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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-12 · 7 (12.2.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 136 Vrflrrrrichifchr Wochenschrift. Rr. 7 Moskau. Der Stadtrath von Parejaslaw (Gouvernement Pultawa) mußte jüngst den Rechner I. Goldmann und den Schreiber I. Gurowitsch entlasten, weil sie Juden sind. Der Bürgermeister, Herr I. M. Cholodei drückte sein tiefstes Bedauem darüber aus, daß er in Folge höheren Befehls gezwungen sei, so pflichtgetreue Beamten ihres Amtes zu entsetzen und dies um so mehr, da für Herrn Goldmann schwer ein Ersatz zu finden sei. Auch der frühere Bürgermeister Jssajevitch bestätigte, daß beide genannten Herren zu jeder Zeit seine vollste Zufriedenheit sich erworben haben. Die Behörden in Novoga Ufhitze (Gouvernement Podolsk) haben verordnet, daß die Juden sich nicht mehr mit dem Getreidehandel befassen dürfen, und daß alle durch Vermittlung jüdischer Agenten abgeschlossene Contracte als ungültig zu erklären seien. Jaffa, den. 31. Dezember 1891. Palästina an der Jahreswende! Es wird unseren Glaubensgenossen sowie allen Freunden der Zivilisation nicht uninteressant sein, eine Uebersicht über die fortschreitende Kultur in Palästina im abgelaufenen Jahr, aus der Feder eines seit zwei Jahren die Entwickelung der Dinge beobachtenden Mannes zu erlangen. Unsere Betrachtungen haben also Kulturfortschritte primitiver Natur zum Gegenstände. Das heilige Land, das Land unserer Vergangenheit ist, nach zweitausendjährigem Erblassen, erst kaum seit zwei Decennien der gebildeten Menschheit wieder zugänglich geworden. Es entstanden im Verlauf derselben, durch Europäer, viele landwirthschaftliche Colonien, tausende von Hektaren wüsten Bodens wurden in fruchtbare Aecker und üppige Weingärten umgewandelt. Dieser kulturelle Fortschritt hat auch, die mit demselben Hand in Hand gehenden, weiteren Fortschritte gebracht. Mit der Verbesserung des Verkehrswesens wurde auch der Verkehr ein größerer die allgemeine Sicherheit festigte sich immer mehr. Diese Berührung der Abendländer mit der so tief gesunkenen jedoch begabten hiesigen Bevölkerung hat auf die letztere einigermaßen wohlthuend und belehrend gewirkt. Man sah ferner, durch den Eifer der europäischen Wohlthäter, im heiligen Lande, namentlich in Jerusalem, Institutionen für Bildung und Mlldthätigkeit entstehen, die der Menschheit zum Ruhme und den Asiaten zum Beispiel dienen. Wie hoch schlägt das jüdische Herz vor Freude zu sehen, welchen Lowenantheil das Judenthum an diesen erhabenen Kulturwerken habe! Sind doch die landwirthschaftlichen Colonien meist jüdische und gehören doch die jüdischen Schuten und Krankenhäu er zu den hervorragendsten des Landes. Freilich müssen wir der finanziellen und anderer Opfer mit tiefem Bedauern gedenken, welche ohne der Intervention des edlen Barons Edmond de Rothschild in Paris, Hunderte von Familien zur Verzweiflung brächten. Die Colonien sowohl in Judäa als in Galiläa sind in der Ebene angelegt worden, weil nur noch dort billiges Land und unter geringeren Schwierigkeiten, auf welche man gewöhnlich bei einer asiatt'schen Wirthschaft stößt, zu erwerben ntöglich war. Der Boden derselben ist durchwegs kein gutes Ackerland. Es mußte nach mehrjährigen vergeblichen Versuchen zu Weinbau übergegangen werden, der aber ein bedeutendes Kapital und fünfjährige Geduld bis zum Ertrag erforderte. In der Ebene, wo im Winter nach anhaltendem Regenwetter Sümpfe entstehen, im Sommer bei enormer Hitze ohne nächtliche Abkühlung gewöhnlich neben dem heißen noch das Sumpffieber graffirt, sind die europäischen Colonisten, vom Norden kommend, eher denn als die Eingeborenen gefährdet. Der Psalm-Vers „Die in Thränen säen, werden in Freuden ernten" ist demnach auf den Colonisten anzuwendrn, den diejenigen, die sich, sei e§ durch Hilfe des Barons oder durch genügende eigene Kraft bis zur besseren Zeit zu erhalten vermochten, werden jetzt mit einer gesegneten Weinlese belohnt, welche den Ruhm des Landes „das Land wo Milch und Honig fließt" nicht zu Schanden macht. Das abgelaufene Jahr war ein sehr bewegtes, aber an Thaten den früheren Jahren nicht zurückstehendes. Die in der ersten Halste des Jahres, durch die Massenzuströmung armer russischer Juden geschassene unbequeme Lage, welche üble Folgen zu befürchten berechtigte, wäre nunmehr behoben. Allein das daraufgefolgte Verbot, russischen Juden, unter keiner Bedingung und ohne Unterschied des Reisezieles, den Betritt des heiligen, der ganzen gläubigen Welt zugänglichen Bodens zu gestatten, hat in uns das Gefühl des Mißmuthes zurückgelassen. Nur die Colonisten der bereits bestehenden Colonien sowie diejenigen, die noch vor dem Verbot Grundstücke erworben, haben ihre Thätigkeit entfallet und den Weinbau ansehnlichst ausgedehnt. Von viel größerer Bedeutung sind die Fortschritte, welche die seit vorigem Jahre in Bau begriffene Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem in diesem Jahre machte. Diese achtzig Kilometer lange Linie ist schon im letzten Herbst bis zur Hälfte d. h. von hier bis zum Gebirge fertiggestellt worden. Nach der Meinung der leitenden Fachmänner soll damit die Hauptschwierigkeit überwunden sein. Und wenn man den Kampf, welchen die Arbeiter und das administrattve Personal an einigen sumpfigen Stellen mit dem Fieber durchzuringen hatten, was manchmal zu Arbeitseinstellungen nöthigte, in Betracht zieht, so erscheint diese Behauptung gerechlfertigt. Nach einem Jahre wird das, was man vor einem Decennium für unglaublich hielt, Thatsache sein. Änladend wirdder Conducteur in Jaffa die Pilger auffordern Dampfroß oder richtiger das Dampfkameel zu besteigen, das sie, geschützt gegen Sonnengluth und gegen asiatische Begegnisse in drei Stunden nach Jerusalem bringt. Der S.'gn dieses Kulrurwerkes wird in erste. Reihe der, von allen Existenzen einer europäischen Großstadt entblößten heiligen Stadt zu Gute kommen. Der neuaufblühende Fremdenverkehre unter welchem wir die Zahl der jüdischen Besucher gebührend vertteten zu sehen hoffen, w'rd nicht wenig zur Abhilfe der herrschenden Armuth beitragen, was wir, und jeder Menschenfreund mit uns, vom tiefsten Herzen herbeiwünschen. ___ I. Safier. f mntjcte. Wien. (Trauungen.) Am 7. Februar 1892 wurden im Tempel der inneren Sradt, Herr Wilhelm Friedmann mit Frl. Ernest ine Bachrach getraut. Wien. Am vergangenen Dienstag hat im Hause des Herrn Baron Moritz von Königswart er eine glänzende, non den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt besuchte Soiree stattgefunden. Man sah u. A. die Minister Grafen Taaffe, Schönborn, Kuenburg, Marquis Baquehem, Baron Gautsch, R. v. Zaleski und Dr. Steinbach. Ferner waren erschienen der Präsident des Obersten Gerichtshofes Baron Stremayr, die Herrenhausmitglieder Graf Thun, Fürst Star Hemberg, Dumba, Baron Wid m ann, Graf Dubsky u. A. Bürgermeister Dr. Prix war von dem Biccbürgermeister Dr. Richter begleitet. Die Gelehrtenwelt war durch den Oberrabbiner Dr. Güdemann, Professor Lieben, die Advokaten Dr. Freuud, Dr. Sternlicht u. A. vertreten. Ein reicher Damenflor bewegte sich in den glänzend geschmückten Räumen, während die junge Welt am Tanze sich vergnügte. Das Fest, das bis gegen 3 Uhr Morgens währte, endete mit einem koscheren Souper. Auch dadurch bekundete der Hausherr, wie überall und bei jeder Gelegenheit, seine Anhänglichkeit an das Judenthum, das in ihm einen Vertreter von Wärme und Entschiedenheit findet. Baron Königswarter und seine in allen Kreisen der Residenz verehrte anmuthige Gemahlin machten in der liebenswürdigsten Weise den Gästen die Honneurs. Wien. (Verlobung.) Fräulein Camilla Wolf in Wien, hat sich mit Herrn Heinrich Frank aus Miskolcz verlobt. Wien. (Oesterr. Israel. Union.) Samstag, den 13. Februar 1892, Abends 7 Uhr findet in der Restauration Khuner, I., Schottenring 19 ein Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Cultusvorstehers und Architekten Mar Fleischer: „Ueber Cullusbauten". Wien. Der Vereinsprasident der „Oesterr. israelit. Union", Cultusvorsteher Dr. Josef Grünfeld feiert am 12. d. M. das fünfundzwanzigjährige Doctorjubiläum. Aus diesem Anlaß fand am Donnerstag Abend im Saale der Restauration Khuner ein Festbankett statt. Wie«. Baron Albert Rothschild richtete heute an Henm Obercantor Singer ein Schreiben, in welchem er zur silbernen Hochzeit seine Gratulation nachttäglich sendet, die durch die Krankheit seiner Frau bis heute verzögert wurde. Dem herzlich abgefaßten Schreiben lag ein prachtvolles Geschenk bei. Wien. (Theater- und Musikausstellung.) Erzherzog Karl Ludwig hat gestern den Präsidenten des italienischen Zentralkomil6s, Herrn Dr. Gust. Tiring, in besonderer Audienz empfangen. Der Erzherzog erkundigte sich eingehend nach der Betheiligung Italiens an der Ausstellung und sprach seine vollste Zufriedenheit und Anerkennung aus, daß dieselbe in so überaus reicher und glänzender Weise erfolgen werde. Döbling. (Selbstmord eines Antisemiten.) Dr. Alois Wieser, früher Gemeindesecretär von Döbling, nach Vereinigung der Vororte mit Wien, Beamter des Wiener Magistrates, ein fanatischer Parteigänger der Antisemiten, hat vorige Woche seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Obwohl Dr. W i e s e r während feinet* Thätigkeit in Döbling über ein Jahreseinkommen von nahezu 6000 fl. verfügte, hatte er immer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und iviederholt hatte ein bekannter ehemaliger Gemeindefunktionär von Döbling aus eigenen Mitteln die Rangirung Wieser's übernommen. Beim Wiener

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