Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 2 (8.1.1892)
- Date
- 1892-01-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr S Oryrrreirtzikchr WochesfcheM. Sette 81 Schon unter Augustus kann der Arme, Kmnilior, den Wohlhabenden, honestior, nicht mehr vor Gericht klagen. Seit den Airtoninen gibt es zweierlei Justiz für dasselbe Verbrechen: Der Reiche wird blos oeportirt, wo der Arme gemartert wird; der Reich; darf nicht gegeißelt werden, der Arme bis;u Tode. Constanlin, erst dem Namen nach Christ, befiehlt, daß der Richter vorzugsweise auf das Zeugnis eines honestiors achten solle und seine ihm gleich gearteten Söhne erlassen ein Reskript, worin.sie sagen: „Mögen nie Diejenigen, welche mit dem Unrath der Arbeit befleckt sind (omni officiornm faese', es wagen, Würden anzustreben, auch wenn sie sie verdienen; mögen sie stets in ihrer Stellung verbleiben. Dabei ist der Wucher, dieser Freiheitsbrief, diese Magua Charta des mobilen Kapitals, unantastbar im Römerreiche; regelmäßig verdoppelt sich binnen drei Jahren jedes geliehene Geld. Milliarden sammeln sich wie heutzutage in der Hand einzelner Menschen". Das ist nun gewiß sehr schön. Aber ebenso interessant wäre es wohl gewesen, wenn Prinz Liechtenstein von jenen Clarissimi erzählt hätte, die er seine Ahnen nennt, und davon, wie sich ihren Besitz erworben; oder davon, wie besagte Ahnen die ImwiÜvrss behandelten; oder von den in die Millionen gehenden Kirchengütern; oder davon, wie diese Kirchengöter entstanden. So ein Sprung über ein Dutzend und mehr Jahrhunderte ist doch etwas gar zu bequem. Warum nichts von dem „herrlichen" Mittelalter erzählen, in das Liechtenstein seine Wähler so gern versetzen möchte? Oder hat Prinz Liechtenstein in Kalksburg die Geschichte des Mittelalters nicht gelernt? E.B.Wien. (Das verjudete Consularcorps)- Dez edlen antisemitischen Strauchritters (Verganis) Hetzorgan „D. V." fuhrt bitterböse Klage, daß die österreichisch-ungarische Monarchie in den größten Handels Plätzen der alten und neuen Welt fast durchwegs durch jüdische C o n s u l e vertreten ist und bemerkt in wehmütigen Tone, daß 49 Plätze unbesetzt sind, w e i l es wahrscheinlich an dem n ö t h i g e n Nachschub aus dem „a u s e r w ä h l t e n Volke fehlt. Das „D. V." Bolksblnrt citirt die jüdischen Consulen mit Namen: „In Berlin durch Hansemann, in Frankfurt a. Dl. durch Rothschild, in Köln durch Oppenheim, in Paris durch Rothschild und dessen Stellvertreter Oesterreicher, in London durch Rothschild, in Manchester durch Sigismund Cochen, in Liverpool durch Heinrich Kohen, auf der Insel Malta durch Arthur Cohn, in Brüssel durch Rafael Bauer, in Rio de Janeiro durch Alfred Mayer und in Buenos-Ayres durch Cmanuel Salzberg, in Stockholm durch Eduard Frankl, in St. Petersburg durch Wilhelm Pollitz, in den deutschen Ostsee-Provinzen Kurland, Esthland und Livland durch F. W. Rosenkranz, John Elfenbein und Moritz Lübeck, in Rumänien durch Rudolf Wodianer in Giurgevo, Earl Gsiller in Galotz» Elias Zagorski in Fockschan und Franz Jellinek in Schumla. Die Balkan-Halbinsel ist überhaupt reich mit jüdischen Vertretern bedacht; so fungirt in Philippopel für ganz Ostrumelien als General-Consul Julius Abramovich. In Eonstantinopel ist der getaufte Jude von Ealice Botschafter; nebstdem sind im osmanischen Reiche: in Aleppo Moise Picciatto, in Samsun Lucas Petrovich, in Bengasi Francesco Petrovich, in Jerusalem Anton Strantz, in Jaffa Jacob Paskal und in Sint Elias Bistiai. Durchwegs Juden, die meisten wurden geadelt (!) und nennen sich „Freirru" oder „Ritter v)n". Das Kaiserthum Marokko ist von Seile Oesterich-Ungarns mitfolgende n jüdischen Consular-Agenten beglückt worden: Isaak L. Ben Shetou für Arzila. Daniel Madden für Mazagan Rüben Elmalek für Mogador und Rafael Venator für Rabat. Von unter britischer Oberhoheiten stehenden Plätzen wären noch folgende Juden zu erwähnen: in St. Helena vertreten durch Saul Salomon, in Kimberley durch Julius Pam Isaak und in Singapore durch D. Brandt. Nach der vom k. nnd k. Ministerium des Aeußern veröffentlichten letzten „Uebersicht des gegenwärtigen Standes und der Amtsbezirks-Eintheilung der k. u. f. österreichisch-ungarischen Eonsular-Aemtec im Auslande" sind nicht weniger als 49 Plätze unbesetzt, wahrscheinlich fehlt es an dem nölhigen Nachschub aus dem auserwählten Volke."- Solcher Art wird gegen die österreichischen Vertreter im Auslande gehetzt, ihr Ansehen und ihr Einfluß herabzuwürdigen getrachtet. Um die Interessen eines Großstaates, wie Oesterreich- Ungarn mit Erfolg wahrzunehmen und würdig zu repräsentiren gehört aber eminente Befähigung und makelloser Ruf. Soll unser auswärtiges Amt die Consulen etwa aus dem Kreise der antisemitischen Stampiglienfälscher oder verkrachter Gewerkebesitzer (Schneider-Vergani) wählen? E. B. Wien. (Das a nt isem itische Deutsche Bolksblatt gegen jüdische Industrielle.) Das antisemitisch- Hetzorgan „Deutsches Volksblttt" brachte jü-igst ein „E i n g e s e n d e t" einer gleichgesinnten Arierin, in welcher dieselbe Beschwerde führt, daß sie von den Industriellen; Herrn Ludwig Baumann, Kinderwagen- und Korbmaren-Fabrikanten Seidengasse hinauscomplimentirt wurd', weil derselben nach langer Wahl nichts convenirte, da die O.nalität der Ware ihr nicht entsprach. Nachdem die Solidität obiger Firma außer Frage steht, so ließen wir uns die Mühe nicht verdrießen, zu rccherchiren und haben nachstehenden Sachverhalt erfahren: Herr Baumann versichert, daß der Arierin, welche er mit der jeder Kunde gebührendeil Zuvorkommenheit bediente, nach stundenlanger Besichtigung keine der zur Auswahl vorgezeigten Waaren gefiel. Allein nicht dieser Umstand, welchen kein K n mann berücksichtigen darf, sondern die tendentiöse Art und malltiöse Manier der Käuferin die, ersichtlich gar nicht die Absicht hatte zu kau en, haben ihn bestimmt, derselben das Ersuchen zu stellen, ihni init weiteren Besuchen zu verschonen, einen Vorgang den er und jeder Kan'mann aus Rücksicht für seinen Geschäftsbetrieb und für seine kostbare Zeit gegenüber allen derartigen Käufern beobachten muß. Auf die Frage, weshalb Herr Baumann n'cht berichtige, bemerkte derselbe, rr halte die ganze Sippe des „D e u t s ch en B o l ks b la t t" nicht satisfactionsfähig und nicht würdig milder selben in Berührung zu kommen. Zur Characteristik, wie das „Deutsche Volksblatt" den Zweck der „Eingesendet" auffaßt, dient wohl die Thatsache, daß Herr Baumann von der Redaction dieses Blattes, nachdem ihm vorher die betreffende Nummer unter Kreuzband eingeseudet worden war, telephonisch in frozelndem Tone angefragt wurde, ob er das „Eingesendet" gelesen uud was er dazu sage, worauf Hen Baumann die unter den gegebenen Umständen einzig richtige Antwort ertheilte, er betrachte das „Eingesendet" als die brste Reclame für sein Geschäft, dessen Renomee von einem Organe im Kaliber des „Deutschen Volksblatt" nicht tan irt zu werden vermag. E. B Wie» (Concurrenz der arischen Firma Brüder Israel contra der jüdischen Mühlenbaufirma Veits Nachfolger, Emil Pollak in Wien.) Die Firma Brüder Israel in Wien ist arisch. Sie behauptet, daß deren Ahnen als Arier vor Jahrhunderten schon aus Sp.mien emgewandert sei» sollen. Herr Emil P o l l a k dagegen ist ein Jstcke, gutjüdischer Eltern Kind, der seinem Glauben treu ist und bleiben will. Die Brüder Israel sind sehr reiche Leute. Herr Einil Pollak' dagegen ein Anfänger, der sich durch eigenes Talent, durch Fleiß, Solidität in überraschend kurzer Zeit einen klangvollen Namen und gutes Renomme auf dem Gebiete des Mühlenbmes erworben. Den Brüdern Israel ist in Herrn Emil Pollak eine empfindliche Concurrenz dadurch erwachsen, daß die Fabrikate Pollaks denen der Brüder Israel nicht nur nicht nachstehen, sondern in mancher Richtung weit übertreffen und vor gezogen werden sollen. Um nun der lästigen Concurrenz zu begegnen, beobachteten die Brüder Israel die Taktik, sich bei C h r i st e n, als gut arisch zu geriren und auf ihr Jahrhunderte altes Patent als Arier hinzuweisen. Den jüdischen Müllern in Ungarn, namentlich denen in Galizien gegenüber geriren sich die Brüder Israel aber als Juden, was denselben im Hinblick auf den semittschen Namen freilich in allen Fällen leicht gelingt. Wir haben uns zur Darstellung des Sachverhaltes und des Doppelspieles deshalb veranlaßt gesunden, weil die Finna Brüder Israel antisemitischer Gesinnung ist, ostentativ keinen Juden als Arbeiter oder Bediensteten in ihr Arbeitsetabliffement aufnimmt und uns verpflichtet hdlten, den zahlreichen jüdischen Müllern eine Aufklärung zu geben. Wien. Dem Mechanikus Schneider wurde vor einigen Tagen die ihm gewiß seltene Ehre zu Theil in der Hauswirth'schen Restauration in der Praterstraße, durch eine spontane Ovation überrascht zu werden. Es war am 86. d. M. abends als der Abgeordnete Schneider beim Hauswirth nichts ahnend inkognito saß und sein Nachtmahl verzehrte. Plötzlich trat einer der Stammgäste des Hauswirch'schen Gasthauses aus Schneider zu