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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 134 Vrstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 8 dieser Appell in allen Gemeinden Galiziens lebhaften und nachhaltigen Anklang finden, damit die Aermsten der Armen durch Lehre und Unterricht der Religion und der Bildung wiedergegeben werden. „ Brody. Jüngst kam ein Uradnik (russischer Steuerbeamter) in das Dorf B i a l e Kremnitze bei N o w n e, um Steuern einzukassiren. Er kassirte im Laufe des Tages bei 600 Rubel ein und wollte dann bei dem jüdischen Arendator «bemachten. Dieser riech jedoch dem Beamten, theils zu dessen besserer Bequemlichkeit, theils zur größeren Sicherheit des Geldes, das er bei sich hatte, lieber die Gastfreundschaft des Dorfpopen in Anspruch zu nehmen. Der Uradnik befolgte den Rath des Juden und fuhr zum Popen, der ihm auch wirklich freundlich empfing, chn auf's Beste bewirchete und nach dem Nachtmahle in ein separates Zimmer leitete, wo ein Bett für chn bereitet war. Kaum war aber der Gast eingeschlafen, schlichen sich der Geistliche und seine Frau in das Zimmer und verübten an chm einen schauderhaften Mord, eine förmliche Abschlachtung. Nach vollbrachter That steckten sie die Leiche in einen Sack, luden diesen auf den im Hofe stehenden Wagen des Ermordeten und der Geistliche selbst fuhr damit bis zum Hause des Juden. Als dieser mit dem Morgengrauen das Thor öffnete und Pferd und Wagen mit der unheimlichen Ladung sah, lief er aus Furcht und Schrecken zu dem Starosten und alarmirte die Bauern. Bald stand das ganze Dorf vor dem Wirthshause und einstimmig wurde der Jude dieses Mordes beschuldigt. Der Arme wurde sammt Frau und älteren Kindern gebunden, geschlagen und in die Chalodne geschleppt. An der Spitze der gegen die Juden tobenden Menge stand der Pope. Diesmal hat es aber dem Hüter Israels gefallen, die Unschuld an den Tag zu bringen. Das Popenpaar hatte bei seiner verruchten That einen Zeugen. In einem Gelaffe hart an dem Zimmer, in welchem der Mord vor sich gieng, schlief in derselben Nacht zufällig ein alter Bauer, der bei dem Popen diente, er hörte das Zwiegespräch der Mörder und das Stöhnen ihres Opfers, hatte aber nicht den Muth, die Mörder zu stören. Nach dem der Bauer nun sah, daß der Jude der That beschuldigt ward, verlangte er von dent Popen einige Rubel Schweiggeld. Dieser versetzte aber dem Bauern eine Ohrfeige, um ihn einzuschüchtern, dadurch jedoch erst recht gereizt, enthüllte der Bauer sofort den bei dem Wirthshause noch Versammelten das Geheimniß des Mordes. Die Bauern ubersielen das Haus des Popen, fanden noch das frische Blut welches das Popenweib aus Vorsicht, keine Blutspuren zurückzulaffen, in ein Gefäß sammelte und die ganze geraubte Summe. Die Juden wurden sofort in Freiheit gesetzt. Nach mehrwöchentlichem Prozeßgange wurde das gräßliche Ehepaar zum Tode durch den Strang verurtheilt und soll in den nächsten Tagen die Exekution in Rowne stattfinden. Fiume, 10. Februar. Herr Carl Neumann, Getreide- Exporteur, sendet an die „Ocftm*. Wochenschrift" ein Schreiben, welchem wir die Mittheilung entnehmen, daß es bei dem diesjährigen Wahlkampfe sich nicht darum gehandelt hat, die Wiederwahl des Herrn Mandolfo zu verhindern, vielmehr war cs bei allen Parteien abgemacht, das Präsidium der Gemeinde nach wie vor Herrn Mandolfo anzuvertrauen, welcher in der That einstimmig gewählt worden. Des weiteren heißt es in dem Schreiben an die Redaction der „Oesterr. Wochenschrift" : Ich als der angebliche „Haupkschreier" wurde mit 50 Boten als Ausschuß-Mitglied wiedergewählt, und nachdem ich doch selbstredend nicht zu meinen Gunsten zu stimmen pflege, so erhellt hieraus, daß nur einer der Wählenden nicht für mich gestimmt hat, sonst wäre auch ich mit Stimmeneinhelligkeit, gewählt worden. Die Lüftungen der eingewanderten „Schreier" zu beurtheilen, überlasse ich den unparteiischen, besonnenen Mitgliedern unserer Gemeinde, betone jedoch, daß dieselben vor 3 Jahren bei der Wahl des Cultusvorstandes ein Deficit von st. 98.65 vorfanden und durch gründliche Reformen die Einnahmen der Cultusgemeinde derart zu heben wußten, daß in der General-Versanunlung am 31. Jänner l. I. ein Vermögen von fl. 1546.75, sowie ferners fl. 3931.15 gesammelter Tempelfond, zusammen fl. 4477.90 in Baarem ausgewiesen werden konnte. — Abgesehen davon, hat dieser aus Eingewanderten bestehende Cultusvorstand, welcher bis aus einige Neuwahlen nahezu vollständig wiedergewählt wurde, in den abgelaufenen 3 Jahren erhebliche Beträge für wohlthätige Zwecke und über fl. 800 für die nothdürftige Reparatur des Bethauses verausgabt. — Berlin. Der Vorschuß- und Darlehensverein in Allenstein veröffentlicht die Bilanz laut Inventur-Aufnahme vom 31. December. Ueber die Aktiven werden aufgeführt: Unterschlagung der am 16. Jnli discontirten Wechsel 15000 Mark. Aufrechnungsfehler 10000 Mark. Laufende unterschlagene Wechsel 37600 Mark. Gefälschte Wechsel bei der Reichsbank 29.950 Mark. Der Rendant des Vereins v. Knobelsdorf, hat sich bekanntlich erschossen. Ter Mann scheint denn doch ein reiner Ariergewesen zu sein. (Wieder Einer!) Aus Gleißen lim Kreise Ost- Sternberg) wird einem Lokalblatte (dem „Sonnenberger Anzeiger") geschrieben: Unser Ort ist in voller Auftegung. Der hiesige Ortsgeistliche, Pastor Dessin, ist am vorigen Dienstag flüchtig geworden, weil ihm die Verhaftung wegen Vergehens gegen ^174 (u nzüch trgeH and lungen mit Kindern und Schülern) unmittelbar bevorstand. Die Handlungen sind an 9- bis 14jährigen Mädchen, welche mit der 5jährigen Tochter des Geistlichen zu spielen pflegten, vorgenommen worden. Vor der Flucht lieh sich Dessin von dem Gutsinspector 200 Mark, welche er wohl als Reisespesen nöthig hatte. Gegen den Pastor herrscht eine maßlose Erbitterung, auch darüber, daß man ihm Zeit zum Entwischen ließ. Dieser beklagenswerthe Fall ist seit 12 Jahren der dritte in der Diözese Drosen, in welchem ein Geistlicher wegen Unzucht auf die Anklagebank kommt. In frischer Erinnerung sind noch die Schandthaten im Dorfe Tempel bei Zielenzig, wobei der Geistliche auch Zeit zur Flucht hatte. Der Gedanke, den Stoff zu einer Illustration zum neuen V o l k s s ch u l g e s e tz e n t w u r f zu verwenden, liegt äußerst nahe und wird von Vielen gemacht. Posen. Donnerstag, 4. Februar, hat der Rabbiner der hies. Synagogengemeinde in Begleitung der beiden anderen Mitglieder des Rabbinatscollegiums dem neuen Erzbischof Dr. Florian von Stablewski einen Begrüßungsbesuch abgestattet. Dieser war schon als Probst zu Wreschen durch leutselige Gesinnung gegen Andersgläubige bekannt und hatte solcher, seiner in unserer Zeit besonders schätzenswerthen Gesinnung bereits in dem gelegentlich seiner Inthronisation erlassenen Hirtenbriefe deutlichen und beredten Ausdruck verliehen. Der Rabbiner, deffen Besuch vorher an gemeldet war, wurde von dem Kirchenfürsten, der sich dabei in voller Amtstracht befand, gegen Mittag huldvoll empfangen. Der Rabbiner brachte ehrerbietigen Segenswunsch zum Antritte des hohen Amtes, gleichzeitig auch innigem Dank für die in dem Hirtenbriefe enthaltene Mahnung zu friedlich wohlwollendem Verhalten gegen Andersgläubige zum Ausdrucke. „Wir begrüßen in Ihnen einen Schüler des Hohenpriesters Aharon, der nach den Worten des weisen Hillel, den Frieden nicht nur geliebt, sondern auch erstrebt hat. Mögen Ihre Gebete vor des Allgütigen Thron Erhörung finden, wie die jenes Hohenpriesters, nachdem er das erste Huldigungsopfer dargebracht hatte! Mögen Ihre Lehren in den Herzen Ihrer Gläubigen segensreiche Saaten zeitigen, gleich den Worten jenes Priesters, der nach dem Ausspruche des Propheten, die Lehre der Wahrheit in seinem Munde hatte! Gesegnet sei Ihr Einzug in dieses Hans, segensreich für unsere Stadt, für unsere Provinz und für das ganze deutsche Vaterland!" Auf diese dem Inhalte nach wiedergegebene Ansprache

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