Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 88 VeAenÄchifchr Wochrnschrist. Nr. 8 Todtm in schönen ergreifenden Worten einen würdigen Nachruf widmete, in welchem er das segensoolle Leben und Wirken des Dahingeschiedenen treffend schilderte, was auf alle Anwesenden und Leidtragende, die herbeigeeilt kamen, einen tiefen Eindruck machte. Da Arzt Löw auch ein treuer Glaubensgenosse war, ist chm auch im Schoße unserer Cultusgemcinde ein ehrendes Andenken gesichert Er ruhe sanft! L. Graz Zn der gestern im Saale des „Hotel Florian" stattgefundenen öffentlichen Versammlung des hiesigen Gewerbebundes steltte ein Mitglied dieses antisemitischen Vereins dm Antrag, für das durch den Rücktritt des Herrn Dr. Derschatta erledigte Reichsrathsmandat einen Candidaten der Gewerbepartei aufzustellen, der Antisemit sein müsse. Herr Regierungsvertteter Dr. Otto Müller erklärte, daß er mit Rücksicht auf § 302 des Strafgesetzes diesen Antrag zur Abstimmung nicht zulaffen könne. Amtlichen Erhebungen zufolge gibt es hier in Graz einen Verein, der nur ein Mitglick» zählt, das gleichzeitig die Stelle des Obmannes dieses Vereines bekleidet. Der an Mitgliedern so schwache „Verein der Deutschnationalen" (dies der Name) dürste sich hatten! ZwtsVruck. Ein geachtetes Mitglied der hiesigen Judenschast der Antiquar Herr Max Steiner starb am 15. d. M. Die Beerdigung erfolgte am 17. unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung. E. B. Agram. (To des fall.) Am 17. d. M. verschied hier Herr Max Ed. Sachs, langjähriges Mitglied der Agramer Cuttusgemeinde, Großindustrieller, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone u. s. w. Der Verblichene hat sich um die hiesige Zudengemeinde vielfache Verdienste erworben und nahm eine sehr geachtete, sociale Stellung in Agram und in ganz Kroatien ein. Ecwar der Schwiegervater des be kannten Profeffors an der Agramer Universität, Herrn Dr David Singer. Der trauernden Familie gingen von weiteste- Kreism Beileidskundzebungen zu. Sickckty«. Der Unterstützungsverein „Chesed-Weemes" Sniatyn, unter Leitung des Präsidenten Josef Rosenkranz hat, in Berückstchttgung der harten Jahresfrist 400 Centner Brennholz an Arme vertheilt und beschlossen, Geldunterstützung bei Bedarf sofort zu verteilen. Podgorze, 24. Jänner 1692. Am 17. Jänner l. I. verschied im 62. Lebmsjahre noch kurzem aber schweren Leiden Herr Victor Ferber, Groß-Industrieller, Gemeinderath und Assessor der Stadt Podgorze. Der plötzliche Tod dieses Wohlchaters erweckte sowohl bei der jüdischen, wie auch bei der chrisüichen Bevölkerung aufrichtige und innige Theilnahme. Am Grabe des Verstorbenen sprach in warmen Worten Herr Dr. Aronsohn, Mitglied des hiesigen Cuttusvorstandes. Berlin, 18. Jänner. Bei dem gestern stattgehabten Krönung s- und Ordens feste wurden auch eine Anzahl israelttische Bürger durch Verleihung von Orden ausgezeichnet. Es «hielten: Herr Dr. Lessing, Professor und Director der Saumllung des königlichen Kunstgewerbe-Museums, sowie Herr Dr. Löw encherz, Director bei der physikalisch-technischen Reichscmstatt, dm Rothen Ildlerorden dritter Classe mit der Schleife; ferner die Herrm: Amtsoerichtsrath Lilienthal in Königsberg, Regiemngsrath Dr. Paul Meyer in Cöln, Regiemngsrath Dr. Pieck in Attona und Santtätsrath Dr. Samt er in Posm dm Rochm Adlerorden vierter Claffe. Zu dem Krömmgs- und Ordensfeste hatte auch der emeritttte Lehrer der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Herr Guttmann, als Inhaber dä Hausorder^ von Hohenzollern, eine Einladung erhalten und derselben Folge geleistet. — Herr Sanitätsrath Doctor I. Blumenthal ist von dem Präsidenten der französischen Republik mtt dem Ritterkreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. $erltst, 18. Januar. „Die Schmach des Jahrhunderts" nennt sich eine neue Halbmonatschrift, herausgegeben von Kack Schneidt, deren erstes Heft jetzt oorliegt. Die Zeitschrift ist lediglich der Bekämpfung des Antisemitismus gewidmet und schlägt zu diesem Zwecke vielfach den rechten Ton an. „Das ist die Art, mit Hexen umzugehen." Scharf und sachlich, mit Geschick und Witz geschrieben, wird das Blatt in dem modernen Kulturkämpfe uns ein willkommener Bundesgenosse sein, und wir wollen hoffen, daß ihm die Gunst desjenigen Theils des Publikums, für welchen es in die Schranken ttitt, nicht fehlen werde. Mögen die Juden in 'diesem Punkte von den Gegnern lernen, welche in der Unterstützung der Blätter, die ihre Sache vertreten, unermüdlich sind. Berlin. Der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde sind kürzlich größere Summen zugewandt worden: Herr Julius Bleichröder spendete 16.000, Frau Kopetzky und Frau Nelke 10.000 Mark. Berlin. Zu einer in letzter Zeit mehrfach agitatorisch „v erwertheten" Frage schreibt die „Kölnische Zeitung": „In einzelnen conseroativen Parteikceisen, vor Allem in gewissen Blättern, machte sich seit einiger Zeit eine höchst bedenkliche Strömung geltend, die Unparteilichkeit und Gerechtigkeit unseres Richterstandes und unserer Gerichte anzuzweifeln, und somit in weiteren Volksweisen zu untergraben. Am schlimmsten ttitt das jetzt bei dem Fall Buschof in Tanten zu Tage, den gewisse konservative Blätter zu einem Nitualmord zu stempeln anscheinend Interesse haben. Es genügt darauf hinzuweisen, daß in diesem wie in jedem anderen Falle die Voruntersuchung geheim zu führen ist, daß über die Aussagen in dieser Voruntersuchung also selbstverständlich nur durchaus unzuverlässige Nachrichten in die Oeffentlichkeit dringen könnten, die bei einem ehrlichen und unbefangenen Beurtheiler unmöglich als geeignete Grundlage ausgenommen werden können, sich ein Bild der Sachlage zu verschaffen. Nicht blos ist ein besonders tüchtiger Pelizeiinspector mit der Ermittelung der Wahrheit neben den Gerichtsbehörden beauftragt worden, neuerdings hat sich sogar im Aufträge des Justizministers der aus langjähriger richterlicher Thätigkeit in der Rheinprovinz mit den rheinischen Verhältnissen wohlverttaute Geh. Justizrath Vietsch, Vortragender Rath im Justizministerium, mit dem Oberstaatsanwalt Hamm an Ort und Stelle begeben, um weitere Ermittelung vorznnehmen. Daß angesichts dieser Thatsachen konservative Blätter sich dazu hergeben können, entgegen der bisherigen Ansicht der mit der Untersuchung befaßt gewesenen Gerichtsbehörden, einen bestimmten Menschen als Mörder zu bezeichnen und die mündliche Verhandlung gegen denselben zu verlangen, beweist nur, wie blind Leidenschaften und Parteitaktik die Menschen machen können. Wenn Staatsanwalt und Untersuchungsrichter der übereinstimmenden Ansicht sind, das bisher ermittelte Beweismaterial sei nicht geeignet, den Verdächtigen zu überführen, so würde doch nothwendig aus einer überstürzten mündlichen Verhandlung sich die Wahrscheinlichkeit seiner endgiltigen Freisprechung und damit die Möglichkeit ergeben, daß der Verbrecher bei späterer ausreichender Ergänzung des Beweismaterials straffrei ausgehen würde. Unseres Erachtens hat die conservaüve Partei ein dringendes Interesse daran, daß sie nicht ferner eine solche systematische Untergrabung des Ansehens und der Unparteilichkeit unserer Gerichte duldet. Mit lebhaftem Bedauern haben wir wahrnehmen müssen, daß bisher nicht ein einziger der conservativen Parteigenossen den Muth gehabt hat, gegen die neuliche Behauptung des früheren Hofpredigers Stöcker Stellung zu nehmen, daß „man überall das Gefühl habe, daß etwas wackele, wenn Juden vor Gericht stehen". Sind solche die Autorttät des Staates und des Thrones untergrabenden Erklärungen wirklich die Ergebnisse einer neuen conseroativen Grundanschauung, dann scheint uns in der That die Forderung der endlichen Aufstellung eines neuen conseroativen Parteiprogramms dringend wünschenswerth. Die neuesten Angriffe gegen die Unparteilichkeit unserer Richter und Gerichte sind höchstens den Sozialdemokraten willkommen und nützlich". So weit die „Köln. Ztg." Es ist aufgefallen, daß dieser Artikel mit der hier wiedergegebenen Einleitung in der „Nordd. Allg. Ztg." an der Spitze ihrer „Zeitungsschau" abgedruckt worden ist. -