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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 46 Vrstrrrrtchischr Wochenschrift. Nr 3 Wahlkörper tritt demnächst zusammen. Ob schon die Lösung der Frage zu erwarten ist, muß leider bezweifelt werden. Ein negatives Resultat laßt sich, ohne ein großer Prophet zu sein, vorausbestimmen. Entweder wird der Wahlkörper nicht beschlußfähig sein oder keiner der Candjdaten wird die vorgeschriebene Anzahl von Stimmen auf sich vereinigcn. Und doch erscheint eine meritorische Lösung der Frage dringend geboten, schon mit Rücksicht auf den Umstand, daß die L>tatthaltcrei den prinzipiellen Standpunkt einnimmt, daß nämlich das Gesetz zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Juden auch vordem Erscheinen des erwarteten Musterstatuts alle mit dem Reichsgesctze sich nicht im Einklänge besindlichen Bestimmungen des Statutes dedogirt. Das erwähnte Reichsgcsetz kennt keinen Religionsweiser «nd keinen Prediger nur Rabbiner. Gesetzlich exrstiren und fungiren daher hier gegenwärtig zwei Rabbiner . Rabbiner Dr. I. Caro und der bisherige Magid Alexander Halpern. Dem Erstercn gebührt der Titel und Charakter eines -Rabbiners auch im Grunde seines Verttages. Ein längeres Provisorium im Rabbinate zu Gunsten einer bestimmten Persönlichkeit ist daher unzulässig, weil ein Substitut nicht berechtigt wäre, die Functionen eines Rabbiners mit gesetzlicher Kraft auszuüben. Andererseits wird bei Denjenigen, welche aus Ueberzeugung die Ausfüllung der Lücke im Rabbinate wünschen, der Verdacht rege werden, die maßgebenden Factoren in der Gemeinde beabsichtigen gar nicht, eine Entscheidung herbeizuführen. Vom Mißttauen bis zum Fanatismus ist bei uns nur Ein Schritt. Unsere Gemeinde hat viele Aufgaben zu lösen, sie ist überhaupt aus einer lethargischen Apathie aufzurütteln. Jede Spaltung innerhalb derselben ist daher lebhaft zu bedauern. Wir mahnen zu einem Ausgleich der Gegensätze, hüten uns daher mit vollem Rechte, für jetzt wenigstens, das persönliche Gebiet zu betreten. Am 26. Jänner 1892 sinden in Lemberg die Gemeinderachswahlen statt. Die Wahlbewegung droht stürmische Dimensionen anzunehmen; aber erschrecken Sie nicht, verehrter Herr Redactrur, trotz aller Declamationen von Bekämpfung der Corruption ist es ein reiner Kampf um Personen. Sache der Juden ist es daher, sich nach keiner Seite hin zu engagiren, zusammenzulreten, aus ihrer Mitte die Würdigsten und Tüchtigsten als Candidatm zu nominiren und für jene allgemeinen Liste zu stimmen, welche — weniger judenfcindlich sein wird. Persönliche Ambition soll dem Interesse der Gesammtheit weichen und Gemeinderachsmandate sind zu kostbar, um privaten Interessen oder als Belohnungen für geleistete Agitation bei Reichsraths- und sonstigen Wahlen zu dienen. Nachschrift de.r Redaction: Uns will es scheinen, daß der Rabbiner Schmelkes vermöge seiner hohen talmudischen Gelehrsamkeit, seiner unbestrittenen Frömmigkeit, seines alten Familienadels und bei der hohen Autorität, welche derselbe genießt, es längst verdient hat, auf deu Lemberger Rabbinatssitz berufen zu werden, und die maßgebenden Mitglieder der Lemberger Judenschaft fällten sich nicht das Verdienst entgehen lassen, dem hochverehrten Rabbiner zu der Würde zu verhelfen, auf welche derselbe längst vollberechtigten Anspruch hat.! Brody, 31. December 1891. (Jubelfeier) Die vielen Humanitären Anstalten, welche in Brody bestehen und jetzt, angesichts der Verarmung der Stadt, segensreicher denn je wirken, datirw aus der Zeit des Wohlstandes, wo Brody, begünstigt durch das seit nun 12 Jahren aufgehobene Freihandelsprivileg, ausgedehnte lucrative Geschäftsrelationen mit dem Auslande unterhielt, eine bedeutende Summe von Intelligenz besaß und bestrebt war, westliche Bildung und Einrichtungen in der, an der äußersten Grenze abendländischer Cultur, gelegenen Stadt einzuüürgern. Es bedurfte damals einer bloßen Anregung, und die Köpfe zur Durchberachung, die Thatkraft zur Durchführung und die Hände zur Beitragung wareu reichlich vorhandm. So entstanden damals aus Prioatmitteln das Siechenhaus, das Waisttchaus, der Fond zur Bekleidung armer Schüler die BoWküche und der Verein „Chesed Weemed" welch' Letzterer eben heute sein 35ähriges Gründungsfest begeht. An der Wiege dieses Wohlthätigkeitsveremes, der sich die Aufgabe stellte, arme Kranke beiderlei Geschlechts und Wöchnerinen zu unterstützen und für Bestattung Hingeschiedener Mitglieder sowie für die Abhaltung der Seelenandachtcn zu sorgen, standen Handelskammer-Präsident Herr Adolf . Byk, der noch immer an der Spitze desselben thätig ist und die Herren Pincas Guttmann und Mendel Streicher. Unermüdlich bestrebt, trotz des Niederganges unser-er Stadt, den Verein auf gleichem Niveau zu erhalten, blickt Herr Byk heute mit Befriedigung auf ein Werk, daß sich im Laufe der Jahre trefflich bewährte, so wohlthätig wirkte und als Monnment besserer Zeiten in die Gegenwart hereinragt. Seit dem Bestehen hat die Verwaltung frommen und wohlthätigen Zwecken nrehr als 50.000 st. gewidmet und verfügt gegenwärtig noch über eine Reserve von 20.000 fl. Dies ist doch ein Zeugniß einer guten und umsichtigen Administration und das Bewußtsein derselben, sowie die öffentliche Anerkennung, mögen der Lohn für jene Männer sein, die Zeit und Mühe dem allgemeinem Wohle widmen. Wir können überhaupt bei dieser Gelegenheit nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß glücklicher Weise alle unsere Wohlthatigkeitsinftitute, wie das isr. Spital, das Siechen- und Waisenhaus, die Volksküche u. s. w. sich in guten Händen befinden und obschon die Stadt an Wohlstand und Bevölkerung erheblich zurückgegangen nicht nur intact blieben, sondern noch an Ausdehnung, Leistungsfähigkeit, mitunter sogar an Vermögen gewonnen haben. Möge der Sinn für die öffentlichen Interessen und die Nächstenliebe auch ferner nicht erkalten! H. F. Berlin. Eii er der bedeutendsten Mathematiker Professor Dr. Leopold Kronecker, ist Dienstag Vormittag in Berlin im Alter von achtundsechzig Jahren gestorben. Leopold Kronecker war am 7. December 1823 in Liegnitz geboren, studirte in Berlin, Bonn und Breslau Mathematik, und promovirte im Jahre 1845 in Berlin. Seine Verhältnisse cestatteten ihm, dem Studium ohne jede äußere Rücksicht obzulicgen. Zehn Jahre verbrachte er nach seiner Promotion theils in der Nähe von Liegnitz, wo er und seine Verwandten begütert waren, theils in Liegnitz selbst, wo ihm eine Zeit lang die Leitung des durch die Erbschaft ihm zugefallenen alten und wohlangesehenen Bankgeschäfts R. G. Prausnitzer zufiel. Im Jahre 1855 siedelte er nach Berlin über. Seine hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten trugen ihm die Ernennung zum ordentlichen Mitgliede der. Akademie der Wissenschaften ein. Diese Mitgliedschaft gewährte ihm das Recht, an der Universität Vorlesungen zu halten, und von diesem Rechte machte er seit Michaelis 1861 in deu Winterseutestern regelmäßig, in den Sommersemestern häufig Gebrauch. Roch unter dem Cultusministerium Mühler wurde ihm eine ordentliche Professur in Kiel angeboten. Das war zur damaligeli Zeit, da Kronecker Jude lvar, ein ungewöhnliches Anerbiete,l. Kronecker schlug es aus, weil ihn die Professur nicht reizen konnte, da er in Berlin reichliche Gelegenheit hatte, sei«, Lehrbedürfniß zu befriedigen. Zwanzig Jahre dauerte es. ehe er an der hiesigen Universität ztlm ordentlichen Professor der Mathematik ernailnt wurde. Krorlecker gab im Verein mir Weierstraß das von Crelle begründete Journal für Mathematik heraus. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen bezogen sich auf Gegenstände der höheren Arithmetik, der Algebra und der Analysis und hatten namentlich durch Anwendung der Theorie der elliptischen Functionen, aus die Zahlentheorie eine Anzahl neuer Resultate ergeben, die in mehr als hundert größeren unfr kleineren Abhandlungen in Fachzeitschriftell veröffentlicht sind. Lange Jahre hindurch hat Kronecker mit Weierstraß. und Kummer den Ruhm der Berliner Universität auf mathematischem Gebiete ausgemacht. Breslau, 3. Jänner. Unter deil Auspizien der Verwaltung der hiesigen jüdischen Gemeinde ist ein Unternehmen zu Stande gekommen, beffen hohe sozialpolitische und ethische Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Es handelt sich um die

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