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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 136 Orstrrrrichifche Wochenschrift. Nr. 8 Wie«, am 11. Februar 1892. Geehrte Redaction Unter Bezugnahme auf das von Seite der „Israelitischen Allianz" in Wien in der letzten Nummer Ihres Blattes veröffentlichte Schreiben, ersuche ich als Vertreter des Herrn Adolf Kaiser, nachstehende Berichtigung zur Kenntniß Ihrer Leser zu bringen. Das literarisch-artistische Bureau des Herrn Adolf Kaiser, hat weder in Prospekten noch in anderen Ankündigungen erklärt, daß der Betrieb von Portraits des Herrn Baron Hirsch mit der „Israelitischen Allianz" zuWien im Zusammenhang stehe. Mein Client hat in den bezüglichen Verlautbarungeir lediglich auf die Thatsache hingewiesen, daß er einen Theil des aus dem Unternehmen zu erzielenden Reingewinnes zu Grinsten der aus Rußland vertriebenen Glaubensgenossen ablieferir rverde, — ein Versprechen, das Hen Kaiser bisher erfüllt hat urrd auch in Zukunft zu erfüllen fest entschlossen ist. Mit vollster Hochachtung Dr. Beruh. Ledere r, Hof- und Gerichlsadvokat. Wie«. Wie alt die Institution des arischen Frühschoppens sammt seinen Ausschreitungen ist, erhellt u. a. daraus, daß schon ein römischer Kirchenvater, nämlich herum das Jahr 250 nach Chr. lebende Novatian, gegen die traurigen Folgen des Frühschoppens geeifert hat. In seiner Schrift „Ueber die Speisen der Juden" Cap. 6 schreibt Novatian : „Es gibt Christen, welche das Beispiel der Unenthaltsamkeit geben und in ihrer Lasterhaftigkeit so weit gekornmen sind, daß sie gleich früh Morgens noch nüchtern trinken, während doch Christen erst nach der Mahlzeit einen Trunk zu sich nehmen. In die noch leeren Adern gießen sie, nachdem sie sich eben vom Schlaf erhob.-n haben, Wein; ungegesserr sind sie bereits trunken; sie laufen nicht nur in die Kneipen, sondern sie tragen eine Kneipe mit sich hemm, und ihr Gruß besteht im Zutrinken. Was werden diese Menschen am Nachmittag anfangen, wenn sie schon berauscht zur Mahlzeit kommen? oder in welcher Verfaffung wird sie die untergehende Sonne schauen, wenn sie die ausgehende bereits schlaff vom Weingenuß erblickt?" Wien. Für die unglückliche Tramwayconducteurs-Witwe Luoingcr sind bei Frau Dr. Lieben eingelaufen: Sammlung des'Herrn Emil Kubics in dcr Getreidebörse 60 fl., B. Strauß n Gensingen 2 Mark, au- Earlsbad als Resultat einer Sammlung anlässlich der Verlobung Orsterreeicher-Mühlstein'eingeskndet durch Herrn Ad. Grünbaum 8 fl. 50 kr., Sidonie, Melanie, Isidor, Norbert, Olärchen, wenig aber vom Herren 4 fl.. N. 9t.' aus Boskowitz I fl., Dr. J.^ Welenius aus Prag 3 fl., N. N., Trautenau '20 fl. — Für den 105jährigen Greis sind uns von Frau Fanni Brück in Wien 5 fl. zugekommen. Wien. Judenhetzen auf der Insel Corftt und Protestantenverfolgungen in Piräus — cs ist im Grunde genommen Alles dasselbe. Nur ist es 'bemerkenswerth, daß es gerade Griechenland ist, wo soeben in einer verkehrsreichen Stadt Protestanten gemißhandelt, eine protestantische Kirche dcmolirt worden ist. Das ist in demselben Griechenland geschehen, über welches die fromme „Kreuz-Ztg." nicht liebliche Freude genug empfinden konnte, als aus Corftt und lanthe die Juden verfolgt und ermordet wurden. Uns liegt folgende ossicielle Drahtmeldung aus Athen vor: Am Sonntag Abend kam es in Piräus gelegentlich des evangelischen - Gottesdienstes zu Ruhestörungen, indem eine gegen die Protestanten aufgebrachte Volksmenge die protestantische Kirche mit Steinen angriff. -Ein Theil des Mauerwerkes ist zerstört, die an dem Gottesdienste theilnehmenden Protestanten waren gezwungen zu flüchten. Mehrere Protestanten wurden von der Volksmenge mißhandelt, die Bibliothek sowie die Einrichtung der Kirche wurde zerstört. Die einschreitende Polizei wurde von der Volksmenge angegriffen. Die Untersuchung ist eingeleitet. So sehen wir denn überall — in Corfu oder in Piräus — denselben Geist der Unduldsamkeit in leider erfolgreicher Arbeit begriffen, er bleibt bei den Juden niemals stehen, sondern greift auch nach weiteren Gebieten. Br«««. Verlobung. Der Malzfabrikant Herr J. U. Dr. Eduard Ro senfe ld in Kojetein, Schwager des bekannten Wohlthäters Herrn Wilhelm Schnabl, Chef der Firma M. Schnabl in Brünn, hat sich mit Fräulein Carola Fürst, Rentierstochter in Wien, verlobt. Pirnrtz. Am 2. d. M. feierte hier der hochgeachtete Herr Bernhard Glaser im Kreise seiner Kinder .und Enkeln daseltene Fest seiner goldenen Hochzeit, und wurde von der Vertretung der Cultusgemeinde, der „Chewra Kadischa," und „Talmud Thora" dessen langjähriger Präses der Jubilar war, auf das herzlichste beglückwünscht. Im Namen der Cultusgemeinde gratulirte der Präses an der Spitze der gesammten Vertretung, Herr S. Kälbl in wenigen aber tief vom Herzen kommenden Worten, während Herr S. Bretschneider Namens der Chewra Kadischa, die Glückivünsche darbrachte. Leider erkrankte der so rüstige Greis einen Tag nach diesem seltenen Fest, und starb am 11. d. M. in seinem 83. Lebensjahre, tief betrauert von seiner Gattin und Kindern. 8ell. Prerau, 15. Februar. Die Trauung des Herrn Theodor Lichtwitz, Sohn des k. k. Hoflieferanten Herrn Emanuel Lichtwitz ans Troppau mit der einzigen Tochter, des wegen seiner Humanität allgemein geachteten Herrn Moritz Grün, Fräulein Therese Grün, versammelte eine große auserlesene Schaar der Bewohner ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität im Tempel. Den Trauakt vollzog Oberrabbiner Hen Dr. Jacob Tauber, der eine alle entzückende Trauungsrede hielt. Bei dem vorzüglichen Mahle, das in der berühmten Koscher-Restauration des Herrn Moritz Haas die Hochzeitsgäste versammelte, wurden geistvolle Toaste ausgebracht und auch Wohlthätkgkeitsakte vollbracht. Hronow 16. Februar. (8ie transit gloria!) Der bei seinen Gesinnungsgenossen als wackerer Antisemit in höchstem Ansehen stehende Leodegard Imst, Kaufmann in Pardubitz hatte sich vergangene Woche vor dem Kreisgerichte in Königrätz, einer nicht sehr verdienstvollen Geschäftsmanipulation wegen zu verantworten. Derselbe war nämlich, abgesehen von der edlen Zunft des Antisemitismus, auch angelegentlichst damit beschäftigt, durch Betrügen seiner Mitmenschen auf eine gemeine Art und Weise sich ein Vermögen zu schaffen. Zu diesem Zwecke überredete er seinen Reisenden Joses Tlapak sich ein Geschäft einzurichten, aus demselben Maaren herauszuschwindeln, die er in seiner Nächstenliebe großmüthig von Tlapak so übernimmt, daß letzterer nur nothdürftig leben konnte. Seine Bemühungen waren mit dem Erfolge gekrönt, daß er zu 18 Monaten schweren Kerkers ver-urthcilt wurde, wo er nun über seine glorreichen Thaten Nachdenken kann und ferner über ein Problem, ob es für einen ehrlichen Kaufmann rathsam sei, neben seinem Geschäfte die nicht sehr rentable Kunst des Antisemitismus zu betreiben. Ob seine Gesinnungsgenossen ihm deshalb ihre Achtung entziehen werden, ist fraglich. Tlapak erhielt 15 Monate schweren Kerker. Krelce. Der hiesige Banquier und isr. Gemeindevorsteher Michael Goldhaar wurde für seine eifrige Thätigkeit als Vorsteher der Kaufmannschaft mit dem goldenen Orden des heil. Stanislaus vom russischen Kaiser beschenkt. Suratyn. Dienstag am 16. Februar fand die Trauung von Frl. Lotti Rosenkranz Tochter des Herrn S. Rosenkranz mit Herrn Chaim Kreis statt. Sarajevo, 20. Jänner 1892. Geehrte Redaction! Ich brachte in Erfahrung, daß in der Zeitschrift „Deutsches Volksblatt" ein Bericht aus Sarajevo veröffentlicht wurde, wonach angeblich in der neuen Synagoge zu Sarajevo während des Gottesdienstes am 2. d.M. ein Scandal und Schlägerei stattsand. Da dies nur eine aus der Lust gegriffene Nachricht ist, so bitte ich die geehrte Redaction, um der Wahrheit zu steuern, diese Zeilen zu veröffentlichen und die Angelegenheit entschieden zn dementiren. Achtungsvoll Abram Abraum, Rabbiner. Berlin, 6. Februar. Hen- Dr. F. Bucka, Oberlehrer am Realgymnasium und Docent am Polytechnikum in Charlottenburg, ist zum Professor ernannt worden. Kattowitz, 28. Jänner. Zu den bei dem jüngsten Ordensfeste Ausgezeichneten gehört mich der hier ansässige Herr Sanitätsrath Dr. Färber, welcher mit dem Rothen Adler-Orden II. Klasse ausgezeichnet wurde.

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