Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020904--01065-3025085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 64 Vesterreichifche Wochenschrift. Nr. 4 Im Jahre 1804 sollte ein Kreisrabbiner für Lemberg bestellt werden. Die Wahl fand im Jänner 1805 statt und diese fiel auf Ornstein. Dieser hatte einen Gegencandidaten, Leser Frankl Landau, wrlcher erklärte, daß er stch mit der Hälfte des mit dieser Stelle verbundenen Gehaltes, nämlich m.t 250 fl. begnügen wolle, falls er gewählt würde. Nichtsdestoweniger fiel er bei der Wahl durch. Hierauf focht Landau die Wahl an. Er brachte bei der Hofkanzlei (jetzt Ministerium des Innern) ein Gesuch ein, welches von 700 Personen unterfertigt war, in welchem er aus die Umtriebe, die bei der Wahl Ornstein's vorfielen, hinwies. Unter Anderem hob er hervor, daß Hersch Lewi, der Schwiegervater Ornstein's, 3000 fl. den Armen verschiedener Gemeinden spendete, um die Wähler günstig für Ornstein zu stimmen. Landau nannte überdies 14 Personen, welche fich bereit erklärten, Mittheilunzen über die Umtriebe Ornsteins zu machen. Die Hofkanzlei übergab diese Angelegenheit dem Gouverneur in Galizien, v. Urmeny, zur Aeußerung. Dieser sprach sich für Ornstein und gegen eine Neuwahl aus. Falls jedoch eine Neuwahl stattfinden sollte, so dürfte Ornstein von derselben nicht aus geschlossen werden. Hierauf erstattete die Hofkanzlei am 8. August 1806 Vortrag an den Kaiser, der nach einer andern Seite hin von Jnterefie ist. Zu jener Zeit gab es kein Vereins-, kein Versammlungsrecht rc. Eine Petition mit 700 Unterschriften versehen war ein Novum, und der Hofkanzlei ein Greuel. Sie könnt' es daher nicht unbemerkt lassen, „daß der Haufe von Suvplicanten, welche die Bittschrift unterschrieben, immer eine ebenso ungewöhnliche als unzulässige und sogar durch engere Vorschriften untersagte Anmaßung bleibe und offenbar die bedenklichsten Folgen daraus entstehen müßten, wenn einem Gegenstände bloß darum, weil viele Interessenten sich dafür unterschreiben, ein besonderes Gewicht beigeleft werden wollte". Nichtsdestoweniger sprach sich jedoch die Hofkanzlei dahin aus, daß eine Neuwahl stattzufinden hätte. Die Sache firm hierauf in den Staatsrath und dieser sprach sich - auf das Entschiedenste gegen die Hofkanzlei aus. Der Staatsrach plaidirte für Ornstein, da dieser rechtmäßig gewählt wurde. Die 700 Unterschriften hätten nichts zu bedeuten, da dies die Stimmen der Gegenpartei, die aber in der Minorität blieb, seien. Wenn Hersch Lewi an Arme Geld vercheilte, so sei dies als wohlthätiges Werk anzuerkennen. Hingegen sollte Landau wegen seiner Stänkerei mit 34 Stunden Arrest büßen. In diesem Sinne entschied auch der Kaiser. Hoffentlich oder gewiß wird bei der jetzigen Rabbinerwahl in Lemberg die Intervention der Behörden nicht angesucht werden. Moses. Geistliche Oper in 6 Bildern. (Von Anton Rnbinstein.) lieber dieses jüngste Werk Rubinsteins, welches demnächst das Licht der Lampen erblicken soll, berichtet der bekannte Musikschriftsteller Ludwig Hartmann in der Dresd. Ztg. Wir entnehmen diesem höchst itlteressanten Referat: Moses ist kein Musikdrama, überhaupt kein Drama, sondern eine Jnszenirung biblischer Bilder mit Musikbegleitung. Das Werk ist auf zwei Tage Dauer berechnet. Der erste Tag umfaßt wahrscheinlich die Bilder 1 bis mit 5, der zweite die Bilder 6, 7 und 8. Einen raschen Fortgang nimmt das Spiel nicht. Es beharrt, schildert mittelst der Musik Stimmungen und hängt nur unmittelbar zusammen, weil die biblische Geschichte das Band bildet. Man wird Rubinsteins Formnamen „Geistliche Oper" ganz zutteffend finden dürfen. Eigentlich ist das Werk Musik mit Begleitung der nöthigsten Handlung, nicht aber umgekehrt. Die Tertdichtung rührt noch von Mosenthal her. Bild I führt vier Personen ein; Asnath, die Tochter des Pharao, Johebed, des Moses israelitische Mutter, Miriam, seine Schwester und eine Sllavin, zwei Sopran- und zwei Alttollen; ferner Frauenchor. Szene ist der Nil bei Rhamses in Aegypten — hohes Schilf bedeckt das Ufer — Aussicht aus die Bauten der Stadt — Abenddämmerung. Johebed und Miriam, erster« in großer Erregung treten auf Miriam sagt: Wo eilst du hin. o Mutter, was beginnst du? Im Binsenkörblein trägst du Den Säugling, deinen Sohn. Johebed: Den ich mit Schmerzen geboren, Mit zehnfach größerer Pein versteckt Bor Pharao's blut'gen Schergen, Die unbarmherzig würgen Die Neugeborenen aus dem Stamme Israels. Miriam betet: Armer Bruder, der dem Tod In der Wiege preisgegeben. Könnt' ich doch mit meinem Leben Von dir wenden deine Noth. . . . Es naht dann die Prinzessin, die Tochter Pharao's und nach einem Chor: Wie die Lotosblume schaukelt Von der Welle sanft umgaukelt Leis' sich hebend, Niederfchwebend In deS Mondes Silberglanz.. . . folgt die Aufnahme des Knaben Moses durch die Königstochter, wie die Bibel erzählt. Bild II führt ein: Moses, Job den Frohnvogt, einen Hauptmann und Chöre der Israeliten wie der Aegypter. Scene ist der Platz mit den großen Bauten zu Rhamses. Der Vogt bedroht und quält die Frohnleute, bis Job für seinen jüdischen Bruder ekntritt. Job: Nicht Sklaven sind wir: In dies Land Sind wir, ein freier Stamm, gezogen, Und Pharao hat, uns gewogen, Nach Gosens Triften hingesandt. Da kam ein König, der vergessen, Was Joseph unser großer Ahn, Einst diesem Lande wohlgethan. In Banden schlug er uns vermessen, - Im Frohndienst uns re Kraft zu brechen. ... Diese Sprache entsetzt die Aegypter, wie die um Rache sich ängstigenden Juden. Der Hauptmann will Job todten — da erscheint Moses. Ihm weicht Alles. Gilt er doch als Königssohn. Er aber sagt: Moses: Kein KönigSsohn, ich bin von diesem Stamme, Den ihr zerfleischt mit wildem Sinn! Die eig'ne Mutter gab man mir zur Amme, Von ihr entblendet, weiß ich, wer ich bin. Nicht Lüge rette mich, nicht eitler Trug, Ich schlug den Mann, weil er den Bruder schlug, . . , Darauf kehrt sich alle Wnth gegen Moses, der furchtlos schließt: Es siege die Wahrheit, das Recht sei bekannt, Für Recht und Wahrheit kämpst Gottes Hand. Job sieht in Moses verklärt den Erlöser Israels. Bild III führt zu Moses noch neu ein: die Stimme des Herrn (Tenor) den Hohenpriester Jethro und seine schone Tochter Zipora, und außer irdischen Chören den Gesang der Engel. Oase in er Wüste Midian, der Berg Horeb, ein großer Dornbusch, zur Send ein Brunnen unter Palmen, unter welchen Zipora mit einem Wasserkerug zu Füßen, in Träumerei versunken sitzt. Moses rettet die Ehre des von kecken Hirten plötzlich bedrohten Mädchens. Dem Dank des Vaters sich entziehend, bleibt Moses allein. Es wird dunkel. Moses sinnt nach. Monolog: Frieden, Frieden, Wo find' ich ihn in dieser Welt voll Qual? (Nacht.) Mein armes Volk, Volk meiner Liebe, meiner Schmerzen, Was frommt dir die Gluth in meinem Herzen? Kann ich allein dein Retter sein? Lebt denn der Gott nicht mehr, der dich erkoren Als seines Herzens auserwählten Sohn? Gott I rael! Hast du uns ganz verlassen? Wo weilest du? Wo kann ich dich erfassen. Moses wird immer verzweifelnder, da: Es rauschet in den Palmen, Die Nacht durchzittrrt rosig Licht, Die Luft durchrieseln stille Psalmen, Der Dornbusch brennt und verzehrt sich nicht. (Der Dornbusch flammt.) Es folgen nun Gottes Weisungen. Die Himmlischen Herschaaren singen zu Gottes Preis. Bild IV. Die Aegyptische Finsterniß. Pharao (Tenor) Asnath und Moses. Priester- und Volkschöre. Halle in Pharao's Palast. Rückwärts durch Säulen Einblick ins Freie. Eine Bildsäule des Sonnengottes Osiris ausgestellt. Priester mit matt leuchtenden Fackeln um die Bildsäule geschaart. DaS Orchester malt die Finsterniß. Chor: Starr und stumm liegt die Erde rings herum, Schwül und schwer lagert Dunkel d'rüberher. Flackernd fahl flammt der Fackel trüber Strahl, Der Sand der Uhr verrinnt und des Morgens Maß beginnt, Aber statt des TageS Pracht, neue Nacht.