisen berechnet sich das ganze Deputat an Naturalien auf 56 fl. 78 kr. pro Jahr. Die Löhne pro Jahr belaufen sich auf folgende Beträge: Der Futtermeister erhält 53 fl., der Oberknecht I Elaste 48 fl., ll. Elaste 43 fl., der Pferdeknecht I. El. 38 fl., II. Elaste 33 fl.. III. El. 31 fl. Der Ochsenknecht I. Elaste 31 fl., H. Elaste 29 fl., III. Elaste 25 fl. Die Mägde I. Elaste 28 fl. II. Elaste 25 fl., HI. Elaste 21 fl. In der Schäferei erhält der Meisterknecht I. El. 53 fl.. II. Elaste 48 fl.; der Lümmeiknecht 53 fl., die Zutreiber I. Elaste 38 fl., II. Elaste 33 fl., III. Elaste 28 fl. Auf den Tag berechnet ergibt sich ein Lohn-