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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Vesterrrichifche Wochenschrift. Seite 185 hat der hohe Kirchenfürst nach allgemeiner Hinweisung auf die Schwierigkeit seines Amtes und nach Worten herzlichen Dankes für die empfangenen Segenswünsche darauf hingewiesen, daß die friedliche, freundliche Gesinnung gegen Andersgläubige ihm von jeher innegewohnt habe: denn er vertrete ja eine Religion der Liebe und nicht eine solche des Hasses. „Ungeachtet der trennenden Schranken, welche die Verschiedenheit des Bekenntnisses aufrichtet, verbindet uns die gemeinsame Aufgabe werkthätiger Bruderliebe. Ich habe," sagte der hohe Herr-, „unter Ihren Glaubensgenossen Viele gefunden, die gern und willig Wohlthätigkeit geübt haben, nicht nur gegen jüdische Hilfsbedürftige, sondern eben so gern gegen Andersgläubige. Rechnen Sie auf meine BereituMigkeit die in meinem Hirtenbriefe kundgegebenen Absichten alle Zeit zu bethätigen". Nachdem die Mitglieder des Rabbinatscollegiums darauf einer Einladung des Herrn Erzbischofs Folge leistend, mit diesem sich niedergesetzt hatten, brachten sie noch einige Zeit in zwangloser Unterhaltung mit dem Kirchenfürsten zu und verließen sie denselben mit der Ueberzeugung, daß durch ihn das friedliche Zusammenleben mit den katholischen Mitbürgern erleichtert und gefördert werden würde. Tanger, 14. Januar. Auf einem Ausfluge zur Stärkung seiner Gesundheit kam Baron Ferdinand von Rothschild aus London am 11. d. M. in Tanger an. Zwei Kutter von Ihrer Majestät Panzerschiff „Thunderer", welches augenblicklich in der Bucht von Tanger liegt, fuhren ih>u entgegen und trugen ihn an die Küste, wo er von dem briltischen Gesandten, Sir Charles E v a n Smith auf's Herzlichste empfangen wurde. Am andern Morgen 11 Uhr empfing Baron von Rothschild eine Deputation der jüdischen Gemeinde, bestehend aus den Herren: Haim B e n s ch i m o l, Gemeindepräsident; Jsaac S. Nahon, Vicepräsident; Salomon Nahon, Schatzmeister; Pinhas Assajag und Jsaac A. Land». Honorar-Sekretär; Reuben dtahani a, Abraham Porni enta und Agusch B enasuli, Comitemitglieder. In seiner Ansprache an den Baron sagte der Präsident, daß sie eine so günstige Gclegeuheit nicht unbenutzt lassen könnten, int Namen ihrer jüdischen Brüder in Tanger ihrem ausgezeichneten Glaubensgenossen ihre Ehrerbietung zu bezeigen und ihn in ihrer Mitte herzlich willkommen zu heißen. In seiner Erwidernng sprach der Baron seinen herzlichsten Dank für den ihn ehrenden Besuch aus und bemerkte dabei, daß er seine Brüder in Tanger nie vergessen werde. Von hier begab sich der Herr Baron nach Tetnan. VmmMe». Wien, litfl u u u g c n v o m 14. F e 6 ni a v 1892. i Im Tempel der inneren Stadt wurden getraut: Herr Pani Lang mit Frl. Elemente Pollak; Herr Armin Neubauer >:nt Frl. Emilie Neumann; Herr Emanuel Fleischmann mit Frl. Netli »lohn; Herr Dr. Hermann Kästenbaum mit Frl. Bertha 's-ekel; Herr Dr. Julius Bardach mit Frl. Olga Reiner. Im Tempel der Leopoldstadt wurden getraut: Herr Samuel Kohn mit Frl. Gisela Gerber; Herr Samuel Pentliczka mit mit Frl. Emilie Werner. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 21. Februar^1892, 1 Uhr Mittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengafse, die Trauung des Herrn Ludwig Beer, Gesellschafter der Firma Brüder Beer in Penzing, mit Fräulein Helene Pick, Tochter des Herm Ignaz Pick aus Komorn statt. Wien, am 10. Februar 1892. Am 9. Februar d. I. fand die VII. ordentliche Generalversammlung des „Gegenseitigen isr. Hilfsvereines für Handwerker und Kleingewerbetreibende" statt. Der Verein, der vom humanitären Standpunkte seine Wirksamkeit entfaltet, bezweckt: 1. Seinen Mitgliedern Arbeit zu schaffen, das Gewerbe und Standesbewußtsein nach jeder Richtung zu heben. 2. Den Mitgliedern, die sich in finanzieller Verlegenheiten befinden, unverzinsliche Darlehen und Aushilfe zu gewähren. 3. Lehrlinge bei Meistern unterzubringen itnb zu beaufsichtigen. Die zahlreich besuchte Versammlung unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn M. E d l h o f e r nahm den zur Verlesung gebrachten Rechenschaftsbericht pro 1891 zur Kenniß und ertheilte dem Ausschüße mit Dank für die gute Führung das Absolutorium. Aus den vom Schriftführer des Vereines Herrn I. Oesterreich er verlesenen Rechnungsausweise entnehmen wir. daß allein im Jahre 1891 fl. 850 an Darlehen verausgabt, wovon im selben Jahre fl. 400 rückgezahlt wurden. An Spenden und Beiträgen von unterstützenden Mitgliedern liefen fl. 1103 ein und Dank der guten Gebahrung und der edlen Spender besitzt der Verein, theils in dreiprocentigen österr. Bodencreditlosen, Sparcassa-Einlagen und Baar fl. 3745 an Vermögen. Wien. Verein zur Hebung der Gewerbe. Bei der am 8. d. M. unter Vorsitz des Obmannes, Herrn Brod im Restaurant Robitsek stattgefundenen Monats-Versammlung, welcher auch Architekt Max Fleischer, Gemeindrath Lang und andere Rotabilitäten anwohnte», demonstrirte Herr Grünberger, der einzige israelitische Huf- und Wagenschmied in Oesterreich über „Erzeugung von Hufeisen und deren Verwendung, ferner Herr K. Friedma nn über Closetanlagen. Letzterer stellte eine stattliche Anzahl von Closet- Consrructionen aus und sprach über denselben in sehr geschickter Weise. Sodann folgte eine lebhafte D.scusion über die Vortheile und Erfolge des G e w er b e - V e r e i n e s, die bis halb 1 Uhr nachts anhielt. Wien. Der Kranken- Unterftützungs-Verein „Livias Chen" hält Sonntag, den 21. Februar 1892 präcise 2 Uhr Nachmittags in M. Smoteks Restauration, I. Judengasse 12, seine ordentliche (fünfte) Generalversammlung ab. Wien. Der in Oberitalien bestbekannte Maler Prof. G. Novarra befindet sich derzeit in Wien ans der Durchreise nach Paris, um Herrn Baron H i r s ch das von ihm gewidmete Oelgemälde persönlich z» überbringcn. Das in vollendeter Weise ausgesührte und mit vielen hebräischen Sprüchen gezierte Gemälde stellt in allegorischer Weise die Errctttmg Israels durch die milde Hand des Baron Hirsch dar. Wien, 15. Februar 1892. Vor einigen Wochen trat hier eine Reihe von Mädchen zu einem Vereine zusammen, welcher Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur sowie Pflege der Geselligkeit zur Tendenz har und den Namen führt: Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria." Bei der am 14. d. M. stattgehabten I. ordentlichen Plenarversamuilung wurden folgende Damen in den Ausschuß gewählt : Zur Pr'äsidentin Frl. Franziska Reich zur Vicepräsidentin Frl. Sabine G rüder, zu Schriftführerinnen die Fräuleins Bertha S ch a l i t und Jda Werner, zur Schatzmeisterin Frl. Paula Reiner, zu Ausschußmitgliedern die Frls. Eoeline H o r o w i tz und Natalie P o l l a k. Im Anschluß an die Plenarversammlung hielt Frl. Schallt einen höchst interessanten Vortrag über „das j ü d i s ch e W e i b", welcher mit großem Bestall ausgenommen wurde. Auskünfte über den Verein ertheilt die Präsidentin Frl. Franziska Reich,-H., Kaiser Josefstraße 25. Wien. (Berichtigun g). Herr Schneidermeister Johann Skoda VL, Gumpendorferftraße 35, ersucht uns auf Grund des $ 19 des Paßgesetzes die Berichtigung auszllnehmen, daß es unwahr sei, daß er je einem jüdischen Arbeiter erklärt habe, in seiner Werkstatt fände kein Jude eine Beschäftigung. Die Einsendung, so erklärt Herr Johann Skoda, sei der Racheact eines wegen unanständigen Benehmens entlassenen Arbeiters. Indem wir diese Berichtigung gerne ausnehmeu, vermißen wir in derselben vor allem die wichtigste Constatiruna, daß der Herr Johann Skoda thatsächlich jüdische Arbeiter beschäftigt. Bei der großen Anzahl jüdischer Kundschaften, welche bei Herrn Skoda arbeiten lassen, wäre eine derartige Constatirung nicht ganz überflüßig.

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