Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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i -mm/' iM'i'i'ii F.aa^jK^roMMMaiMMBraCT.TBggtJMiflBgMZBgiiKU'CKgsa Seite 96 Orsterrrichtschr Wochenschrift. Nr. 6 Mit den Fremden verbündet! Sie sind also — „Fremdenknechte" in dem Sinne, wie man bei uns von „Ju benkn echten" spricht. Ferner heißt es wörtlich: „Um das Volk gegen die Christen aufz»Hetzen, 3 eigen sie demselben die in der Kirche gefundenen rothen Meßweine und sagen, das sei das Blut der ermordeten Chinesenkinder; den ermordeten Christen rissen die Tsai-ly-ti die Augen aus, sammelten sie in kleinen Kisten und zeigten sie dann dem Volke unter dem Vorgeben, das seien die Augen der erm ordeten Chi ne senki nder, welche die Christen beim Gottesdienst in ihren Kirchen gebrauchten." So zu lesen in der Abendausgabe des „Deutschen Volksblatt" vom 29. Jänner d. I. Fürwahr, die Weltgeschichte übt gerechte Vergeltung' Mit demselben Maße, mit welchem die Antisemiten in Europa den Juden messen, wird den Christen in China gemessen. Das Merkwürdigste ist, daß unsere Antisemiten die chinesische Christenhetze schüren und gleichzeitig über die Verfolgung Krokodilsthränen vergießen. Dieselben Verleumdungen, mit denen die christlichen Fanatiker Europas seit Jahrhunderten das Volk gegen die Juden gehetzt haben, werden nunmehr im fernen Osten gegen ihre eigenen Glaubensgenossen in Anwendung gebracht. Die schaurige Lüge vom rituellen Morde mußte in China zur Ausrottung der Christen dienen, rvie sie in Europa zur Verfolgung der Juden dient. Und vielleicht schon morgen wird der Telegraph aus San Francisco berichten, daß die Ouäcker Amerikas dieselbe Lüge gegen die verhaßten Chinesen, deren zunehmende Einwanderung mehr und mehr als eine wirthschastliche Calamität empfunden wird, in Umlauf setzten. So vollbringt dieses grauenvolle Märchen seine Reise um die Welt, von Volk zu Volk, und seine schrecklichen Wirkungen erproben sich zuletzt immer an Jenen, oie cs zu ihrem eigenen Vortheil benützt haben. In dieser Wanderung der Blutlüge liegt eine furchtbare völkerpsychologische Logik, für die man allerdings in der Redaction des „Deutschen Volksblatt" kein Verständniß hat. Um sich dieses Verständniß zu erwerben, empfehlen wir Herrn Vergani eine Informationsreise nach China. Vielleicht widerfährt ihm dort die Ehre, für einen christlichen Moses Scharf angesehen zu werden, der eine chinesische Esther Solymossy ermordet hat. Die gerichtliche Procedur könnte sich angesichts der hübschen Torturen, welche die chinesischen Nationalisten in Bereitschaft haben, sehr interessant gestalten. Erzählt doch Herr Vergani selbst, daß dem Priester Lan lebend die Zunge ausgerissen, die beiden Schultern durch Revolverschüsse zerschmettert, Brust und Leib aufgeschlitzt und endlich der Körper in tausend Stücke zerschnitten wurde. Der Untersuchungsrichter von Nyiregyhaza, der die Tißa-Eßlarer Angeklagten zum Gaudium der ganzen antisemitischen Welt durch Fütterung zum Geständniß zwingen wollte, könnte in China noch etwas lernen. Die arischen Henker der Semiten haben an den mongolischen Henkern hre Meister gefunden. Der Antisemikenkrach in Paris. In Paris hat man soeben zwei antisemitischen Spitzbuben die Larve vom Gesicht gerissen. Der Aelteste der Pariser Agents de Charge, Herr Laurent, und der Chef eines Bankhauses in. Bordeaux, namens Menou, wurden vor Gericht einer Reche von Betrügereien überführt, der Erstere als Zeuge, der Letztere als Angeklagter. Beide haben ihre clericale und antisemitische Gesinnung trefflich zu frirctificiren verstanden. Herr Menou errichtete vor Jahren in Bordeaux ein Börsen- Commissions-Geschäft von ausgesprochenem katholischen Charakter. Dasselbe stand mit dem Pariser Börsenagenten Laurent in Verbindung, der für Menou die Geschäfte besorgte und die Börsenberichte lieferte. Menou speculirte aus eine fromme Clientel und sie ist chm in reichen Massen zu theil geworden. Er besaß bei Eröffnung seines Bankhauses keinen Heller, aber bald strömte ihm das Geld in hellen Haufen zu. Das Geheimniß dieses Erfolges lag in der Specialität seiner Circuläre und Stimmungsberichte. Die Geistlichkeit ist noch überaus mächtig in Frankreich, namentlich in Südfrankreich. Sie beherrscht weite Kreise der Bevölkerung und organisirt eine starke Opposition gegen die republikanische Regienmg. Die vornehmen Legitimisten, die reichen geistlichen Orden, die kleinen Handwerker und die Bauern, aus welche sich die Macht dieser Geistlichkeit stützt, gingen Herrn Menou auf den Leim. Seine geschäftlichen Publicationen waren mit frommen Phrasen eingeleitet, mit anttsemitischen Kraftworten gespickt und gegen die Regierung gespitzt. Das zog! In jedem Cursberichte wetterte Menou gegen die Juden. „Spanier matt, Portugiesen flau, Juden niederträchtig"; so ungefähr hieß es in seinemCurszettel. In einem zweiten Berichte heißt es: „Börse sehr erhitzt durch Umttiebe opportunistischer Juden, die an einen großen Erfolg des Cabinets glauben machen wollen. Den Schluß fingiren sie zu den höchsten Cursen, um in die Provinz und in die Fremde diese Fälschungen hinaustelegraphiren zu können." In einem dritten Berichte wird die gegenwärtige Regiening 'als eine Schande für alle anständigen Leute bezeichnet. Der Lieferant dieser Stilübungen war der Pariser Agent Laurent. Dieser Herr war nicht blos der Agent des antisemitisch-clericalen Betrügers Menou, sondern auch der Agent — der Regierung selbst. Er besorgte alle Umsätze für den Staatsschatz an der Börse und er machte sich dabei die Kenntniß der Verhältnisse zu nutzen. Er telegraphirte jede finanzielle Action des Staates an Menou. Eines dieser Telegramme lautet: „Rente immer noch fest, Dank den Käufen der sstaatlichen) Depositencasse, die in großem Maaße fortgesetzt werden. Ich werde Ihnen jeden Tag telegraphiren, was wir kaufen." Laurent verriech also die Staatsgeheimnisse zrr Gunsten des Antisemiten Menou und seiner frommen Clientel. Das Alles wurde in dem Bettugsprocesse gegen Menou aufgedeckt. Die Erscheinungen, welche dieser Proceß enthüllte, sind in der Geschichte des Clericalttmus und Antisemitismus nichts Neues. Jene scheinheiligen Augenverdreher, welche am lautesten über den Geschäftssinn und Eigennutz der Juden schimpfen und sie die Ausbeuter des christlichen Bottes nennen, haben es stets verstanden, die Religion für ihre selbstsüchtigen Zwecke zu fructificiren. Im Mittelalter haben verschuldete Bischöfe und Fürsten wiederholt Judenhetzen inscenirt, um ihrer Schulden ledig zu werden und sich des Eigenthums der ermordeten Juden zu bemächtigen. Auch die Börse war von jeherderSchauplatz bettügerischer Umtriebe ftommer christlicher Speculanten. Die Geschichte der Dachauer Bank, an deren Spitze die berüchtigte Adele Spitze der stand, ist in Vieser Hinsicht ebenso lehrreich, wie jene der „Union generale " und ihres Directors Bontoux. Und erst in jüngster Zeit erfuhr die staunende Mitwelt, daß die Functionäre des Vatikans die Einnahmen des Peterspfennigs zu Millionen an der Börse verspielen. Man sieht, die Herren Menou und Laurent befinden sich in illustrer Gesellschaft. Was ihren Gaunereien ein besonderes charakteristisches Gepräge verleiht, ist der Umstand, daß sie nach dem Recepte deutscher und österreichischer Antisemiten die Bekämpfung der angeblich jüdischen Corruption zum Vorwände nahmen, um selbst die schamloseste Corruption zu tteiben. Sie sind die französische Spielart der Herren Vergani, Verhovay, Böckel e tutti quanti. Sie sind geriebene Spitzbuben, die durch die Hetze gegen die Juden die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Gaunereien ablenken wollten. Zu ihren Clienten zählten die ärmsten Volksschichten, die sie erbarmungslos ausbeuteten und denen sie dabei mit frommen Augenaufschlag vordeclamirte, daß die Juden die Blutsauger des christlichen Volkes seien. In Laurent, der seine eigenen Auftraggeber der den Staatsschatz contteminirte, für dessen Rechnung er arbeitet, haben alle antisemitischen Wichte Deutschlands und Oesterreichs, von Pickenbach bis Vergani, ihren Meister gefunden. Die Geschichte der Herren Laurent und Menou wird selbstverständlich im „Deutschen Volksblatt" verschwiegen, da aufijüuii