Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 2 (8.1.1892)
- Date
- 1892-01-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020902--01034-3025052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oestrrrrichische Wochenschrift . Seite äö Nr. s „Ich muß dir zumuthen, deine Aufmerksamkeit Verhältnissen zuzuwenden, die für Frauen wenig erquicklich find. Du weißt, in welchen Verhältnissen du aufgewachsen bist. Du hättest unter den Söh. en unserer Stammesgenossen aus den reichsten wählen können, er wäre dir sicher gewesen. Aber das jüdische Vermögen steht auf schwachen Füßen, es kann über Nacht vernichtet werden und mit dem Reichthum ist beim Juden Alles hin: Stellung, Ansehen, Ehre. Der arme Jude ist noch der Paria wie vor Hunderten von Jahren. Davor wollte ich mein Kind schützen, und darum habe ich dir den Grafen gegeben, wenn auch mit Aufopferung deiner Religion, von der du ja ohnedies nicht viel wußtest, deren Hingabe dir also nicht gar zu schwer werden konnte. Meine Anschauung von der jüdischen Größe ist nun leider an mir selbst zur Wahrheit geworden. Friederike, mein Kind, ich bin ruinirt". Herr Goldenthal wischte sich mit seinem Taschentuche den Schweiß von der Stirne, den ihm diese Demüthigung kostete. Aber die Tochter sitzt kalt und .gleichgiltig ihm gegenüber und ruhig fragt sie: „Und warum kündigen sie mir das an?". „Weil noch eine Hilfe für mich möglich wäre, die ich suche, nur um deinetwillen, um der Ehre des Manneswillen, der mich zum Schwiegervater hat. Friedrike, du kannst mich retten!". „Ich?". „Du allein! Dein Mann ist reich-Was ist dir? Warum zuckst du so zusammen? Was starrst du mich so an?. . . . „Dein Mann ist reich, du bist schön, er wird dir geben".- „Also das war es, das!. Ich soll zu meinem Manne gehen und ihm sagen: Gib mir dein Geld, du bist reich und ich bin schön und dein Geld ist mein Preis. Gib mir's, es ist für meinen Vater, mein Vater ist ruinirt. . . . Himmel erhalte mich bei meinem Verstand, daß ich nicht wahnsinnig werde! Ein Vater verlangt von seiner Tochter, eine solche Erniedrigung! Sie sagten, mir den Grafen zum Manne gegeben zu haben, um mein Geschick vor den Wechselfällen der jüdischen Größen zu bewahren: ich weiß Ihnen keinen Dank sür diese Fürsorge. Sie haben damit nur mein Lebensglück zerstört. Ich höre jeden Tag von meinem Manne den Vorwurf: Jüdin, charakterlose Jüdin, die um eines Titelswillen das Heiligste des Menschen verlengnete. Und nun soll ich noch als Bettlerin für diesen Vater vor meinen Mann treten? Ich wäre es nicht im Stande, wenn mein Mann Millionen besäße. Aber wenn ich schon durch die erste Charakterlosigkeit, init der ich mir meinen Mann erwarb, zu jeder Charakterlosigkeit fähig wäre: was nützt Ihnen dieser Bettel für Sie bei meinem Manne? Mein Mann hat nichts zu geben, kann nichts geben". Herrn Goldenthal fuhr ein Schauer durch alle Glieder. ,^ann nicht, sagst du, und die halbe Million, die er erst vor einigen Monaten von mir bekommen?". „Glauben Sie, daß er sich zur Jüdin herabgelassen hat, aus Liebe zu ihr? Meine Mitgift heirathete er, um damit seine häßlichen Schulden zu zahlen, und er sieht in mir nichtmehr als die reiche Erbin, auf die hin er neue Schulden machen kann. Nun ist er der Betrogene Betrüger. Wissen Sie, mein Vater: dasselbe, was sie jetzt von nur fordern, hat er vor einer Stunde von mir gefordert und mir gedroht, wenn ich nichts ausrichte. In dem Augenblicke, da er erfährt, daß Sie ruinirt sind, bin ich das unglücklichste Weib". „Ist also keine Rettung möglich, rang Herr Goldenthal verzweifelt die Hände". „Doch Sie sagten, daß Sie nur das Glück Ihres Kindes wollten: nun ich bin nicht glücklich in dem Luxus, der mich umgibt, bei dem Namen den ich trage; ich würde mich aber überglücklich fühlen, wenn auch in den ärmlichsten Verhältnissen meinem Stamme wieder anzugehören und ihn stets bekennen zu können. Vater, wenn Sie nur das Glück Ihres Kindes wollen, so ist Ihr Ruin Ihre Rettung, denn er befreit Ihr Kind von dem unerträglichen Joche, in das ich geschmiedet wurde. Noch heute verlasse ich meinen Mann und bekenne mich wieder zum Judenthume". Am nächsten Tage meldeten die Blätter den Zusammensturz des Bankhauses Goldemhal und in einer weiteren Notiz, daß Graf.. der jüngst die Tochter des Herrn Goldenthal geheirathet, sich wegen seiner ungeheueren Schuldenlast, eine Kugel durch den Kops gejagt hat. Briefkasten. Für die unglücklichen russischen Juden sind uns zugekommen: Von Frl. Malvine Zwieback als Resultat einer Sammlung bei einer Sylvestergesellschaft fl. 37.— Wochrnkalrnder. Wochen- Jänner 1892 Theweth 8652 Kalender Freitag . 8! 8 Samstag 9 9 Sonntag 10 10 Montag 11 11 Dienstag 12 12 Mittwoch 13 13 Donnerstag 14 14 Freitag 15 15 CONCÜRS. Für den neuerbauten israelitischer» Tempel im IX. Bezirke. (Müllergasse 21) gelangt die Stelle eines Predigers zur Besetzung. Bewerber wollen ihre Gesuche mit dem Geburtsscheine, dem Nachweise der ordnungsmäßig erlangten Doqtorswürde sowie der RabbinatSbefähigung und Angabe der Gehaltsansprüche bei dem g fertigten Vorstände längstens bis IS. Februar 1892 einbringen. In dem Gesuche, in welchem der Lebenslauf zu beschreiben und der Familienstand zu erwähnen ist, wolle der Bewerber die EMSrung abgeben, daß er eventuell zur Probepredigt bereit sei; die Reisespesen werden nur dem Acceptirten ersetzt. Wien, 10. December 1891. Der Vorstand des BethauSvereineS im IX. Bezirke in Wim. CONCTTRS. Bei der israelitischen Cnltnsgemeinde in Boskowitz ist die Stelle eines Bezirksrabbiners ltir die Cultnsgemeinden Boskowitz und Zwittan mit dem Amtsitze in Boskowitz zu besetzen. Mit diesem Posten ist ein Jahresgehalt von 800 fl. und 400 fl. für Ertheilung des Beligionsunterrichtes nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten verbunden. Die Functionen in der Cnltnsgemeinde Zwittau werden separat honorirt. Bewerber wollen unter Nachweis der österreichischen Staatshäsgarsebaft und der in der Verordnung des Ministers lür Cullus und Unterricht vom 30. Juni 1891 Z. 21707 ex 1890 erforderlichen all gemeinen Bildung ihre gehörig documentirten Gesuche bis längstens lö. Jänner 1892 bei der gefertigten Cnltnsgemeinde einbringen. Isr. Cnltnsgemeinde. Boskowitz, am 14. December 1891 Kundmachung. Bei dem Eomitä zur Heranbildung israel. KraukeuPflegermÄe» (VII. Sectio« des Eentralvereines jüdischer Angelegenheiten) find mehrere Posten für Krankeupslegerinn» n zu besetzen. Mädchen oder kinderlose Frauen jüdischer Confesfton welche sich diesem Berufe widmen wollen, werden hiemit aufgefordert, bei der gefertigten Sectionsleitung ihre Gesuche, belegt mit ihrem Geburts- und Wohloerhaltungszeugniss», sowie einem ärztlichen Zeugnisse über ihren Gesundheitszustand zu überreiche»». Die aufgenommenen Krankenpflegerinnen werden von der Section verpflegt und erhalten überdies freie Wohnung und Kleidung und sobald sie in die praktische Ausübung ihres Berufes treten, auch einen monatlichen Lohn, der nach der Dienstdauer bemessen wird. Die Instruction und Geschäftsordnung für die Krankenpflegerinnen kann Jedermann bei der gefertigten Sectionsleitung gratis erhalten. Für da» Counts zur Heranbildung isr. Kranke»' Pflegerinnen. Die Vorsitzende Julie Leiste», Prag, Lauge Gaffe Nr. 29 neu. Für Blutarme und Reconvalescente empfiehlt die Tokayer W einhaudlung1 Wien, K., Praterstrasse 13 ihre Tokay-Hegyalyer Original-Weine, chemisch untersacht ued fccgatachiet von hervorragenden medtoinisehen Oanecitdtea, so war krl Rath und Primararzt Bann Sr Albert (Sydry von Wddadvar in Wien und vom Speeiallat für Frauenkrankheiten Herrn Dr.Oarl Habit in Wien ete. Spoefaüitlten pon Tiacbwieea. Mm morodner Xedloinal- und Auabruoh-P ■■■ ert-Weine. verkauf in Flaschen und Gebinden. versandt gegen Nachnahm?. Preisliste gratis und franco» Glasweiser Aasschank: Wien, 1L, Praterstrasse 13 „Lloydhof'4. Stutzflügel, Flügel, Pianinos und Haminhn neu und ahmyiilt, werden verkauft, gegen neue umgetauscht, anch gegen Ifcur- »aWnwg gekauft; 800 Stflek iMt vorrithig. BEMUlMNfc KON* Oaefcr-Fabrfk, Wien, Himmelpfo rtgasse Nr. 20, im Haue. — Pnialklangvelir