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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5 Oestrrrrirtzischr Wochenschrift. Seite 93 Die „Oberschlesische Volkszeitung" Organ der katholischen Centrumspartei in Deutschland, schreibt: „Die Vertreter des katholischen Volkes, unsere allverehrten Centrumsabgeordneten, werden sich nie herablassen, zu der elenben Krücke des Antisemitismus zu greifen. Wenn österreichische Katholiken in dieser Krücke ihre einzige Rettung erblicken, so muß diese Verirrung sehr bedauert werden. Noch trauriger ist es, daß sonst bedeutende Katholiken in Oesterreich sich — um des Antisemitismus willen — zur Opposition gegen die Handelsverträge verleiten ließen und dadurch der Regierung den schärfsten Vorwand geben, sich von solcher politischen Unfähigkeit abzuwenden und verläßlichere Stützen zu suchen. Haß ist unsnlchtbar — selbst dem Feinde gegenüber. Nicht antisemitische Agitation, sondern eine wahrhaft christliche, positive Politik thut uns noth, hüben wie drüben. Cs ist jedenfalls sehr bedeutungsvoll, wenn die citirte Conespondenz die obige Auslassung der „Oberschlesischen Volkszeilung" abdruckt und ein Beweis, daß es noch conservative Kreise gibt, die den Antisemitismus nicht billigen. Wien, (M e d i c i n i s ch e r S t u d e n t e n - U n t e rst ü tz u n g s - V e r e i n.) Die Vorgänge in der am letzten Freitag stattgehabten Studentenversammlung haben erkennen lassen, daß eine gemeinsame Action der Mediciner unserer Universität zur Reorganisirung des vor Jahren aufgelösten Unterstützungs-Vereines nicht durchführbar ist. Die antisemitischen Studenten waren es seinerzeit, die den Anstoß zur Auflösung des alten Vereines gegeben haben, sie verhindern auch seine Neubelebung. In der erwähnten Versammlung übten sie einen solchen Terrorismus, daß es ohne das Dazwischenkommen des Prodekans sogar ztl Tätlichkeiten hätte kommen müssen, daß die jüdischen Studenten es aber auch sattbekommen haben mit den Herren weiter zu verhandeln. Gleichwohl muß etwas geschehen, denn es geht ja doch nicht an, daß wegen der Unduldsamkeit einer Clique die mittellosen Studirenden der Wohlthaten einer mit den vorhandenen Fonds leicht wiederzuermeckenden Institution verlustig gehen und hungern sollen. Von dieser Erwägung geleitet, hat sich eine Agitation, an deren Spitze der akademische Verein „Kadimah" steht, gebildet, um einen Unterstützungs-Verein für jüdische Mediciner aller Länder an der hiesigen Universität zu schaffen. Man erhofft von der Gerechtigkeit des akademischen Senates, daß er diesem neuen Vereine jenen Theil des im gerichtlichen Depot befindlichen Fonds von 30.000 fl. zuweisen werde, der dem Verhältniß der jüdischen Mediciner zur Gesammtzahl aller an der medicinischen Fakultät Studirenden entspricht. In diesem Sinne erscheint heute am schwarzen Brett der Universität folgender Aufruf: „Jüdische Commilitonen! Der akademische Verein „Kadimah" fordert die in Wien studirenden Mediciner aller Länder auf, behufs Gründung eines „Unterstützungs-Vereines für jüdische Mediciner" zu einer berathenden Versammlung Samstag, den 30. d. M. in Robitschek's Restaurant, 1. Bezirk, Wipplingerstraße 47, präcise 3 Uhr Nachmittags zu erscheinen. (Auskünfte: 9. Bez., Mullergassc 13, Parterre.)" Budapest, 25. Jänner (Die Recipirung d er jüdischen Confession.). Eultusminister Graf Csaky, der in Temesvar, wie gemeldet, eine jüdische Deputation in Angelegenheit der Recipirung der jüdischen Religion empfing, erklärte derselben gegenüber: Die von ihr verlangte Gleichberechtigung ihrer Religion werde bei ihm, da er ein Liberaler sei. auf keine Schwierigkeiten stoßen, und dies umsoweniger, als die Juden durch ihren Patriotismus, ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten längst die Grundlage geschaffen haben, auf welcher fußend sie die gesetzliche Gleichberechtigung ihrer Religion fordern können. Er halte die gesetzliche Jnarticrllirnng dieser Gleichberechtigung nur für eine formelle Sache, welche nur dann einen wirklichen Werth und eine entsprechende Wirkung haben werde, wenn sie gesellschaftlich angemessen vorbereitet ist. Er wisse übrigens, daß für die gesetzliche Jnarticulirung der Boden bereits vorbereitet sei und die Lösung der Aufgabe auf keine Schwierigkeiten stoßen werde. In einem für die jüdisch-culturelle Zeitung „Egyenlöstzg" geschriebenen Artikel des, seinem reformirten Glauben treu anhängenden jungen Dichters Arpüd Zempleni, begrüßt dieser die von den ungarischen Juden jetzt angestrebte Recipirung ihrer Religion sehr sympathisch und sagt darin bei Gelegenheit über den Antisemitismus noch Folgendes: „Als ich das Collegium zu Süros-Patak (reformirle Hochschule) besuchte, war der berechtigte Tißa-Eßlarer Proceß an der Tagesordnung. Damals lernten wir gerade die Geschichte der Inden. Unendlich verwunderte ich mich darüber,' wie es möglich sein kann, daß wir uns für die alten Juden begeistern, die neuen aber vertreiben wollen: in der Kirche singen wir die Psalmen Davids, hörten über die erhabenen (Gedanken Jesaias eine heilige Predigt und nach der Kirche lasen wir die „13 Flugschriften" Jstoczys. Die ganze Basis unserer Seele, unserer Moral ist jüdisch; wir sind mit jüdischen Ideen, mit jüdischen Satzungen, mit jüdischen Traditionen saturirt, und dennoch treiben wir Antisemitismus? Ein offenbarer Vatermord. Wir könnten es wohl begreifen, wenn der Chinese mit dem Juden hadert, da ihre Religionen wirklich sehr divergiren — allein, daß Christ und Jude, der Stamm und das darauf gepfropfte Reis mit einander streiten sollen, das ist eine naturwidrige Sache, einer jener menschlichen Fehler, welchen wir noch am Kreuze verzeihen müssen, denn die Betreffenden wissen nicht was sie thun. Wahrhaftig derjenige lügt, lügt schändlich, der da sagt, daß er ein Christ und Antisemit ist. Cr verleugnet den Grund des Christenthums, die Menschenliebe, wer den Haß gegen wem immer verkündet: und gar derjenige, der die Confession beledigt, welche zugleich mit ihm einen Gott, eine Vergangenheit, eine Tradition verehrt. Solange Ungarn christlich bleibt, solange muß das Judenthuni hier immer brüderliche Liebe finden. Ein Christ darf dem Juden nicht verwehren, daß dieser in demselben Maße die Seelenfreiheit genieße, wie er sie genießt. Diese Bewegung wird triumphiren. Ungarn muß beweisen, daß es ein aufgeklärtes Land und gut christlich ist: und dies kann es nur so beweisen, wenn es die Reception gesetzlich inarticulirt. Dagegen kann unter uns gar keine Reaction entstehen: besonders dann nicht, wenn das Auftreten der Juden ein solches sein wird, das der hie und da schlummernden Böswilligkeit imponiren und die gutgesinnte Majorität zur That aneifern wird. Mit lauem Opportunismus kann man aber die Sache todtschlagen. Wer fürchtet, wer nicht wagt, von dem könnte man glauben, daß er nicht im Rechte ist." Sz. G-. V. Naab. Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Zonen-Königs Minister Gabriel B a r o ß in Raab hielt Obenabbiner Dr. Julius Fischer an der Spitze einer Deputation der vereinigten Raaber tmd Raab-Szigeter isrl. Cultusgemeinde an demselben eine herzliche Ansprache. S. Excellenz der Herr Minister erwiderte: „Empfangen Sie meinen besten Dank für das Erscheinen der Deputation Ihrer vereinigten Cultusgemeinde. Ich freue mich außerordentlich der ungemein schönen Worte des geehrten Redners, sowie des inneren Gehaltes derselben; denn solch schöne Worte, solch kernige Gedanken, hatte ich in der That selten Gelegenheit zu vernehmen. Ich bin überzeugt, daß eine Gemeinde, deren Führer ein solcher Priester ist, nur patriotisch gesinnt sein kann und auch ferner gedeihen wird. Geehrte Herren! Ich will Ihnen meinen Standpunkt klar dar stellen. Ich achte hoch Ihre Religion und bewundere und liebe Ihre Race. Und was Ihr Bestreben anbelangt, mögen Sie zur Kenntniß nehmen, daß ich auf dem Boden der vollkommenen Gleichberechtigung stehe, und kann, was selbstverständlich ist, Ihre Bemühungen zu Gunsten unserer Nation sowie ihrer Confeffion nur fördern. Empfangen Sie nochmals meinen besten Dank und aufrichtigen Gruß." — Prag, 19. Jänner. (Ein Fragezeichen.) Das hiesige von katholischen Geistlichen redigirte Blatt „Cech"

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