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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. ..... I m I Hl« <01 II |||| I f ul Seite 40 Vrprrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 3 nements im Innern Rußlands, wo kein Jude wohnen darf, betroffen hat. Gerade diese Hungersnoth aber hat die entsetzlichste Beamten-Corruptivn aufgedeckt. Der Petersburger Stadtrach hat in Lübau um mehrere Hunderttausend Rubel Dicht als Reserveoonach angekaust. Der Lieferant heißt Puchert und ist jedenfalls kein Jude — möglicherweise aber ein Deuts cher Nach der Uebernahme zeigte sich, daß diesem Mehle zu zwei Drittheilen Sand, Erde und andere gesundheitsschädliche Stoffe beigemengt waren. Selbst die Entdeckung dieses Betruges ist charakteristisch für russische Zustände. Während man sonst bei ähnlichen Vorgängen beide Augen zudrückt, ordnete diesmal die Polizeipräfectur in St. Petersburg eine strenge Revision an, lediglich deshalb, weil sie mit dem Stadtrath seit Langem in Streit ist und gerne die Gelege: heit ergriff, dem Letzteren eine Unannchmlichkeit zu bereiten. Aber weiter! Die Provinz Samara liegt tief im Jnnem Rußlands, wohin sich kaum je der Fuß eines Juden verirrte. Der Zanstwo dieser von der Hunger snoth betroffenen Provinz entsendete Agenten — Stockrussen — nach Odessa, um daselbst Mehl und Getreide einzukaufen. Auf der Reise von Odessa nach seinem Bestimmungsorte verwandelte sich jedoch dieses Mehl und Getreide . in etwas ganz Anderes. Der russische Geheiurrach Zegninstow, der zur Controle in diese Provinz geschickt wurde, erzählt schauderhafte Dinge von der Verkommenheit der Beamten. Zwischen den Functionären, welche mit der Auscheilung des Getreides betraut sind, und den Nothleidenden entwickelt sich ein abscheulicher Handel und die Beamterr geben nur jenen Hungernden Nahrungsmittel, welche sich vorher verpflichten, mü ihnen zu theilen. Bei alledem ist nirgends ein Jude zu finden, denn ein Jude hat, wie gesagt, die Grenzen dieser Provinz nie beirrten. Auch der russische Minister des Innern, Durnowo, der dem Czaren die furchtbare Hunger snoch verschwieg und den der Kaiser erst jüngst aus seinen Gemächern jagte, derselbe Durnowo der die Ausweisung d e r I u d e n d u r ch f ü h r t e, hat bei seinem Betrüge sich gewiß nicht von jüdischem Einflüsse leiten lassen. Vergani hat sich demnach auch in seinem neuesten Gewände als russischer Osficiosus als dasselbe erwiesen, was er auch schon früher war: als eirr schamloser Fälscher und als ein dreister Lügner. Im Ucbrigen hat Vergani seinen Beruf verfehlt: er hätte russischer- Beanrter werden sollen. Mit oder ohne Juden hätte sich ihm da ein weites Gebiet für die Entfaltung seiner Talente erschlossen. Ein Land, in welchem Millionen von Hilfsgeldern spurlos verschwinden, ist ja ein Eldorado für Leute vom Schlage der Verhovav, Böckel und — Vergani. Ja Herr Vergani mit seiner berühmten Armenkaffe — gehört nach Rußland! Briefe aus Ungarn. Budapest, 10 Jänner. Wie es scheint, verfügt die Wiener Blutlügen-Fabrik, alias Redaclion des „Deutschen Volksblatt" über ein unverläßliches Corrcspondcntenheer, sonst wäre ihr der nach'olgende Vorgang, der in seinem ersten Stadium ein köstliches Futter für ihre nach „rituellen" Zeitungsenten lechzenden Spalten abgegeben hätte, gewiß nicht entgangen. Daß der zweite Act dieses, sich in ziemlicher Stille abspielenden Blutdramas die böswillige Blutlüge wieder einmal ad absurdum führte, das hätte ja jenes messianische Antisrmitenblatt so gut wie die Prerauer und Stanislauer Dementie unterschlagen können. — Damit aber jene Redaction im Lande der Ester-Solymossi fleißiger Umschau nach etwaigen Cchicksalsgenoffen halte, so lasten wir hier zu chrem Nutz und Frommen eine wortgetreue Uebrrsetzung jener Mittheilung folgen, welche das „Magiar Hirlap" in seiner Nummer vom 7 ds. brachte: In der Gemeinde Nagy-Szokol des Tolnaer Comitates verursachte im Jrmi vorigen Iah: es das Verschwinden des 14—15jährigen Dienstmädchens Ester Fejcs großes Aussehen. Das Mädchen stand seit fast einem Jahre im Dierrste des dortigen Juden Jonas Grünfeld und als cs eines Tages plötzlich verschwand, fanden sich Leute, die Grünfeld verdächtigten, das Mädchen abgeschlachtet git haben. Und diese Anklage fand Glauben unter dem Volke, welches immer lauter zu begehren anfing, daß man Grünfeld eirziehe und unter Anklage stelle, um so mehr als sich auch Zeugen trafen, welche bereit waren zn schwören, daß sie gesehen, wie der Jude der Fejes das Blut abzapste. Thatsächlich stand aber die Sache so, daß das Mädchen eines Tages, als sein Dienstgeber irgendwo zu Markte war, die ihrer Obhut anoertrautcn Kinder im Zimmer einsperrte und dann, nachdem sie einige Werthgegenstände zusammengerafft, aus dem Dorfe verschwand. Ihr Vater Josef Fejes suchte sie vergebens, auch die Behörde errrrentirte sie nach allen Richtungen erfolglos, sie wurde nirgends eruirt, weshalb Jonas Grünfeld unter polizeiliche Aussicht gestellt wurde. Erst jetzt, nach einem halben Jahre stellte es sich heraus, daß das Mädchen hier in Budapest ist und beim Kaufmanne Moriz F i s ch l, Karls-Ring 17, dient. Vor nicht langer Zeit war nämlich auch ein anderes Nagy-Szokoler Mädchen hier, welche Ester Fejes sah, als sie mit ihrer Frau ausgieng. Dies war der erste Fall, daß das Mädchen spazieren gieng, denn bis dahin hatte sie sich kaum vom Hause entfernt. Das Mädchen aus Nagy-Szokoly schaute verwundert drein, als sie Ester erblickte, stürzte auch zu ihr hin und fragte sie: „Du bist es, Ester?" — Allein diese gieng nur so weiter und gab ihr nicht einmal Antwort. Indessen aber mag das Nagy-Szokoler Mädchen von dieser Begegnung zu Hause erzählt haben, denn heute Vormittag erschien der hier wohnende Bruder des Jonas G r ü n f e l d in der Wohnung F i s ch el s und nahm das Mädchen iirs Verhör. Anfangs behauptete sie steif und fest, daß sie ein Waisenmädchen sei und obwohl sie aus Nagy- Szokol ist, nie bei G r ü n f e l d gedient zu haben. Später aber gestand sie, daß sie doch jene Ester Fejes sei, die gesucht wird. Von zu Hause sei sie deshalb durchgegangen, weil sie nicht mit ansehen konnte, rvie ihre Eltern fortwährend mit einander zanken und weil ihr die Mutter alles Geld abnehme. Bei der Polizei gab sie dann noch folgendes an: Vor ihrer Flucht suchte sie irgend ein fremder Herr auf, der chr zuredete nicht bei jenem Juden zu bleiben, denn „sonst wird es ihr so wie Ester Solymossi ergehen, der man in Tißa-Eßlar das Blut abzapste". Das Mädchen antwortete, daß sie gerne gienge, doch habe sie kein Geld und auch das Dienstbotenbuch möchte sie zuvor herausbekommen. Darauf erwiderte der Herr, daß sie sich deswegen keine Sorge mache. Geld und Buch wird er ihr schon verschaffen. Thatsächlich gab er ihr auch 10 fl., gieng dann ins Zimmer hinein und drirchsuchte den Kasten so lange, bis er das Buch fand, welches er ihr mit dem Bemerken gab, daß er sie am Abend auf der Gasse erwarten und dann mit ihr nach Budapest reisen wolle. So geschah es auch. Ester Fejes kam mit dem fremden Manne nach der Hauptstadt. Hier übergab er sie einem Hordar mit dem er deutsch gesprochen und der ihr dann bei Fischt den Platz verschaffte. Die Oberstadthauptmannschaft hat nun die Sache telegraphisch nach Nagy Czokoly berichtet, mit der Weisung, daß Grünfeld nicht weiter unter polizeilicher Aufsicht verbleibe. Den Diebstahl leugnet Ester Fejes hartnäckig ab." Daß unter den hiesigen Antisemiten sich Niemand gefunden, der vorstehende Geschichte in ihrer ersten Phase zu einer cause celebre ausbauschte und in die Welt hinausposaunte, darf nicht Wunder nehmen, da das gewaltige Fiasko des weltberühntten Tisza-Eszlarer Prozesses noch in aller Erinnerung ist. Auch verlautet von Jahr zu Jahr etwas von dem Sttafgerichte, das über die Hauptfaiseure jenes prozessualen Monstrums hereingebrochen. Adamovics. der junge Geistliche jenes seitdem von einerfurchtbaren, fast Alles verheerenden Ueberschwcmmung heimgesuchten Ortes, welcher damals die Rolle eines eifrigen Hetzapostels spielte, starb in der Blüthe seiner Jugend. Vay und Rotzky, die die Voruntersuchung leitenden und mit der Tortur hantirenden Sicher heitscommissäre nahmen ein furchtbares Ende. Peezely, der Gouverneur des 13jährigen Kronzeugen,

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