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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 132 Vesterrrichifchr Wochrnfchvifk Nr. 8 wird, nachdem der kühne Wurf gelungen ist? Welch' bitteres Gefühl aber mag sein Gemüth beschlichen haben, als er lesen mußte, daß sein verhaßtester Rivale im afrikanischen Ruhme ein ganzes großes Reich miedererobert habe, ohne auch nur einen einzigen Schuß abzufeuern! Weiß er doch, daß die Congovölker seiner nur mit Flüchen gedenken und daß die Stämme am Aruwimi sich wie Ein Mann erheben würden, wenn er nochmals versuchen würde, jene Wildnisse zu durchqueren. Emin ist also wieder in Wadelai. Wie der erste Napoleon vertraute er seinem Stern und seiner Menschenkenntniß, und diese Zuversicht hat ihn nicht zu Schanden werden lassen. Unwillkürlich aber drängt sich die Frage auf, ob seine Herrschaft von Dauer sein, oder wie das napoleonische Glück nach kurzer Zeit zusammenbrechen werde. „Würden Sie Emin zum Premierminister Ihrer Kolonie machen und chm so viel Geld geben, als er begehrte," höhnte Stanley in einer Versammlung zu Sydney, „so würde er nicht wissen, was er anfangen sollte. Beauftragten Sie ihn aber, australische Insekten zu sammeln, so würde er glücklich sein." Nun ist Emin unumschränkter Gebieter eines Landstriches geworden, der an Ausdehnung der Kolonie Neusüdwales nicht nachsteht, und Geld besitzt er auch, wenn er wirklich, was immer und immer wieder behauptet worden ist, seine Elfenbeinschätze in den Nilschlamm versenkt hat, bevor er sich von Stanley „retten" ließ. Aber wenn auch dieser afrikanische Nibelungenhort niemals existirt haben sollte, so wird Emin heute ebenso gut wissen, was er zu thun habe, wie i,r derr langen Jahren, da er für die Zivilisation und ihre Machtmittel unerreichbar erschien. „Da trat kein anderer für ihn ein, auf sich selber stand er ganz allein." Nun aber das Land die Schrecken der Anarchie erduldet und somit die Segnungen einer geordneten Verwaltung schätzen gelernt hat, wird seine Stellung fester denn je zuvor sein. Wie ein Heiland ist er empfangen worden, und daß er das Geheimniß afrikanischer Regierungskunst nicht vergessen hat, beweist der Brief, den wir nach dem italienischen „L'Esploratore" kürzlich veröffentlichten. Eine humane Verwaltung und die Ausrottung der Sklaverei, das sind die Zeichen, unter denen nach Emin in Afrika regiert werden muß. Viele Jahre find diese Grundsätze seine Leitmotive gewesen, und nun er die Macht wieder in Händen hat, kehrt er zweifellos zu den erprobten Maximen zurück. Nordwärts des Aequators wird also eine Zone erstehen, welche die Qual der Sklavenjagd und des Sklavenhandels nicht kennt, und mir flammendem Schwerte wird Emin wachen, daß seine Schöpfung weder von den Derwischen des Chartumer Ehalifen noch von den in Unyoro und Ugonda umherstreifenden arabischen Banden verwüstet werde. Es ist gewiß tief zu b^auern, daß die Verwaltung Deutsch-Ostafrikas seine unersetzbare Kruft eingebüßt hat, allein andererseits ist doch auch gewiß, daß er als Gebieter von Aequatoria der allgemeinen Kultur mehr dienen kann und wird, wie als Reichskommiffär im Seengebiet. Dieser Gedanke wird vielleicht auch diejenigen versöhnen, die ihn einen verwilderten Aftikaner nannten, als er den Reichsdienst verließ, um seine eigenen Wege zu wandeln. - (Ser. S. Z.) Goethe über die Strebsamkeit der Juden. Im Januar-Heft des in Weimar erschienenen Blattes „Minerva" 1802, steht ein Aufsatz: „Das Emporkommen der Völker in der Welt", mtt der Unterschrift: W. G. Der Herausgeber der „Minerva" erklärt wenige Wochen früher, also zu Beginn des Jahres 1802, daß Goethe für sein Buch einige intereffante Arbeiten zir liefern versprochen habe. Endlich wird auch der mit W. G. unterschriebene Aufsatz von Dr. Felix Martens in einer späteren Nummer eingehend besprochen — und hier erfährt der Leser, daß der Verfaffer des Aufsatzes: „Das Emporckommen der Völker in der Welt", kein geringerer als Goethe war. An einer Stelle heißt es: „Es giebt kein Volk in der Welt, welches nicht von dem Wunsche, emporzukommen, beseelt wäre. Selbst die zerstreuten Juden, die noch manche schwere und empfindliche Bedrückung zu erdulden haben, bekunden eine staunenswerkhe Strebsamkeit. Man behauptet zwar, der Jude fange es schlau an, emporzukommen, sein einziges Hauptprinzip sei, nur die Geldmacht zu gewinnen. Wie thöricht! Auch andere machen sich groß und auch anderen wird die Größe zugeworfen! Jedoch die meisten von denen, die zu Reichthum gelangen in der Welk, werden es mehr oder minder durch Geschicklichkeit und Schlauheit. Jeder, der in der Welt emporkommt, muß ein Talent besitzen, mag es nun ein Talent zur literarischen Auszeichnung, poetischer Wichtigkeit, oder zum Aufhäufen von Schätzen oder zu anderen Sachen, die eine Größe bedingen, sein. Naturgaben sind das erste Erforderniß für einen ausgezeichneten Menschen. Einige werden von Freunden emporgezogen und gestützt, andere von Feinden emporgestoßen; diesen letzteren geht es am Ende besser, denn Feindschaft ist dauerhafter als Freundschaft! Die Freundschaft zieht oft ihre Hand zurück, wenn man ihrer gerade am meisten bedürftig ist: Feindschaft aber stößt immer vorwärts, so lang sie kann. So hat die allzugroße religiöse Feindschaft gegen die Juden nur dazu geführt, das Auftreten dieses Stammes entschlossener und energischer zu machen. Der Jude kennt seine Feinde bereits Jahrhunderte lang — und daher war es sein nicht zu verkennendes Streben, sich emporzuraffen und wenigstens mit der Macht des Geldes zu wirken. Das Geheimniß, in der Welt emporzukommen, lehrt die Geschichte der Juden. Verfolgt, bedrückt, geschlagen und mißhandelt, sind die Juden mit ihren Freunden und Feinden fertig geworden! War hier ihr Verlust groß, so ersetzte dort reichlicher Gewinn jedwedes Leid. Wirklich, die Juden, können sich auf ihre bewiesene Strebsamkeit, emporzukommen, etwas zu gute thun. Die Lastämter bilden in der Regel mehr als Ehrenämter. Es ist der Mensch ein Wesen das am besten gedeiht, wenn ihm so ein Druck von oben gegeben wird; nur darf derselbe nicht zu schwer sein. Siehe die Geschichte der Juden Ehren recken den Menschen wunderlich in die Höhe, er wird dünn und bricht zusammen. — Wahr ist es, daß die Juden um emporzukommen, sich gern die Macht des Geldes erwerben wollen, aber wahr ist auch, daß Habgier und Eigennutz, Luxus und Verschwendung das Streben anderer Völker war, um ihr Ansehen äußerlich emporzubringen. Daß die Juden die Ehre des Kriegers, des Edelmannes nicht kennen, hat auch seine Veranlassung. Machet die Menschen zu Menschen und die Charaktere werden sich zeigen. Ich bin des festen Glaubens, daß es keine Nation der Erde jemals gegeben hat, die nicht große, uneigennützige, hervorragende Menschen geschaffen, die mehr waren als Gesetzgeber und Helden. Unvernünftig und schlecht ist es, gegen die größeren Rechte der Juden aufzutreten. Versuchet es, Gesetzgeber, dieses Volk zu unterdrücken; es kann euch nur gehen, wie den Helden der Vorzeit, ihr geht zu Gnmde — und Juden kommen empor! Der Jude, ja der Jude, er will auch Antheil nehmen an den Bestrebungen der Völker — und warum wollt ihr es nicht leiden, ihr, des Juden Nächsten, ihr Christen? He, warum? Nun ereifert euch nur, nun streitet euch, ich lache euch aus! —" HorresMirämLen. Wien. (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Samstag den 6. d. M. hielt Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Moriz Frankl in diesem Vereine einen Vortrag über die Stellung und Bedeutung des Weibes im Judenthum. Samstag den 13. d. M. sprach Herr Cultusvorsteher und Architekt Max Fleischer der Erbauer der beiden schönsten Wiener Tempel, in diesem Verein über die Gestaltung der Cultus-Bauten bei den verschiedenen Völkern aus den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

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