Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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SritL 86 -» »-t*»- - »MM | f» m—.*«. MsttzrnsttzrW. Nr. 6 ALochefort gewohntm eleganten Form: man schlage sich nicht mit einem Diebe, Spiäer und Vergewaltiger von Kindern. Und siehe da: Laur schlug sich nicht. Während aber dieser sich seinen Ingrimm von der Seele telegraphirte, war draußen in dar EouloüZ etwas Entsetzliches passirt. Ein Deputirter gab nichts Geringeres von sich als folgende Aeußerung: „Constans est directeur de la monnaie, parce qu’il a frappö Laar (I’or).“ Drei riesige Corporale der Garde Republicaine, welche in der Nahe auf Posten standen, stürzten bei Anhörung dieser Worte ohnmächtig nieder. Petersburg. (Zur Juden Hetze in Rußland.) Im Jännerhefte des „Journal des Economistes" erzählt der ChefrÄacteur dieser Monatsschrift, Herr G. de Molinari, daß im Jahre 1882, airläßlich der damaligen Judenhetzen in Rußland, der Botschafter in Paris, Fürst Nicolaus Orloff, seiner Regierung ein auch im Drucke erschienenes Memorandrrm überreichte, welchem er folgende Stellen entnimmt: „Sollen alle Juden Rußlands unter einem Ausnahmsrezime belasten werden, oder ist es bester, sie dem allgemeinen Rechte unterzuordnen? Das Gesetz welches den Juden verbietet, sich in den Pwvinzen Großrußlands niederzulassen, beruhte seinerzeit auf politischen Gründen, die heute keine Berechtig» rg mehr haben. Die Judenfrage ließe sich mit größter Leichtigkeit lösen; es würde genüge^ sich an folgende Principien zu halten: Den Juden alle persönlichen und Familienrechte zu gewähren, welche die übngen rustischen Unterthanen genießen; den vom Ausllmde kommenden Juden zu gestatten, sich in Rußland niederzulassen und dort chr Domizil zu wählen, gleich allen übrigen Fremden; all jene Beschränkungen aufzuheben, welche einheimische oder fremde Judm verhindern, Barck oder Handelshäuser in den verschiedenen Theilen des Reiches zu errichten." Fürst Orloff fügt hinzu, er sehe alle möglichen Einwendungen voraus angesichts der Borurcheile, die in Rußland gegen die Juden verbreitet sind, aber er hofft, die Zeit werde dieselben zerstreu«», und er schließt mit dem Ausspruche Guizot's: Es gibt nur eine Wahrheit, und die sie gewistenhaft suchen, finden sie schließlich auch." Obwohl der jchige Nachfolger Orloff's auf dem Pariser Botschasterposten, Baron von Mohrenheim, selbst der Sohn eines jüdischen Arztes, angesichts der neuesten Vorgänge, seiner Regierung ein ähnüches Memorandum zugesendet hat? London, 14. Januar. Die englische Presse enchält den nachstehenden eindringlich« Aufruf der Gesellschaft zur Unterstützung verfolgter Judm, London, 41 Parüament Street": „Nach viertägigein schrecklichen Wetter in Jerusalem, während destm der Regen in Strömen herabfiel und ein wüfhender Orkan durch die Straßen fegte, berichtet Mr. Scott Moncrieff über einen großm, drei Tage anhaltenden Schneesturm. Unter der Ungunst beS Wetters hat sich die Lage der armen Juden, besonders derer, welche in Hütten außerhalb der Stadt wohnen, schr verschlimmert. Biele Familien befinden sich im äußersten Elend. „Ohne Betten, ohne Feuer, ohne Nahrung liegen sie buchstäblich in dem Koth des von dem Regen anfgeweichten Fußbodms." Ein Telegramm vom 6. Januar fügt hinzu: „Biele Hunderte »«hungern. Ich vercheile Mehl und Heizungsmaterial. Sendet, wenn möglich, wöchenllich £ 100. Dieselben sind dringend erforderlich." Wir sandtm in dieser Woche £ 150, davon auf telegraphischen! Wege £ 100, ab und bitten um rveitere Hilfe, damtt das Rettungswerk keine Unterbrechung «- leide. Die Lage der 2000 armm Judm in Jaffa bietet kaum ein befferes Bild dar. Dieselben können, zum Theil in Folge des ungünstigen Wetters, keine Arbett «halten, und um das Elend noch zu vermehren, sind mit dem letzten Dampf« aus Beyrout weitere 60 jüdische Flüchtlinge aus Deinen eingettoffen. An dm Suppenstittionen und anderen Stilen speist und beherb«gt Mr. Scott Moncrieff 691 mittellose Israeliten. F. A. Bevan, E. A. Flynn. WashMAtou. Die Botschaft des Präsidentm Harrisson an dm Congreß behandelt auch in einem Passus die russischjüdische Frage, welche dem Ernst der Berhältniffe entsprechend behandelt wird. Dieser Passus lautet: „Die Regierung hat Gelegenheit gehabt, in freundschaftlicher aber doch sehr ernster Weise der Regiemng des Czaren ihre gegründeten Bedenken gegen die strengen Maßregeln, welche jetzt gegen die Juden in Rußland ins Werk gesetzt werden, zum Ausdrucke zu bringen. Durch die Wiederbelebung judenfeindlicher Gesetze die lange außer Uebung standen, wurde eine große Zahl dieser unglücklichem Menschen gezwungen, ihre Heimstätten und das Reich zu verlassen, da es ihnen nicht möglich war innerhalb des Ansiedlungsgebietes in welchen sie confinirt werden sollen, ihr Fortkommen zu finden. Die Einwanderung dieser Leute nach den Vereinigten Staaten — viele andere Staaten sind ihnen ja verschlossen — hat stark zugenommen und droht Dimensionen anzunehmen, welche es sehr schwer machen dürften, für dieselben ein Unterkommen und Beschäftigung zu finden und den Arbeitsmarkt ernstlich beeinflussen dürsten. Es wurde angenommen, daß mehr als eine Million gezwungen werden wird, Rußland in wenigen Jahren zu verlassen. Der Jude ist niemals ein Bettler, er ist immer dem Grundsätze, das Leben in Arbeit zu verbringen, oft unter schweren und drückenden gesetzlichen Beschränkungen treu geblieben. Es ist auch wahr, daß keine Rasse, Srcte oder Classe sich mehr um die Ihrigen gekümmert hat, als die jüdische Rasse. Aber die plötzliche Verpflanzung einer solchen Menge unter Bedingungen, wrlche geeignet sind, sie ihrer kargen Habe zu berauben und ihre Energie und ihren Muth herabzudrücken ist weder für sie, noch für uns gut. Die Verbannung, sei es durch directen Befehl, sei es durch nicht minder wirksame indirekte. Mittel, von einer so großen Menge von Männern und Frauen ist keine blos locale Frage. Der Befehl ein Land zu verlassen, enthält nach der Natur der Dinge den Auftrag, in ein anderes zu gehen. Diese Erwägung, wie auch der Gedanke der Humanität, bieten hinlängliche Gründe für die Vorstellungen^ welche wir Rußland gemacht haben, während unsere historische Freundschaft für diese Regierung eine Gewähr dafür bieten, daß unsere Vorstellungen nur wohlgemeint sind. Vmmscktes. Wie«. (Trauungen.) An 24. Iinner 1392 wirden getraut: Im Tempel der inneren Stadt: Herr Jgnr; Barcheles mit Fräulein Julle Neuberger; Herr Alois Deutsch mit Fräul. Therese Neumann. Im Bethaus des IX. Bezirkes: Herr Samuel Josef Wechsler mit Fräul. Hanni Ehrenfest. Religionsprofessor und Gerichtsdolmetsch Dr.M. Kanitz hat sich mit Fräulein Ella Müller, Tochter des Kaufmannes Heinrich Müller in Wien verlobt. Der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. S. Popper, hat sich mit Fräulein Jenni Schiff, der Tochter des Präsidenten des Creditorenvereins, kaiserlichen Rath Mar Schiff, verlobt. Wie» (Pattiotische Kundgebung.). Der „Israelitische Humanitäts-Verein im X. Bezirke", gegründet vor fünfzehn Jahren von Herrn A. Süß und Gesinnungsgenossen, leistet seitdem in Krankenpflege und „letzte Ehre" bei jüdischen Armen dort viel Gutes. Der dermalige Vorstand, die Herren David Weiß, A. Süß, Heinrich Liechtenstein und Emanuel Schidrowitz beschloß weiter, alljährlich eine Gedenkfeier für die im abgelaufenenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder abzuhalten. Dies« pietätsvolle Beschluß wurde am 17. b. M. um V25 Uhr Abends im Bethause im X. Bezirke zum erstenmale und zwar mit weihevoller Widmung an die erlauchten Verstorbenen aus dem Kaiserhause ausgeführt. Das Bethaus, dicht gefüllt, machte einen feierlichen Eindmck. Cantor Herr Adolf Hornitzer mit seinem Ehore, am Harmonium von seinem Sohne begleitet, sang einen Trauerchoral mit kräftiger wohlklingender Stimme. Der dortige Prediger, Herr D. Löwy beleuchtete in schöner Rede die heilsame Wirksamkeit dieses Vereines. Die Bedeutung der heutigen Trauerfeier, die ihre Thätigkeit beginnt mit tief-schmerzlichen Erinnerungen an die schweren Prüfungen, die Gott unserem allgeliebten Kaiserhause auferlegte und gedachte unseres verewigten