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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-08 · 2 (8.1.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
2 (8.1.1892)
Date
1892-01-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«SSettr 98 Oesterretchrfche^WochrnfchrM. Nr. 9 Herr Banratz v. Goldschmibt stellt folgenden Antrag; -DaS Abncküstratro-Eomite wird beauftragt, über die weitere promsorische Verwaltung der 8 nunmehr einverleibten Cultusgemeinden bis zur definitiven Regelung der Cultusoerhältnifst im jetzigen (erweiterten) Gebiete Wie» pracise Vorschläge zu machen. Dieser Antrag wird angenommen." Nach Erledigung einiger Currentien wird die Sitzung um 13 Uhr Mittags geschlossen. Dr. Gustav Lohn, nieverösterreichischer Landesfchulrath. K8. Men, im Jänner. Die „Wiener Zeitung" vom 1. d. M. brachte die kaiserliche Entschließung, derzufolge der hiesige Hof- und Gerichts- Adoocat Herr Dr. Gustav Kohn zum Mitgliede des nieder- Lsterr. Landesschulratzes von Sr. Majestät dem Kaiser für die nächste dreijährige Functionsdauer ernannt worden ist. Diese kaiserliche Ernennung hat in der gesammten großen israelitischen Eultusgemeinde die lebhafteste. Befriedigung hervorgerufen. Dr. Kohn ist seit vielen Jltzren Vertreter der isr. Eultusgemeinde Wiens, zu deren besten, fleißigsten Mitgliedern er unbestritten zählt. Im Vorstände der Eultusgemeinde hat sich Dr. Kohn mit Vorliebe den Schulfragen zugewendet. AE Reorganisator des jüdischen Religionsunterrichtes, dessen Reformbedürftigkeit sich lange genug fühlbar machte, hat er sich hohe unleugbare Verdienste erworben. Als Obmann der Schulsection hat sich Dr. Kohn in allen das Schulwesen betreffenden Angelegenheiten Vertrautzeit und Versalität angeeignet, die demselben die Eignung verleihen und die Befähigung geben, seinem verantwortungsvollen Amte zur allseitigen Zufriedenheit vorzustehen. Es herrscht daher nur eine Stimme in der Eultusgemeinde Groß-Wiens, daß der Euttusoorstand mit der Nominirung Dr. Kohn's eine glückliche Hand hatte und daß die Wahl keinen Würdigeren, Besseren und Befähigteren treffen konnte. Wir legen jedoch der Ernennung Dr. Kohn's zum Limdesschulratze noch eine besondere Bedeutung bei. Erft jüngst hatten wir Veranlassung, uns mit den antisemitischen Pädagogen Wiens des Ausführlicheren zu beschäftigen, die tiefen Mlchtzeile. welche der jüdischen Schuljugend durch die antisemitische Lehrerschaft der Reich Haupt- und Residenzstadt erwachsen, zu schildern und die Beeinträchtigung darzutzun, welche der Unterricht, die didacüschen und pädagogischen Erfolge und in letzter Linie die Erreichung des Lehrzieles erfahren muffen, wenn in Schulen, die in der Mchrzahl von jüdischen Schülern besucht werden, vom gemeinsten Racenhaffe erfüllte Lehrkräfte wirken. Niemals hätte in der Capitale des Reiches der Antisemitismus derartige Dimensionen anzunehmen vermocht, wmn die oberste Landesschulbehörde rechtzeitig und nut vollster Entschiedenheit gegen jenes das Gemüth der Jugend verderbende politische Treiben Verwahrung eingelegt hätte. Wir hoffen, keine Enttäuschung zu erleben, wenn wir der zuversichtlichen Erwartung Raum geben, daß es dein neuernannten Landesschulrath Dr. Kohn gelingen werde, hier Wandel zu schaffen. Freilich dürfte es ihm kaum möglich sein, der anttsemitischen Hydra mit einem Hiebe den Kopf zu kürzen. Ein Uebel, das durch ein Jahrzehnt fortwuchert, den Organismus ganz inficirt hat läßt sich Mer Nacht eben nicht curiren. Allein der Hoffnung darf man sich hingeben, daß es Dr. Kohn zumindest gelingen werde, dem weiteren Ausgreifen des Judenhasses in der Lehrerschaft Wiens Einhalt zu tzun und allmälig, aber unentwegt auf dessen gänzliche Beseitigung mtt allen zu Gebote stehenden Mitteln hinzuarbetten. Daß Dr. Kohn dies dankbare Ziel stets im Auge btzalten und ohne jede Rücksicht verfolgen wird, dafür bieten uns seine Antecedenzien genügende Bürgschaft. Er besitzt Ruhe und sachliche Begabung, gepaart mtt Willensstärke und Eharatterfestigkett. sind fader Servilismus nach Oben und niedrige Popularitätshascherei nach Unten fremd. Seine Humanitären Bestrebungen verfotzen nur das eine Ziel, das Judentzum nach Verdienst geachtet zu machm und seine Glaubensgenossen von der Schmach, welche ihnen das „fin du sifecle“ zugefügt, zu befreien. Dem neuernannten Vertteter der Judenschaft Wiens und Niederösterreichs im Landesschulrathe, Dr. Kohn, wird aber auch das Bewußtsein Kräftigung in seiner Amtswirksamkeit verletzen, daß er in den auf die Ausmerzung des Antisemitismus in der Lehrerschaft hinzielenden Bestrebungen Bundesgenossen in dem Kreise seiner illustren Amtscollegen finden wird. Alle die neuernannten Schulräthe, Domscholaster Propst Dr. Mar sch all, Oberkirchenratz Dr. Witz-Stöber, Universitätsprofessor Dr. Schenkl, Professor der Technik Dr. Finger und Bürgerschuldirector August Hofer bieten durch tzre hervorragende Stellung und ttefe Gelehrsamkett vollste Gewähr, daß sie gerne die Hand dazu bieten werden, Wien, die altgepriesene Wettstadt, von dem Schandflecke des Anttsemttismus zu befreien. Wenn etwas noch geeignet sein konnte, die Popularität Dr. Kohns zu erhöhen, so könnte es nur durch eine intensive und extensive Wirksamkeit in angedeutetem Sinne sein. Der üefften Dankbarkett der Ettern und Pflegebefohlenen, der Tausende jüdischer Kinder, die durch den Antisemitismus in den Wiener Schulen schwer zu leiden haben, darf sich Dr. Kohn versichert halten. Die Agava der Palaestinenstschen Amoräer. *) (Besprochen von Dr. D. Feuchtwang). Wer Wilhelm Bachers „Agada der Babylonischen Amoräer" und „Agada der Tannaiten" kennt, der wird mit der Agada der Palästinensischen Amoräer desselben sich vertraut machen müssen. Vor kurzer Zeit versuchte jemand in den Spallen dieses Blattes die Agada überhaupt in ihrem Wesen zu beschreiben. Nichts ist schwerer als dies und es ist fast vergeblich eine stichhaltige Definition zu wagen. Wer sie kennen lemen willmuß sich liebevoll in ihr Studium vertiefen. Bacher hat das räumlich, zeitlich und sachlich gleich umfangreiche Gebiet der Agada in ein System gebracht und das ist keine leichte Arbeit. Wer jemals in die beiden Talmude und deren agadistische Bestandtheile Einsicht genommen hat, der weiß, wie schwer es ist, die überaus zerstreuten Aussprüche der einzelnen Gelehrten zu sammeln und, wenn sie mit Mühe gesammelt sind, sie, von bestimmten Gesichtspuncten ausgehend, zusammenhängend darzulegen, so daß ein klares Gesammtbild gewonnen werden könne. Wahre Bienenemsigkeit ist erforderlich, diese Arbeit zu leisten und feines Taktgefühl geeint mit Scharfsinn vonnöthen, in eine confuse Masse vieler tausende von Sprüchen solche Ordnung zu bringen, daß die auf conträrste Dinge sich beziehenden Aeußerungen rund und klar sich aneinanderfügen. Die Persönlichkeit der Autoren ttitt aus den überlieferten agadischen Aussprüchen — und diese erörtern alles, was göttlich und menschlich ist — plastisch hervor. „Durch diese erstmalige Feststellung des noch auffindbaren agadischen Nachlasses der verschiedenen Tannaiten und Amoräer sollte ein gleichsam inttmerer Einblick in die Gedankmwelt dieser Männer, der führenden Geister des Judenthumes durch eine Reihe von Jahrhunderten, gewährt, tzre Jndividualttät genauer umgränzt, ihr Antheil an dem Wachsthum der agadischen Ltteratur nachgewiesen werden." Dieses Ziel ist von Bacher vollkommen erreicht worden; ebenso wie er dm in der Einleitung zur „Agada der babylonischen Amoräer" gestellten Aufgaben stets getreu blieb. Ganz besonders muß die von Bacher oft betonte, so wichtige Auffassung eingeschärft werden, daß Agada „vor Allem Schriftauslegung" ist, daß „der bibelexegetischen Seite" der Agada beim Studium die größte Bedeutung zuerkannt werden müsse. So kommt es, daß, wie Bacher in der Vorbemerkung zur „Agada der Tannaiten." sagt: „jedes Capitel zugleich ein Capitel aus der Geschichte der alten jüdischen Exegese und Homiletik" geworden ist' *) Die Agava der Palästinensischen Amoräer. Erster Band. Vom Abschluß der Mischnah bis zum Tode Johanans. (330—279 nach der gew. Zeitrechnung) von Dr. Wilhelm Bacher. Straßburg i.E.Trübner 1892.

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