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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Vrprrrrichlfchr Woche« srtzrift. Seile 4L zu machen, ein Schreiben, welches auf gewisse Arten von Berichtigungen ein eigenthümliches Schlaglicht wirft. Wir übergeben beide Zuschriften der objectiven Beurtheilung unserer Leser. Herr Johann Hauswirth schreibt uns: Löbliche Redaction! In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 2 vom 8. Jänner 1893 bringen Sie unter der Rubrik: „Correspondenzen" auf G. 31 eine auf mich bezughabende Notiz. Mit Hinweis aus 19 des Preßgesetzes ersuche ich Sie fteundlichst in ihrem nächsten Blatte, an derselben Stelle nachstehende Berichtigung zu bringen; Es ist vollständig unrichtig, daß der Mechanikus Schneider vor einigen Tagen in meiner Restauration in der Praterstraße durch eine spontane Ovation überrascht wurde. Richtig ist, daß am 26. Dezember 1891 Abends der Herr- Abgeordnete Schneider, den ich bis dahin gar nicht kannte, als Gast in meinem Locale weilte. Es ist vollständig unrichtig, daß der Mechaniker Schneider sich mir gegenüber äußerte, daß es im Retzer-Löchl hoffentlich judenrein sei. Es ist unrichtig, daß schon beim Eintritt in das Retzer-Löchl Herr Schneider von den anwesenden Gesinnungsgenossen mit lariten Rusen „Hoch Schneider" begrüßt wrlrde. Es ist unrichtig, daß diese Ovation den Höhepunkt erreichte, als ich selbst mein Glas ergriff und mit Herrn Schneider demonstrativ anstieß und das Glas Wein bis auf die Neige leerte. Ich habe, wie schon erwähnt, Herrn Mechaniker Schneidergar nicht gekannt, rmd wurde erst von einem anivesenden Gaste auf denselben aufmerksam gemacht. Ich habe mich in dem Locale, in welchem sich die betreffende Gesellschaft befand, gar nicht aufgehalten, habe mit Herrn Schneider nicht ein Wort gewechselt und ist mir absolut davon Nichts bekannt, daß demselben überhaupt welche Ovationen cntgegengebracht wurden. Ich kann mit vollem Fug und Recht behaupten, daß ich niemals „antisemitische Alliirte" hatte, daß ich niemals eine antisemitische Gesinnung an den Tag gelegt habe und mein Gasthausgeschäit niemals einem antisemitischen Treiben zur Verfügnng stellen würde. Hochachtungsvollst Ihr ergebener Joh. Hauswirth." Herr Carl Seebold aus Zittau schreibt uns: „Seit ca. 8 Tagen befinde ich mich in geschäftlicher Angelegenheit in Wien, am 2. Festtage, am Samstag, besuchte ich das Carltheater und ging des Abends nach der Vorstellung in ein meinevl Hotel nahe gelegenes Bierhaus „zum Hauswirth", II., Praterstraße 62, und ließ mir Abendbrod und Bier geben. Das Local begann sich zu leeren, da tritt ein Herr mit zwei andereir ins Local, es entsteht eine allgemeine Bewegung. Neben nrir saß ein junger Mann, bei dem erkundigte ich mich nach der Ursache, warum die Ankunst dieser drei Herren eine solche Bewegung Hervorrufe. Ich erfuhr nun, es wäre der Erste Herr Ernst Schneider-, Mechaniker, der eingeladen wurde, heute hier in die Exkneipe gegen Mitternacht zu kommen wenn die Juden, die zu den täglichen Gästen gehören, draußen sind. Neugierig war ich der Dinge, die da kommen werden. Es datierte kaum eine Viertelstunde, so erhob sich dieser Herr Schneider und sagte, nachdem es im Saal judenrein geworden, erhebt er sein Glas auf die Einigkeit aller Christen. Darauf folgte ein allgemeines „Prosit!" und der liebe Wirth, Hen Hauswirth, wonnetrunken, stieß ebenfalls mit seinem Glase arr. Jetzt folgte ein unbeschreiblicher- Jubel, ein Toast auf deir andern für die mannhafte Haltung dieses Herrn. Die Leute hatten keine Ahnung, daß ich Jude bin, sonst hätteir sie nrich an die Luft gesetzt. Ihnen alle Vorgänge, die sich da zutrugen, zu Papier zu bringen, bin ich außer Stande, nur die eine Thatsache muß ich mittheilen, daß der Wirth außer sich vor Freude war. Ich erhielt von. dem neben mir sitzenden jungen Manne nachstehende Aufklärung: „Sehen Sie, das sind lauter schwere Anttsemiten, wir dürfen dies aber öffentlich nicht zeigen, weil wir geschäftlich mit den Juden, die hier in unseren Häusern wohnen, zu thun haben." Ich hatte genug gehört und gesehen und ging mitten im tosenden Jubel, nachdem ich gezahlt, förmlich durch ... Zeichne mir vorzüglicher Hochachtung Carl Seebold, Kaufmann aus Zittau." Wien. 9. Jänner 1892. Geehrter Herr R e d a eleur! In der Nummer 2 Ihres Blattes „Oesterreichische Wochenschrift" vom 8. Jänner 1892 ist auf Seite 31 unter der Ueberschrift „C o n cu r r e n z der ar is ch e n F l r ma Gebrüder Israel contra d er jüdischeu Mühlenbauf irma Veits Nachfolger Emil Pollak in Wien" eine längere Notiz von Herrn E. B. enchalten, welche viele U n r i ch r i g k c i t e n enthält und geeignet ist, der geschäftlichen E h r e der Fir ma Geb r ü d e r I s ra e l in empfindlicher Weise nahezutreten: Als langjähriger Rechtssreund der Firma Gebrüder Israel ersuche ich Sie freundlich um die Aufnahme folgender Berichtigung, wobei ich von Ihrerbekanirren Loyalität erwarte, daß Sie derselben auch ohne Berufung auf den 19 Pr.'G. Raum gewähren werden. Es ist vor allem unwahr, daß die von mir vertretene Finna je behauptet habe, daß ihre Ahuen als Arier vor Jahrhunderten schon aris Spanien eingewandert sein sollen. Soweit bei einer bürgerlichen Familie ein 'Nachweis darüber überhaupt möglich ist, sind die Ahnen der in Rede stehenden Familie Israel stets lind seit Jahrhunderten im Königreiche Sachsen ansässig gewesen und haben sich jederzeit zu in Protestantismus bekannt. Ob die Fabrikate des Herrn Pollak mir denen der Gebrüder Israel zu concurriren in der Lage und, ja, ob sie dieselben überhaupt und gar rveit über Neffen, darüber will die von mir vertretene Firma aus Bescheidenheit nicht sprechen; das Unheil hierüber will sie in Ruhe der allein hiezu c o mp e t en t en, dabei interessirten Geschäftswelt überlassen. Vollständig unrichtig aber ist, daß der Firma Gebrüder Israel die Eoncurrenz des Herrn Emil Pollak lästig ist, und vollständig unwahr, daß die genannte Firma die Taktik befolgt, sich bei Christen als gut arisch zu ger-ireil und aus ihr Jahrhunderte altes Patent als Arier hinzuweisen, daß sie sich aber den jüdischen Müllern in Ungarn und namentlich denen in Galizien gegenüber als Jude gerirt. Ein derartiges Doppelspiel hat die Firma Gebrüder Israel nicht nöthig, es wird von ihr keineswegs befolgt. Es ist ferner vollständig unwahr, daß die Firma Gebrüder Israel oder der Chef derselben antisemiris ch e r Gesinnung sei und ostentativ keinen Juden als Arbeiter oder Bediensteten in ihr Arbeitsetabliffement aufnimmt. Eine derartige Gesinnung ist vielmehr der genannten Firma und deren Inhaber stets fremd g eblieb en. -Dieselbe hat sich bei Anstellung von Bediensteten nie von confessionellen Rücksichten leiten lassen, sondern war ihr hiebei stets und ausschließlich die Befähigung maßgebend. So sind beispielsweise die Hcmptvertreter der Firma für Galizien und Bukowina, welche ihren ständigen Wohnsitz in Krakau oder Czernowitz haben, Juden. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redacteur, den Ausdruck vorzüglicher Hochachtung, mit welchem ich die Ehre habe, zu zeichnen Dr. Sigmund Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat, I., Fleischmarkt Nr. 14. Wie». Hof- und Gerichtsadvocat Dr. G u st a v Koh n, Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, wurde am letzten Montag als neuernannter k. u. k. Landesschulrath von Sr. Majestät dem Kaiser in Audienz empfangen. Sonntag Mittags haben sich die Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Schulinspectors Pros. G. Wolf beim neuen Landesschulrath eingefunden, um denselben zu beglückwünschen. Ebenso erschien eine Deputation der Lehrer der Talmud-Thoraschule. Der neue Landesschul? rach versicherte in herzlichen Worten, die Lehrerschaft seiner wärmsten Sympathien.

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