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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-12 · 7 (12.2.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Oestrrrrlchifchr Wochenschrift. Sette 115 1882*) alle jüdischen Leser gewiß mit wehmüthigem Interesse erfüllen. Die Prinzen Albert Victor und Georg von Wales kamen Freitag Nachmittag, den 31. März, in Jerusalem an und begaben sich sofort nach den Zelten, welche man zu Carem-el-Scheik, demselben Platze, welchen ihr königlicher Vater während seines Besuches in Jerusalem zu seinem Aufenthalte gewählt hatte, für sie aufgerichtet hatte. Während der drei folgenden Tage besuchten die Prinzen die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt, besonders die, welche für Christen Interesse haben. Am Montag Abend, den 3. April 1882, beehrten Ihre Königl. Hoheiten nebst Gefolge unfern Chacham Baschi, Rabbi Meyer Pani ge l mit einem Besuche unb zwar ausdrücklich, um die S e d e r a b e n d f e i e r aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Im Gefolge der Prinzen befanden sich deren Hofmeister Rev. Mr. Dalton, Capitain Cond er, Hm Consul Moore, Dr. Chaplaine (Gesandtschaftsarzt in Jerusalem), Madame und Fräulein Chapl.aine, Oberst Wilson nebst Gemahlin und eine Abordnung von Officieren Ihrer Majestät Schiff „Bacchante". Die Königlichen Besucher wurden mit allen ihrem hohen Range gebührenden Chren empfangen, auch unsere Herzen waren voller Dank gegen die edle englische Nation für die freiwillige und einmüthige Kundgebung ihrer Sympathien mit unfern verfolgten russischen Brüdern. Ein erhöhter Sitz rvar für Ihre Königlichen Hoheiten hergerichtct, in deren Nähe Dr. Chaplaine saß, der ein Programm füe die Beiwohnung der Ceremonie entworfen hatte. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu versichern, wie hoch der Herr Oberrabbiner die Ehre zu schätzen verstand, solch' illustre Gäste empfangen zu dürfen. (Am selbigen Tage hatte er auch Briefe aus Saf ed erhalten, in welchen mitgetheilt wurde, daß die dortige jüdische Gemeinde ebenso wie die zu Jerusalem in ihren verschiedenen Synagogen Dankgebete für die Errettung Ihrer Majestät der Königin Victoria aus Mörders Hand verrichtet hatte.) Während des Vortrages der Haggadah ließ Rabbi Panigel den Prinzen dann und wann durch Herrn Nissim Behar, Director drr neuen jüdischen schule unserer Stadt, einige der Sedergebräuche erklären. Als er an die Stelle kam, welche lautet: „Zu allen Zeiten erheben sich unsere Feinde, uns zu vertilgen", schaltete der Oberrabbiner folgende Bemerkungen ein: „Auch tu unserer Zeit werden unsere Brüder in verschiedenen Ländern durch grausame Verfolgungen heimgesucht, aber die erhabene englische Station, die ruhmvolle Königliche Familie und die weisen Minister der Königin (Gott schütze und erhebe sie!) haben stets ihre Sympathie für die unglücklichen Opfer kundgegeben. Und diese Sympathie ist es, welche uns und ihnen Beruhigung verschafft in der Zeit unserer tiefen Betrübniß. Ja, es ist in der That eine edle und großmüthige Nation, welche nie ihr Ohr der stimme der Bedrückung und Verfolgung verschließt". Die Prinzen sowohl als die Mitglieder des Gefolges genossen freiwillig von den Mazzoth, den bittern Kräutern und dem Charosseth, gerade als wenn sie zu der Tischgesellschaft gehörten. Die ungesäuerten Brode schienen Ihren Königlichen Hoheiten besonders zu munden. Selbstverständlich wurden von dem Chacham Baschi seinen hohen Gästen auch andere Erfrischungen von den Landesprodukten gereicht. Die Haltung der jungen Prinzen war über alles Lob erhaben und der Chacham Baschi konnte nicht genug den feinen Takt bewundern, welchen dieselben dadurch an den Tag legten, daß sie, wenn sie bann und wann mit einander sprachen, dieses in einem so leisen Tone thaten, daß ja die Andächtigen in ihrem Gebete nicht gestört wurden; ebenso erregte die respectjj volle Aufmerksamkeit, mit welcher sie alle Details der Ceremonie j verfolgten, seine Bewunderung. _ j Während der Feier wurde noch ein besonderes zu diesem! Zwecke von Rabbi Saul Eleaschar gedichtetes Festlied ge- - *) Nus der „Jsr. Wochenschrift" nach dein „Jemsh Chrouicle-1 | vom 5. April 1863. jungen und am Schlüße der Ceremonie, welche 3 Stunden dauerte, sprach Rabbi Riss im Baruch (Behar) ein Gebet für die Königin, den Prinzen und die Prinzessin von Wales und deren beide Söhne, sowie für Herrn Noel Temple Moore, Ihrer Majestät Consul zu Jerusalem. Bevor sie sich verabschiedeten, sprachen die Prinzen Albert Victor und Georg ihre hohe Freude darüber aus, daß nian ihnen gestattet hatte, an der erhebenden Feier Theil nehmen zu dürfen und dankten dem Oberrabbiner in den verbindlichsten Worten für den ihnen bereiteten herzlichen Empfang. Bei den jüdischen Gästen des würdigen geistlichen Oberhauptes hatten Ihre Königliche Hoheiten den erfretllichften Eindruck zurückgelassen. Stroitbare Juden im Mittelalter. Von Karl Seifart. (Aus der Mjchrift für deutsche Kulturgeschichte.» Es finden sich in mittelalterlichen Gedichten und Schriften einzelne im Ganzen freilich seltene Spuren, daß die verachteten und verfolgten Jubelt durch Streitbarkeit und kriegerische Tüchtigkeit ihren christlichen Zeitgenossen Achtung abgeivannen. Dies fällt um so mehr auf, als im Allgemeinen sowohl im Mittelalter, wie auch in der Neuzeit ein kriegerischer Jude als eine eontraäietio in adjecto erscheint, und jüdische Helden höchstens nur in der Zeit der Richter, der Könige oder der Makkabäer gesucht tverden. — Wie uns indeß schon die Geschichte der mittelalterlichen Judenverfolgungen und Judenbrände belehrt, ist die unmännliche Todesfurcht und Feigheit, ivelche man den Juden vorwirft, kein Charakterzug dieses Volkes, der so durchgehend tväre, daß er nicht glänzende Ausnahmen zuließe. Das harte und schmachvolle Joch, welches die Juden im Mittelalter und m den nachfolgenden Jahrhunderten in den Staub drückte, mußte freilich, wie bei jedem in schmählicher Knechtschaft lebeilden Volke, Kriecherei, Unmännlichkeit und Servilismus in den Gemüthern aufwuchern lassen. Bei aller Furchtsamkeit und llnterwürfigkeit konnte aber doch die Grausamkeit der Verfolgung die Juden zu heldenmüthigep Duldern und tapfern Streitern machen. Zahlreiche Nachrichten erzählen uns, wie verfolgte Juden den Feuertod der Taufe vorzogen, welche man ihnen aufzwingen wollte, wie sie aus brennenden und vom Feinde unltobten Häusern ihren Verfolgern in fanatischer Begeisterung zuriefen: Ich stube als ein rechter Jud! wie sie endlich auch an manchen Orten von dem bloßen Muthe des Duldens zur kriegerischen That übergingen und den Verfolger durch tapfere Gegenwehr zurückschlugen, oder wie sie mit den Wasten in der Hand starben. Wenn Geldgier, Aberglaube und Fanatismus den Christen nicht gerade die Waffen zu Judenschlachten in die Hand drückten, so mochten die Juden im frühen Mittelalter hin und wieder eine, weim auch nicht ungefährdete, so doch geachtetere gesellschaftliche Stellung einnehmen, als die Juden im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Eine so allgemeine und tiefe Verachtung der Juden, wie sie sich in Schriften aus dem siebenzehnten und dem Anfang des achtzehnten Jahrhunderts z. B. in Schudt's jüdischen Merkwürdigkeiten, in Eisenmengers entdecktem Judenthum, im abgestreiften jüdischen Schlangenbalg, in Wucherfeind's verdammlichen Judenspieß, im schwer zu bekehrenden Judenherzen u. s. w. ausspricht, hat sich wohl erst in späterer Zeit ausgebildet. „Es ist", sagt Schudt, „das jüdische Volk, weil sie den Weltheiland, verachtet, verspottet und verworfen haben, wieder von Gott in solchen Spott und Verachtung unter allen Völkern gesetzt worden, daß fast Jedermann, wer sie nur ansieht, seinen Spott und scherzhafte Kurzweil mit ihnen treibt, sie verlacht und verhöhnet; ja ihr bloßer Name wird für eine Beschimpfung und rechte Injurie gehalten, „denn es gewiß ein rechtschaffener Mann für eine große Injurie aufnimmt, so man ihn einen Juden wollte heißen, und ist sonderlich bei beit Moskowitern, wie Olearius berichtet, keine größere Beschimpfung, als so man einen Mos

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