Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020908--01138-3025162
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 8 Oeyernichischr Wochenschrift. Seite 1.33 Der Redner, mit lebhaften Beifall begrüßt fesselte die Zuhörer in feltenem Maße in einem nahezu anderthalbstündigen Vortrage, dem Alles in Andacht lauschten. Es war ein Genuß, den genialen Erbauer berühmter jüdischer Tempel über die Geheimnisse und Mysterien seiner Kunst so anziehend reden zu hören. An der Hand zahlreicher Zeichnungen und Pläne, die eigens zu diesem Vortrage hergestellt worden waren, so wie an den ausgestellten Photographien, trachtete er die Gegenstände seiner Besprechung dem Auditorium näher zu bringen. Es wurden die Tempel der alten Egypter, ihre Bauweise, ihre technische und künstlerische Ausführung gezeigt und besprochen, ebenso ihre Anlage und Einrichtung mit Rücksicht auf Klima, Material, Cultusform und Cultusdienst. In gleicher Weise wurden die Tempel der Babylonier, die tnx Gegensätze zu den Steinbauten der Egypter in Ziegel hergestellt waren, erörtert. Wir horten von den Persern, daß sie bloß Feuer-Altäre und keinen Tempel hatten; von den Phöniziern, daß wegen Mangel entsprechender Ueberreste eine Betrachtung ihrer Eultusbauten nicht möglich sei. — Eine besondere Sorgfalt wendete der Vortragende den Eultusbauten der Hebräer zu. Zunächst wurde die Stiftshütte (sie war durch eine Zeichnung dargestellt') besprochen; dieselbe wurde als vollständig nationales Kunstwerk gepriesen, das einzig in seiner Art, in seiner Gestalt und Ausführung dasteht. —• Ein Bild des hohen Priesters, bekleidet mit seinem reichsten Ornat, genau nach Beschreibung im II. B. M. lvurde durch ein nahezu lebensgroßes Aquarell vorgeführt. Vom Salomonischen Tempel sahen wir Situationsplan, Grund- und Aufrisse, Tu er- und Längensch ritte, so daß jeder nach diesen und den gegebenen Erläuterungen sich ein klares Bild des Tempels vorstellen konnte. Es wurden weiters die Eultusbauten der Juden, dann der Griechen und Römer, endlich die Kirchenbauten der christlichen Völker in allen Ländern, vom frühesten Beginn, bis zur höchsten Entfaltung und in allen Stilarteu durch zahlreiche Beispiele vorgeführt und erläutert. Ferner kamen die Eultusbauten des Islams und zum Schluffe wendete sich der Vortragende den jüdischen Tempelbauten nach der Zerstörung Jerusalems bis auf die heutigen Tage zu. Der Vortragende wurde am Schlüsse seiner Ausführungen von der gesummten Versammlung mit rauschendem Beifall überschüttet. An dem Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte und es war bereits 11 Uhr als der Vorsitzende Dr. Josef Grünfeld die Versammlung schloß. Wien. (D o c t o r a t s - I n b i l ä u m.) Universitäts-Doceut Dr. Grüns eld, der den fünfundzwanzigsten Jahrestag seines Doctorat.s feierte, wurde von allen Seiten innig und lebhaft beglückwünscht. In den Vonnittagsstunden erschienen in der Wohnung des Jubilars Deputationen der Professoren an der Poliklinik, ferner die Assistenten und Aspiranten der Abtheilung Grünfeld's, welche ein silbernes Giardinetto mit den eingravirten Namen der Spender überbrachten, eine Deputation des Vereines „Union" und anderer Corporationen, Baurath Stiaßny, Wilhelm Ritter v. Gutmann, Consul Baron Koloman König, kaiserl. Rath Dr. Wölfl er und Andere. Dr. L. A. v. Frankl stellte sich mit folgenden Versen ein: Fünfundzwanzig Jahr' — Stehst Du am Altar — Edlen Menschenthums — Wirke weiter, lehre — Daß sich immer mehre — Der Reichthum Deines Ruhms. Briefe, Karten, Depeschen kaufen zahllos von Aerzten und Patienten aus Wien, dem In- und Auslande und selbstverständlich fehlte es auch an Blumen, Nippes und finnigen Ehrengeschenken nicht. Abends vorher, um 8 Uhr fand im Restaurant Khuner ein solennes Bankett statt, bem zahlreiche Professoren der medicinischen Facultät, die Aerzte der Poliklinik u. s. w. beiwohnten. Der Jubilar wurde bei seinem Erscheinen im Saale stürmisch begrüßt und zu seinem Ehrenplätze geleitet. Die Reih.' der ofsiciellen Toaste eröffnete Oberrabbiner Dr. Güdein ann, ihm folgten Herr Gemeinderath Gustav Simon als Vicepräsident der israelitischen Eultusgemeiude, Herr Regierungsrath Prof. Schnitzler, Namens der Berufs-Collegen des Jubilars und Dr. Marcus Spitzer für den Vorstand der Oesterr. israel. Union. Aus der weitern Zahl geistvoller witziger Toaste erwähnen wir jene der Herren Prof. Benedict, Dr. Schnabl, Fritz Singer, S. Heit, Dr. Landesberger, S. Brod, Ernst Neustadt l, Dr. Feuchtwang und Bezirks-Ausschuß Waldstein. In gebundener Rede feierte Vereinssecretär Josef Fuchs und Herr Bielitz den Jubilar. Mitternacht war längst vorüber tinb die zahlreichen Festgäste blieben noch lange in animirtester Stimmung beisammen. Wien. (Wieder Einer.) Man meldet aus Berlin; Jener ehemalige preußische, dann österreichische Lieutenant Ferdinand v. Levetzow, welcher vor geraumer Zeit durch seine von de: „Hamburger Nachrichten" demonstrativ wiedergegebene antisemitische Schmähschrift gegen die österreichischungarische Armee peinliches Aufsehen machte, hatte sich heute vor dem Schöffengerichte wegen dreizehn kleinerer Betrugsfälle und wegen Korperoerletzung zu verantworten. Er hatte vertrauensselige Personen, und zwar Kellner, Dienstmänner, Zeitungshändler, Schriftsteller ec. unter falschen Vorspiegelungen angepumpt und seinen Schneider, dem er gleichfalls Geld schuldete, mit seinem Spazierstock furchtbar durchgeprügelt. Das Schöffengericht verurtheilte ihn unter Annahme mildernder Umstände zu 27*> Mark (Geldstrafe oder 90 ragen Gefängnis;. Der Staatsanwalt hatte nur Gefängniß beantrangr. Levetzow stellte unmittelbar nach dem Erscheinen der „Offenen Worte" auch eine Brochure über den österreichischen Richterstand in Aussicht — welchen er für vollständig „verjudet" ausgibt. Es ist klar, aus welchen höchst einfachen Gründen die Lueger, Schneider, Stöcker, Leveizow, die mitimtev gar nicht judenfreundlichen Herren vom Gericht zu verdächtigen suchen. Das schlechte (Gewissen sagt ihnen nämlich, daß sie alle schließlich im Gerichtssaale entlarvt werden müssen. Daher heißts rasch den ganzen Richterstand verdächtigen, damit in den Augen der chrcnwerthen Genossen dessen vernichtende Verbiete ihrer Bedetltung beraubt werden. Wien. Aus dem uns vorliegenden Jahresberichte des allg.-österr.-isr. Taubstumme?.-Institutes für das abgelaufene Jahr 1891 entnehmen wir, daß die Zahl der Zöglinge, die die Anstalt im abgelaufenen Schuljabre im Unterrichte, in der Versorgung und Verpflegung hatte 98 betrug, und zwar 61 männliche und 37 weibliche, von denen wurden 19 im Monate Juli entlassen, dagegen 18 für das Schuljahr 1893 ausgenommen. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir die huntane Wirksamkeit dieser Anstalt einer eingehenden Erörterung unterziehen. Die erziehlichen Resultate, welche bei den Abiturienten in augenfälliger Weise zutage treten, liefern den sprechendsten Beweis, daß diese Anstalt die ihr entgegenoebrächten Sympathien im vollsten Maße verdient. Es wird daher jeder Menschenfreund sich zur Förderung der humanen Zwecke dieser 'Anstalt umso mehr nngeeifert fühlen, als das lebhafte Verlangen nach ausgiebiger Unterstützung auch in dem vorliegenden Berichte zum Ausdruck gelangt. So lesen wir weiter im Berichte: „Solange sich noch die traurige Thatsache wiederholt, daß nicht alle würdigen Bewerber Aufnahme finden können, so lange können und dürfen wir nicht auibören. an unsere Freunde die Bitte zu richten, daß sie in ihren! schönen und edlen Wetteifer nicht erlahmen mögen. Diesmal aber richten wir unfern Aufruf insbesondere an die israelitischen Cultusgemeinden in Galizien, von welchen 33 mittellose I anbstunune auf Kosten unserer Anstalt die Ausbildung erhalten, welche sie befähigt, ihren Lebensunterhalt durch ihre Arbeit zu erwerben, denn ohne unsere Anstalt würden diese Unglücklichen ihren zuständigen Gemeinden, welchen die gesetzliche Verpflichtung zur Erhaltung ihrer armen erwerbsunfähigen Angehörigen obliegt, vielfach zu Last fallen." ,—Diesen gerechten Appell müssen wir umsomehr beipstichten, als diese 33 Zöglinge aus Galizien den dritten Theil der Erhaltungskosten der Anstalt beanspruchen. Möge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.