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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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<L>yte 82 Vryrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 8 der auf einen Donnerstag fiel, veröffentlichte das „Deutsche Bolksblatt" folgende durch eine weihevolle Stylistrung ausgezeichnete Proklamation: „An unsere geehrten Abnehmer der dreimaligen Ausgabe. Da nächste Woche der Prozeß des Ehepaares Schneider beginnt und von Montag bis inclusive Samstag dauert, ersuchen wir diejenigen Abnehmer obiger Ausgabe, welche während dieser Zeit auf die täglichen Blätter reflectiren, um eheste (!), diesbezügliche Mittheilung." Was für Leute müssen die geehrten Abnehmer der dreimaligen Ausgabe sein, daß man sie mit einem solchen Kauderwelsch anredet. Zum Verständnis; für weitere.Kreise sei Folgendes bemerkt. Es gibt genügsame Leser des „Deutschen Volksblatt", welche denken: Abgestandenes Sauerkraut, dreimal in der Woche, damit mag es sein Bewenden haben. Das „Deutsche Volksblatt" aber, mit weitschanenden Augen sagte sich, daß die gechrtcn Abnehmer der dreimaligen Ausgabe, an dem Mordprozeß des Ehepaares Schneider, besonderes Wohlgefallen finden könnten. In der letzten Woche des Januar gab es in der Küche des „Deutschen Volksblatt" nicht nur Sauerkraut, sondern Sauerkraut mit G'selchtem. Angelocktvon diesem Extragenusse, hoffte das „Deuffche Volksblatt", könnten die geehrten Abnehmer der dreimaligen Ausgabe, sich in geehrte Abnehmer der siebenmaligen Ausgabe verwandeln, selbstverständlich nur für eine Woche und so lange das G'selchte aushält. Stolz?, kühn? Hoffnungen, aber wer weiß, ob ihnen Erfüllung geworden. In dem kleinen Aufruf an die Leser, der die deutsch: Sprach: selber als gemordetes Dienstmädchen erscheinen läßt, ist ein großes Geständniß niedergelegt. Es ist darin aufs Deutlichste ausgesprochen, daß die anttsemitischen Hetzartikel auch nicht mehr ziehen und daß es viel praktischer ist, zu Sensationsprozeffen seine Zustucht zu nehmen. Die geehrten Abnehmer des „Deutschen Volksblatt" müffen bei Jahresende in hinreißender Zahl ausgeblieben sein und wahrscheinlich hat das „Deutsche Volksblatt" selber abgenommen. Als uns beim ersten Blick aus die Proklamation des „Deutschen Bolksblatt" der Name Schneider entgegenleuchtete, da dachten wir mit Rücksicht auf die Mission der dreimaligen unb siebenmaligen Ausgabe im Dienste des deutschen Volksthums, der Jungczechen und der französischen Ohrfeigenpartei, das kann nur der große Schneider sein, der Abgeordnete von Simmering, berühmt durch seine Briese, Stampiglien, Stimmzettelmanipulationen, der Leibbursche des Prinzen Liechtenstein. Aber der große Schneider zieht nicht, er füllt keine Woche und selbst, wenn man den Prinzen Liechtenstein dazu addirl, so kann man die dreimaligen Abnehmer nicht in siebenmalige Abnehmer verwandeln. Wir fühlten uns enttäuscht; „alsdann"chas „Deutsche Volksblatt spricht von einem ganz anderen Schneider, der beretts vor Gericht steht. Haben wir denn noch länger die Hebung und Läuterung der Presse zu erwarten, welche das „Deutsch: Volksblatt" vollbringen sollte? Zu diesem Zwecke also wurden die Judenblätter bekämpft, wurde das „Deutsche Volksblatt" gegründet, damit das Partei-Organ hinabsteige in die bluttge Lache des Schneider'schen Prozesses, um vermöge dieses letzten Mittels Abnehmer herbei zu rufen. Im Bureau des „Deutschen Volksblatt" wird jetzt das Wort „Abnehmer" conjugirt. Der Chef fragt: „Wurde uns das abgenommen?" Der Administrator antwortet: „Nichts wurde uns abgenommen, aber wir haben abgenommen". Wie». Man schreibt der „Sonn- und Montags-Zeitg." „Das „Deutsche Volksblatt", welches täglich zweimal in dem Kellerraum seiner Nummern „K a u f t n u r bei C h r i st e n" einschaltet, hat jetzt einen neuen Gönner in der Person des Herrn A. Herzmansky gesunden, welcher in der Mariahilferstraße ein Modewarengeschäft besitzt und dessen Kunden sich bekanntlich ziemlich stark aus der jüdischen Damenwelt recrutiren. Herr Herzmansky gibt diesem Blatte seit einiger Zeit Annoncen, vielleicht aber noch mehr. Bei dieser Gelegenhett möge dem „Deutschen Volksblatte" vor Augen geführt werden, daß sich im Herzmanskyhofe, also im selben Hause, ein Schneiderzugehör-Geschäft besindet, unter der Firma: „M. Mertens." Dieses gerieht vor acht Tagen in Concurs und da zeigte es sich, daß eine Frau Marie Mertens die Inhaberin ist. Das „Deuffche Bolksblatt hätte, wenn diese zufällig eine Jüdin gewesen wäre, gewiß geschimpft und gewettert. — Die Unterstützung, welche Herr Herzmansky großmüthig Herrn Vergani gewährt, verpflichtet düsen „moralisch" zur Gegenleistung, die darin besteht, daß die Firma „Gerngroß" im Antisemitenorgan geschmäht und verläumdet wird. Eine Hand wäscht die andere. Der Antisemitismus ist derart ein Kampfmittel gegen eine unbequeme Concurrenz Kann utan dem Kunden nicht bessere oder preiswürdigere Waaren bieten, so erhält er dafür — christliches Bekenntniß und arische Abstammung, und das wird auch anderwärts practicirt. Eine antisemitische Uhrenfirma I. Karecker in Linz versendet ein Jnseratenflugblatt, mit welchem der gute Herr sich als „reellste und billigste Bezugsquelle" preist und vor „jüdischen Schwindel-Annoncen" warnt. Der gute Arier will ebenfalls mit Hilfe antisemitischer Phrasen seine Uhren leichter an den Mann bringen. Wir wollen dem Manne gewiß nicht zu nahe treten, allein das Schimpfen auf die Juden zum Zwecke der Ncclame erinnert an die Biedermänner der M ttelstraße, welche mit ähnlichen Lockrufen das Volk begaunerten. Erfahrungsgemäß haben alle antisemitischen Firmen schmählich Schiffbruch gelitten. Alle haben sich nachträglich beeilt, die antisemitische Gesinnung öffentlich zu verleugnen. Vielleicht wird noch Herr Karecker uns eine Zuschrift senden, er sei gar kein Antisemit und er habe das Schimpfen über die jüdische Concurwenz, blos zum Spaße versucht. Wien. Zu den vielen, ebenso geistwie geschmacklosen Witzen, welche unsere Antisemiten sich über die Juden erlauben, gehört es bekanntlich, sich über gewisse Familiennamen luftig zu machen. Bildung ist bekanntlich ein unnützer Ballast für diese Herren und wenn dieselbe auch die eigene Muttersprache betrifft und so ist es nur eine Folge dieser Ignoranz, wenn diese traurigen Lustigmach'r auf diese Namen als semitische Hinweisen, während sie thatsächlich gut „teutsch" sind, keineswegs um Revanche zu nehmen, sondern nur um darzuthun, daß auch nichtsemitische Familiennamen komischen Kalibers existiren, veröffentlichen wir nachstehende Notiz. Die arischen Träger dieser Namen, sind natürlich ebenso unschuldig daran, wie die semitischen. Ein Geschichtsforscher war es, der es sich angelegen sein ließ, alle bei seinen historischen und fachwissenschaftlichen Studien ihm auffallenden Namen von großer Seltsamkeit zu notiren und da ist nun allerdings ein komisches Sammelsurium zum Vorschein gekommen. So gab es im 14. Jahrhundert in Leipziz eine Familie Puternase, bald nachher daselbst einen Holzförster Kalbsmaul und einen Fleischermeifter Puckelwartze. Dann findet sich 1419 Magister Blauloch und 1423 Kürschnermeister Huppelfrosch, 1470 Kaufherr Hundepürzcl. Ferner lebte 1481 in Bautzen Paul Allerleygeld; Jacob Bierbauch war 1521 Rathsherr in Artern; Georg Eyerkuchen 1555 in Sudhausen; Joachim Gernegroß 1518 Rathsherr in Sangerhauscn; Hans Haushahn 1519 ein Bauersmann; Jacob Hundebiß 1699 Bürger in Dresden; Christian Kitzkatz 1544 Candidat in Nebra; Diettich Küchenschwein 1790 in Halle; Hans Meerrettig 1752; Hans Narr 1666 in Gotha; Barthel Quark in Hillersdorf 1520; Karl Raupennest 1539; Hans Schweinsrüssel 1508; Lorenz Sauttog, in Weißensee 1586; Jacob Schafkopf, Rathsherr in Halle 1482. Weiters finden sich die Bauersleute Gänsepfote, Flegel, Puff, Rollschopf, Schwarznase, Freßschnabel. Wien. (,,Ein Urth eil über Antisemitismus") Unter dieser Spitzmarke veröffenllicht die seit einiger Zeit hier erscheinende „Conservative Correspond e n z", der man sehr innige Beziehungen zum Club der Conservattven des Abgeordnetenhauses nachrühmt, nachstehende Notiz:

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