Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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r.*-i '.rTMB^daeg nypMMjw* j«iwTt:,|«aLi. uraawngBWi^^li—flLÜ. j5R. > Sette 102 Orsterrrichischr Wochenschrift. Nr. 6 gebrauchte Mitarbeiter des „Deutschen Volksblattes" ist zugleich Mitarbeiter der „Jllustrirten Hacke" und verantwortlicher Redacteur des »Stammgast", in welch letzterer Eigenschaft er einmal in die Lage kam unseren Gewährsmann zu bitten, er möge seinen Einfluß dahin geltend machen, baß ihm eine Arreststrafe im Gnadenwege nachgesehen werde. So schauen die Knappen des Herrn Vergani aus. „Schurnalisten"! Wie«. (Die national-erziehliche Thätigkeit des „Deutschen Volksblattes.") Unter diesem Schlagwort schreibt das Organ des Herrn Schönerer: Das Vergamblatt brachte in der Nummer vom 21. Jänner, Morgenblaltund den darauffolgmden Tagen nachstehende fettgedruckte Aufforderung: A« nufere geehrten Abnehmer der dreimaligen Ausgabe. „Da nächste Woche der Prozeß des Ehepaares Schneider beginnt und von Montag bis inclusive Samstag dauert, ersuchen wir diejenigen Abnehmer obiger Ausgabe, welche während dieser Zeit auf die täglichen Blätter reflekttren, um eheste diesbezügliche Mittheilung. Der entfallende Betrag kann mit dem nächstfolgenden Abonnementgeld mitgesendet werden." Wirkt Herr Vergani nicht erziehlich im nationalen Sinne auf das Volk ein?! Ja das Geschäft! Nachdem dann das Geschäft gemacht war, gefiel man sich natürlich sofort in der Ralle des Entrüsteten und schrieb als Einleitung zu dem eigenen ekelhaft breitgetretenen, schamlos gehaltenen Mordprozeßberichte: „Man würde irre gehen, wenn man dem Schwurgerichtsprozesse, der heute gegen das Mörderpaar Franz und Rosalia Schneider begann, jene Bedeutung beilegen'würde, die ihm in ganz unverdienter Weise.seitens der Presse beigelcgt wurde. Denn weder vom kriminellen, noch vom psychologischen Standpunkte aus betrachtet, vermag der heutige Prozeß ein besonderes Interesse zu erwecken, es wäre denn nur, daß die Bestialität, di» in den beiden verruchten Mördern steckt, in der Allgemeinheit jenes Interesse hervorzurufen geeignet wäre, die eine Ertra-Ausgabe, wie sie unsere Judenblätter um ihrem Sensationsbedürfniffe zu genügen, veranstalteten, rechtfertigen würde." Die Oftdeuffche Rundschau fügt hinzu: „Und gerade der Mann, der mit seinem „Alles für das Volk" der Welt Sand die Augen streute, gerade der hat die jüdische Presse diesmal an speculationslüstcrner Ausschlachtung des letzten Mordprozeffes beinahe überholt. „Sensationell", das ist das Schlagwort dieser Sorte, und das konnte man in dem Blatte dieses „Volksretters" bis zum Uebcrdruffe lesen. Herr Edgar Spiegel, der die Mitbürger mit den Bildnissen des Mörderpaares beglückte, muß beinahe znrückstehen gegen den findigen Mann, der unter „seinen" Schriftleitern einen Mann entdeckte, dessen Eignung zum Detective in den Berichten über diesen Proceß sich so reclamehast ausbeuten ließ". Wie«, 1.Februar. (Das Jubiläum M. Bvoba's.) Gestern feierte der Schauspieler am Deutschen Volkstheater, Herr Moriz Broda, sein fünfundzwanzigjähriges Schauspieler- Jubiläum. Bei der lebhaften Sympathie, der sich dieser Künstler erfteut, ist es' nicht zu verwundern, daß demselben sehr zahlreiche Beweise von Beliebtheit gegeben wurden. Vom Morgen bis zum Abend liefen fast unausgesetzt schriftliche und telegraphische Glückwünsche und eine Menge prächtiger Angebinde in der Wohnung des Jubilars ein. Von der Direction des Deutschen Volkstheaters kam eine sehr hübsche Geldtasche mit einer noch viel hübscheren „Einlage." Die Schauspieler K ad elburg und Liebhart kamen in Vertretung der Mitglieder des genannten Theaters und beglückwünschten ihren Collegen in ebenso launiger als herzlicher Weise unter Überreichung einer kostbaren goü>enen Uhr sammt Goldkette. Den Deckel ziert das Monogramm M. B. und die Widmung: „Unserem lieben Collegen Broda —Die Mitglieder des Deuffchen Volkstheaters". Außerdem überreichten dieselben noch mehrere Lose mit bcm Wunsche, daß jedes — den Haupttreffer mache. Frl. Stein vom Theater an der Wien überbrachte persönlich zwei silberne Girandols. Bankier G u t m a n n in Dresden schickte einen Silberkorb. Stadtrach Dr. Grübl stellte sich mit einem kostbaren Teppich ein. Schr schöne Geschenke kamen ferner vom Commerziaüath Rieser und Mutter, vom Maler Schödel, von Josef Gun kl, vom Schauspieler Knaak. Wohl auf lange Zeit hinaus wurde der jugendftische Jubilar mit einen, „guten Tropfen" und mit „edlem Kraut" versorgt. So unter Lttlderem vom Prediger Dr. Gü de mann, Reichsrathsabg'- ordneten Dr. Jaques, Dr. Frappart, Bankier Felix Epstein, Sigmund Gei ringer rc. Sammtlichen Geschenken lagen Glückwünsche, in den wärmsten Ausdrücken abgefaßt, bei. Brün«, am 25. Jänner 1892. Vor hier wird der „Oesterr. Wochenschr." geschrieben: „In der Gemeinde Neu-Rausnitz wurde vor 3 Jahren ein Rabbiner aus Böhmen berufen und acceptirt: Diese Gemeinde besitzt große Legate und Stiftungen, deren Zinsen den Gehalt des Rabbiners bei Weitem decken, sohin der Gemeindesäckel zu diesem Gehalte nichts beizutragen hat. * Wie diese Stiftungen verwaltet werden, ist mir nicht bekannt, aber so viel ist bekannt, daß der Gemeindeschreiber, der wohl ein trefflicher Secretär, aber ein schlechter Musikant ist, und dem die Aufnahme des Rabbiners ein Dorn im Auge war, die Verwaltung besorgt, und gleich bei Besetzung des Rabbinerpostens gewühlt hat, um die Stellung des Rabbiners zu untergraben. Nicht, wie es usuell ist, daß man einen Rabbiner auf 3 Jahre acceptirt, sondern hier hat man ihn nach einem Probejahre wieder auf ein Jahr acceptirt, was derselbe mit Entrüstung zurückwies. Ja, noch mehr! Man bot ihm eine Entschädigung an, und er kann seines Weges gehen, denn der Pascha befiehlt es und so muß es geschehen! Nun ftage ich Sie, geehrter Herr Redacteur, ist das Recht? Ich bin ein Laie, aber dieses Vorgehen hat mich entrüstet, da man hier allgemein davon spricht. Wäre es nicht an der Zeit, daß die Rabbiner einen Verein bilden sollten und solidarisch Einer für den Andern eintreten, um vor einer solchen Gemeinde zu warnen! Breslau. 25. Jänner. Ein in der Provinz wohnender jüdischer Kaufmann gab seinen Sohn nach Breslau in ein Pensionat, damit derselbe hier eine bessere Schulbildung erhalte, als sie in dem kleinen Orte, wo die Eltern wohnen, zu haben ist. Die Wahl des Pensionats wurde mit einiger Vorsicht getroffen. Die Eltern des Knaben halten sich zwar nicht streng an die Speisegesetze, aber, der Sohn möchte so streng rituell wie irgend möglich leben und da er 31t Hause mit Rücksicht auf die Eltern einen in jeder Beziehung koscheren Tisch nicht erzielen konnte, wollte er wenigstens im Pensionat die religiösen Vorschriften auf's Getreueste beobachten. Der Vater war nicht so sehr Reformer, um den Wunsch des Sohnes nicht zu erfüllen. Er gab ihn also in ein Pensionat, das alle Gewähr für eine wahrhaft koschere Verpflegung zu bieten schien. Der Sohn war zufrieden. Aber bald änderte sich diese Stimmung. Verschiedene Wahrnehmungen, die das von Mißtrauen geschärfte Auge des jungen Mannes machte, brachten in ihm die traurige Ueberzeugung zur Reife, daß, wenn das Elternhaus den Mangel am Koscheren anlangend, der Regen gewesen, das Pensionat die Traufe sei. Zu seinem Erstaunen sah er nämlich die Schinken-Stullen, die schon zu Hause sein religiöses Empfinden verletzt hatten, auch im Pensionat, und zwar in Masse auftauchen. Man wagte es zwar nicht, ihn selbst mit Schinken zu bewirthen, er bekam enttveder Brot mit Gänsefett oder trockenes Brot und Fleisch dazu. Aber zugleich damit wurden die Schinkenbröte aufgetragen. Diese Wahrnehmung machte den jungen Mann so stutzig, daß er beschloß, Umschau zu halten, wo die Pensions-Inhaberin ihre koscheren Nahrungsmittel kaufen lasse. Er ging dem Dienstmädchen, das das Fleisch u. s. w. herbeiholen mußte, nach und fand seine schlimmsten Ahnungen bestätigt. In Läden, dir nie für koscher gegolten, wurden die betreffenden Einkäufe besorgt. Nun litt es den jungen Mann nicht länger in dem Pensionat. Eines Tages quartirte dieser sich, ohne Abschied zu nehmen, wo anders ein. Als er aber seine Sachen abhoten lassen wollte, verweigerte die Pensions-Inhaberin die verausgabe mit dem Bemerken, daß sie auf die Sachen Beschlag lege, um für die ihr noch zustehende Miethe gedeckt zu sein und zwar verlangte sie Miethe für den laufenden und für den nächsten Monat; indem sie geltend machte, daß ihr vier Wochen vorher hätte gekündigt werden müssen. Der junge Mann, bezw. dessen Vater wollte sich aber zur (Entrichtung der Miethe nur für den laufenden Monat verstehen, und darüber ist es zum Proceß gekommen. Der junge Mann erklärt: Cr sei berechtigt gewesen, ohne Kündigung davonzugehen, weil die Pensions-Inhaberin ihrer Verpflichtung, ihn streng koscher zu verpflegen, nicht nachgekommen sei. Auch dann, wenn die Angabe der Pensions-Inhaberin, daß sie ihm stets koschere Speise vorgesetzt habe, wahr sei, liege diese schwerwiegende Nichterfüllung vor, weil die koscheren Speisen zusammen mit den nichtkoscheren aufgetragen wurden. Die Pensions-Inhaberin behauptete dagegen, daß der junge Mann keinen Grund gehabt, an der Art der Verpflegung Anstoß zu nehmen, denn sic habe ihm, bevor sie ihn ausgenommen, ausdrücklich gesagt, daß es streng rituell bei ihr nicht zugehe. Hieraus erwiderte der junge Mann: diese Bemerkung könne nicht gefallen sein, da er in diesem Falle das Pensionat gar nicht betreten haben würde. Er habe streng koscher leben wollen, und es sei selbstverständlich, daß er nur unter dieser Zusage sich in das Pensionat habe aufnehmen lassen. Der Proceß schwebt beim hiesigen Amtsgericht und dürfte in den nächsten Tagen entschieden werde».