Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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. II!■ ..uni i " I lim MIMIIIWI II IIMW1 iW Geüe 142 Prosesior Schlesinger zu reden, die Arbeit durch den Lauf der Dinge vollzogen werden, dann hätten nicht nur die reichen Juden, sondern es hatten auch die Reichen ohne Unterschied der Confession, und es hätte auch Prinz Liechtenstein den „Lauf der Dinge" zu fürchten. Wenn das bewegliche Capital geplündert wird, dann sind alle Capitalisten in Gefahr und keine Stamm- und keine Glaubenswerwandtfchaft würden gegen die aufgestachelte Habgier schützen. Prinz Liechtenstein hat keine Ursache den „Laus der Dinge" herauszusordern. Ursprung des Reichthums der Liechtenstein. Schlesinger lischt die alberne Fabel aus, daß alles Elend aus der Welt aus die jüdische Plutokratie zurückzuführen jet, „daß die Nothlage des Volkes zum großen Theile dadurch verursacht wird, daß man eben das Geld, mit dem das Volk wirthschasten sollte, ihm entzieht". Sind Vanderbilt, Jay Gould, Astor, Baring etwa Juden? Prinz Liechtenstein mag sich einmal in den adeligen Clubs umsehen, und er wird dort von Mais-Ringen, von Creditacrien und anderen ähnlichen Dingen hören, ohne auch nur einem Juden die Ehre einer Unterhaltung zu erweisen. Woher stammt das Vermögen der Schwarzenbergc und der Licchtenstcine? Aus dem dreißigjährigen Kriege, aus den Güter-Confiscationen, aus der Niederwerfung der Protestanten, aus den Leichenhügeln, welche sich nach der Schlacht am Weißen Berge aufthürmten. Jetzt, wo diese Fürsten über unzählige Millionen verfügen, möchten sie auch noch das Monopol des Reichthums haben, und daraus entsteht der Haß gegen die Plutokratie. ~ Prinz Liechtenstein gibt sich zwar den Anschein, als wollte er blos die moralische Qualität jener Erwerbsthätigkeit, welche den Reichthum geschaffen hat, bemängeln, als gälte der Kampf blos dem nnlautern Gewinn. Indessen der Historiker ist in der Lage, den Nachweis zu führen, daß auch der immobile Besitz der Liechtensteinschen Familie keineswegs moralischeren Ursprungs ist. Vor uns liegt nun eine Biographie des Feldmarschalls Fürsten Windischgrätz, in welcher von alten Erbschaftsansprüchen der Familie Windischgrätz gesprochen und hiebei eines Raubes Erwähnung gethan wird, welchem die großen Familien Liechtenstein und Wald st ein einen Theil ihrer böhmischen Besitzungen verdanken. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts, so erzählt das Buch, gehörten die Herren Johann von Smiricky zu den reichsten Grundadeligen Böhmens. Als Albrecht Johann von Smiricky im Jahre 1618 ftarb, besaß seine Familie drei Häuser in Prag, die ganze Stadt Turnau und neunzehn Herrschaften in Böhmen, nämlich die Güier Dimokür, Ehoteletz, Clonitz, Trosly, Skal, Aicha, Friedstein, Rumburg, Gitschin, Aulisitz, Nawratitz, Semil, Klein-Skal, Nawaron, Potthernitz, Skworctz, Zrzenitz, Nachod und. Riesenburg. Der einzige männliche Sproß der Familie war Albrcchts älterer Bruder Heinrich Georg, der schon 1610 Besitzer des Fideicommisscs war; seine Schwester- Salome verwaltete das Erbe des Hauscs. Er-st ein Jahr nach dem Tode Albrecht's, im Jahre 1619 brach der böhmische Ausstand, der Beginn des 30jährigen Krieges, aus; nichtsdestoweniger wußte cs Wallenstein im Vereine mit des Kaisers Statthalter, Karl von Liechtenstein — dem ersten Fürsten dieses Stammes -— dahin zu bringen, daß Albrecht Johann von Smiricky als Hochverrüther und Mitschuldiger der nach seinem Tode ausgebrochenen Empörung crklär-t, und daß seine Güter mit Beschlag belegt wurden. Daraus brachten die Herren von Waldstern (Wallenstein) und Liechtenstein das aus diese Weise dem rechtmäßigen Besitzer entrissene Gut an sich und theiltcn die Beute unter sich. Sie wußten sehr wohl, daß Albrecht von Smiricky kein Hochverräther gewesen sein konnte, und daß nicht Albrecht, sondern sein älterer, blödsinniger Bruder Heinrich Georg der Erbe des Fideicommisscs war. Heinrich Georg war unterdesien mit seiner treuen Schwester Salome nach Hamburg geflüchtet; aber Wallen st ein setzte es mit seinem Nr. 9 mächtigen Einflüsse durch, daß der Erbe ihm ausgcliescrt wurde und er hielt ihn bis zu dessen Tode in Verwahrung. Salome, mit einem Herrn v. Slawata vermählt, führte mit ihrer Familie durch vierzig Jahre Prozeß mit dem Staatsschätze, konnte aber nicht zu ihrem Rechte gelangen; die Familie Slawata starb aus; sie ward von den W ind is ch grätz beerbt; aber auch dieses Geschlecht vermochte gegen die mächtigen Liechtenstein und Wald st ein nichts durchzusetzen. Der Proceß wurde m diesem Jahrhundert von dem Fürsten Albrecht von Windischgrätz wieder ausgenommen; Kaiser Franz war willens, ihm aus dem Staatsschatz eine Entschädigung leisten zu lassen; aber Richter wie Staatsbeamte erklärten diese Ansprüche für verjährt. So kamen die Liechtenstein und Waldstein zu einem Theile ihrer böhmischen Besitzungen. Eine Liechtensteinische „Valuta - Negulirung." Karl Liechtenstein, geboren im Jahre 1569, folgte seinem Vater im Jahre 1585. Im protcstannschcn Glauben erzogen, trat er später zum Katholicismus über. Im Besitze der Herrschaften Feldsbcrg und Baumgaricn in Oesterreich, Eisgrub in Mähren hatte er durch seine Frau, eine Tochter des Herrn Schembera auf Boskowitz, sein Besitzthum gemehrt. Im Jahre 1614 verlieh ihm Kaiser Mathias das Herzogthum Troppau und erhob ihn in den böhmischen, ein Jahr später in den Reichssmstenstand. Er war daher der erste Fürst dieses Hauses. Am 17. November 1620, einige Tage nach der Schlacht am Weißen Berge, wurde ihm die Landcsvertrctung Böhmens übertragen, welch einflußreiche Stellung durch eine ihm am 17. Januar 1622 vom Kaiser ertheilte absolute Vollmacht noch verstärkt wurde. Eine der ersten Maßnahmen des neuen Statthalters war die Weisung an die Münzämtcr, aus einer seinen Mark 37 fl. 38 kr. auszumünzcn. Bisher waren aus der Wiener Mark 9'74 Thaler aus ge bracht worden, was für die leichtere Prager Mark nahe an 8.8 Stück oder 19 fl. 39 kr. ergeben hätte. Fast gleichzeitig verbot er dem Münzmeister Benedict Hucbner von Sonnleithner, Silber zu einem niedrigeren Preise als 25 fl. für die Mark zu kaufen, da der Fürst, um die Prägungen in großer Massenhastigkeit zu betreiben, das Anerbieten eines Juden, Namens Jacob Basscvi angenommen hatte zu dem erwähnten Preise wöchentlich 2000 Mark liefern zu wollen. Einige Tage darauf, am 16. März 1621, wurde diese Weisung dahin abgeändcrt, daß das Münzamt von anderen Personell zum Verkauf gebrachtes Silber mir 2? sl. zu bezahlen hätte, während Bassevi 25 fl. erhalten sollte. Nachdem im Lause des Sommers durch Verfügungen des Statthalters vom 11. Juni und 16.,. August 1621 Werthsteigerungcn des Thalcrs angeordnet worden waren, wurden die Münzämtcr am 16. September angewiesen, „zu desto starkhcnr Beförderung und Forttrcibung des kaiserlichen Münzwcsens, damit kein Mangel an Silber ui d Pagament erscheine", dem Jacob Bassevi 27 fl. für jede Mark, und zwar vom 1. August an, zu bezahlen; später wurde der Preis auf 29'/, flscstgestellt. Der Gewinn des Consortiums war in d?n ersten Monaten, insolange die ganze Operation tiefes Geheimniß blieb, ein großer, verringerte sich aber später, als der Silbcrprcis stieg. Sindely führt eine im Jahre 1638 angestcllte Berechnung an, wonach der Gewinn bei einer Prägung von 30 Millionen, die schon in den ersten zwei Monaten sertiggestcllt waren, 9 Millionen betragen haben soll. Im ganzen sollen in der Prager- Münze etwas mehr als 42 Millionen geprägt worden sein, wonach also der Gesammtgewinn hicfür allein beiläufig 12 Millionen betragen haben würde. Es liegt aber eine Berechnung vor, wonach die Thcilnchmcr mehr als 17-76 Millionen gewonnen haben sollen, eine Angabe, die der Wahrheit näher zu kommen scheint, da auch die anderen Münzstätten bedeutende Summen ausprägten. Der jedenfalls colossale Gewinn erklärt sich zumeist dadurch, daß nicht aus der Wiener Mark, sondern aus der geringeren Prager Mark, die beiläufig eine Ausbeute von 71 fl. Vesterrrichischr Wochenschrift