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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-02-05 · 6 (5.2.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Orstrrrrichifchr Wochrnfchrifk. Seite 101 naby Rudge" geschildert, da er von des Dichters Freiheit des Erfindens und Ausschmückens Gebrauch machen konnte. Und doch sehen wir auch hier das alte Dictum bestätigt, daß der Dichter ein Seher ist. Wenn er uns den Renegaten schildert der sich als eifrigsten Anhänger des neuen Glaubens gerirt, gegen seine früheren Glaubensgenossen am eifrigsten hetzt um dann wieder als die Sache schief geht seine neuen Freunde zu venathen, oder den eleganten Caoalier, der sich mit vollendeter Eleganz bewegt, der Bewegung anscheinend ganz fern steht und doch im Geheimen unaufhörlich das Feuer schürt — wenn wir solche Figuren im Roman finden, so möchten wir fast glauben er sei nicht vor einem halben Jahrhundert, sondern im letzten Jahrzehnt geschrieben worden. Und fragt man, was das schließliche Resultat jener schrecklichen Katholikenhetze war, so geben uns 'gerade zwei Ereignisse der letzten Tage die beste Antwort: Am 14. Jänner d. I. starb Cardinal Manning, der katholische Erzbischof von Westminster in London von den Bekennern aller Confessionen gleich betrauert und fast gleichzeitig beschloß der Gemeinderath der Stadt Oxford dem Cardinal Rewmann ein Denkmal zu errichten. Die Katholiken Großbritanniens und Irlands sind längst den Protestanten vollkommen gleichgestellt und das Inselreich befindet sich ganz wohl dabei. Hetzereien können wohl vorübergehend viel Schaden annchten, aber auf die Dauer können sie den Fortschritt nicht verhindern. Unaufhaltsam rollt das Rad der Zeit vorwärts, die Thoren, die es aufhalten, oder zurückdrehen wollen, zerschmetternd oder in ewige Verachtung stürzend. M. L. Wien (Oesterreichisch-Israelitische Union.). Für Samstag den 23. Jänner d. I. berief der Vorstand dieses Vereines in Sohr's Restauration eine Versammlung ein, in welcher Cultusvorsteher und Gemeinderath Dr. Alfred Stern über die Reu-Constituirung der israelitischen Cultusgemeinde in Wien sprach. Der Vortragende, mit Beifall gegrüßt, besprach das bisher bestandene, vom Ministerium erlassene Statut, und das neue, welches in Geltung treten soll. Bis nun hatte die Cultusgemeinde nur eine zweifelhafte gesetzliche Basis, daß dieselbe nicht wagte, es in strittigen Angelegenheiten auf eine behördliche Entscheidung ankommen zu lassen; umsomehr sei nun das neue Gesetz, welches die Judengemeinde auf eine feste Rechtsbasis stellen soll, auf das Freudigste zu begrüßen. Nach dem neuen Statute, welches seit Monaten der Regierung zur Entscheidung vorliegt, steht der Gemeinde das Aussichtsrecht über alle Anstalten confessionellen Charakters, selbst über solche, welche von ihr weder gegründet, noch erhalten werden, zu. Schwierig gestaltete sich die Lösung der Frage, ob der Vorstand in seiner jetzigen Verfassung bestehen bleiben oder für jeden Bezirk ein besonderes Collegium creirt werden solle. Man entschied für die Beibehaltung der bisherigen Verfassung unter gleichzeitiger Vergrößerung des Vorstandes etwa auf 24 Mitglieder, wobei den neu gewonnenen Bezirken nach Möglichkeit Rechnung getragen werden soll. Das Wahlrecht bleibt an die Steuer-Entrichtung geknüpft. Und auch hier zeigten sich manche Schwierigkeiten, da Wünsche auftraten, die Wahlen bezirksweise oder nach Wahlkörpern vornehmen zu lassen. Nicht minder wurde die Frage, von welcher Steuerzahlung das Wahlrecht abhängig gemacht werden solle, ventilirt. Selbstverständlich wird bei Ausübung des Wahlrechtes auf die örtlichen Verhältnisse der entfernteren Bezirke nach Möglichkeit Rücksicht genommen werden. Eine besondere Achtung widmet das neue Gesetz der Frage des Rabbinates. Das Gesetz schreibt ausdrücklich vor, daß jene öffentlichen Functionen, welche bürgerliche Rechtsfolgm nach sich ziehen, nur von dem von der Gemeinde bestellten Rabbiner vollzogen werden können. Run bestehen eine Reihe von Priva!-Bethäusern, welche bisher ihre eigenen Rabbiner bestellten, und diese Bethäuser sind es nun, welche gegen diese Bestimmung des Gesetzes remonstnren; andererseits weigere sich die Gemeinde, diese von Vereinen bestellten Rabbiner zu übernehmen, und behält es sich vor, solchen Rabbinern, welche für eine bestimmte Synagoge bestellt sind, den Titel eines Gemeinde-Rabbiners zu verleihen. Dem Religionsunterrichte verspricht der Vorstand seine vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden und hat dafür gesorgt, daß die Zeugniße der vom Vorstande erhaltenen hebr. Sprach- und Bibelschule jener der öffentlichen Volksschule gleichgestellt sein werden. Die Steuerfrage besprechend, bemerkt Redner, daß sich die Cultussteuer an die progressive Einkommensteuer anschließen wird. Mit einem Danke an die Regierung, welche durch die Schaffung des neuen Gesetzes der Gemeinde feste Rechtsstellung einräumte, schloß der Vortragende seine mit lebhaftem Beifalle und Händeklatschen acclamirten Ausführungen. Wien. Das von Seite des k. und k. Reichs-Kriegsministeriums herausgegebene „Militär-statistische Jahrbuch", welches vom Jahre 1887 bis zum Jahre 1872 zurückgeht, gibt uns ein in mancher Hinsicht übersichtliches Bild über die Juden in der österreichisch-ungarischen Armee, leider aber nur hinsichtlich des Grundbuchstandes der Mannschaft vom Ofsiciers- Stellvertreter abwärts, während über den Stand der jüdischen Osficiere keine Nachweisungen vorliegen. Der Grundbuchstand der Mannschaft vom Officiers-Stellvertreter abwärts, mit Berücksichtigung der Juden, erfuhr in den Jahren 1872 bis 1887 (die Daten für die Jahre 1880, 1881, 1883 fehlen, ebenso befanden sich die Ersatz-Reservisten bis zum Gesetze vom 2. October 1882 nicht im'Grundbuchstande des k. und k. Heeres) nachstehende Veränderung: Im Jahre Grundbuchstand des Heeres Hievon waren Juden Juden in Percenten der Gesammtsnmme 1872 827.277 12.471 151 1873 860.396 14.066 163 1874 867.322 15.100 1 74 1875 872.616 16.216 1 86 1876 828.320 16.880 204 1877 806.259 18.283 227 1878 800.253 18.936 2 37 1879 797.245 19.874 249 1882 874.087 25.017 286 1884 880.514 27.342 311 1885 872.579 28.194 3 23 1886 881.746 30.373 344 1887 835.6 l7 31.382 366 Es ist somit die ununterbrochene Zunahme der Juden in der kaiserlichen und königlichen Armee eine geradezu außerordentliche. Während sich nämlich der Grundbuchstand des Heeres von 1872 bis Ende 1877 um 58.340 Mann oder 7 05 Percente erhöhte, so sinkt dieser Zuwachs nach Abschlag der Juden auf 38.429 Mann oder 4'72 Percente herab, dagegen haben die Juden in diesem Zeiträume um 19.911 Mann oder 189.66 Percente zugenommen, und ihr Antheil an der Gesammtsumme steigerte sich von 1.51 Percente im Jahre 1872 auf 3'66 Percente im Jahre 1887. Wien. (Ein „antisemitischer" Redacteur des Herrn Vergani.) Wir lesen im Organ des Herrn Schönerer nachstehende Enchüllung: Dieser Herr Karl Theodor Fockt, dessen Romane im „Deutschen Volksblatt" abgedruckt wurden, ist ein gar vielseitiger Mensch. Nicht nur daß er Herrn Vergani zur Seite steht, wenn es gilt das deutsche Volk in D efterreich durch Romane wie: „Der Zwanziger Gras" 2c. der schöngeistigen Literatur zuzuführen, hat er auch für den Verleger von Schundromanen, den Juden Rubinstein einen Schauerroman: „Hugo Schenk, der Blaubart des neunzehnten Jahrhunderts" geschrieben. Bei Daberkow erschienen unter anderen Namen ein Liebesbriefsteller, ein Tanzlehrbuch und ein — Kochbuch. Ferner theilte dieser nationale Schriftleiter des „Deutschen Bolksblattes" unserem Gewährsmanne selbst mit, daß er für Vergani den, mit so viel Lärm angekündigten, jedoch bis heute nicht erschienenen Roman: „Georg der Zerstörer" fabricirt habe. Dieser viel-

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