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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-22 · 4 (22.1.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
4 (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 66 ^orresMämLM. Wien (Der neue „rituelle Mord" des „Deutschen Volks blatt.") In drei Artikeln beschäftigt sich das „Deutsche Volksblatt" mit dem angeblichen „rituellen Mord," der in der rheinischen Stadt Xanten verübt worden sein soll. Hiemit hat es folgende Bewandtniß: In einem Straßendurchgange der Stadt Xanten wurde die Leiche eines ermordeten Knaben gefunden. Den Verdacht der Thäterschaft lenkten die Antisemiten auf einen jüdischen Schächter, der in Untersuchung gezogen, aber-, da Staatsanwaltschaft und Strafkammer ihn nicht altsreichend belastet fanden, wieder außer Verfolgung gesetzt wurde. Der Thäter ist bisher nicht ermittelt, obgleich ein Berliner Criminal-Beamter zur Mithilfe bei den Nachforschungen an Ort und Stelle entsendet war. In der a ntise mi t isch e n Preye conservativer und clericaler Abart ist nun seit einiger Zeit mit großem Lärm die Behauptung colportirt worden, nicht nur, daß der jüdische Schächter der Mörder sei, sondern auch daß ein „Ritualmord" vorliege. An die Version von den „Ritualmord" aber wird die schmähliche Verdächtigung gegen die preußische Rechtspflege geknüpft, es sei auf unlautere Einflüsse zurückzuführen, daß der Schächter nicht vor die Geschwornen gestellt worden. Es ist nun zwar, wie die National- Zeitung bemerk, kein erhebendes Zeichen der Zeit, daß derartige Ausstreuungen eine besoildere Untersuchung seitens des Justizministers nochwendig erscheinen lassen, aber unter den obwaltenden Umständen wird sie nützlich sein, indem der Werth jener Insinuationen festgestellt wird. Gegenüber den schamlosen Lügen der Antisenliten bemerken wir heute nur: 1) daß die jüdische Gemeinde in Xanten es war, welche in einem Gesuche an den Minister des Innern die Entsendung eines gewiegten Berliner Criminal- Commissärs erbeten und die Kosten dafür (700 M.) getragen hat; 2) daß Cnminal-Commifsär Wolf, dessen Untersuchungen durch Juden freu n dlichke it keineswegs beeinflußt wurden, nicht die Anklage auf Mord, sondern auf fahrlässige Tödtung construirt hat: 3) daß unmittelbar nach der Ermordung des Knaben H eg e l m a nn in Xanten und Umgebung Flugblätter verbreitet wurden (ein Exemplar befindet sich in unserem Besitz), welche die Juden des Mordes bezichtigten und dieselbe bildliche Darstellung des „rituellen Mordes" enthielten, wie die z. $. in Tißa-Eßlar, Skurz und Korfu verbreiteten Schandschriften. Wie«, 18. Jänner. Der „Pol. Corr." aus Petersburg zukommende Nachrichten aus den vom Nothstande heimgesuchten Provinzen lauten sehr betrübend. In vielen dieser Gegenden ist in Folge der unzureichenden Nahrung oder gar des völligen Mangels derselben sowie unter dem Einflüsse der elenden schmutzigen Wohnstätten der nothleidenden Bevölkerung die Typhus-Epidemie neuerdings in größerem Umfange und mit erhöhter Intensität aufgetteten. Als bezeichnendes Beispiel dieser ttaurigen Zustände kann die Thatsache angeführt werden, daß z. B. in Kasan die Zahl der vom Typhus Befallenen in solchem Maße angewachsen ist, daß die Betten in den Spitälern sich als unzureichend erweisen. Viele dieser Unglücklichen müssen daher auf dm Dielen liegen. Eine der traurigen Folgen des Nochstandes wird der Mangel an Pferden für Feldarbeiten im Frühjahr bilden. Im Hinblicke darauf hat dass unter dem Präsidium des Großfürsten-Thronfolgers stehende Hilfscomite beschlossen, 10.000 Pferde ankaufen zu lassen, welche der bäuerlichen Bevölkerung dernochleidenden Provinzen im Frühjahr unter noch festzustellenden Bedingungen zur Verfügung gestellt werden sollm. Einenr Petersburger Privatbriefe zufolge nehmen die Hungersnoch und der Hungerchphus in den Gouvernements Kasan, Ssimbirisk, Ssamara und Ssaratow einen immer größerm Umfang an. In mehreren Kreisen dieser Gouvernements wüchet der Hungerchphus ärger als während des Krimkrieges. Sämmtliche Lazarethe find überfüllt. Nr. 4 In der Stadt Perm, dem Hauptorte des gleichnamigen Gouvernements, wüthet der Typhus in furchtbarer Weise. Binnen drei Tagen find im dortigen Spitale fünf Aerzte, neunzehn Bedienstete und einundfünfzig Patienten gestorben. Ebenso sind der G ef än g n i ßw ärt er, der Ge f än g n i ßarz t und einundreißig Gefangene an Typhus gestorben. Dabei ist Rußland.-jetzt. Tag für Tag der Schauplatz der greulichsten Mordthaten. Der Berichterstatter des „Daily Chronicle" in St. Petersburg berichtet den folgenden furchtbaren Racheact, welchen ein Bewohner des flachen Landes im Gouvemement Tula an einen Konkurrenten, der, wie er, einen Laden besaß, ausübte. Der Unmensch steckte das Haus seines Konkurrenten um Mitternacht, als alle Insassen schliefen, in Brand. Die Thüren hatte er von Außen verrammelt und die Wände mit Petroleum bestrichen, so daß jedes Entkommen unmöglich war. Drei Frauen und sieben kleine Kinder kamen in den Flammen um Der Verüber dieser Greuelthat war an den Bettelstab gekommen. Einige Tage, ehe er die Brandstiftung beging, hatte er seinen wohlhabenden Nachbarn um ein Stück Brod gebeten, aber keines erhalten. Aus Warschau meldet man: Im Dorfe Kielocin, Gouvemement Wolhynien, wurde ein wohlhabender jüdischer Schänker, Szmierels, Nachts sammt seiner Familie, im Ganzen aus sieben Köpfen bestehend, von Bauem angeblich aus Religionshaß ermordet. Die Mörder wurden von der Gensdarmerie ergriffen. Ein Moskauer Telegramm der „Köln. Ztg." meldet, die dortigen und Petersburger amtlichen Kreise bestätigten das Gerücht, daß auf der Moskau-Rjaesaner Bahn jüngst eine Mine gelegt worden, um den aus Livadia zurückkehrenden Czaren in die Luft zu sprengen. Die Petersburger Polizei entwickelt eine außerordentliche Thätigkeit, um den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Budapest, 17. Jänner. Die heutige Rede des Grafen Julius Andrassy in der Versammlung der liberalen Wähler der Theresienstadt enthält unter Anderm folgenden Passus: „Bezüglich der religionspolitischen Ziele müsse er darauf Hinweisen, daß einer der edelsten Züge der Ungarn stets der der Toleranz gewesen. Der edelste Charakterzug des Ungars war immer, daß er sich in erster Reihe als Ungar fühlt, erst nachher als Katholik oder als Protestant. Die Hauptaufgabe der Religionspolitik für die Zukunft könne es demnach nur bilden, diesen Charakterzug auch in Zukunft nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch weiter zu entwickeln und zu befestigen. Er werde deshalb seinen Einfluß stets dahin geltend machen, daß der Staat immer die Rechtssphäre einer jeden Confessfion respectire, andererseits aber auch dafür Sorge trage, daß der Rechtskreis der Staats-, sowie jeder einzelnen Confession von Jedermann geachtet werde. Das Losungswort dieser Politik ist der Liberalismus, dessen Anhänger er stets gewesen und auch bleiben werde, aber nicht als Anhänger des doktrinären Liberalismus, sondern jenes freisinnigen, der nie vergaß, daß das. Hauptziel der ungarischen Politik die Interessen des M a g y a r e n t h u m s, des ungarischen Staates, bildet. Mit größter Sympathie begleite ich die Bewegung, die im Interesse der jüdischen Confession inaugurirt wurde. Redner glaube, er bleibe treu der Tradition seines Namens und der Tradition jener Zeitepoche, die seinem Herzen und seinem Geiste zunächst steht, der großen Zeitepoche des Ausgleiches. Er bleibe treu den Anforderungen der ungarischen Politik, wenn er verspreche, daß er das Princip der Gleichberechtigung mit allen Kräften unterstützen werde. Es soll hiebei einem solchen Stamme Gerechtigkeit widerfahren, welcher nicht nach außen gravitiren kann, welcher stets ein treuer Anhänger der Ungarn gewesen, der viele tüchtige Männer dem Vaterlande gegeben. Prag. Geehrter Herr Redacteur! Sie haben in Nr. 2 der „Oesterr. Wochenschrift" an leitender Stelle das freu müthige Bekenntniß erwähnt, welches die national-russische Monatsschrift „Wjestnik Leoropy" dieser Tage niederschneb: Vesterrrichischr Wochenschrift.

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