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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Oesterretchische Vochrnschrifk. Seite 137 nossen gebührend einzuführen, publicirte er eine Brochüre, von welcher reichsdeutsche Organe einige Auszüge bringen: Die Wiener Antisemitenblätter haben bis jetzt von einer derartigen Flugschrift des reichsräthlichen Mechanicas nichts verlauten lassen und es scheint, als ob der Leibbursche des Prinzen Liechtenstein sein Licht ausschließlich für deutsche Genossen hat glänzen lassen. Was aber erzählt Ritter Stampiglius seinen reichsdeutschen Freunden? Die „Hannoverische Post" veröffentlicht einen Auszug, welchem wir folgende Stelle entnehmen: „Als zu Paris in den siebziger Jahren die Commune aufsland, waren die Juden die Führer gewesen und die Pariser Juden sammelte«» unter sich 3 Millionen Francs, die sie Leo Frank, Felix Pyar, beide Juden, und anderen gaben, damit sie die Aufmerksamkeit der aufständischen Massen von den 140 Palästen und Häusern Rothschild s und der anderen Juden ablenkten auf — die „Denkmäler der Tyrannen!" Und in der Thai, während die Petroleurs die Tuilerieeu, das Hotel de Ville, die Bcndomesäule rc. zerstörten und verbrannten, ist den Juden nicht eine Fensterscheibe zerschlagen worden! Ja, dieselben Cominunards, welche das Staats-, kommunal- und Privat-Cigenlhum consiscirten und überhaupt den „Besitz" abschaffen wollten, begaben sich unterthänigst zum Herrn Baron Rothschild, um von diesem Juden 400 Millionen Francs zur „Weiterführung der Staarsgeschäste" im Namen des'Staates auzuleiheu. Und der Jude Rothschild geruhte gnädigst, beu Herren Commuuarden gegen entsprechende Provision 400 Millonen Francs zu leihen! Dieser Fall zeigt so recht deutlich den geheimen Zusammenhang zwischen den Commuuarden und den Jtlden; denn wäre dies nicht der Fäll gewesen, so hätten ja die Communards Rothschild um seine Millionen ebenso gut erleichtern können, wie sie es eventuell bei einem Millionär königlichen Geblütes gethan hätten, den sie als Nichtjudeu noch obendrein zweifcuos um einen Kopf kürzer gemacht hätten. Zum Danke für diese Meisterleistung wußten es die Pariser Juden zu veranlassen, daß Frank und andere jüdische Communcführer mit gutem Winde cchappilten und Felix Pyat sich unbehelligt in Pans, natürlich incognito, in unmittelbarer Nähe des Boulevard de Straßburg und der Nue Lasiite aufzuhalten vermochte, wo er auch von den meisten Socialrevolutiouären besucht werden tonnte. Das Interessante bei dem Pariser Aufstande ist der Umstand, daß, während die Juden einerseits 3 Millionen Francs für die Commune sammelten und Rothschild den Communards 400 Millionen Francs zur „Führung der Staatsgeschäfte" lieh, dieselben Juden mit dem Juden Gambetta in Verbindung standen, um sich dieselbe republikanische Regierung in die Hände zu spielen, welche den Kamps gegen die von den Inden selber unterstützte ^Commune mit allen Mitteln der Grausamkeit führte!" — Natürlich ist diese ganze Geschichte'erstunken und erlogen. Gambetta ist gerade so Jude wie Papst Pius IX., Bismarck, Goßler, Schelling, Lucius und andere Personen, die bei Gelegenheit von den Antisemiten als Juden bezeichnet worden sind. Die Erzählung von der Sammlung der 3 Millionen Francs und der Anleihe der 400 Millionen Francs trägt das Zeichen der Lüge an der Stirn. Die Commune hat auch keine christlichen Banquiers belästigt, keinen Bäcker, feinen Schlächter, keinen Ladenbesitzer. Wenn Herr Stampligius seine Publication den Oesterreichern fernhält, so hat das zweifellos feinen Grund darin, daß den Oesterreichern seine politische Thätigkeit in frischer Erinnerung ist. Herr Hollomay hat es wiederholt bezeugt, daß der Mechanicus ein intimer Freund des Herrn Peuckert war und aus den gesammelten Briefen Schneiders, welche Abgeordneter Dr. Bloch im österreichischen Reichsrathe vorlegte, find jene bekannten Stellen noch in Aller Erinnerung, in welchen Herr Schneider seine Bundesgenossenschaft mit den Anarchisten offeu proclamirt. „Ich habe ein Hoch auf die radicale Arbeiterpartei ausgebracht, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten." „Bitte, bringen sie nur recht viele rothe Freunde mit, die Wahrheitler sind für die Katz!" Ganz unverfroren erklärte Herr Schneider in seinen Briefen, daß der Antisemitismus für ihn blos eine Vorstufe und ein Mittel für den Anarchismus bildet, man müsse die Juden bekämpfen, weil sie die gefährlichsten Gegner der Anarchisten sind, weil der Antisemitismus die Bevölkerung an: Leichtesten dem Anarchismus in die Arme treibt. „Ich sage Ihnen, es ist unmöglich, etwas zu machen, wenn did Juden nicht mitthun. Dazu gehört eine enorme Action der Beteiligten. Zum Socialismus sind unsere Leute und speciell ihre Leser heute noch nicht reif; Verfälschungen suche ich." In einem zweiten Briefe wird dasselbe mit anderen Worten gesagt: „Eine Action ist nur möglich, wenn man eine große Agitation gegen Rothschild und feine Helfershelfer einleitet. Den Pack schlägt man und den Esel meint man." Also der Jude ist ihm blos der Pack, sein Esel ist ihm ein ganz Anderer. Den unverfälschten Deutschen, den sogenannten Rafsenantisemiten in Berlin, wollen wir die Thatsachcn in Erinnemng rufen, daß die anarchistischen Verbrecher so weit Oesterreich, Deutschland, die Schweiz, England und Amerika in Betracht kommen —. von Rußland muß abgesehen werden, dessen politische Verhältnisse völlig abnorm sind und rvo gerade deswegen die Nihilisten ihre Verzweigungen bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft und des Staates haben — ausschließlich aus Deutschen unvermifchter Abstammltng sich rekrutiren, und vor drei Jahren hat die Negierung den Vereinigten Staaten in Bezug auf die traurigen Vorkommnisse in Chicago die gleiche Thatsache amtlich constalirt. Johann Most, Josef Peukert, Reindorf, Hermann Stellmacher, Paul Grettkau und Äug. Spies gehören der germanischen Rasse an, derart, daß die Rassen- und Religionsfanatiker des Pankee- und Jrländerthums ein neues Schlagmort für jeden Deutschen, der ihren finsteren Bestrebungen im Wege steht, haben, — sie nennen ihn einfach einen „Anarchisten". Wir könnten große englische Organe des Westens nennen, welche z. B. jeden deutschen Wirth, der am Sonntag sein Geschäft offen halten will, ja jeden Deutschen, welcher den Versuchen zur Ausrottung der deutschen Sprache entgegentritt, schlankweg als „Anarchisten" verschreien. Interessant ist aberdie I Hatsache, daß die russischen Officiösen den Fürsten Bismarck und die deutsche Regierung anklagen, mit ihrem Gelde die russischen Nihilisten zu unterstützen, unl Rußland im Innern zu beschäftigen und seine Actionskraft nach Außen zu schwächen und zu lähmen. Wir wollen uns darüber ein sicheres Urtheil nicht anmaßen. Die historische Thatsache indessen muß immer in frischer Erinnerung bleiben, daß die beiden Kaisermörder Hödel und Robiling „Stöckerlinge" waren. In der That ist es merkwürdig, daß sowohl der Anarchisinus als der Antisemitismus deutsche Erzeugnisse sind, in deutschen Köpfen ausgebrütet wurden. Wiederholt hat es sich aber gar gezeigt, daß sie nicht nur gemeinsamen Ursprunges sind, sondern auch, daß sie gemeinsam arbeiten, für gemeinsame Ziele. Die intime Verbindung dieser beiden Zwillingsbrüder, welche sich bei den jüngsten Verhaftungen in Paris offenbarte, war z. B. der Berliner Polizeibehörde schon seit vielen Jahren bekannt. Im Posener Socialist en-Proceß gelangte ein Bericht der politischen Polizei über den Anarchisten-Congreß zu Chur (Schweiz), den sie von ihren dort vertreten gewesenen Vertrauensmännern erhalten hatte, zur Sprache. Danach hat dort ein deutscher Deputirter, dessen Name nicht angegeben ist, ein Referat über die antisemitische Bewegung, besonders in Berlin, erstattet, das vom Congreß mit hochgradiger Zufriedenheit ausgenommen worden ist. Namentlich fand die Bemerkung des Berichterstatters, daß die antisemitische Bewegung in erster Linie dem Zweck diene, das Kleinbürgerthum und die kleinen Beamten unmerklich für die anarchistischen Ideen zu gewinnen, allseitige Zustimmung. Von anderer Seite wurde der antisemitischen Agitation Glück gewünscht, und der Vorsitzende des Congresses schloß die Verhandlungen über dieses Referat mit dem Hinweis, daß, wenn auch einzelne der angewendeten Agitationsmittel vom logischen Standpunkte aus nicht gerechtfertigt erschienen, dies im Jnteresie der Anarchistensache übersehen werden müsse. Am Tage des Losschlagens würde doch kein Unterschied zwischen jüdischem und christlichem Capital gemacht werden. Die Verlesung dieses Berichtes hat seinerzeit in. der Gerichtsverhandlung bei allen Betheiligten ungeheure Sensation hervorgerufen. In Frankreich wurde erst im vorigen Jahr der Antisemitenhäuptling Marquis de Mores wegen anarchistischer Wühlereien mit 3 Monaten Gefängniß bestraft. In der That war der hochadelige Führer der anarchistischen Sache zugleich der Hauptleiter der antisemitischen Bewegung, und in seiner

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