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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Orstrrreichischr ihrer Mitbürger in Gefahr bringen. Sie erzählen, die Inden gebrauchten das Blut unschuldiger Ehristenkiudcr, — sie müßten Ritualmorde begehen, wann und wo immer sie cs ungestraft thnn können. Was Wunder, wenn dem niederen Volk, das sich aus den Lesern dieser Schandpresfe recrutirt, auch das Leben der Juden nicht heilig ist. Der Proceß Wetzel zeigt unS eine Frucht dieser Irrlehren. Gewiß, dieser Mordbnbe hätte auch einen Christen mngcbracht, wenn es sich gelohnt hätte, aber in dem Juden sah er einen Menschen, der durch B.'trug, Wucher — und wie die ganze Scala der den Juden aufgebürdeten Verbrechen nach der „Staatsbürger Zeitung" lautet — viel Geld zusammengescharrt hat und er spricht in diesem Sinne zu einem Mitgefangenen: „Der stinkige Jude H. hat viel Geld, das muß ich ihm abknüpfen," oder so ähnlich. Also nicht das bloße: „Bete und arbeite! ", sondern die alttestamelitliche Lehre, die ja auch in dem Neuen Testamente eine hervorragende Stelle einnilnmt: „Liebe deinen Nächsten, wie Dich selbst" soll in den christlichen Schulen den Kindern tiefer eingeprägt werden; heilig sei Dir das Vermögen, die Ehre, das Leben des Menschen! Es misst vor Allem die Wahrheit verkündet werden, z. B. daß die Bibel den Israeliten auf's Strengste l bei Todesstrafe) jeden Genuß von Blut verboten, und daß dieses Verbot seit Jahrtausenden uns heilig war. Dann wäre es uninöglich, den niederen abergläubischen Volksclassen immer wieder neue Blutmärchen von Juden aufzubinden. Der Artikel schließt mit folgenden, an den greisen Staatsanwalt Woytasch gerichteten Worten: Daß die antisemitische Meute strastos das Alte Testament und seine Bekenner angreifen nnd begeifern darf, daß incm den Soldschreibern dieser Presse das traurige Hetzgeschaft nicht legt, darin, Herr Staatsanwalt, liegt die Duelle der immerniehr an den Tag tretenden Verrohung der Gemüther'. Es gehört gar nicht viel Scharfsinn dazu, diesen Zusammenhang von Ursache und Wirkung herauszufinden. Gin holländischer Vürgernreisker über den Antisemitismus. Der Bürgermeister von Grönlo, Herr Hesselink vom Suchtelen, scheute sich nicht, öffenllich seinen Sympathien für die Juden Ausdruck zu geben, indem er folgenden Brief zmn Abdruck brachte, den cr an einen Buchhändler in Grönlo gerichtet hatte als Antwort auf die Zusendung eines Prospectes über das antisemitische Werk: „Der Jude, ein Warnungsruf an die Christen". „Geehrter Herr! Ich sende Ihnen hiemit den Prospekt über das antisemitische Werk „Der Jude" zurück, indem ich Ihnen gleichzeitig bemerke, daß ich dieses schändliche Buch verurtheile und verdamme und daß ich in den meisten meiner protestantischen und katholischen Mitbürger Gesinnungsgenossen besitze; denn „Verträglichkeit und Nächstenliebe" gebietet uns unsere Religions- und Sittenlehre. Ich hoffe, daß es. nicht Ihr Wille war, gegen dieselbe zu sündigen, Sie haben gewiß ohne viel darüber nachzudenken, die Verbreitung dieses Werkes übernommen, lvie Sie es mit jedem Andern auch gethan hätten. Ist es so, dann werden Sie ihr Unrecht hoffentlich einsehen und nächstens vorsichtiger sein, indem sie derartige Schmähschriften eher unterdrücken als verbreiten werden, weil dadurch der tief zu beklagende Judenhaß neue Nahrung erhält. Es gibt in unserer Zeit genug wunde Punkte, auf die sich das Augenmerk aller Edeldenkenden richten sollte; die unserer Gemeinde Wohlwollenden sollten in erster Reihe darauf bedacht fern, das gemeinschaftliche friedliche Streben unserer Mitbürger zu unterstützen, nicht aber Unfriede und Haß zu säen. Ich habe als Bürgermeister die Pflicht und auch das Recht so zu sprechen, weil von jeher mein Sinn darauf gerichtet war, die Eintracht unter den Bürgern zu befestigen, so weit es in meinen bescheidenen Kräften stand. Nie und nimmer habe ich einen Bürger dem Andern des Glaubens wegen vorgezogen oder zurückgesetzt. Ich warme vor der Schmähschrift, weil Verdächtigungen und Unwahrheiten, wie sie in derselben ausgestreut werden, wenn sie in unserer Gemeinde Eingang fänden, einen Rückgang derselben nach sich ziehen, das schöne Einvernehmen, das jetzt zwischen Juden und Christen hier herrscht, zerstören würden, wodurch für beide Theile großer Schaden erwüchse. Ich schätze viele Juden, mit denen ich in Berühnmg kam, bedeutend höher als die Christen, die sich nicht scheuen zum Kampfe gegen ihre Mitmenschen aufzuhetzen. So manchem Christen unserer Gemeinde könnten die Juden als gewissenhafte, treue Bürger unseres Landes, um ihres sittlichen, tugendhaften Lebenswandels willen Wochenschrift. Sette m als Muster empfohlen werden. Daß sie treu an dem Glauben ihrer Väter halten, kann ihnen nur zur Ehre gereichen und wenn es auch unter ihnen Ausnahmen gibt, so treten sie nicht häufiger auf als bei Ander-sgläubigen, ich verdamme und verurtheile also Alle, die zum Haß, zur Verfolgung der Juden ausreizen und hoffe, daß auf unserem Grund und Boden der Antisemitismus nie Wurzel fassen werde." Emin. Emm Pascha ist wieder in Wadelai. Das war die große Post, welche vor wenigen Tagen die Zanze Welt durchflog, soweit die Civilisation reicht. Nach Sansibar war nämlich berichtet worden, daß eine große Expedition unter unzähligen Gefechten durch Unvoro marschirt sei. Die Expedition habe eine schwarz-weiß-rothe Fahne geführt und ihr Führer habe Emin Pascha geheißen. Bei Magungo sei sie von mehreren hundert Soldaten erwartet worden, die Emin mit Freudensalven empfangen hätten. Sie hätten ihrem ehemaligen Commandeur die Hände blutig gedrückt und ihm die Kleider fast vom Leibe gezerrt. Die Schaar hätte sich dann auf zahlreichen Kähnen eingeschifft, den Nil abwärts nach Wadelai zu fahren. Als Emin die Station Bukuba am Pictoria-Nvanza eingerichtet halte, nun er westlich gezogen, die Häuptlinge der Landschaft Karagwe der Oberhoheit des Deutschen Reiches zu unterwerfen. Da gelangte plötzlich die Kunde an die Küste, daß er die Grenze des Schußgebietes überschritten habe und nordwärts marschire. Die wildesten Vermuthungen durchkreuzten die Presse, und die phantastischsten Hypothesen wurden selbst von den nüchternsten Afrikanern erörtert. Einige meinten, sein Forschertrieb 'habe ihn zu den Ruwenzori geführt, dem in Schnee und Eis starrenden Gipfel des Mondgebirges der Alten: Andere verfochten gar die Ansicht, er sei nach Kamerun aufgebrochen: alle aber waren darin einig, daß das Ziel seines Zuges unmöglich Wadelai sein könne, Und doch war es so. Er war dem Laufe des Simliki gefolgt und so an das Gestade des Albert-Nyanza gelangt, des .Krokodilsees des Ptolernäns. Die Fama von seinem Anmärsche aber war ihm weit vorausgeeilt rmd hatte Aequatoria in fieberhafte Aufregung versetzt. Das Heer, welches ihm drei Jahre zuvor den Gehorsam verweigert Hute, erschoß die widerstrebenden Officiere und führte seinen alten Herrn nnd Meister im Triumph der Hauptstadt Wadelai entgegen. Noch heute ist das Dunkel nicht gelichtet, welches über jenen Vorgängen ruht, die Emin aus dem deutschen Colonialdienste scheiden ließen. Er war von Wißmann engagirt worden, eine Expedition nach dem Victoria-Nyanza 311 führen, und glänzend hat er seine Aufgabe in Tabora und Bukuba gelöst. Als aber Wißmann auf Urlaub gegangen rvar, verlautete alsbald von „Frictionen" zwischen Emin und dem stellvertretenden Reichscommissär Schmidt, der jüngst von dem Gouvemeur Freiherrn v. Soden entlassen tvorden ist. Der „Reichsanzeiger" meldete, Emin mißachte jeden Befehl, und umgekehrt klagte Emin in Briefen, daß er nicht einmal wisse, ob er angestellt worden sei, und welches Gehalt er beziehe. Daß erden Lieutenant Dr. Stuhlmann mit seinen Truppen verleitete, ihm aus fremdes Gebiet zu folgen, ist auf keinen Fall 311 rechtfertigen, vorausgesetzt, daß das Militär noch comractlich gebunden war, allein andrerseits darf man sich auch nicht wundern, daß der Mann, der länger denn ein Jahrzehnt eine Niesenprooinz mit außerordentlichem Erfolge verwaltet hatte, es schließlich unerträglich fand, sich unausgesetzt von jungen Officieren Hofmeistern zu lassen. Mit seinem Zuge nach Aequatoria Hai Emin der Schlange Stanley scher Bosheit und Niedertracht vollständig den Kopf zertreten. Wie eiferte und geiferte der Congomann noch vor wenigen Monaten zu Melbourne in Australien! „Emin ist kein Held wie Gordon, sondern ein unentschlossener Mensch, der nie eine eigene Meinung hat, sehr gelehrt natürlich tvas Waitzen nnd Käfer anbelangt, ein interessanter Erzähler, der für ein Damrn-Theekränzchen ausgezeichnet passen würde." Ob er Emin auch jetzt noch eines schwankenden Charakters zeihen

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