Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 64 NeMrrichischr Wochenschrkst. gemeinde in Wien, vom Borstande der israel. Cultusgemeinde Smichow. Frankfurt a. M. 1891. I. Kaufmann. Prag bei I. B. Brandeis. Zum erstenmale begegnen wir in der vorliegenden Schrift einer übersichtlichen Zusammenstellung und Richtung der in beiden Talmuden, sowie in verschiedenen Midrasch-Sammlungen zerstreuten Mittheilungen über den Charakter und das Gebaren einer der originellsten Perfönlichk«ten beS jüdischen Alterthums, des Elischa apostata, alias Ach er. Mit kritischen Blicken und mit eingehender Prüfung der Quellen sucht der Berfaffer sich über die Phasen ei» Urtheil zu bilden, die Elischa durchlief bevor er an jene G:enzmarke gelangte, die seine vollständige Zerfallenheit mit dem Judenthum bezeichnet. Von der lobenswerthen Tendenz einer Rettung Elischa's ausgehend, setzt der Verfasser alle Hebel seiner geistreichen Dialektik in Bewegung, um den Apostaten, dem jeder moralische Halt und sogar die elementarsten Regeln des Anstandes abhanden gekommen sind, von dem Flecken, die ihm das talmudischmidraschische Schriftthum angeheftet hat, reinzuwaschen, und die ihm belastendcu Erzählungen in den Bereich der apokryphen Sagen, der Dichtung ohne Wahrheit, zu verweisen. — Mohrenwäsche. „Wie ist es möglich," fragt er, „daß eine solche Lichtgestalt, als welche uns Elischa in diesen seinen Aussprüchen erscheint, sich plötzlich so verdunkelt, daß sie ewig als schwarzer Fleck unter den Namen A ch e r gleichsam das Warnungszeichen am lichten Himmel der Entwicklungsgeschichte des jüdischen Geisteslebens bildet? Nein! Aus einem solchen Elischa kann unmöglich ein Ach er werden, wenn wir nicht alle Prinzipien der Psychologie über den Haufen werfen wollen." — Richtig! Dürfen wir aber die groß und genial angelegte Natur Elis ch a'S ausschlicßlch vom psychologischen und nicht vielmehr vom psychiatrischen Gesichtspunkte aus bedachten? Sind doch erfahrungsmäßig gerade die genialen Naturen zu allerlei Exentricitäten inclinirt und tragen sie ja nicht selten allerlei Schrullen im Kopfe, die sich mitunter auch zur fixen Idee verhärten, zumal wenn sich mit der iuueren Gährung heftige Reize von außen verbinden. Oder ist es ettva keine fixe Idee, wenn Elischa allen Ernstes erzählt, daß ihm, als er an einem Bersöhnungstage am Heiligthum vorbeiritt, eine Himmelsstimme aus dem Allerheiligsten erscholl: „Kehret um, abtrünnige Kinder, mit Ausnahme des Elischa, der mich vorsätzlich verleugnet" (Jerusch. Chagigoch H.)? Als gewiegter Lehrer mußte er es doch wissen, daß die aufrichtige Umkehr dem Reumüthigen jederzeit offen steht, und wurde er ja darauf von seimm anhänglichen Schüler R. Meir wiederholt aufmerksam gemacht. Der Gedanke an die Unmöglichkeit seiner Bekehrung und Besserung erzeugte in ihm allmählich jene tiefgehende Verbitterung die in ihren letzten Consequenzen zur Delation, ja, zum moralischen Selbstmorde führt: „naürk aschkasiür sonnte ....“ (Chag. Fol. 15 a). Zm Hinblick auf die unzweifelhaften pathologischen Vorgänge im Wesen des schiffbrüchigen Ach er empfanden dessen vormalige Eolögen und Schüler ein Gefühl des Mitleids, glaubten den so tief Gesmckenar mehr beklagen als verachten zu sollen, und trugen darum kein Bedenken, feine goldmen Aussprüche weiter mitzutheklen. " Unbeschadet dieser unser Meinungsverschiedenheit dürfen wir die vorliegmde Jubelschrift als eine nach Form und JnhaÜ gleichvorzügliche Leistung, ja, als eine Bereicherung der Fachliteratur, hinstellen, und wünschen wiederum dem Verfasser die wohlverdiente Anerkennung und feinem Buche die gebührende Verbreitung. Jglau, im December 1891. Rabb. Dr. I. I. Unger. VrirfKssten. Rosa Kriser, Meidling:'Prof. Treitschke ist taub und blind, er hört darum auch nicht die Wahrheit und sieht nicht die Gerechtigkeit. Wenn die Meidliuger Antiseniiten Plakate mit Aussprüchen Treitschkes verbreiten, so ist das nicht zu verwundern, denn auch^die Antisemiten sind taub und blind. Herrn Js id. Zucker, Wien. Wir bestätigen Ihnen gern, daß Sie weder verlobt noch verheiratet sind. Jgn. Neumann, L. Rosenberg: Den Abonnementsbetrag bis Ende Juni l. I. erhalten. Wochrnkalrnder. Wochen- Jänner 1392 Theweth 5652 Kalender Freitag 15 l r» Samstag 16 16 'n'l Sonntag 17 17 Montag 18 li Dienstag 19 19 1 Mittwoch 20 20 Donnerstag ai 21 FMstg 82 28 Nr. 3 Eingesendet. Resultat einer Polizze von Dollars 30.000 in den Jahren 1879—1891. Beispiel Nr. 36. (2^eiaa.e Tontine.) Versicherter: Richard 8 Newcombe. Gesammt-Prämienzahlung 12 Jahren.Doll. 10.363.47 Versiclieruugszmvachs iu Folge von Dividenden . Doll. 5,249.— Demnach betrug der Verzicherungszuwaebs> mehr als 50°' der ein gezahlten Prämien. Das war ein Ergebniss der letzten zwölf Jahre. »The Mutual" die grösste u. reichste Versicherungs-Gesellschaft der Welt. Die ält, amerik Lebensversicherungs-Gesellschaft. Garantiefonds 3673/4 Millionen Gulden Oe. W. General-Direction für Oesterreich: Wien, I.. Lobkowitzplatz 1. Cmrrurs. Salom. Goldschmidt50116 Stiftang für Gymoasialschüler. Vom Vorstande der hiesigen israel. Cultnsgemeinde wird hiernit bekannt gemacht, dass die Zinsen der obigen filr vier israel. Gymmisialsehüler errichteten Stiftung für jeden im Betrage von 50 fl. zur Verleihung kommen. Bedingungen. 1. Zeugnisse über ausgezeichneten Studien fortgang; 2. Zeugnisse über streng sittliche Haltung; 3. Zeugnis3e über Mittellosigkeit. Verwandte des Stifters: Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt oder seiner Gattin, Frau Nanette, geborenen Landauer, und Waisen, erhalten den Vorzug. Bewerber um obige Stipendien haben ihre Gesuche bis 31. Jfinner d. J. in der Kanzlei der Cultnsgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, U. Stock) einzureichen. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Wien, 1. Jänner 1892. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. Gesnehsbianqnette sind im Secretariate I., Seitenstettengasse Nr. 4, II. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Concurs. Bei der hiesigen Cultusgemeinde ist der Posten eines geprüften Lehrers, der gleichzeitig ein musikalisch gebildeter Cantor und Koreh sein muss, vom 1. April 1892 mit einem Jahresgebalte von 700 fl. nebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten zn besetzen. Bewerber wollen unter Angabe ihrer bisherigen Anstellung und Familienverhältnisse, ihre diesbezüglichen, mit Zeugniss-Abschriften, die nicht retournirt werden, belegten Gesuche an den Cultusvoretand richten. Beisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Cultus-Vorstahd Goltsch-Jemkau, (Böhmen).