Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020905--01087-3025108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 Oestrrreichifche Wochenschrift rathes hat auf den 28. die Generalversammlung ausgeschrieben — nun habe nichts mehr dort zu thun, erkläre ihm aber nichtsdestoweniger als gläubiger Christ den heiligen Krieg und steht ihm der Weg nach dem heiligen Land offen. Möge er dort am Tempelbau anfangen und am Altar die Worte Offenbarung Johannes, Cap. 6. Vers 9—11 eingraviren, denn hätte diese Bank mir auf meine Anfrage die Wahrheit geschrieben, wäre ich heute nicht im Fall, eine so betrübte Weihnachtne feiern zu müssen. Verzeihen Sie werther Herr, daß ich Sie mit einer Sache belästigt, die Sie nicht betrifft, doch wollte die Karte gem voll machen. — Genehmigen Sie meine hochachtungsvollen Grüße. — Ihr geringer — nunmehr ein Antisemit — Dem neugebackenen Antisemiten wird es ein Trost sein, zu erfahren, daß Herr Hermann Weiß Christ und zwar weder getaufter Jude noch von jüdischer Abkunft ist. Frankfurt a. M. In Nr. 1 der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschien kürzlich ein Artikel, der die Antwort auf eine demselben Blatte kurz vorher eingesandtc Eorrespondenz sein sollte, aber alles eher, als dieses war. Denn anstatt dem Verfasser obigen Artikels in sachlicher Weise zu antworten, anstatt seine Ausführungen zu widerlegen, was der Anonymus, nicht vermag, wagt er es, Angriffe gegen die vom Herrn Rabbiner Dr. Horovitz gegründeten Anstalten zu machen, was uns zu einer Erwiderung zwingt. Wir können nimmermehr glauben, daß der Einsender den betreffenden Artikel richtig aufgefaßt hat, sonst hätte er nothwendig finden müssen, daß der Verfasser jenes Artikels in einem ganz anderen Lager zu suchen sei, als in dem, in welchem er ihn vcrmnthet. Versuchen wir nur kurz, die Ausführungen des Artikels zu widerlegen und richtigzustellen. Nicht junge Leute, bilden das Auditorium des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz, sondern hauptsächlich deutsche Jünglinge, die, überzeugt von der schweren Aufgabe, welche heutigentags ein deutscher Rabbiner zu erfüllen hat, nach Absolvierung des Abiturienteneramens sich vor allem eine gründliche Kenntniß des jüdischen Schriftthums zu verschaffen suchen, um sich dann die für die heutige Zeit nur zu wichtige allgemeine Bildung anzueignen. Und nicht vielversprechende Annoncen haben sie herbeigerufen, nicht hat sie die Aussicht auf auskömmliche Versorgung angelockt, sondern einzig und allein der Ruf des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz und die persönliche Empfehlung keines Geringeren, als des Herrn Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer, dessen Autorität dem Herrn Au. wohl genügen wird. Was diese jungen Leute erstreben? Nichts mehr und nichts weniger, als den Anforderungen voll und ganz zu entsprechen, die in % 34 der Statuten der „Israelitischen Religionsgesellschaft" an einen Rabbiner gestellt werden. Der Anzustellende muß nämlich „von gediegener allgemeiner und speziell jüdisch wissenschaftlicher Bildung, insbesondere aber ein gründlicher Kenner der biblischen, talmudischen und rabbinischen Schriften älterer und späterer Zeit sein, die das in der Religionsgesellschaft sanktionirte religiöse Grundgesetz bilden u. s. w. u. s. w." Auch die in diesem $ wie irr § 32 verlangten pädagogische» Kenntnisse sich zu erwerben ist das Streben dieser jungen Leute, denn es ist unbedingt erforderlich, daß ein Rabbiner zum mindesten den Religionsunterricht in seiner Gemeinde voll irnd ganz in Händen hat und zu leiten versteht. Was all die zahlreichen anderen Zuhörer des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz anbelangt, hat auch nicht ein einziger jemals darnach gestrebt von Anderswo Belehrung zu empfangen. Andererseits sind die Zuhörer des Herrn Dr. Breuer in Nr. 48 hinreichend geschildert worden zumal der rühmend erwähnte Sechssemestrige bereits nach einigen Tagen Frankfurt und der neuen Jeschibah den Rücken gewandt hat, ein anderer jedoch, der schon mehrere Jahre bei Herrn Dr. Breuer gelernt hatte, sich vor einigen Tagen an Herrn Rabbi Dr. Horovitz wendete, von dem er jedach» wie nicht anders zu erwarten war, zurückgewiesen wurde, um dann wieder in die Breuer'fche Jeschibah einzutreten. Auch über die Auffindung des erwähnten Schriftstückes im Gemeindearchiv ist der Einsender nicht genau unterrichtet. Denn es hat dasselbe mit der Eröffnung der neuen Jeschibah nichts zu thun. Andererseits spricht die Bemerkung, daß eine Religionsschule ein möglichst zu vermeidender Nothbehelf sei, nicht von einer sehr großen Sachkenntniß auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes und hätte der Herr Einsender diese Aeußerung sicherlich nicht gethan, wenn er mit der Einrichtung genanuter Religionsschule nur einigermaßen bekannt wäre, und von den Erfolgen, die dieselbe aufzuweisen hat, auch nur die geringste Ahnung hätte. Sapienti sat. Berlin. Das „Antisemitische Volksblatt" des Reichstags-Abgeordneten Werner kritisirt einen Theil der Parteigenossen in der folgenden charakteristischen Weise: „Ein Antisemitismus, in dem die Engherzigkeit, Großmäuligkeit und Beschränktheit Trumpf sind, kann zum Teufel gehen. Ehe gewisse Elemente in der antise¬ Seire 85 mitischen Bewegung nicht lernen den Mund halten, einfach Ordre zu pariren und sich in die subalterne Rolle zu schicken, welche ihnen die Natur auf ihre Ges ichter geschrieben hat, kömmt man nicht richtig vorwärts. Ein wohlgepstegter Schnurrbart mag die Zierde des Mannes sein, die schönste Zierde des Antisemiten liegt drei Zoll höher." Jeder dieser braven Leute Wird vom Andern abgethan! Paris (Der Tag der Ohrfeigen.). Man schreibt aus Paris vom 20. d. M.: In den Couloirs der Kammer, die übrigens am heutigen sitznngslosen Tage ziemlich vereinsamt waren, hielt man die Nachlese der gestrigen großen Ereignisse. Es war insbesondere die Frage auf der Tagesordnung, welche der drei gestrigen Ohrfeigen die schönste gewesen sei. Die Frage führte nicht, wie man vermuthen könnte, zu einem neuen Conflicte; denn man einigte sich bald dahin, daß der Preis derjenigen zuzuerkennen sei, welche der Journalist Vampze dem Boulangiften Boudeau dargereicht habe. Der Schauplatz derselben war das Vestibüle; aber sie klatschte derartig, daß man sie durch den ganzen, mit lärmenden Menschen erfüllten Saal der Pas Perdus hindurch bis an den Eingang des Sitzungssaales hörte. Welche schöne und gediegene Leistung! Und wie schön es ist, daß der Mann, der sie hervorgebracht, gerade den Reihen der Presse angehört. Die Discussion, welche zu diesem packenden Abschluß geführt, entzieht sich der Berichterstattung. Allerliebst soll auch die „gifte“ gewesen sein, die der Vater Delpech dem Boulangiften Castelin ausfolgte Es war ein Hieb mitten auf die Nase. Und dem Betroffenen war die Sache so neu, daß er sich sofort mit der Hand ins Gesicht fuhr, wie um die erhaltene Mrulschelle herunterzuholen und näher anzusehen. Was die im Range höchste, die ministerielle Ohrfeige anbelangt, so gehen die Ansichten sehr auseinander. Einig ist man nur darüber, daß sie aus zwei Theilen bestand. Umstehende behaupten, es seien zwei Hiebe mit geballter Faust gewesen. Der eine fuhr in den Hals oberhalb des Kragens, der andere auf die Wange. Es wäre bei den zweien sicher nicht geblieben, denn der Arm des Ministers war in Schwung und hätte noch lange weitergedroschen, aber er wurde von mehreren Händen auf ein Mal festgehalten. Laur benahm sich ziemlich gefaßt, was. sehr natürlich ist, wenn man bedenkt, daß 'eine lange politische Earriöre ihn an das Geohrfeigtwerden gewöhnt hat. Statistiker geben die Zahl der Hände, welche auf Laur's Wangen zu dessen Thaten Beifall geklatscht haben, auf fünf an, meinen aber vorsichtig, das seien nur die öffentlichen gewesen. Derselbe Statistiker mit Bezug auf die schönen Redensarten, der von dem Empfänger einer kräftigen Ohrfeige sagt: „ü a vu 36 ehandelles”, rechnete aus, daß Laur 72 Kerzen auf ein Mal gesehen habe, was kein kleiner Beleuchtungseffect gewesen sein muß. Im Augenblicke, wo er den Ritterschlag auf die Backe empfing, hatte er die kühne Idee, ein Lexikon, das er in der Hand hielt, nach dem Minister zu schleudern. Das Geschoß stog natürlich nach einer Richtung, wo in diesem Augenblicke alles Andere war, nur kein Minister. Es fuhr über den Kopf von Dreyfus weg, der sehr klein ist, und blieb hinter diesem an dem Gesichte des sehr hoch gewachsenen Drputirten Mir hängen. Laur stürzte hierauf — nicht auf Constans, o nein, sondern nach einem viel weniger gefährlicheren Punkte, in die Bibliothek. Dort nahm er das Reglement zur Hand und durchblätterte dasselbe »eifrig, um zu sehen, ob darin nicht eine Strafe stände, die er gegen den bösen Constans verlangen könne. Nach fruchtlosem Suchen setzte er die Serie seiner muthigen Streifzüge fort und begab sich ins Telegraphenbureau, -wo er seinem Freunde Rochefort mittheilte, er sei geprügelt worden. „Hau' mich noch ein Mal, dann sag' ich's meinem großen Bruder!" Das denkwürdige Domment schloß mit den Worten: „Was soll ich thun? Soll ich mich schlagen? Man begreift diesen Zweifel des edlen Mannes. Denn indem er jemanden Anderen ftagte, hatte er die Chance, daß ihm dieser abrathen würde. Diese Chance traf ein rrnd die Abmahnung erfolgte in der bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.