Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 7 Oefleri?ichischr Wochenschrift. Seile 117 tion. Der ganze ideale Bestand des deutschen Lebens immer frecher in Frage gestellt und speciell auf unserem Arbeitsselde. Was sollen wir noch da, die wir die Kunst und die höhere Lebensauffassung erstreben? Es ist eine schwere Aufgabe, ein Deutscher und ein deutscher Schriftsteller zu sein, und nun gar noch dazu ein Jude ..." Gin antisemitischer Keichsraths Candidat. Bei Gelegenheit der Reichstagswahl des 10. hannov. Reichstagswahtkreises haben die Antisemiten den Apotheker Oehlmann auf ihr Schild gehoben. Ein Wahlaufruf der liberalen Partei bemerkt über diesen Herrn und seine Genossen: „Es gibt Antisemiten, welche das Gedächtnis im Stiche gelassen, als sie vor Gericht einen Eid schwören sollten, welche verfallene Ehrenscheine nicht eingelöst haben, welche in einer Alimentenklage mit der Vertretung vor Gericht die eigene junge Frau beauftragten, welche selbst Wucher treiben und endlich auch einen — das allerbeste hat man für Euch, Wähler des 10. Wahlkreises aufbewahrt — welcher anerkenn en mußte, daß er einen seiner Mitbürger wahrheitswidrig und verleumderisch beleidigt habe; nämlich der Candidat der Antisemiten, Apotheker Oehlmann hatte, wie aus Acten stücken „in der Privatklag esache des Dr. med. Danckert zu Wülfel, Privatkläger, gegen den Apotheker Oehlmann zu Wülfel Privatbeklagten, wegen mehrfacher verleumderischer Beleidigungen auf Grund derU 187 und 188 des „Reichs- Strafgesetzbuches" heworgeht, 1. sich seiner Zeit verpflichtet, folgende „Ehrenerklärung" in das „Hannov. Tgl.", einsetzen zu lassen. Ehrenerklärung. Indem ich anerkenne, den Herrn Dr. med. Danckert m Wülfel, sowohl gegen einige seiner Patienten wie auch sonst öfsentlich wahrheitswidrig und v er lä um d erisch beleidigt zu haben, widerrufe ich hierdurch die unwahren Behauptungen und bitte den von mir verläumdeten Herrn öffentlich um Verzeihung. Wülfel, den 8. Juni 1886. Apotheker Dehlmann. 3. 1000 Mark an die Unterstützungscaffe für Witwen und Waisen der Aerzte der Provinz Hannover zu zahlen, 3. 1500 Mark für die Armen in W. und die dortige Warte schule zu erlegen, 4. dem Dr. D. pro Jahr 600 Mk. laufende Rente zu zahlen, 5. 3000 Mk. bei einem Schiedsgerichte zu deponiren um die Wiederkehr ähnlicher Vorgänge zu verhindern". Das war der Mann, den die Antisemiten den deutschen Wählern als ihren Candidaten präsentirten. Verordnung des Ministers für Cuttns und Unterricht vom 27. Deremder 1891. Z. 17164, betreffend das für das Amt eines Rabbiners in Niederösterreich erforderliche Maß allgemeiner Bildung. Auf Grundlage des § 11, Alinea 4 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. Nr. 57, finde ich zu verordnen, wie folgt: 1. Die Candidaten für das Amt eines Rabbiners in Niederösterreich haben in Beziehung auf ihre allgemeine Bildung nachzuweisen, daß sie zum mindesten das Obergymnasium vollständig mit gutem Erfolge zurückgelegt haben. 3. Den gegenwärtig in Niederösterreich fungirenden Verthold Auerbach und Friedrich Spielhagrn. Seit Bcrthold Auerbach die Augen zur ewigen Ruhe geschloffen, sind am 8.d. M.zehn Jahre verflossen. An diesem Tage haben Viele des Dichters mit dem warmen Herzen und philosophischen Kopfe gedacht, dem die deutsche Literatur Erzählungen von unvergänglichem Werthe verdankt. Friedrich Spielhagen gedenkt seiner heute; er hatte im Jahre 1882, als Auerbach sich krank und niedergedrückt in Cannes aufhielt, einen Brief an denselben gesandt, von dem er sich eine auffrischende und erhebende Wirkung versprach. Auerbach zählte damals erst 70 Jahre und seine Freunde glaubten, daß seine machtvolle Natur und wunderbare Elasticität noch nicht niederzubrechen seien. Aus der Antwort Auerbach's aber ging hervor, daß er bereits mit seinem Leben innerlich abgeschlossen hatte. Nur einige Bruchstücke aus Auerbach's längerem Schreiben können wir wiedergeben. Cannes, den 12. Januar 82. Vor Allem, lieber Spielhagen, eine Geschichte, zunächst nicht von mir, sondern von meinem Freunde David Strauß. Ich war kurze Zeit vor seinem Tode zum letzten Mal bei ihm in Ludwigsburg. Er wohnte nicht weit vom Bahnhof in einem der neuen Häuser, drei Treppen hoch, und hatte eine alte Frau zu seiner Bedienung. Er lag in einem wohlaufgeräumten, mit schönen Kupferstichen geschmückten Zimmer auf dem Sopha und recitirte mir einige der Gedichte, die er damals verfaßte, indem er sagte: Abgesehen von allem Anderen thue ihm dieses Aufbauen geschlossener Formen und der Wohlklang an sich gut. Sonst sei er eben müde, arg müde, und es sei genug. Ich verstehe Alles erst jetzt recht. Der Zuruf: Nicht müde werden! kann von einem Gesunden an Gesunde ergehen. Anders ist es aber, wenn die körperlichen Kräfte versagen und wenn dazu das Gefühl kommt, daß man einer Zeitstimmung gegenübersteht, die man nicht mehr zu bewältigen vermag. Da legt man gern Wehr und Waffen ab und sich selber zur Ruh. Diese Empfindung in Ursache und Wirkung theile ich jetzt. — . . . Ich hatte mir auch vorgesetzt, eine Aussöhnung von Strauß und Fr. Bischer zu Stande zu bringen, denn S. las die Briefe Vischer's nicht mehr, 4a dieser sich nicht ganz zu ihm, d. h. zu seiner Schrift „Der alte und der neue Glaube" gestellt hatte. Von mir selber, das wußte S., konnte er das nicht erwarten, da ich schon lange erklärt hatte, wie ich mich nicht für berechtigt hielte, ein Wort in die internen Angelegenheiten des Christenthums hineinzureden. Da -jetzt S. über V. sehr heftig wurde, (leider werden wir ja in Krankheck leicht übermäßig heftig), brach ich von dieser Sache ab und sprach von der Operation, die Prof. Simon in Heidelberg mit S. vornehmen wollte. Und ja — das ist es eigentlich, warum ich Ihnen, lieber Spielhagen, diese ganze Geschichte erzähle. S. sagte, er werde sich der Operation nicht entziehen, aber es wäre ihm nicht recht und wohl auch nicht gut, wenn er wieder ins Leben zurück müßte; er habe sich ganz fertig gemacht und dabei sollte es nun bleiben. Wie gesagt, lieber Spielbagen, das ist auch mein Fall, und es ist freilich bei mir anders geworden. Ich soll und muß wieder leben, und ich war doch auch so ganz fertig gewesen und wer weiß, ob ich die schöne Ruhe für das Aeußerste je wieder so gewinne und wer weiß, was ich überhaupt noch zu thun oder auch zu empfangen hätte. Welch' ein Wiederaufwachen war und ist das! Ich lag Wochen lang, ohne von der Welt zu wissen und ohne Wunsch, davon zu wissen. Ich dämmerte so hin und schwamm meistens in Mozarck'schen Melodien, die sich mir von selber aufspiclten. Ich konnte endlich wieder eine Zeitung lesen. Was für eine Welt war wieder da! Ein Wahlkampf ohne Gleichen, in dem die Reaction die schamlose Rohheit und Blutvergiftung ganz offen betrieb/secundirt von Judenhetzen und Studentencorrup- Rabbinern, welche als solche bereits vor dem Tage der Kundmachung des citirten Gesetzes, das ist vor dem 15. April 1890 bestellt waren und deren Bestellung in der Eigenschaft als Rabbiner der staatlichen Cultusbehörde zur Anzeige gebracht und von dieser Behörde ohne Einsprache zur Kenntniß genommen wurde, wird in Anwendung des vorletzten Alinea des §11 des citirten Gesetzes die irjr---Ahfatze 1 dieser Verordnung erwähnte Nachweisung