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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-08 · 2 (8.1.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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i. 1.1JMjil, I IIJPIH fraglUjjln — m '«ÄtM taaai.2S£rr; i. '*-•? :.4 - ökihmLk» (Ot>ation für den Jubilar Wilhelm Ritter v. Guttmann.) Die hiesige Gemeindevertretung hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, ihrem hochverdienten Ehrenbürger, Herrn Wilhelm Ritter v. Gutmann, aus Anlaß der Fei« seines vierzigjährigen Geschäjtsjubiläums durch eine eigene Deputation herzlichst zu beglückwünschen. Dies« Beschluß hat in allen Kreisen -er hiesigen Bevölkerung, im Hinblick aus die Verdienste, welche sich d« Jubilar um die Interessen sein« Vaterstadt erworben, den lebhaftesten Beifall gesunden. Reutitschei«. (Borstandswahl der israelitischen Cultusgemeinde). D« neugewählte Ausschuß d« hiesigen isr. Cultusgemeinde hat sich am 24. December conftituirt und Herrn Med.' Dr. Perl einstimmig zum Vorstande gewählt. Diese Wahl hat in der hiesig« Cultusgemeinde allgemeine Befriedigung hemorgerusen, da sich Dr. Perl sowohl bei dn jüdischen als auch bei d« christlichen Bevölkerung lebhaftester EMpachien erfreut und von sein« Amtsthätigkeit ein Ausschwung der Neutitscheiner Culttlsgememde mit Sicherheit KL gewärtigen ist. E. B. ifarfciab. (Hochherzige Spend e). D« aus der ganzer Erdenrunde durch seine Geschäftstätigkeit als V«sender d« Karlsbad« Thernien und Th«menproducte bestbekannte Herr Jul. Schottländer hat der hiesigen sreiwRigen Feuerwehr den ansehnlichen Betrag von 3000 Gulden gespendet, zu« Zwecke d« Anschaffung von Winteruniformen und anderen Utensilien. Dies« hochherzige Act hat hi« allgemein befriedigt, ob derselbe geeignet sein wird, den hi« im Stillen wuchemden Antisemitismus den Garaus zu machen, darf schier bezweifelt w«den. D« echte und unv«sälschte Antisemit nimmt des Juden Geld nur als pflichtschuldigen Tribut hin, von Dankbarkeit kann selbstverständlich nicht Rede sein, denn der Antisemitisums ist ja die lebendige Negation jed« edlen H«zensregung. im December. (Dem Verdienste seine Krone.) An der Spitze unserer großen Gemeinde steht ei» Mann, der den weitgehenden An ordernngen an einen Gemeindeleiter nach allen Richtungen entspricht. Herr Samnrl Horomitz, ein direkter Nachkomme d« Frankfurter Ob«- rapbiyn, verbindet mir reichem jüdische» Wissen, «ine gediegene moderne Bildung und verficht es. «in so runfassendes Gemeinwesen wie das unsere auch nach Aussen hin, aus das Würdigste zu repräsentiren. Mit gereifter Erfahrung, aber auch mit seltener, nie ermüdender Hingabe, «kbeitet er l«t Zähren an der Entwicklung aller religiösen Institute und an den weiterverzweigten Verwaltungsgeschasten, Wohlthätigkeits- und Unterrichtsaugelegenheiten mtt immer steigenden Erfolgen. Nu» ist auch der Loh« eines solchen Wirkens nicht ausgeblieben. Sr. Majestät der Kais« haben allgnädigst geruht, Herr» S. Horowitz, dem Präses der Lemberg« Eultusgemeinde, den Franz-Josephs-Orden zu verleihen. Auß« vom Rabbinate, dem Culturrathe, den Gemeindebeamten, Verwaltungskorpern etc., «hielt der neue Ordensritt« die herzlichsten Glückwünsche ans allen Ockfen der Bevotterung. Ervß-Bittse im December 1891. Am 26. »«schied hi« im 52. Lebensjahre nach langem Leiden der in allen Kreisen und Schichten der Bevölkerung bestrenomirte und hochintelligente Kaufmann -Herr Ignatz Fiedler. Derselbe war durch 36 Jichre ein eifriges und chätiges Mitglied unserer RAigionsgemeinde, derm Präses er viele Jahre war und uist« deffen segensreichen Wirken sie sich zur vollsten Blülhe ewiwickeltt. Dre Schule, die er besonders sörd«te, war sein Lieblings-Institut und wirkte er auch als Mitglied des städtischen Magistrates. In allen diesen Eigenschaften hat« sich Verdienste erworben und vorcheilhaft ausgezeichnet. Das Leichenbegängnis welches am 28. unter groß« unfe allgemein« Theilnahme stattsand, bei welcheut Sr. Ehrwürden Herr Dr. Adolf Honig Rabbiner aus Sillein eine ergreifende Trauerrede hielt, gab Zeugnißvond« außerordentlichen Beliebcheit des leid« nur zu früh V«storbenen. Mcht nur die ganze hiesige Bevölkerung ohne Unterschied d« Consession be- Heiligie sich an demselben, sondem auch von d« ganzen UmgÄung strömten trotz des Regenwetters Menschm h«bei uni ihm dre letzteEhre, die «im reichsten Maßenworben, zu «weisen, „Es wird weiter geschwindelt!" schreibt d« mrüsemitische „Thür. Landbote" in seiner Weihnachtsmumuer. D« jüdische Bankier Adolf Albert in Görlitz soll, wie »«lautet, nach Unterschlagung sämmtlich« Depots gefürchtet sein." — Albert ist nicht Jude, sondern Christ. Ab« von den antisemitischen Blättern wird eben — weiter geschwindelt!- Berlin, 28. December. Herr Commerzienrath Louis S i n o n hat der hiesigen jüdischen Gemeinde 100.600. Mk. gespendet zur Errichtung einer Baracke im jüdischen Krankenhause, w lche 70 Betten enthalten soll. Ratibor, 26. December. Der hiesige praktische Arzt Dr. Joses Breslauer ist zum königlichen Sanitätsrath ernannt worden. Baron Moriz v. H i r s ch hat ein im Lubitz«kreise liegendes Rittergut vom Grasen Henkel v. Donnersmark käuflich «worben und wird dasselbe, wie verlautet, einige Monate im Jahre bewohnen. __ Feuilleton. Mn Bild nach dom Lqben. Der Bankier Goldkiithal befindet sich im Salon seiner Frau. Er liest die Zeitung. Die Hand, die das Papier halt, zittert, und wäre die Frau nicht zu sehr von ihrer Stickerei in Anspruch genommen, so müßte sie bemerken, wie bleich der Mann ist, der vor ihr sitzt und mühsam seine Haltung behauptet. Er hält es nicht lauge aus. Er steht aus und durchschreitet das Geniach. Seine Unruhe lenkt die Aufmerksamkeit der Frau auf ihn. „Du bist besorgt und verhehlst es mir. Es geht in unserem Hanse etwas vor, etwas Ernstes, vielleicht Berhängnißvolles und ich weiß nichts davou-Du thust Unrecht, michnicht zur Vertrautin deines Kummers zu machen". „Ewige Frauensorge! Mein Gott, man kann doch nicht immer vomTheater und Concerten reden; man hat ach seine verdrießlichenMomrnte". „Nein, es ist mehr als bloße Verstimmung; es sind ernsthafte Leiden, die dich quätrn — stehen wir an, Rande eines Abgrundes"? „Du faselst, meine Gute". „Sieh mir in's Auge — du bist ruinirt". „Thorheit!" „Du willst mich schonen! Glaust du, ich hätte nicht die Kraft, den Verlust eines Vermögens zu ertragen? Ich bitte dich, gib mir Wahrhett, vielleicht daß doch noch Hilfe zu finden! Beginnen wir damit, uns selbst die erste zu geben. Wozu dieser unheimliche Lurus? Ich brauche jnein Geschmeide nicht. Sage ein Dort und ich werfe alles von mir". „Welche Großmuth! Aber dein Opfer ist nicht nothwendig. Uebrigens — wäre» was du fürchtest, wahr, glaubst du, daß deine Tiauianten mich retten könnten? Behalte Alles — jetzt wenigstens noch. Du hast nur theilweise Recht. Ich bin allerdings sorgenvoll — Friederike, gibt mir zu denken". „Uysere Tochter?" „Was will das seltsame Ding? Seitdem sie verheirathet, ist's. als habe sie ihr Leben begraben. Diese unheimliche Narrheit fängt an, mich zu quälen". „Macht dir dein Gewissen Vorwürfe?" „Ich verstehe dich nicht". „Bist du an diesem verfehlten Leben schuldlos?" „Was meinst du? Ich wollte das Glück meiner Tochter". „Hast du üe auch gefragt, ob das, was b u Glück nennst, auch für s i e Glück ist?". „Sie ist Gräfin!" „Aber mtt welchem Opfer!". „Habe ich sie zurTaufe schleppen lassen?. Sie hatte ihren freien Willen". „Den Willen eines Kindegegenüber einem harten Vater. Ich wußte, daß es so kommen werde". „Was meinst du mtt diesem schmerzlichen So, die Welt beneidet sie". „Aber sie hört von ihrem Manne tagtäglich den Vorwurf ihrer Abstam mung und das in den gem einsten Ausdrücken. Du solltest mit ihm reden". „Das kann ich nicht, aber mtt Friederike möchte ich sprechen". „Willst du das nicht mir überlassen. Das Wort einer Mutter ist hier besser am Platz. Ich habe Friederike beobachtet und ich fürchte — —. „Mache das später ab. Jetzt muß i ch mit ihr reden. Ich bitte dich, rufe sie zu mir". „Ich thue es ungern". Die Frau geht. He« Goldenthal durchmisst mehrmals in größter Aufregung den Salon und tritt dann vor den Spiegel: sein? Tochter kommt — wie mag er aussehen? Wundersam, man sieht ihm nichts an; er sieht aus wie gewöhnlich, etwas überwacht, das ist Alles. Friederike ist eingetreten. Sie ist bleich, wie ihr Vater, der ihr entgegen geht und die Hand reicht. Kalt liegt die schmale vornehme, Fraurnhand in der seinigen. Er führt sie zu einem Divan, sie dankt ihm. „Sie wünschen mit mir zu sprechen, Vater?". „Ja, setze vich zu mir, mein Kind. Hat deine Mutter recht gesehen — du bist nicht glücklich?". „Wollen Sie mein Glück zum Gegenstände unserer Unterredung machen, dann bttt' ich: brechen wir ab. Wir würden uns doch nicht verstehen". „Ein schmerzliches Wort von ein« Tochter zu ihrem Bat« gesprochen". „Lassm wir daS. . . . WaS haben sie mir zu sagen?".!

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