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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 46 Vrsterrrtchtfchr Wochenschrift. Nr. - Wie«. (Zum Jubiläum deS Herrn Wilhelm Ritter von Gulmonn.) Anläßlich des 40jährigen Jubiläums des Präsidenten der Diener Cultusgemeinde sind demselben aus Nah und Fern zahlreiche Ovationen dargebracht worden, über welche die Wiener Tagesblätter vom 7. d. M. ausführlich berichtet haben. Zur Ergänzung jener Berichte wollen wir nachstehend vormerken: Es gratnlirten die E.ultusgemeinden: Budapest, Prag, Graz, Lemberg, Linz, Fallen«». Brüx. Krems, Teschen, Triest, Jaworzno, Bade». Die Rabbiner: Dr. Jellinel, Wien; Dr. Ungar, Jglau; Dr. B. Polaczek, Brünn; Dr. Brüll, Döbling; Dr. Goldhammer, Schattenhofen; Dr. Earo, Sternberg; Dr. Tauber. Prerau: Weiß-Krems; Dr. A. Bruell, Frankfun a. Main; Dr. Hosi, Proßnitz; Reich, Baden; Dr. Groß, Lundenburg; Dr. Blüh, Troppau; Schnur, Dsviezim; Dr. Ad. Frankl-Grün, Kremsier; Professor Moses Bloch. Budapest. Odevra Lsäiseda, Lnpnik, Brünn. Wöhrmann-Verein, Pap.a. Tcsterr.-Ungar. Eantoren-Verein, Wien. Fürst Salm. Graf Wilczek. Die k. k. Sectio ns Ehefs: Baron Dewez, Ritter v. Pischoff, Bischof Wilhelm Frakoni, Rom. Die Mitglieder des Herrenhauses: Excel!. Baron Felder, Ercell. Baro,l Beczezny, Baron Königswarter, Baron Sochor, Hofrath Ritter v. Beck, HandelSkammerpräsident Isbary, Vincenz v. Miller. Vom Abgeordnetenhause: Vicepräsident Ehlumecky. Die Abgeordneten: Schwab, Superintendent Haase, Mar Mautner, Dr. Peez, Dr. Bloch. Ferner die Hofräthe: Ludwig v. Doczi, Baron Eichler, Leo Ritter v. Herz, I. Ritter v. Jacodi, Joses v. an der Lahn, Oberlandesgerichtsratb Edler v. Gernerth, ErzherzoglicherHosrath Wilhelm v. Jesse. Bezirkshauptleute: Moslowski, Mistet; Dobrowsky, Freistadt. Brr gr äthe: Mayer, HrowSky, Jecinsky. Berghauptmann: Wehrle. Ercell. Baron Schwärz- Senborn. Die Professoren: Dräsche, Böhm, Dittrl, Gomperz, Kaposi, Lieben, Grünhur, v. Reuß, Schnitzler, Stofella, Wagner-Graz, Jellinek Heidelberg. Vom Gemeinderathe: Bürgermeister Dr. Prir; die Vicebürgermeister: Dr. Borichke, Dr. Richter. Die Gemeinderäthe: Architekt Neuman» und Stiaßnn, Baurath Kareis, Dr. Heinrich v. Billing, Gustav Simon. Die Reg ier u ngsl ät h e: Kann, von den k. k. Staarsbahnen, Hahn-Länderbank, Zellner - Eonservatorium, Dr. Frndmann Fremdeublatt, Dr. Pisling Ministerium des Aeußern, H. v. Rittersausen, Karl Klaudy, Rimböck osierr. Slaatsbahn-Gesellschasl. Von der Kunst: Dberregisieur v. Sonnenthal, Herr lind Frau Hartmann vom Durglheater. Von der Dper: Fräul. Lola Beet, Opernsänger Müller llnd Schrödter, Frau Niklas-Kempner. Maler: Jul. v. Blaas und E. v. Hansen. Bildhauer: Heinrich Natter. Professor Door und Prof. Lazarus, Berlin. Schriftsteller Ranzoni. Directoi der Bodencrcditansiall: Theodor Ritter v. Taussig, Direktor der Escompre-Gesellschast: M. v. Borkenau. Dr. Alfred Kaizl von der Südbahn-Gesellschaft. Geheimer Sanitätsrath Kristelli, Berlin. Geheimer Comerzienrath Pringsheim, Berlin. Nieder-Desterr. Handelsu. Gewerbekaminer, Wien. )tiedcr-Desterr. Bolksbilduugsverein Krems und Wien. Feuerwehr Wilkowitz. Schulen in Ditkowitz, Tarnopol, Leipnik. Wien. (In d e 11 ue v f o I gun gen in den ru f s. Gouvernements Sarotow und Pensa.) Das von der Hungersnoth am stärksten betroffene Gouvernement Sarotow beherbergt auch die größte Anzahl von Nothleidenden. Seit Oktober hört man fast jeden Tag von Naubairfällen uild Mordchaten. Tausende von Arbeitslosen und hungernden Bauern durchzichen die Gegend, und wo denselbeit nicht freiwillig Gaben verabreicht werden, dort rauben sie einfach, was sie finden. Eine Bande dieser nothleidenden Vaganten kam am 4. Jänner, Nachmittags, in die Stadt S a m o z a n s k, wo sie vom Bürgerineister und den Stadträthen energisch Unterstützung verlangten. Da die vom Zemstwo sowohl als jene von der dortigen Abtheilung der russischen „Rothe Kreuz"-Gesellschaft gesammelten Vorräthe längst vertheilt waren, versuchte mau die Hungernden mit der Aussicht aus die nächstens einlangenden Getreide- und Mehlsendungen zu vertrösten. Die Bande erfuhr jedoch, daß ein Eisenbahnzug mit Mehl und gebackenem Brot angekommen sei und nahm — verstärkt durch eine große Anzahl von ebenfalls hungernden Stadtbewohnern den Weg zum Bahnhof. Um die bevorstehende Plündeimng des Zuges abzuwenden, verfielen mehrere Würdenträger der Stadt auf die Idee, die Arffmeüksamkeit des Pöbels auf die Juden zu lenken. Plötzüch hich es, die Juden h ä t ten die meistenNahrungsvorräthe, doch werden die letzteren verborgen gehalten. Die Menge machte sofort Kehrt und stürzte mit den Rufen: Juden die Nahrung her!" gegen den Marktplatz wo sich die meisten jüdischen Läden befinden. Ein Theil der Menge drang in die Werfftätte des reichen Kürschners Maitro« und begann dort die Waaren zu verschlqrpen. Binnen wenige,! Minuten war der Kürschner total ausgeplündert. Ein Trupp des Pöbels drang in die Nächstliegenden Läden, bemächtigte sich der Waaren und trug dieselben ins: Freie. Was nicht mitgenommen werden konnte, wurde vernichtet; damit war die Wuth der- Plünderer aber noch nicht' gekühlt. Unter den Rusen: „Her mit dem Essen!" stürmten die Räuber in die Privatwohnungen der Juden und begannen die Einrichtungsgegenstände zu zertrümmern. Alle Wohnräume wurden anfangs durchsucht, da sich aber in den wenigsten Häusern mehr Brot oder Mehl vorfand, als zum eigenem Gebrauche der Hauskente nöthig war, riesen die Plünderer: „Juden, Ihr habt uns gefoppt!" und begannen die Familienmitglieder zu mißhandeln. Frauen, Greise und Kinder wurden unbarmherzig aus den Wohnungen geworfen. D i e Organe der Polizei ließen s ich natürlich n irgends blicken und die Plünderer konnten ungestört wüthen. Die Menge hatte unterdessen mehrere Branntweinfässer gesunden und ausgetrunken und fing an, die Häuser zu d e moliren; mit Hacken und Beilen wurde darauf losgearbeitet, damit ja kein jüdisches Haus ganz bleibe. So wurden im Zeiträume von kaum anderthalb Stunden neunundfünfzig JudenhLuser zerstört. Während noch die Demolirungen vor sich gingen, hatten mehrere Mitglieder der Bande ungefähr 100 Stück geraubter Schwarzbrote neben einem Hause gelagert, um dieselben nach geschehener Arbeit zu vertheilen. Jüdische Frauen und Kinde»', von denen die meisten selbst seit mehreren Tagen nichts gegessen, bemerkten die Brote und begannen dieselben mit Heißhunger zu verzehren. Kaum hatten die Plünderer davon erfahren, als sie herbeieilten und sich aus die Juden stürzten. Nun ereigneten sich furchtbare Szenen. Frauen und Kinder, die fast ebenso arm und vielleicht noch hungriger waren als die Räuber, wurden in unbeschreiblicher Weise mißhandelt. Aehnlich erging es im Orte Korz on des Gouvernements Pensa. Hier wurden die Gräuelszenen seit längerer Zeit vorbereitet. Ebenso wie in Saratow, hieß es auch da, die Juden seien im Besitze bedeutender Getreidevorräthe und wollen dieselben an die Andersgläubigen nicht verkaufen. Am 5. Zänner wurden die Judenhäuser gep lünder. und demolirt, wobei sich zahlreiche Schreckensszenen ereigneten Vierundvierzig Häuser wurden gänzlich zerstört. Hunderte Familien sind obdachlos. Es wurde sogar der Versuch gemacht, das jüdische Gemeindehaus in die Luft zu sprengen. Eine mit Pulver gefüllte K i st e — das Material soll m i l i t ä r i s ch e r P r o v e n i e n z sein — wurde unter dte Einfahrt des Gemeindehauses gebracht und angezündet. Der- Sprengstoff explodirte und beschädigte die vordere Seite des Hauses, ohne bedeutenden Schaden anzurichten. Auch da ließ sich die Polizei nicht sehen. Die „Kölnische Ztg." meldet aus Petersburg vom Gestrigen: Die Berichte aus der N oth stand sg egend lauten immer trauriger. Die Aerztc klagen über ungeheure Sterblichkeit der Kinder. In vielen Bezirken herrschen Hunger- und Flecktyhus. Die Zeitungen dürfen hierüber nichts veröffentlichen. Der Andrang der Bevölkerung zu den größeren Städten erhöht die Gefahr der Ansteckungen. Die Presse spricht sich in rüchsichtsloser Weise gegen die beständigen Getreide- und Mehlfälschungen aus. Bade« bei Wien, 12. Jänner 1892. Seit Neujahr erscheint hier ein deutsch-nationales, d. h. antisemitisches Hetzblättchen unter dem Titel „Bote aus dem Wienermalde^. Dieses Schmutzblatt ärgster Solle wird, was hier hervorgehoben zu werden verdient, von der hiesigen christlichen Bevölkerung unterstützt und wird für dasselbe eifrig agitirt. Dieses Hetzblatt will namentlich gegen die vereinzelten Juden aus dem Lande die Bevölkerung aufteizen und hat gegen den Krankencaffenarzt Dr. Bittelhe im in Guntramsdorf einen von infamen Verdächtigungen strotzenden Artikel publicirt, um die dortigen ilIHfim

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