Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 6 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Seite 105 des Lebens ihres Gatten bis zürn höchsten Alter beigetragen. Herr Rabbiner Dr. Güdcmann widmete der ausgezeichneten Frau einen warmen Nachruf. Wien. (Promotion.) Herr Adolf Steinitz, Mitredacteur der Eur- und Badezeitung „Hygiea" promovirte Samstag, den 30. Jänner um 1 Uhr Mittags im großen Festsaale der Universität zum Doctor der gcsammten Heilkunde. Wien. Anläßlich des 25jährigen Bestandes des Wohlchätigkeits-, Kranken- und Unterstützungsvereines Mazmiach Jesclma Wien-* fand am 30. Jämrer a. e. um 6 y2 Uhr Abends im festlich beleuchteten Tempel in der Seitenstettengasse eine soleune Jubiläums-Feier statt, bei welcher der Rabbiner und Prediger Herr Dr. Güdemann eine schwung- und weihevolle Festrede hielt. Der Obercantor Herr Josef Singer leitete in würdiger Weise den gesanglichen Theil mit Chor- und Orgel- Begleitung. In Vertretung der hiesigen Eultttsgemelil^e erschienen die Herren Vorsteher: Gustav Simon, Dr. Gustav Kohn, Docent Dr. Grünfeld und Dr. Marcus Spitzer. Die Tempclvereine vom IX. Bezirke, Landstraße, Mariahilf, Volkert., sowie vom „Betli Israel“ entsendeten Deputationen , ebenso mehrereWohlthätigkeits- und Krankenunterstützungsvereine. Der Präsident der Wiener Bezirkskrankencasse, Kammerrath Direktor I. M. Wolfbauer, sowie Arthur Edler v. Mieses u. a. m. sendeten schriftliche Gratulationen. Die Feier machte auf jeden der Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Der Verein hat dann in discretester Weise verarmte Mitglieder mit namhaften Beträgen unterstützt. Wien Mariahilf. Am 1. d. M. veranstaltete der Vorstand des isr. Tempel-Vereines für Mariahilf und Neubau zu Ehren des Andenkens seines frühverstorbenen Vereins-Predigers und Religionslehrers der isr. Eultus-Gemeinde Herrn Dr. Leopold Ungar im Vercinstempel einen Trauergottcsdienst. In dem schwarz drapirten Tempel hatten sich die Angehörigen des Verblichenen, der Vorstand des Tempel-Vereines und viele Mitglieder, sowie ein zahlreiches distinguirtes Damen-Publikum eingefunden. Man bemerkte unter den Trauergäften den Secretär der israel. Eultus-Gemeinde Herrn Dr. Th. Lieben, den Religions-Jnspector der Eultus-Gemeinde Herrn Dr. Jonathan Wolf, sowie viele Bcrufsgenossen des Verstorbenen. Die Gedenkrede hielt Herr Vereinspräses Architekt M.Fleischer, die einm mächtigen Eindruck bei allenZuhörern zurückließ. Prag. Der Verlagsbuchhandlung Samuel W. P as ch e l e s wurde von der General-Jury der böhmischen Jubiläumsausstellung wegen ausgestellter Verlagswerke das Ancrkennungsdiplom zuerkannt. M. Prag, 31. Jänner. Am 28. Jönncr fand hierunter selten großer Netheiligung das Leichenbegängnis des am 35. Jänner nach längerem Krankenlager im 73. Lebensjahre verstorbenen Banquiers Herr-n David Bloch statt. Hen-Bloch, der lange Zeit in Jungbunzlau gelebt hatte, wo er sich um die genannte Stadt und ihre Umgebung hervorragende Verdienste erwarb, überfiedelte im Jahre 1877 nach Prag. Hier wußte er sich infolge seiner liebenswürdigen Umgangsformen und seines eminenten Wohlthätigkeitssinnes rasch eine übergroße Anzahl von Freunden rmd Anhängern zu gewinnen und nahezu alle Prager Wohlthätigkeitsvereine zählten den Verblichenen zu ihrem stets opferbereiten Mitgliede. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an der sich der Oberrabbiner mit sämmtlichen Rabbinen Prags, viele hervorragende Persönlichkeiten und eine Unzahl von Deputationen hiesiger und auswärtiger Vereine betheiligten. Von seinen 4 Hinterbliebenen Söhnen leiten 3 das hier seit dem Jahre 1868 bestehende Bankhaus und die Zuckerfabriken, während der vierte Hof- und Gerichts-Advokat in Wien ist. Einer der Erstgenannten, Herr Adolf Bloch, bekleidet überdies hier die Stelle eines Stadtrathes. Der hiesige praktische Arzt und emer. Universitäts-Docent Hen M. U. Dr. Jakob Schütz war jüngst anläßlich der Begehung seines 50jährigen Doctorjubiläums Gegenstand der herzlichsten und aufrichtigsten Ovationen, Nun hat sich den Gratulanten auch Se. Majestät angeschloßen, indem er Herrn Dr. Schütz für seine verdienstvolle Wirksamkeit auf dem Gebiete der Wissenschaft und aus dem der Humanität das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verlieh. Budapest. Bei den eben vollzogenen Wahlen für das Ungar. Abgeordnetenhaus wurden zehn Juden gewählt. Es sind die Herren: Moriz Wahrmann, Dr. Franz Csorin, Dr. Arthur Jellinek, Dr. Julius Rosenberg, (Bruder des Wiener Apotheker-s Dr. A. Rosenberg), Dr. Alexander Nagy, Dr. Paul Mandl, Dr. Armin Neumann, Dr. Samuel Visontoi, Dr. Ambros Nemonyi, Baron Armin Popper (Schwiegersohn des General-Directors der Länderbank Regierungsrath R. v. Hahn. Podgvrze. 1. Februar 1892. Der bekannten Thatkraft und Energie des Herm Dr. Aronsohn uud mehrerer edelgesinnten Damen jüdischer Eonfession ist es gelungen, eine Küche während der Winterszeit für ca. 80 jüdische Schulkinder, die Zöglinge der hiesigen „Talmud Thora" mit eingerechnet, zu errichten, in welcher selbe täglich unentgeltlich eine gesunde warme Speis? mitunter auch Fleisch erhalten. Fiume, 27. Jänner 1892. Seit circa 32 Jahren fungirt in unserer Gemeinde Herr S. L. M a n d o l f o als Präses. Herr Mandolfo verwaltete stets sein Amt musterhaft, er bekleidet auch viel städtische Ehrenämter, hat sich um unser Gemeindewesen große Verdienste erworben, er steht jedem Bedrängten mild und hilfreich zur Seite. Diesen bewährtm Vorsteher wollen einige eingewanderte Schreier stürzen. Geheime Agitaionen finden statt, und eingewanderte Leute, von denen Einer geradezu der jüdischen Religion in's Gesicht schlägt und seinen Sohn nicht beschneiden ließ, stehen an der Spitze. — Die Agitatoren haben für das Judenthum noch nichts geleistet, haben überhaupt keinen blauen Dunst vom Judenthum und unterfangen sich das große Wort zu führen, wollen das Ehrenamt an sich reißen. Es steht zu befürchten, daß die Gemeinde, die ohnehin nicht groß ist, in zwei feindliche Lager gespalten wird und die Muttergemeinde der Spaniolm an deren Spitze Herr S. L. Mandolfo steht, von der Gemeinschaft mit den Schreiern sich lossaren werde. Es ist daher Pflicht eines jeden redlich denkenden Mitgliedes bei der am 28. d. M. abzuhaltenden Wahl zu erscheinen und sein Votum für S. L. Mondolfo abzugeben, der schon über drei Decennien hindurch ehrenvoll seines Amtes gewaltet hat. Nordhausen, 37. Jänner 1892. Während des deutschfranzösischen Krieges im November 1870, erschien in den gelesensten deutschen Blättern folgende Notiz: Eisernes Kreuz. Die Religion hat auf die Kriegstüchtigkeit der Menschen keinen Einfluß und haben dies auch die deutschen Juden in den Frecheitskriegen 1813/15 bereits gründlich widerlegt. Wie sie auch in dem jetzigen Feldzüge anderen nicht nachstehen, zeigt, daß der Unteroffizier Hermann Lichtenstein vom Königl. sächs. Jnfant.-Regiment Nr. 106 nicht nur müdem eisernen Kreuz,sondernauch mitdersilbernen Tapferkeitsmedaille decorirt worden. Neapel, 10. Jänner. Herr Pacifico Ascarelli, Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, ist zum Stadtrath gewählt worden. Warschau, 21. Jänner. Bernhard Laub er, der Hauptagent des Baron Hirsch, bereist das ganze Königreich Polen in Angelegenheit derUebersiedlung der Juden nach Argentinien. lieber 2000 Familien haben sich bis jetzt zur Uebersiedlung gemeldet. Die Noth unter den Juden ist in den einzelnen Gouvernements herzzerreißend. Im Frühjahre wird eine Massenauswanderung der Juden über den Ocean erwartet. vtew-Pork, 28. December. Eine Festlichkeit zu Gunsten des jüdischen Waisenhauses in Brooklyn, das gegenwärtig 101 Kinder beherbergt, ergab einen Ueberschuß von 10.000 Dollar (40.000 Mark); eine Sammlung zu Gunsten des „Israelitischen Waisenhaus-Unterftützungsvereins" in Newark brachte 3100 Dollars. Man sieht an diesen schönen Beispielen wieder, daß das echtjüdische Gemillus Chessed auch diesseits des Oceans ungeschwacht fortlebt. Feuilleton. Politik und Liede in der Gaffe. Die Galanthaer waren ein frommes, seelengutes Bölklein, nur etwas streitsüchtig. Die Szereder, die sich für viel cultivirter als sie hielten und sie zur Zielscheibe ihres Spottes machten, nannten sie nicht anders als „die Galanthaer Hacken", was allerdings eine liebertreibung war, denn mit blutigen Waffen habeii sich meine Galanthaer niemals geschlagen. Faustkämpfe jedoch waren nicht selten unter ihnen, insbesonsondere über Gemeindeangelegenheiten. Von jeher bildeten sie nämlich zwei Parteien, die um die Herrschaft in der Gemeinde stritten — eine