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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nc. 5 Oestrrreichifche Wochenschrift. Sette 877 Kronprinzen, dessen „Gedenktag" nahe bevorsteht — gedachte des unlängst Heimgegangenen Erzherzogs Heinrichs sammt Gemahlin, und des Erzherzogs Sigismund. Der greise Prediger betete für die Manen der Erlauchten das „Seelengebet Menucha Nechona", dann für die verstorbenen Vereinsmit'glieder. Ein schöner Choral beschloß die würdige Feier. Wien. Einer der drei Grundpfeiler des Judenthurns unb in weiterer Linie der ganzen Menschheit, ist „G e m il u t h CH e s s e d" Diese Tugend wird im Judenthum seit jeher geübt, von Einzelnen wie von eigens dafür gegründeten Vereinen. Ein solcher Verein ist vorzüglich der gelegentlich der Feier des 40jährigen Negierungsjubiläums des Kaisers gegründete Wohlthätigkeits- und Kranken- Unterstützungsverein „Gemiles Chessed" in Hernals. Es liegt uns der Rechenschaftsbericht desselben für die Zeitperiode vom 30. November 1890 bis 30. November 1891 vor. Der Vorstand constatirt in diesem Berichte, daß das abgelaufene Vereinsjahr eine Zeit fortschreitender Prosperität und steten Wachsthums für den Verein gewesen. Die Zahl der wirklichen Mitglieder hat sich in dem bezeichneten Jahre bedeutend vermehrt. Der Verein unterhält 2 Lehrer für Correpetitionen im Religionsunterrichte, welche bei einer stattgefundenen Prüfung erfreuliche Resultate lieferten, ferner hat der Verein, um seinen Trauer tragenden Mitgliedern Gelegenheit zur Verrichtung der Trauergebete zu bieten, im Vereinslocale Religionsübüngen eingeführt. Der Verein hat auch in dem abgelanfenen Jahr den nicht mehr ungewöhnlichen Weg, durch Veranstaltung von Vergnügungen den Vereinszwecken zu dienen, eingeschlagen, womit er schöne materielle Erfolge erzielte. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um den Verein wurde dessen Obmann, Herr Heinrich Korn mehl, zum Ehrenmitgliede ernannt. Aber auch die verdienstvolle Thätigkeit folgender Herren für die Vereinsinteressen werden in dein vorliegenden Berichte hervorgehoben, und zwar der Herren: M. Perentz, Josef Menkes, I. Scherr, I. Grünmandl, H. Adler, M. Poltenberg, M. Wagner. F. Leer, S. Lewler, L. T a s ch m a n n, S. K o h n, I. Meiste r, M. P. M a r kheim, I. Kleiner, I. Neuer, S. Fischer und Max Reim ann. Wehmüthig klingt aus dem Berichte der Schmerz über die feindselige Bewegung gegen das Jndenthum unb wo muß diese mehr gefühlt werden als in Hernals, dem Wahlbezirke des Prinzen Liechtenstein. In der Aufforderung zum Beitritte zu diesem Vereine am Schlüsse des Berichtes heißt es: „Unter den heutigen schwierigen Verhältnissen, die auf dem Judenthume lasten, ist es doppelt nothwendig, einen inneren festen Halt für unglückliche Glaubensbrüder zu schaffen, sie nicht straucheln, nicht fallen zu lassen, denn der hilflose Jude kann bei der heutigen Zeitströmung seine Rettung nur. bei seinen Glaubensgenossen finden." Es ist diesem Vereine zu wünschen, daß er wachse und gedeihe. Wien. Am 9. d. M. veranstaltete der Violin-Birtuose Max Lewinger im kleinen Musikvereinssaale ein eigenes Eoncert. Dieser junge wohl Wenigen bekannte Geiger, aus der Schule unseres Professors Grün, trat zum erstenmale vor das Publikum und errang mit dem Mendelsohn'schen Violinconcerte, das er mit gefühlvoller Wärme und vollendeter Technik spielte, allgemeinen stürmischen Beifall. Er kann auf eine glänzende Zukunft hoffen. Hg. Wien (Eoncert). Unser Glaubensgenosse Herr Moriz Adler aus Frankfurt a. M. veranstaltet Mittwoch den 3. Februar l. I. im Bösendorfer-Saale ein Eoncert. Herr Adler, der seit seinem neunten Lebensjahre erblindet ist, hat sich trotzdem als Pianist einen bedeutenden Namen erworben. Er erfreut sich der hohen Protection Sr. königlichen Hoheit des Herzogs Carl Theodor von Baiern und hat auf seinen Kunstreisen nach Berlin, London, Hamburg, München rc. überall die vollste Anerkennung der Musikwelt gefunden. Karten zu diesem Eoncert sind in allen größeren Musikalienhandlungen zu haben. Wien. Für die unglückliche Witwe Lubinger sind btt Frau Dr. Lieben I., Seitenstettengasse Nr. 4 folgende Spenden eingelaufen: Gesammelt von Moriz A. in D. und Saaz fl. 25’30; unter Chiffre Sabh fl. 3'—; Kitz & Stoff 2—; Sammlung von Philipp Tandler, Wien, I., Wipplingerstraße 32 st. 10'— u. zw. von Herrn Frankl fl. 3'—, Tandler fl. 2'—, A. Wellisch st. 1'—, B. Blaß fl. 1'—, B. Stern, Drapper, Streit, Recht, Lichtenstadt und Romann je 50 kr. wofür Namens der Frau Lubinger der wärmste Dank ausgedrnckt wird. Wien. (Antisemitische Rohheit.) Der achtjährige Schulknabe Emil Königsberg ist in seinem Elternhause, Mariahilferstraße 94, unter verdächtigen Symptomen irach kurzer Krankheit gestorben. Der Knabe hatte vor einigen Tagen vor seinem Wohnhause von einem Antisemiten einen Stoß in den Unterleib erhalten und war gleich darauf erkrankt. Da nun der Verdacht besteht, daß jener Stoß den Tod des Knaben herbeigeführt habe, wurde die gerichtliche Obduction der Leiche angeordnet und die Ausforschung des Mannes, der in der Nähe des Thatortes wohnen soll, eingeleitet. Wien. Die Pächterin des Cursalons hat neulich in diesen Blättern Protest dagegen eingelegt, daß man ihr die freie Willensäußerung betreffs der Bestellung ihrer Drucksorten einschränken wolle. Mein der Hinweis darauf, ist ebensowenig verboten, wie jener, daß Luksch's „Jllustrirter Führer durch Wien", der soeben in allen Gast u a) E a'feehäusern W ens vertheilt wird, aus der antisemitischen Druckerei von Kreisel und Gröger, wo auch das „Deutsche Volksblatt" gedruckt wird, hervorgieng. Währing. Ein Greis von 105 Jahren, kränttich und in großer Noth, Namens Meier Leb Kohn (Währing, Johannesgasse 43, II. Stock), bittet edle Menschenfreunde um eine freundliche Unterstützung. Proßnitz, im Jänner. (Ein Reuiger — Ren er Advokat — St erbe fall.) ^s gereicht mir zur besonderen Befriedigung, mittheilen zu können, daß der hiesige Kaufmann, Herr Jonas Fleischer, mit welchem sich Ihr geschätztes Blatt wiederholt beschäftigt bat, den Austritt aus dem Judenlhuin wieder rückgängig machte, demnach wieder Mitglied der' hiesigen Cultusgemeinde ist. — Das Mitglied der israel. Gemeinde- Repräsentanz, Hecx Dr. Gustav Zweig, hat hier eine Advokaturskanzlei eröffnet und ist vom Obergerichte als Rechtsnachfolger der Kanzlei des von der Advokatur zurückgetretenen Bürgermeister Dr. Trieschet bestimmt worden. — Am 16. Jänner starb hier der Kaufmann Herr Moritz Steinschneider nach langwieriger Krankheit, 47 Jahre alr. Das Leichenbegängnis; fand unter großer Theil rahme der gesarmnten Stadtbevölkerung statt; insbesondere ist die von unserem verdienstvollen Seelsorger Herrn Dr. Hofs gehaltene Leichenrede, welche aus alle Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterließ, hervorznheben. Straßnitz, 31. Jänner 1893. Ein Veteran aus der alten Garde der Aerzte wurde heute unter großer Betheiligung der Stadtbevölkerung hieroAs zu Grabe getragen. Es verschied nämlich am 19 d. M der allgemein geachtete unb beliebte praktische Arzt Herr Bernhard Low, der hierorts während 57 Jahre als viel gesuchter Arzt (derselbe war auch Graf Magny'scher Herrschafts arzt allhier), als Gemeinderaty und Obmann des Ortschulrathes sich wesentliche Verdienste, durch seine Ehrenhaftigkeit, Leutseligkeit und viele hervorragende Eigenschaften des Griftes und des Herzens die Liebe und Verehrung Aller, die während seines langen, thatew reichen Lebens mit ihm in Contact kamen, in hohem Maß? sich erworben. Ein beredter Beweis hiefür liefert das soeben abgehaltene ' Leichenbegängniß, das so feierlich und imposant war, wie dies in einer Provinzstadt nur äußerst selten der Fall ist. Es betheiligten sich verschiedene Corporationen, der Bezirksrichter, Gerichtsadjunkt, städtischer Bürgermeister, Herrschaftsbeamten und mehrere Honorationen der Stadt und Gemeinde nebst einem langen Conducte ans allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung und der Umgebung. Bor dem isr. Tempel augelaugt wurde die Bahre niedergestellt, an welcher H. Localrabbiner Feiedmanu dem großen

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