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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-12 · 7 (12.2.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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. Nr. 7 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Sette 131 Magistrate war Wies er mit einem fixen Gehalte von 2300 Gulden angestellt, doch blieb ihm sein Nebeneinkommen, welches hauptsächlich darin bestand, daß er die Vertretung verschiedener Rechtsangelegenheiten und auch einer großen Feuerassekuranz- Gesellschaft hatte. Er hinterließ eine Frau mit 7 Kindern. Wien. Äm 5. Februar d. I. erfolgte die Eröffnung des im Gebäude der Börse für laudw. Producte in Wien errichteten chemischen Institutes für technische, landwirthschaftliche und hygienische Untersuchungen. Als Inhaber und Leiter des Institutes fungirt der Chemiker S. Weinwurm, welcher infolge feiner langjährigen Thätigkeit an der k. k. landw.-chem. Beisuchsstation in Wien in Fachkreisen bestens bekannt ist und größtes Vertrauen genießt. Wien. (Antisemitische Schundliteratur.) In den Schaufenstern der Buchhandlung Lesk und Schmidernock in der Teinfaüstraße sieht man seit einigen Tagen sogenannte „Politische Bilderbogen", enthaltend Karrikaiuren der „Juden in Berlin", die in ihrer angeblichen Thätigkeit als Betrüger, Wechselfälscher, Ordensschwindlcr, Engelmacher u. s. w. dargestellt werden sollen. Die ekelhaften Zeichnungen, welche die genannte Buchhandlnng feitzubieten sich nicht entblödet, werden von zahlreichen Passanten besichtigt und veranlassen dadurch Menschenansammlungen. Diese Schaustellung von Schund-Erzeugnissen der gemeinsten Art hat zu einer Anzeige an das Polizeipräsidium Artlaß gegeben, welches voraussichtlich der Firma Lesk und Schmidernock ihr unanständiges Handwerk legen wird. Kolomea, 10. Februar. Das Blutbad, welches am 4 März 1891 und an dem folgenden Tage in S n i a t y n die Anhänger des antisemitischen Kandidaten Grafen Starzynski unter der jüdischen Bevölkerung wegen der Wahl des Dr. Bloch zum Reichsraths-Abgeordneten des Städtebezirkes Kolomca-Sniatyn-Buczacz anrichteten, bildete gestern in Kolomea den Gegenstand einer Strasverhandlung gegen vierzehn Angeklagte, denen das Verbrechen der öffentlichen Eewaltthätigkeit und die Uebertretung des Diebstahls zur Last gelegt wurde, weil sie nach dem Bekannlwerden dts Wahlergebnisses in die Wobnungen der Juden gewaltsam rindrangen und Hab und Gut der jüdischen Wähler plünderten und zerstörten. Der Schaden an zertrümmerten Fensterscheiben allein machte 470 fl. aus. Die Angetlagten stellten die Schuld gänzlich in Abrede. Achtzig Zeugen wurden vernommen. Gegen einen der Beschuldigten wurde die Anklage zurückgezogen. Bier Angeklagte wurden wegen össentlicher Gewaltthatigkeit zu zweimonatlicher, einer;u sechswöchcntlicher, einer zu einmonatlicher und einer zu dreiwöchentlicher schwerer Kerkerstrafe verurtheilt. Fünf Angeklagte wurden wegen böswilliger Beschädigung fremden Eigenthums zu je einwöchcntlicher Arreststrafe verurtheilt. Das Gericht hat überdies den Beschädigten vollen Schadenersatz zucrkannt. Fiume, 2. Feber. Bei der am 31. stattgesundenen Wahl in den isr. Cultus-Vorstand, wurde Hen' S. L. M a ndolfo mit Acclamation zum Präses wieder gewählt. Wreschen, 30. Jänner. Daß auch unter Nichtisraeliten die Qualen und Leiden unserer hartbedrängten Glaubensgenossen in Rußland gerechtes Mitleid erwecken, beweist nachstehender Wohlrhätigkeitsact. Herr Gutsbesitzer August Hempel aus Kornaty bei Stralkowo, übersandte dem hiesigen Comite für die ausgewiesenen Juden einen Geldbetrag. Herr Erzbischof Dr. von Stablewski, welcher längere Zeit hier als Probst amtirte, zeigte stets eine große Toleranz'gegen die Juden. Bei Beginn der antisemitischen Bewegung warnte er von der Kanzel herab, seine Eingepfarrten vor einem Aufruhr gegen die Juden. Berlin, 2. Februar. Der Dozent am königl. Polytechnikum und Oberlehrer am Realgymnasium in Charlottenbura, Herr Dr. F. Bu ka, ist zum königl. Professor ernannt worden. Berlin, 2. Februar. Wie uns mitgetheilt wird, findet am Sonntag den 27. März der ordentliche Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gcmeindebundes hier in Berlin statt. Losla« (Oberschlesien), 26. Januar. In der gestrigen Stadtverordnetensttzung wurde zunächst das Bureau wiedergewählt, und zwar die Herren Apotheker Frank als Vorsitzender, Kaufmann Kirschner dessen Stellvertreter, Kaufmann Löwe Schriftführer und S. Reich dessen Stellvertreter. Niederolm, 28. Januar. In Händen hiesiger Schulkinder wurde ein gedrucktes „Gebet" gesunden, in welchem Gott angefleht wird, alle Juden im „rothen Meere" zu ertränken, wie s. Z. die Aegypter. Dieses Pamphlet und andere Schand- und Schundstücke gleicher Art wurden bei den letzten Antjsemiten-Vnsammlungen hier und an anderen Orten, welchen viele Kinder als Zuhörer beiwohnten, vertheilt! Ob dies kein „grober Unfug" ist? Paris. Die Zeitungen melden, daß der ital. Gesandte Manabra vor seiner Abreise aus Paris dem Minister des Aeußern Ribot den Cap. Polacco vorgestellt habe, welcher mit der Leitung der Botschaft während der Abwesenheit des Gesandten betraut wurde. Paris. Die Academie der Wissenschaften hat in ihrer feierlichen Jahressitzung die disponiblen Preise vertheilt, von welchen nachstehende Glaubensgenossen zuerkannt wurden: Prix Bord in für das Thema: „Die Morallehre Spinoza's"; von den drei Preisen je zu 1500 Frs. waren zwei an Israeliten: Leon Brunswich und Renate Worms verliehen. — Prir Leon Faucher, Thema: Baubau als Nationalökonom. Ein Preis zu 1500 Frs. fiel Herrn Dreyfuß, ehemaligen Deputirten zu. Prix Wolowski: Eine Ehrengabe von 2500 Frs. wurde dem Schriftsteller Neu mark zuelkannt für eine Reihe von Studien, welche derselbe in den Jahren 1884 bis 1890 über Nationalökonomie, Finanzwesen und Statistik veröffentlicht hat, sowie für eine Monographie über Turgot. Paris. M. Isidor Loeb wurde an Stelle des Professor Oppert zum Präsidenten der „Societe des Etudes Juives“ ernannt. Brüssel. Der an Stelle des nach Paris berufenen Obcrrabbiners Dreyfuß gewählte Obeirabbiner Hermann Bloch wurde am 24. Jänner feierlichst installirt. Der Tempel war von einem distinguirten Publikum gefüllt, unter welchem alle städtischen, künstlerischen und literarischen Corporationen vertreten waren. Die Predigt des Oberrabbiners machte auf die Versammlung einen tiefen Eindruck. Neapel. Zum ersten Male wurde ein Jude zum Mitgliede des Stadtralhes von Neapel gewählt; es ist dies Signor Pacific» Ascarelli. London. Der in allen Kreisen hochangesehene Mr. Alexander I. Monlefiore, Vorstand der spanisch-portugiesischen Gemeinde ist dieser Tage zu Grabe getragen worden. Mr. Alexander ist kein Verrvandter des berühmten sei. Sir Moses Montefiore. London. Dr. Ad. Neubauer ist von seiner Reise aus Parum zurückgekehrt, wohin er zur Collationirung von hebräischen Mavuscripten sich begeben hatte. Dr. Neubauer betheiligt sich im Verein mit Renan an der Herausgabe der „Histoire de Literaire de France“. Galah, 5. Februar 1892. Der Ball, der gestern hier zn Gunsten des hiesigen israelirischen Spitals stattgesunden hat, ist glänzend ausgefallen. Außer der Creme der hiesigen israel. Bevölkerung, sahen wir viele distinguirte christliche Familien. Unter denselben sahen wir auch den hiesigen Präsecten U. G. Poenaru, wie auch den Bürgermeister C. F. Robescu sammt Gemahlin. Letztere eröffneten auch den Ball und unterhielten sich auf die leutseligste Weise mit den jüdischen Gästen bis vier Uhr früh. Zu bemerken ist auch, daß der hiesige Präfect bei dem hiesigen Minister-Präsidenten Herrn Lascar Catargi „persona grata;: ist und daß sowohl er wie auch der hiesige Bürgermeister sammt Gemahlin zu den besten Ständen gezählt werden. Galatz gehört zu den wenigen Städten in Rumänien, wo Religrons- und Nationalitätenhaß weniger empfunden wird. Unser Glaubensgenosse, der hiesige Getreide-Exporteur Herr Louis Mendel, eine von Jederrnann geachtete Persönlichkeit, wurde dieser Tage vom Kaiser Franz Josef I. mit dem Orden der eisernen Krone III. El. ausgezeichnet. Es macht überhaupt einen wohlihuenden Eindruck, wenn man in unserer Zcir des Judenhasses, einen Glaubensgenoffen von einem mächtigen Monarchen ausgezeichnet werden sicht. Zu bedauern ist nur, daß nur wenige Potentaten in Europa so hochherzig denken, wie Kaiser Franz Joses I. 31 P. Feuilleton. Beim Rebbesch. Ncflor Waljowit'ch, ein reicher Bauer eines süd-ungarischen Dorfes, das von Serben und einer kleinen chassidischen Judengemeinde be-

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